Sind zukünftige Was­ser­kriege unver­meidlich? Lebens­be­droh­liche Dürre für die Armen! (+Video)

Bis 2025 werden zwei Drittel der Welt­be­völ­kerung in einer was­ser­armen Region leben. Im Laufe des nächsten Jahr­hun­derts könnte die Wahr­schein­lichkeit grenz­über­schrei­tender Kon­flikte um Wasser um 95% steigen. Süd­afrika zum Bei­spiel leidet unter einer bedroh­lichen Was­ser­krise, doch in der Krise geht es nicht darum, zu wenig Wasser zu haben, um den Bedarf zu decken. Es ist eine Krise des Was­ser­ma­nage­ments, die so schlimm ist, dass Mil­lionen von Men­schen – und die Umwelt – leiden. 

„Wenn wir nicht sofort handeln, haben wir mög­li­cher­weise nir­gendwo mehr Wasser,“ so Prä­sident Cyril Rama­phosa. War Ihnen bekannt, dass Süd­afrika für Europa Wein­trauben, Zitrus­früchte und sogar Avo­cados anbaut, während Mil­lionen Men­schen kein Wasser haben? Während Golf­plätze und Hotel­an­lagen mit grünem Rasen protzen, leidet die arme Bevöl­kerung unter Was­ser­mangel. Viele Länder weltweit leiden unter einer Was­ser­krise, 17 Länder stehen kurz vor dem „Day Zero“, doch nir­gends wird es so deutlich wie in Süd­afrika – wer sich Wasser leisten kann, bekommt es auch. In vielen Ländern der Welt werden Men­schen, die für ihr Wasser kämpfen, ermordet oder ver­schwinden spurlos. Welche grund­le­gende Rolle Wasser als Lebens­elixier aller Lebens­formen spielt, ist klar: Wasser ist Leben. Experten sagen voraus: Der Roh­stoff Wasser wird in den nächsten Jahr­zehnten wich­tiger werden als Öl: In vielen Ländern ist die Krise längst da, so auch in Süd­afrika. Krieg ums Wasser: Was wie der Titel einer blu­tigen Wüs­tensaga klingt, könnte in vielen Gegenden der Welt bald Wirk­lichkeit werden, in einigen Ländern ist er sogar bereits da. In Süd­afrika pro­tes­tieren die Men­schen. Sie wollen Wasser. Prä­sident Rama­phosa wendete sich in einem offenen Brief an die Bevöl­kerung und sagte, dass eine jahr­zehn­te­lange Dürre das Was­ser­system immens unter Druck gesetzt und ver­hee­rende Aus­wir­kungen auf die Land­wirt­schaft und die Gemeinden habe. Besonders von der Was­ser­krise betroffen sind Eastern Cape, Nor­thern Cape, Western Cape, Free State und  Mpu­malanga. Fakt ist, es herrscht eine lebens­be­droh­liche Dürre in Südafrika. 

Lebens­be­droh­liche Dürre für die Armen!

Obwohl das 21. Jahr­hundert als eine neue Ära der Unsi­cherheit bezeichnet wurde, gibt es zwei Trends, derer wir ziemlich sicher sein können: die Beschleu­nigung des Wachstums der Infra­struktur und die Beschleu­nigung der Aus­wir­kungen des Kli­ma­wandels. Und es gibt ein großes Problem, wo sich diese beiden Trends über­schneiden: Die meisten Infra­struk­turen sind nicht darauf aus­gelegt, die Anfor­de­rungen des sich zunehmend ver­än­dernden Welt­klimas zu erfüllen. 17 Länder leiden unter extremen Was­ser­stress, vielen wei­teren droht eben­falls ein Wassermangel.

Einem Viertel der Welt­be­völ­kerung droht akuter Was­ser­mangel, wie ein neuer Was­ser­risiko-Atlas ent­hüllt. Denn sie leben in einem der 17 Länder, die schon ohne Dürren oder Hit­ze­wellen 80 Prozent ihres Grund- und Ober­flä­chen­wassers ausschöpfen. 

2018 standen die  Ein­wohner von  Kap­stadt, Süd­afrika, kurz vor dem „Day Zero“. Ange­sichts der Dürre in einem bereits was­ser­armen Süd­afrika gibt es kein zusätz­liches Wasser. Nicht nur für Kap­stadt, sondern überall in Süd­afrika, wo jede Metropole in den letzten fünf  Jahren mit Was­ser­be­schrän­kungen unter­schied­licher Härte kon­fron­tiert war.

Während viele Men­schen ihren Was­ser­bedarf ein­schränken müssen, haben süd­afri­ka­nische Land­wirte in den letzten zehn Jahren knapp 25.000 Hektar Zitrus­früchte angebaut. Siehe dazu auch: Während die EU aus Süd­afrika billig Zitrus­früchte impor­tiert – ver­gammeln ton­nen­weise Zitrus­früchte in Spanien

In Süd­afrika ist ein Kampf ums Wasser entfacht.

Viele Men­schen gehen auf die Straße und fordern, dass sie mit Wasser ver­sorgt werden. Der süd­afri­ka­nische Was­ser­bedarf wächst wei­terhin auf dem der­zei­tigen Niveau. Bis 2030 wird ein Defizit zwi­schen Was­ser­ver­sorgung und ‑bedarf von 2,7 bis 3,8 Mrd. m3 / a ver­an­schlagt, was einer Lücke von etwa 17% des ver­füg­baren Ober­flächen- und Grund­wassers ent­spricht. Obwohl sie eh schon kein Wasser haben, wird in vielen Gemeinden das Wasser abge­dreht, andere werden dazu gezwungen, den Was­ser­ver­brauch zu reduzieren.
Mike Müller, Gast­pro­fessor an der Uni­ver­sität Wit­wa­tersrand erklärt die Situation in Südafrika.

Es gibt ver­schiedene Arten von Dürren und sie wirken sich unter­schiedlich auf ver­schiedene Bereiche der Gesell­schaft aus.

In Süd­afrika wächst die Sorge, was als „nationale Dür­re­ka­ta­strophe“ dar­ge­stellt wird. Es gab ängst­liche Hin­weise darauf, dass durch die Dürre viele Städte und Gemeinden vor ihrem „Day Zero“ stehen könnten. Dies geschah während der Was­ser­krise in Kap­stadt, da die Befürch­tungen zunahmen, dass die Was­ser­lei­tungen aus­trocknen würden.

Die Bedenken wurden ver­stärkt, als ange­kündigt wurde, dass die Stollen, die Wasser aus dem Was­ser­ver­sor­gungs­netzwerk der Lesotho High­lands zum Wirt­schafts­zentrum des Landes, Gauteng, bringen, für einige Monate geschlossen werden.

Aus tech­ni­scher Sicht ist es über­trieben, von Bedrohung zu sprechen. In den som­mer­lichen Nie­der­schlags­ge­bieten beginnt die Regenzeit nur langsam. Obwohl die Füll­grade nied­riger sind als im letzten Jahr, sind sie noch nicht auf einem kri­ti­schen Niveau.

Eine Analyse des wich­tigen inte­grierten Systems des Flusses Vaal ergab, dass es in diesem Sommer keine Not­wen­digkeit für Was­ser­ra­tio­nie­rungen gab. Das System ver­sorgt Gauteng und Umgebung, dar­unter Groß­ver­braucher wie Sasol, ein inte­griertes Energie- und Che­mie­un­ter­nehmen, und viele der Kraft­werke, die zum staat­lichen Elek­tri­zi­täts­ver­sorger Eskom gehören.

Die panische Reaktion deutet jedoch darauf hin, dass viele Men­schen das Klima Süd­afrikas nicht voll­ständig ver­stehen, genauer: wie es sich auf die Funk­ti­ons­weise der Was­ser­ver­sor­gungs­systeme des Landes aus­wirkt. Ins­be­sondere werden die ver­schie­denen Arten von Dürren und ihre Aus­wir­kungen auf die ver­schie­denen Bereiche der Gesell­schaft nur begrenzt berücksichtigt.

So können bei­spiels­weise Tro­cken­pe­rioden die Land­wirt­schaft zer­stören, ohne die Was­ser­ver­sorgung von Städten und Indus­trien zu beein­träch­tigen. Pflanzen auf Feldern und Tiere, die auf natür­lichen Weiden grasen, sind auf die Feuch­tigkeit in den oberen Boden­schichten ange­wiesen. Städte und Gemeinden ver­fügen ent­weder über große Was­ser­re­serven in Stau­dämmen oder nutzen sie aus Grund­was­ser­leit­sys­temen, die prak­tisch unter­ir­dische Speicher sind.

Es wäre falsch zu behaupten, dass es derzeit keine Dür­re­pro­bleme im Land gibt. In Teilen des Nord-, West- und Ostkaps herrscht offi­ziell Dürre. Das bedeutet, dass die Beamten [immerhin] zuge­stehen, dass die anhal­tende Tro­ckenheit eine ernst­hafte Bedrohung für die land­wirt­schaft­lichen Akti­vi­täten dar­stellt. Viele Bauern kämpfen darum, im Geschäft zu bleiben.

Aber auf den 1,2 Mil­lionen Qua­drat­ki­lo­metern Süd­afrikas gibt es auch Gebiete, in denen die Nie­der­schläge seit einem Jahr oder mehr deutlich unter dem Durch­schnitt liegen.

Wet­ter­ver­hält­nisse

Der süd­afri­ka­nische Wet­ter­dienst erstellt Nie­der­schlags­karten, die diese Abwei­chung zeigen. Die Karte für die Saison 2015–2016 zeigt eine Mischung aus sehr tro­ckenen und sehr nassen Gebieten, die manchmal sehr nahe bei­ein­ander liegen.

Die Saison 2018–2019 zeigte ein anderes Muster, wobei die west­liche Hälfte des Landes viel tro­ckener war als die öst­liche, und Teile des Nordkaps weniger als 25% ihrer durch­schnitt­lichen Nie­der­schläge erhielten.

Kli­ma­wis­sen­schaftler, Hydro­logen und Kata­stro­phen­schutz­ex­perten unter­scheiden tra­di­tionell drei ver­schiedene Arten von Dürren:

– Eine meteo­ro­lo­gische Dürre tritt auf, wenn die Nie­der­schläge über einen län­geren Zeitraum, oft einen Monat, unter­durch­schnittlich sind.

– Von einer land­wirt­schaft­lichen Dürre spricht man, wenn feh­lende Nie­der­schläge zu einem Rückgang der Boden­feuchte auf Weiden und rege­ne­rierten Kul­turen führen. Eine gute Mög­lichkeit, eine land­wirt­schaft­liche Dürre zu visua­li­sieren, besteht darin, Nie­der­schlags­daten und Vege­ta­ti­ons­be­din­gungen auf Karten darzustellen.

– Eine hydro­lo­gische Dürre tritt auf, wenn eine meteo­ro­lo­gische Dürre die Ver­füg­barkeit von Was­ser­res­sourcen in Flüssen, Seen und unter­ir­di­schen Gebieten erheblich redu­ziert. Derzeit gibt es in Süd­afrika außer an einigen wenigen Orten (Nord‑, Ost- und Westkap und Limpopo-Taschen) noch keine hydro­lo­gische Dürre.

Die unmit­tel­baren Dür­re­pro­bleme, die ange­gangen werden müssen, betreffen also die Land­wirte des Landes, nicht die kom­munale Was­ser­ver­sorgung. Obwohl es Orte gibt, an denen die hei­mische Was­ser­ver­sorgung pro­ble­ma­tisch ist, sind nur wenige davon auf Dürren und die meisten auf Miss­wirt­schaft und schlechte Planung zurückzuführen.

Reak­tionen

Eine meteo­ro­lo­gische Dürre ist in der Regel nur ein Alarm, um Land­wirte und Was­ser­ma­nager zu warnen, dass sie schnell bereit sein müssen zu handeln, falls sie andauert.

Die Reak­tionen auf eine land­wirt­schaft­liche Dürre hängen davon ab, welche Art von Land­wirt­schaft betrieben wird. Den Tier­haltern wird emp­fohlen, ent­weder ihre Herden zu redu­zieren oder zusätz­liches Futter zu kaufen, um die ver­lorene Beweidung aus­zu­gleichen. Land­wirte von Tro­cken­kul­turen können den Anbau ver­zögern oder, wenn sie mutig sind, ihre Kul­turen in grö­ßerem Abstand pflanzen, um jeder Pflanze eine bessere Chance zu geben, genügend Wasser zu bekommen. Sie können sich auch gegen Ern­te­aus­fälle auf Grund von Dürre versichern.

Bei einer hydro­lo­gi­schen Dürre müssen die für die Was­ser­ver­sorger der Städte zuvor erstellte Pläne zur Begrenzung des Was­ser­ver­brauchs bei sin­kenden Spei­cher­ständen umsetzen, da diese bestimmen, wie viel Wasser wei­terhin zuver­lässig bereit­ge­stellt werden kann.

So soll es in Zukunft sein

Eine Gruppe inter­na­tio­naler Wis­sen­schaftler ist der Meinung, dass wir die Art und Weise, wie wir über Dürren denken, ändern sollten. Sie weisen darauf hin, dass das mensch­liche Handeln die Funk­ti­ons­weise des Was­ser­kreis­laufs wesentlich ver­ändert hat, indem es Flüsse staut und umleitet und Wasser aus dem Unter­grund fördert. Sie argumentieren:

Wir müssen aner­kennen, dass der mensch­liche Ein­fluss die Dürre ebenso beein­flusst wie dies durch natür­liche Kli­ma­schwan­kungen geschieht.

Für die Wis­sen­schaftler bedeutet dies, dass sie die Sicht­weise auf die Dürre ändern müssen:

Die Dür­re­for­schung sollte die Ver­füg­barkeit von Wasser nicht mehr nur als ein natür­liches, kli­ma­be­dingtes Phä­nomen und die Nutzung des­selben als ein rein sozio­öko­no­mi­sches Phä­nomen betrachten, sondern die viel­fäl­tigen Wech­sel­wir­kungen zwi­schen beiden genauer in Betracht ziehen.

Aus dieser Per­spektive würde Kap­stadts „Day Zero“ in eine neue Kate­gorie fallen: eine „vom Men­schen ver­ur­sachte Dürre“. Und wenn die Bürger von Gauteng die Warnung, den Was­ser­ver­brauch in den nächsten fünf oder sechs Jahren auf das zu redu­zieren, was das Inte­grierte Vaal-Fluss­system leisten kann, nicht beachten, sollten sie sich nicht wundern, wenn auch sie unter einer „vom Men­schen ver­ur­sachten Dürre“ leiden.

Der Welt­was­serrat [World Water Council] hat es kurz und bündig formuliert:

In der Krise geht es nicht darum, zu wenig Wasser zu haben, um unseren Bedarf zu decken. Es ist eine Krise des Was­ser­ma­nage­ments, die so schlimm ist, dass Mil­li­arden von Men­schen – und die Umwelt – leiden.

Dazu auch: Wasser: Mangel im Über­fluss! Was­ser­si­cherheit in einer unsi­cheren Welt – Will The Next War Be Fought Over Water?

Mike Muller hat von der Water Research Com­mission und der African Deve­lo­pment Bank Mittel für For­schungs- und Bera­tungs­ar­beiten im Zusam­menhang mit dem Gegen­stand dieses Artikels erhalten. Er berät auch eine Vielzahl von Orga­ni­sa­tionen in was­ser­be­zo­genen Ange­le­gen­heiten, dar­unter nationale, pro­vin­zielle und lokale Regie­rungen sowie Wirt­schafts­or­ga­ni­sa­tionen wie BUSA, AgriSA und SAICA.

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Netz­frauen Ursula Rissmann-Telle und Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.org