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Politik & Aktuelles

Billige öffentlich-rechtliche Propaganda mit Anja Reschke und einem alten Professor

17. Mai 2020

„Bislang machen wir diese ganzen Beschränkungen alle mit, weil wir Vertrauen haben, dass die Regierung das zum Wohl von uns allen entscheidet“, lautet die Eröffnung Anja Reschkes zu ihrer After-Corona-Club-Besprechung vom 29.4.2020. Die Sendung ist hier abrufbar:

https://www.ndr.de/fernsehen/After-Corona-Club,sendung1038248.html

(von Alexander Kohlhaas)

„Wir“ haben also Vertrauen in die Regierung, weil sie das zum Wohl von „uns“ allen entscheidet. Damit verbietet sich gleichzeitig jegliche Kritik an ihr, denn schließlich sind alle Entscheidungen der Regierung ja zu unser aller Wohl. Diese Art des Framings ist sehr trivial und schnell zu durchschauen, denn der Öffentliche Rundfunk beherrscht noch deutlich effizientere und schwerer zu durchschauende Methoden des Framings. Doch in dieser Sendung sollte es bei dieser trivialen Form des Framings bleiben.
Das Triviale findet seinen Höhepunkt gleich zu Beginn, wenn Reschke danach fragt, welches politische System – also China, Deutschland oder Trump – eigentlich am besten durch eine solche Krise komme. Das derzeitige politische System der USA wird als „Trump“ bezeichnet, China und Deutschland allerdings nicht als „Xi Jinping“ oder „Merkel“. Reschke braucht sich keine Mühe mehr mit diffamierenden Kommentaren über Trump zu machen, denn schließlich sind die Zuschauer doch schon seit Jahren geimpft worden, was sie von Trump zu halten haben.

Übrigens: Wussten Sie, dass Schutzimpfungen fürs Hirn auch für den Klimawandel eingesetzt werden sollen?

Zurück zum Thema: Reschke lädt alle Zuschauer herzlich ein, online mitzudiskutieren. Obwohl: Sollte die Diskussion nicht tatsächlich in den Studios oder per Schalte zwischen Experten abgehalten werden, die unterschiedlicher Meinung sind? Wie oft haben Sie Professor Sucharit Bhakdi, thailändisch-deutscher Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie und ehemaliger Leiter des Mainzer Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, gemeinsam mit Dr. Wodarg, ehemaliges Mitglied des Bundestags, Internist, Pneumologe, Sozialmediziner, Arzt für Hygiene und Umweltmedizin, langjähriger Leiter eines Gesundheitsamtes und Initiator der Untersuchungen des Europarates zur Pandemie H1N1 2009/10, bei denen die Rolle der WHO und der Impfstoffhersteller überprüft wurden, streiten sehen? Wie oft konnten Sie die beiden Fachexperten in Talkshows des Öffentlichen Rundfunks gegen Professor Drosten oder Professor Lauterbach streiten sehen? Fachexperten, die ihre Meinung deutlich gegen die eines Professor Drosten positionieren, dessen „Arbeitgeber“ von Bill Gates unterstützt wurde und der 2010 schon zur dringenden Impfung gegen Schweinegrippe aufgerufen hatte?

Würde Sie es nicht auch interessieren, wenn die Fachleute mit ihren Meinungen um die richtigen Schlussfolgerungen stritten? Wäre es nicht spannend, wenn ein Wodarg und Bhakdi, die sich strikt gegen die merkelsche Politik gewendet haben, auf Drosten und Lauterbach träfen? Wenn dazu noch ein Dr. Köhnlein eingeladen würde, der den Nobelpreisträger und Erfinder der PCR-Tests Kary Mullis noch persönlich kennenlernen konnte? Der Mullis, der die PCR- Methode als nicht geeignet ansah, Viren nachzuweisen? Würde der Öffentliche Rundfunk dadurch seinem Auftrag nicht erst gerecht, „einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten und so zu einem funktionierenden demokratischen Gemeinwesen beizutragen“? Oder sollen solche strittigen Punkte nicht öffentlich diskutiert werden, weil eine solche Diskussion die merkelsche Politik konterkarieren würde? Oder hält man das Volk insgesamt für zu dumm, sich mit diesen Themen ausgewogen befassen zu können? Bleibt man deshalb bei der Hofberichtserstattung à la Reschke?

In ihrem weiteren Gespräch mit Professor Münkler, der auch schon Steinmeier als Außenminister beraten hatte, bemerkt sie, dass er sich auch während dieser Krise mit der Bundeskanzlerin, einer Naturwissenschaftlerin, austausche. Das zart eingesetzte Wort „Naturwissenschaftlerin“ wird bei den Zusehern tendenziell eher positive Frames hervorrufen. Welche Bezeichnungen wohl für Trump und Putin herhalten müssen? 

Nach belanglosem Gerede und der besonderen Erkenntnis, dass wir nach der Krise nicht mehr dieselben sein werden wie vor der Krise, stellt Münkler die Frage in den Raum, ob wir die Lieferketten nach der Krise denn so beibehalten wollen. Ist das „Germany first“? Wie sehr hatte man diese Politik unter Trump noch kritisiert? Holt man sich mit der Verlagerung von Produktionen zurück nach Deutschland nicht auch wieder einen erhöhten CO2-Ausstoß ins Haus? Sie wissen schon, das böse Gas, das Greta, im Gegensatz zu uns allen, sehen kann! Münkler, der alte Mann, spricht von einem zweiten Typ der Politik, nämlich „hemdsärmelig auftretenden älteren Männern, also Putin Trump, Bolsonaro, andere, die vielleicht nicht viel wissen, aber mit dem Gestus auftreten alles zu können“ (Reschke lacht). Sie handelten mit dem Gestus „Macht mal schön, was ich Euch sage und alles wird gut!“ Um alles zu können, wüssten sie allerdings zu wenig und ließen sich nicht beraten. Als ob Trump und Putin beratungsresistent seien. Und dann gäbe es das Modell, das bei uns zur Anwendung käme. Bei uns würde sichtbar gemacht, welche Expertise welcher Epidemiologen, Virologen oder Ökonomen präferiert würde. Die Regierung versuchte, das den Leuten zu erklären und die Menschen in einer transparenten Form in die Beobachtung einzubeziehen. „Wir geben als Regierung bestimmte Sachen vor, aber Ihr müsst dann aus eigener Einsicht und Vernünftigkeit das umsetzen“, erklärt der merkelberatende alte Professor.

Andere Regierungen, wie die Chinas, handelten nach dem Motto: „Ihr haltet die Klappe, wir machen das schon!“

Worin liegt der Unterschied zwischen den beiden letztgenannten Imperativen? Handelt Merkel anders? Was meint sie mit den von ihr benannten Öffnungsdiskussionsorgien, die sie stören? Orgien, also Feiern der Lust, um endlich wieder öffnen zu dürfen? Weil Menschen offenbar nur ihre Läden öffnen wollen, weil sie sich in ihrer Lust sudeln möchten? Die Frau Bundeskanzlerin, die Naturwissenschaftlerin, braucht sich um ihre Einkünfte ja auch nicht weiter zu sorgen. Denn ihr Einkommen ist gesichert, wie das ihrer Personenschützer. Sie braucht sich nicht in einem Mittelständler hineinzuversetzen, braucht sich keine Gedanken um Ladenmieten, vergammelte Waren, Kreditabzahlungen, schrumpfendes Eigenkapital und Zahlung an weiter handaufhaltende Institutionen zu machen. Kann sie es überhaupt? Narzisstische Persönlichkeitsstrukturen sind doch bekannt dafür, dass sie keine echte Empathie empfinden können. Der bekannte Psychoanalytiker Dr. Maaz, ehemaliger Chefarzt der Psychotherapeutischen und Psychosomatischen Klinik im Evangelischen Diakoniewerk Halle, bescheinigte Merkel ja bereits 2016 aus der Ferne, „dass Merkel ‚seelisch verpanzert‘ sei und eine ‚narzisstische Grundproblematik‘ habe“.

Wo ist der Unterschied zwischen einem russischen, chinesischen oder deutschen Polizeiknüppel, der den Schädel des Demonstranten trifft, weil er die Szenerie eben nicht nur beobachten, sondern für seine Grundrechte einstehen möchte? Wo ist der Unterschied zwischen einem russischen Bußgeld oder einem deutschen, nur weil der Einzelne der Maskenpflicht nicht nachkommen und diesen gesamtgesellschaftlichen Irrsinn nicht mitmachen möchte?

Für den alten Herrn Professor ist am Schluss wichtig, welches politische System als Sieger aus der Krise hervorgeht. Da haben wir wieder das für neurotische Strukturen typische Groß-/Kleindenken, das auch Sekten innewohnt. Wir sind besser. Wir sind größer. Wir sind mehr. Gehören Sie auch zum „Wir“?

Die Gehirne der Zuseher werden bereits nach wenigen Sekunden in den Alphawellenmodus umgeschaltet haben, der einem hypnotischen Zustand ähnelt. Sie hören dann nur noch einen älteren, ruhigen, sanft und leise sprechenden Professor, der Seriosität ausstrahlt und „unser“ politisches System mit den Worten Partizipation, Transparenz, Expertise, Einsicht, Vernünftigkeit, Erklären und Beobachten umschreibt. Dazu wird noch ein wenig Spaltung hineingewürzt und andere Systeme geschickt abgewertet, um unsere Überlegenheit zu framen – und fertig ist die allabendliche Propagandasoße. Das Schöne ist: Sie zahlen für Ihre Hypnose nur einen kleinen Rundfunkbeitrag an eine handaufhaltende Institution.