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„Ick bün allhier“: Greta jetzt auch Virusexpertin?

18. Mai 2020

Lange nichts mehr von Greta Thunberg gehört? Sie ist wieder da! Der US-Fernsehsender CNN hat die bezopfte Siebzehnjährige zu seinem Panel von Corona-Experten hinzugefügt. Sie wurde zu einem Interview zum Thema Covid-19 Pandemie eingeladen und gab dort die Coronavirus-Expertin. Der schwedische Teenager sitzt dabei gleichberechtigt neben hochkarätigen Vertretern der amerikanischen Gesundheitsbehörden und belehrt die Welt. Sie ermahnt die Jugendlichen, auf die Experten zu hören und auf niemanden sonst. Welche Experten damit gemeint sind, ist natürlich klar.

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Kennen Sie noch das Märchen vom Hasen und dem Igel? Sie wollten einen Wettlauf machen. Der Hase war sich sicher, das Wettrennen zu gewinnen, denn der Igel mit seinen kurzen Beinchen würde niemals mithalten können. Aber der Igel dachte gar nicht daran, ehrlich um die Wette zu laufen.

Und er schaffte es tatsächlich, mit einem fiesen Trick den Hasen nicht nur um seinen Sieg zu bringen, sondern ihn bis zum Umfallen aus Erschöpfung zu treiben. Er platziert nämlich seine ihm zum Verwechseln ähnliche Frau am Ende der Rennstrecke, läuft ein paar Schritte los, der Hase fegt davon, aber als er sich dem Ziel nähert, springt Frau Igel hoch und ruft „Ick bün allhier!“ (Ich bin schon hier!) Der Hase kann‘s nicht glauben und verlangt Revanche, doch es passiert immer wieder dasselbe, bis der Hase vor Erschöpfung zusammenbricht.

So geht es auch dem aufmerksamen Bürger. Will er sich ein umfassendes und sachliches Bild aus verschiedenen Blickwinkeln über die gerade die Welt aus den Angeln hebende Katastrophe machen, was da passiert ist, ob es überhaupt eine Katastrophe ist, Schwupp! Sieht er sich tagtäglich und rund um die Uhr von einer Arbeitsgemeinschaft von Politikern, Qualitätsmedien und ausgesuchten Experten unisono bearbeitet und beschallt, was er zu glauben hat und was die unumstößliche Wahrheit ist. Diejenigen, die es wagen sich anderweitig zu informieren, bei genauso versierten und verdienstvollen Experten, die aber anderer Auffassung sind, so werden diese gejagt und niedergemacht und dem Bürger gar Erschröckliches erzählt, dass er da „irgendeinem Quatsch“ aufsitze, dass das keine seriösen Wissenschaftler, sondern XY-Leugner seien, dass er sich  von „bösen Rechten“ instrumentalisieren lasse oder Gefahr laufe, zu den „Aluhüten“ gezählt zu werden.

Eine Endzeitkatastrophe jagt die nächste, vom Waldsterben über Peak Oil, Vogelgrippe, Schweinegrippe – und ab in die Klimakatastrophe und Dieselfeinstaubtod und zack! übergangslos in die Corona-Pandemie. War es damals Greta Thunbergs Vorläufer, der kleine Felix Finkbeiner, der das die Welt verwüstende Waldsterben und die Erderwärmung mit „Plant for the Planet“ abwenden wollte, ist es heute Greta Thunberg, die auf Kilometern Entfernung CO2-Moleküle mit freiem Auge sehen kann.

Immer sind es dieselben Namen, die einem begegnen in den Panels, Peer Groups, Gremien, UN-Organisationen und Expertenrunden der alleinig lizensierten Wissenschaftler, die das Denken in der jeweils angesagten Katastrophe betreuen. Und immer ist ihr Argument: Wenn eine Wissenschaftliche Behauptung von allen Wissenschaftlern dieser Gruppen als richtig angesehen wird (das nennt man Peer Group Reviewed), dann muss es ja stimmen, denn sie können sich nicht alle irren. Wirklich?

Nun ja, man verurteilte Galileo Galilei zu Arrest bis kurz vor seinem Tode und verbat ihm, weiterhin zu behaupten, dass die Erde eine Kugel sei und dass die Erde sich um die Sonne drehe und nicht umgekehrt. Galileo Galilei war Philosoph, Ingenieur, Mathematiker, Physiker, Astronom und Kosmologe. Und er hatte Recht. Das half aber nichts, weil die damalige Peer Group, nämlich die Fürsten und Kleriker, das anders sahen. Und deren (ptolemaeisches) Weltbild galt als DIE Wahrheit. Die einzige Wahrheit.

Genauso ist es heute. Alle großen Entscheidungen werden immer wieder von denselben Gesichtern und Namen gefällt und keine andere Meinung ist erlaubt. Wo man sich auch hinwendet, es sind immer dieselben Institutionen mit denselben Hyperkompetentikern, die die alleingültige Wahrheit verkünden. Und nun – „ick bün allhier!“ taucht Gretas Gesicht schon wieder auf, diesmal bei Corona.

Leute, wenn morgen ein Komet auf die Erde zurast, der uns alle vernichtet, seid sicher, Greta wird auch hier wieder als Expertin in vorderster Reihe stehen und allen unter zwanzig sagen, was sie zu tun denken haben und allen über zwanzig, dass sie daran schuld sind. „How dare You!“

Die weltenlenkenden Peer Groups haben Greta als Multifunktionsexpertin in ihre heiligen Hallen aufgenommen. Der damals knapp 15jährige Teenager war die weltbekannteste Klimawissenschaftlerin und mobilisierte quer über den Globus Massen von Jugendlichen zu den „Fridays for Future“ Protestmärschen. Da die junge Dame aus dem Beritt von Felix Finkbeiners Papa Frithjof Finkbeiner kommt, der ein Riesengeschäft mit Erderwärmung aufgezogen hat, hat da natürlich keine Polizei diese Aufmärsche behindert, haben die Medien geschrieen, dass irgendwer diese Massen „instrumentalisiert“. Die Politiker drängelten sich darum, ihre Hochachtung, Sympathie und Unterstützung für Greta zum Ausdruck zu bringen. Sie war über Nacht ein Mitglied der globalen Nomenklatura geworden. Da konnten Meteorologen, Klimatologen, Atmosphärenforscher, Solarphysiker usw. mit allen akademischen Weihen und Jahrzehnten an Berufs- und Forschungserfahrung daherkommen und anderer Meinung sein – alles verstockte Klimaleugner, die die Welt zugrunde richten wollen und das Leben der jungen Generation zerstören.

Greta drohte in der Versenkung zu verschwinden, als Corona die Bühne übernahm. Aber unter Peer Groups und Panels hilft man sich doch gern. Okay, Greta, dann kommst Du eben jetzt auch als Corona-Expertin, ist eh‘ wurscht. Gretas Auftritt sorgte allerdings für etwas Diskussionen. Da gab es doch tatsächlich einige Zuschauer, die irritiert fragten, woher Greta denn plötzlich Expertenwissen in Sachen Virologie erlangt habe. Die Siebzehnjährige habe weder Medizin studiert, noch sich irgendwie vorher mit Viren, Pandemien oder den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen eines Lockdowns befasst.

So sahen es auch viele Leute auf der ganzen Welt. Auf Twitter wurde in vielen Sprachen die Frage gestellt „Was soll das?“ und „Welche Kompetenz hat das Mädchen in diesem Thema?“ Ein User twitterte „Greta Thunberg? Ist sie jetzt etwa Corona-Expertin? CNN ist ein Witz!“ Der Tweet erntete tausendfache Likes.

Andere retweeteten an CNN:

  • „Das darf doch nicht wahr sein. Greta ist jetzt also eine Covid-Spezialistin? Man sollte es nicht ‚Fakten und Ängste‘ nennen. Man sollte es ‚Lügner und Verrückte‘ nennen.“
  • „Wenn sie weint, wird das ein toller Moment fürs Fernsehen. CNN kennt das Reality-TV wie keine andere Nachrichtenorganisation!“
  • „Soso, wir sollen also nicht auf Trump hören, aber Greta ist eine Expertin?“
  • „Hahaha Greta Thunberg? Sie wenden sich an ein Kind, das von nichts eine Ahnung hat? Aber das überrascht mich nicht.“
  • „Was um Himmels Willen hat Greta Thunberg zu einer Diskussion über Covid beizutragen? Das wird langsam lächerlich. SIE sind völlig lächerlich!

Der Washington Examiner titelte zu dem Thema:
„Mehr als nur eine Parodie: CNN bezeichnet Greta Thunberg als Corona-Expertin.“ und meint in dem Artikel süffisant: „Sowas kann man sich gar nicht ausdenken, das wäre ein Parodie-Meisterstück, eine der besten Arbeiten von ‚Babylons Bees!‘ Aber nein, das ist tatsächlich wirklich auf CNN im Jahre 2020 gesendet worden.“

(The Babylon Bee ist eine sehr bissige Nachrichten-Satire-Webseite, in den USA, auch bekannt als die christliche Version der berühmten Satirezeitschrift „the Onion“)

Auch ein Tweet von CNN, der das Panel of Experts für die Coronadiskussion zeigte, wurde entsprechend veralbert. Hier das Original:

Daraufhin tauchten auf Twitter neue Vorschläge für das „Panel of Experts“ auf:

Das wiederum rief die US-Amerikanischen Feministinnen auf den Plan. Bestsellerautorin Roxane Gay echauffierte sich:

„Unqualifizierte Männer dürfen täglich in den Medien endlos schwafeln. Aber bei Greta Thunberg geht das zu weit? OK.“

(Unqualified men appear on cable all day every day, bloviating endlessly, but Greta Thunberg is a bridge too far? Ok. — roxane gay (@rgay) May 13, 2020)

Die Buchautorin Charlotte Clymer haut in dieselbe Kerbe:

„Also, versteh ich das richtig: Dr. Oz und zahllose andere Männer betreiben diese Fernsehnachrichtensendungen schon seit Jahren und speien ihren gefährlichen Blödsinn herum, und es hat kaum Konsequenzen, aber viele von Euch entscheiden, dass die 17jährige Greta Thunberg doch ein Tacken zuviel ist. Und das ist kein Sexismus? Jetzt hört aber auf!“

(Let me see if I understand this: Dr. Oz and countless other men have been running in these cable news circuits for years spouting dangerous nonsense with few consequences, but a lot of y’all decided 17 year-old Greta Thunberg is a step too far. And that’s not sexism? Do tell. — Charlotte Clymer ️‍ (@cmclymer) May 13, 2020)

Eine ungemein bestechende Logik: Weil manche Männer dummes Zeug verbreiten, dann darf das eine siebzehnjährige Göre gefälligst auch und niemand hat das Recht, sie zu kritisieren. Wunderbar. Einfach Grandios. Da ist die heilige „Equality“ wirklich am hehren Ziel aller Wünsche und Bemühungen endlich angekommen: „Jeder hat das Recht sich zu blamieren, so gut er kann.“

Wie wichtig und brisant die Sache ist, um die es geht – scheißegal.