Verschwörungen, Enthüllungen & Unglaubliches

„Reptrails“- DAS Verschwörungstheorie-Game für linke Systemlinge?

19. August 2020

Sie sammeln auf der Crowdfunding-Seite „Startnext“ für ein Computerspiel, das „Verschwörungstheorien auf‘s Korn“ nimmt, Vater und Tochter. Vater Thorsten Fock-Herde entspricht bis ins Detail dem Klischee eines linken Chaoten-Nerds mit langen, franseligen Haaren, irgendeinem undefinierbaren, rasta-ähnlichen Gedöns darin verwurstelt und dem unvermeidlichen Hoodie (allerdings in Grau, statt in schwarz, er gehört also nicht zum gewaltaffinen Kampfflügel der Antifa) aber mit „virtue signalling“ Aufdruck, der seine political correctness und seine Kiez-Zugehörigkeit jedem signalisiert: „Love St. Pauli – Hate Racism“. Es fehlt noch „Save the Climate“. Neben ihm seine Tochter, die exakt dem Typ des weiblichen Computernerds entspricht. Mit einem von Mama selbstgehäkelten Biene-Maja-Knuddeltier in der Hand.

Und wofür wollen sie Geld? Immerhin 20.000 Euronen soll der Daddelspass kosten. Ein bemüht-kumpelhaftes „Hey, na?“ als Auftakt und dann gleich Butter bei die Fische:

„Hey, na? Die Welt wird von Echsenmenschen unterjocht und DU kannst dabei mitmachen. Jawohl. REPTRAILS ist ein PC / Mobile Game von Torsten Fock-Herde und seiner Tochter Jasmin. Sie nehmen darin nahezu alle Verschwörungstheorien aufs Korn, vermitteln ihre Hintergründe und machen Mut für die Auseinandersetzung mit ihnen.
(…)

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REPTRAILS ist ein Mobile / PC Game, in dem Du im Dienste der sogenannten Neuen Weltordnung (NWO) die Weltbevölkerung kontrollieren musst. Die Spielwelt und ihre Regeln folgen dabei der „Logik“ bekannter und weniger bekannter Verschwörungstheorien. Durch die spielerische Auseinandersetzung mit ihnen lernst Du diese kennen und kannst sie besser entkräften.

In REPTRAILS musst Du im Auftrag der Echsenmenschen die Bevölkerung kontrollieren. Dir stehen dabei verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, wie Flugzeuge, Handymasten, Medien und Geheimwaffen. All diese Dinge sind mit Verschwörungstheorien belegt. Immer wenn Du vom Glauben abfällst, hast Du über den spielinternen Browser Zugriff auf weitere Informationen, Anekdoten und Faktenchecks.

Die Bevölkerung wird sich wehren und es entstehen Wutbürgerdemos, Schwurbelpromis und esoterische Gegenmittel, die Du eindämmen musst.

Hierfür kannst Du zum Beispiel Deine Chemtrails weiterentwickeln und Dich entscheiden, in welche Richtung das ganze gehen soll. Wenn Du gut bist, bekommst Du von Deiner Chefechse mehr Kohle. Dein Ziel ist klar: Kontrolliere die ganze Bevölkerung. Weltweit.“

Das Spiel heißt also Reptrails (Reptiloide + Chemtrails), was übrigens wirklich ein fetziger Name dafür ist. Echt pfiffig. Und es ist natürlich pädagogisch sehr wertvoll, denn es soll die Entwicklung der (jetzt folgen all die vorgeschriebenen Vokabeln, die obligatorisch verwendet werden müssen) KRUDEN Verschwörungstheorien, die immer mehr in Umlauf kommen, eindämmen. Neuerdings werden auch aus dem Corona-Pandemie-Worthülsen Baukasten Versatzstücke benutzt: … „auch jüngere Menschen sind davon betroffen“. Und… hmmm, … was fehlt noch? Aaahja: „Gefahr für die Demokratie“.

„Unser Spiel soll dazu beitragen diese Entwicklung einzudämmen, denn sie stellt eine ernsthafte Gefahr für unsere Demokratie und die Gesellschaft dar. Wie schnell Fake-News und wilde Thesen eine ganze Gesellschaft in schwierige Situationen bringen können, erleben wir gerade in Echtzeit am Beispiel der USA.“

Upps? Beispiel USA? Das ist doch da, wo BLM-Aktivisten gerade die Schwarzenviertel in Schutt und Asche legen, dort Supermärkte und Geschäfte plündern und zerstören und wo mehr Schwarzamerikaner durch andere Schwarzamerikaner sterben, als je zuvor? Und wo demokratische Bürgermeister*Innen das auch noch ganz super finden?

Aber das Ziel ist noch höher gesteckt, erfahren wir: „Um das Projekt in einem angemessenen Zeitrahmen fertig zu stellen und die BRD zu retten, benötigen wir Deine Hilfe.“ Donnerwetter, die Linken werden plötzlich BRD-Patrioten. Es geschehen Zeichen und Wunder.

Die TAZ widmet Reptrails einen ganzen Beitrag und lässt seinen Entwickler ausgiebig zu Wort kommen. Die Beschreibung ist echt gut – also ich musste jedenfalls wirklich kichern:

„Während die Menschen am Anfang leicht zu beeinflussen sind, werden sich mit der Zeit immer mehr wehren – Wutbürger veranstalten Demos und Schwurbelpromis nutzen ihre Reichweite. Als Spieler kann man das bekämpfen, indem man Chemtrail-Flugzeuge startet, die Lügenpresse platziert, Handymasten aufstellt oder Geheimwaffen einsetzt.“

Fein beobachtet, möchte da der informierte Verschwörungstheoretiker meinen. Und damit die Spieler nicht aus Versehen das Lager wechseln, wird ständig ein Antidot zur Verfügung gestellt: Infos von Factchecking-Seiten, wie Mimikama, Volksverpetzer, Hoaxilla oder Psiram. Also Mimikama gibt sich ja wirklich Mühe und bringt auch oft wirklich gut Recherchiertes und Stichhaltiges. Aber Mimikama mit einer reinen Lügen-, Hetze- und Verleumdungsschleuder wie Psiram in einem Atemzug zu nennen, ist sehr unfair gegenüber Mimikama.

Lustig ist auch, wie Herr Focke-Herde sich über „immer dasselbe Muster“ lustig macht:

„Es wird eine Bedrohung aufgebaut – (…) – und dann kommt der Erlöser oder die Erlösung. Es ist schon faszinierend, dass diese einfachen Konstrukte seit Jahrhunderten so wirkungsvoll bei uns Menschen sind.“

Ja, genau, Herr Focke-Herde! Das ist unfassbar, aber wirklich wahr. Da wird die Menschheit von einer globalen Pandemie bedroht, die niemals verschwinden wird und die „Welt, wie wir sie bisher kannten, wird nie wieder so sein“ … WENN wir uns nicht alle ein Zaubermittel in den Körper spritzen lassen, was uns zu genveränderten Organismen macht. Aber der Erlöser Bill Gates rettet die Menschheit damit und alles wird wieder gut. Und niemand fragt sich, warum die Krankenhäuser Kurzarbeit anmelden und es kaum Kranke und fast keine Toten mehr hier gibt?

Dennoch hat sich Herr Focke-Herde einen Schuss Realismus bewahrt. Er glaubt selbst nicht, dass man mit dem Spiel Menschen davon überzeugen kann, „dass es doch keine neue Weltordnung gibt“ (woraus ja sogar die Mächtigen selbst kein Geheimnis machen).

Die TAZ stellt am Ende die richtige Frage: „Besteht nicht die Gefahr, dass Sie am Ende ganz spielerisch Verschwörungstheorien reproduzieren, statt sie zu widerlegen?“ Ach nein, meint der Game-Entwickler, man überzeichne die Charaktere ja auch grotesk und zeige auch, wie krude diese Ideen sind.

Soso. Meint er. Wahrscheinlich läuft das so, dass viele, die sich dieses Spiel holen, dann auf einmal anfangen, etwas nachzuforschen, was denn wirklich dran sein könnte an der Sache und fündig werden. Dabei würden sie sehr schnell feststellen, dass da nicht alles so krude und bekloppt ist wie behauptet.

Jede Wette: Das Spiel wird der Kracher in den Kreisen der „Verschwörungstheoretiker“!