Immer noch bittere Scho­kolade! Kin­der­arbeit in Ghana und auf Kakao­farmen der Elfen­bein­küste steigt (+Videos)

Auf den Kakao­plan­tagen werden Kinder aus­ge­beutet, um Süßig­keiten billig her­zu­stellen, aber teuer zu verkaufen. 

Das letzte Stück Scho­kolade, das Sie gegessen haben, hat wahr­scheinlich seinen Ursprung in West­afrika, wo zwei Drittel der Kakao­bohnen pro­du­ziert werden. Obwohl die großen Scho­ko­la­den­her­steller wie Nestlé und Mars bereits 2001 ein Abkommen zur Been­digung von Kin­der­arbeit unter­zeichnet haben und obwohl 2010 die Kon­zerne wie Mars, Hershey, Nestle und Cargill sich darauf einigten, die schlimmsten Formen der Kin­der­arbeit in Ghana und den Kakao­s­ek­toren der Elfen­bein­küste bis 2020 um 70 Prozent zu redu­zieren, ist die Zahl der Kinder, die auf den Plan­tagen aus­ge­beutet werden, sogar noch gestiegen. In West­afrika arbeiten schät­zungs­weise 2,1 Mil­lionen Kinder auf Kakao­plan­tagen und laut einer aktu­ellen Studie steigt die Kin­der­arbeit in Ghana und auf den Kakao­farmen der Elfen­bein­küste an. Seitdem bekannt wurde, dass Ver­sklavung von Kindern zum Alltag auf den Kakao­plan­tagen an der Elfen­bein­küste gehört, kämpfen die großen Scho­ko­la­den­her­steller, u. a. auch Nestlé, um das Ver­trauen der Ver­braucher. Doch nicht nur Mil­lionen Kinder werden immer noch auf den Plan­tagen aus­ge­beutet, sondern als die Elfen­bein­küste und Ghana die Abholzung durch Kakao ver­hindern wollten, setzte die Industrie sie unter Druck. Die Nach­frage nach Scho­kolade treibt die Ent­waldung in der Elfen­bein­küste voran, die mehr als ein Drittel des welt­weiten Kakaos produziert.1960 hatte die Elfen­bein­küste etwa 12 Mil­lionen Hektar Wald. Heute sind fast drei Viertel dieses Waldes ver­schwunden! Es wird weiter abge­holzt, auch in Natur­schutz­ge­bieten, und Mil­lionen Kinder  ver­rich­teten gefähr­liche Arbeiten. Sie ern­teten zum Bei­spiel mit einer Machete Kakao­s­choten, schleppten Säcke mit Kakao­bohnen oder Wasser für die Behandlung mit Insek­ti­ziden. Die Scho­ko­la­den­in­dustrie bezahlte sogar für Studien, die zeigen, dass Scho­kolade gesund sei.

Immer noch bittere Schokolade

Die Elfen­bein­küste und Ghana sind die Nummer eins und zwei der Kakao-pro­du­zie­renden Nationen auf der Erde. Zusammen pro­du­zieren sie etwa zwei Drittel des welt­weiten Kakaos, aber diese Pro­duktion ist mit rasanter Abholzung sowie Kin­der­arbeit und anderen Men­schen­rechts­ver­let­zungen verbunden.

Zu den Unter­zeichnern des Harkin Engel Pro­tocol (auch Cocoa Pro­tocol genannt), das am 19. Sep­tember 2001 unter­zeichnet wurde, gehören die weltweit größten Scho­ko­la­de­pro­du­zenten Hershey, Nestlé (Schweiz), Barry Cal­lebaut (Schweiz), Mars, World’s Finest Cho­colate, Guittard Cho­colate Company, Bloomer Cho­colate Company und Archer Daniels Midland Co. Die Kern­aussage des Pro­to­kolls finden Sie in unserem Beitrag: Nestlé – Kin­der­arbeit in Afrika: Blutige Schokolade

Wenn es um Unter­nehmen geht, die ohne Rück­sicht auf die mensch­liche Gesundheit und Sicherheit arbeiten, scheint das Nestlé-Unter­nehmen wirklich in einer eigenen Liga zu spielen. Firmen wie Nestlé enga­gieren sich gegen Kin­der­arbeit, so auf deren Web­seiten. Es gibt auch eine wach­sende recht­liche Not­wen­digkeit für viele große mul­ti­na­tionale Kon­zerne, sich ernsthaft mit dem Miss­brauch von Arbeits­kräften in ihren Lie­fer­ketten zu beschäf­tigen. Die Gesetz­gebung in den USA und in Groß­bri­tannien erfordert, dass größere Unter­nehmen Jah­res­be­richte über ihre Bemü­hungen ver­öf­fent­lichen, was sie gegen die Skla­verei ihres Unter­nehmens unter­nehmen. Die Scho­ko­la­den­kon­zerne stehen immer wieder im Fokus, wenn es um Kin­der­arbeit im Kakao-Anbau geht. Nestlé sieht sich immer wieder mit einer Sam­mel­klage in den USA kon­fron­tiert, in der behauptet wird, dass das Unter­nehmen irre­füh­rendes Mar­keting betreibt, indem es die Tat­sache ver­schleiert, dass Nestlés Scho­ko­la­den­lie­fer­kette Kinder- und Skla­ven­arbeit beinhaltet. Auch  2019 wurde in den USA eine Sam­mel­klage gegen Nestlé wegen Kin­der­skla­verei bei der Kakao­ernte in west­afri­ka­ni­schen Farmen ein­ge­reicht. Eine im April 2019  beim kali­for­ni­schen Bun­des­ge­richt ein­ge­reichte Sam­mel­klage behauptet, dass Kin­der­sklaven auf west­afri­ka­ni­schen Farmen Kakao für Nestle ernten, obwohl ihre Pro­dukte als „nach­haltig pro­du­ziert“ gekenn­zeichnet sind.

„Seit Jahren pro­fi­tiert Nestle davon, Pro­dukte als nach­haltig und hilf­reich für Land­wirte zu bezeichnen, wenn sie ihren Kakao tat­sächlich von Farmen beziehen, die Umwelt­zer­störung ver­ur­sachen und Kin­der­skla­ven­arbeit betreiben“, so Helen I. Zeldes von der Coast Law Group. 

„Das weltweit größte Lebens­mit­tel­un­ter­nehmen weiß seit mehr als einem Jahr­zehnt, dass seine Lie­fer­kette mit Kin­der­arbeit behaftet ist. Die Ver­wendung von Siegeln, die behaupten, dass sein Kakao aus nach­hal­tigen Quellen stammt, lässt die Ver­braucher jedoch glauben, dass seine Pro­dukte sozial und öko­lo­gisch ver­ant­wort­lichen Stan­dards ent­spreche“, so der Kläger Renée Walker.

Auch eine andere Klage gegen Nestlé nimmt eine andere Wendung als gedacht. Die sechs Kläger, die als Kinder als Kin­der­sklaven unter schreck­lichen Bedin­gungen für „bittere Scho­kolade“ schuften mussten, dürfen Nestlé doch in den USA ver­klagen. Die Kläger beziehen sich auf das US-ame­ri­ka­nische Alien Tort Statute.  Ansprüche, die sich auf das US-ame­ri­ka­nische Zivil­recht stützen, können vor US-ame­ri­ka­ni­schen Gerichten ver­handelt und ver­klagt werden, auch wenn die Betei­ligten nicht US-ame­ri­ka­ni­scher Natio­na­lität sind und die Ereig­nisse, die die Anspruchs­grundlage dar­stellen, nicht auf US-Boden statt­ge­funden haben.

Mehr als 1 Million Kinder, einige sogar jünger als 5 Jahre alt, arbeiten in der Elfen­bein­küste unter gefähr­lichen Bedin­gungen. Die sechs ehe­ma­ligen Kin­der­sklaven, die die beiden Kon­zerne Nestlé und  Cargill Inc ver­klagt haben, waren in Mali in den 1990er-Jahren ent­führt und an die Plan­tagen in der Elfen­bein­küste ver­kauft worden. Sie mussten 14 Stunden min­destens am Tag arbeiten, ohne Bezahlung und sechs Tage in der Woche. Sie wurden von bewaff­neten Wächtern beauf­sichtigt. Sie bekamen nur Nah­rungs­reste, mussten auf Fuß­böden in ver­schlos­senen Räumen schlafen, wurden geschlagen, mussten ihren Urin trinken und wurden wie Gefangene gehalten. Mehrfach wurde der Prozess aus irgend­welchen Gründen wieder ein­ge­stellt. Doch jetzt geht es weiter, wie earthrights.org im Sep­tember 2020 berichtete. Im Sep­tember 2020 haben Nestlé und Cargill dem Obersten Gerichtshof der USA in den Fällen Nestlé USA Inc. gegen John Doe 1 und Cargill Inc. gegen John Doe 1 Schrift­sätze vorgelegt.

Eine Unter­su­chung der Washington Post aus dem Jahr 2019 ergab, dass Kin­der­arbeit in der Elfen­bein­küste nach wie vor ein Problem dar­stellt. Der Gerichtshof wird vor­aus­sichtlich bereits im Dezember dieses Jahres mündlich verhandeln.

Eine Unter­su­chung der Washington Post ergab, dass Kin­der­arbeit in der Elfen­bein­küste nach wie vor ein Problem darstellt.

Hinter einem Großteil der Scho­kolade der Welt steht die Arbeit Tau­sender ver­armter Kinder auf west­afri­ka­ni­schen Kakao­farmen. Washington Post

Abou ist 15 und arbeitet seit seinem zehnten Lebensjahr auf den Kakao­farmen in der Elfen­bein­küste. Die anderen vier Jungen sind 15, zwei sind 14 und ein anderer 13. Abou erzählte den Jour­na­listen„ dass sein Rücken weh tat und er Hunger hat.  „Ich kam hierher, um zur Schule zu gehen“, sagte Abou. „Ich war jetzt seit fünf Jahren nicht mehr in der Schule.“

„Mars, Nestlé und Hershey haben vor fast zwei Jahr­zehnten zugesagt, den von Kindern geern­teten Kakao nicht mehr zu ver­wenden. Ein Großteil der Scho­kolade, die Sie kaufen, beginnt jedoch immer noch mit Kin­der­arbeit,“ so der Bericht der Washington Post, der im Juni 2019 ver­öf­fent­licht wurde. Die Recherche-Ergeb­nisse beweisen, dass sich an der Situation der „bit­teren Scho­kolade“ in West­afrika nichts geändert hat. Noch immer arbeiten schät­zungs­weise 2,1 Mil­lionen Kinder auf Kakaoplantagen. 

Jour­na­listen der Washington Post recher­chierten in drei Kakao­an­bau­ge­bieten der Elfen­bein­küste. Sie fanden Kinder, zu deren Aufgabe es immer noch gehört, dass sie mit gefähr­lichen Macheten und mit gefähr­lichen Pes­ti­ziden arbeiten müssen. Die Arbeiter waren zwi­schen 13 und 18 Jahren alt und arbei­teten teil­weise seit ihrem elften Lebensjahr auf Kakao­plan­tagen. Die Jugend­lichen erhalten weniger als 1 $ am Tag. Sie wohnen in selbst­ge­bauten Hütten, löschen ihren Durst mit Wasser aus einem Teich und klagen über Hunger.

Kin­der­arbeit in Ghana und auf Kakao­farmen der Elfen­bein­küste steigt

In Oktober 2020 zeigt auch die neue Studie, dass der Einsatz von Kin­der­arbeit in Kakao­farmen in Ghana und an der Elfen­bein­küste in den letzten zehn Jahren zuge­nommen hat, obwohl die Industrie ver­sprochen hat, ihn zu redu­zieren, teilten Wis­sen­schaftler mit und stützten weit­gehend frühere Erkenntnisse.

Laut einer Studie der US-Regierung sind Kinder, die gefähr­liche Arbeit ver­richten, zu den weltweit füh­renden Kakao­pro­du­zenten aufgestiegen.

Laut der von der US-Regierung finan­zierten Studie ist die Prä­valenz von Kindern, die gefähr­liche Arbeiten aus­führen, ein­schließlich der Ver­wendung scharfer Werk­zeuge, auch bei den beiden weltweit füh­renden Kakao­pro­du­zenten gestiegen. Die Zahlen waren höher als 2010, als Unter­nehmen wie Mars, Hershey, Nestle und Cargill sich darauf einigten, die schlimmsten Formen der Kin­der­arbeit in Ghana und den Kakao­s­ek­toren der Elfen­bein­küste bis 2020 um 70 Prozent zu reduzieren.

Die beiden west­afri­ka­ni­schen Länder, die zusammen etwa zwei Drittel des welt­weiten Kakaos pro­du­zieren, hatten beide die Methodik in Frage gestellt, die in einer frü­heren Version des Berichts ver­wendet wurde, der von For­schern der Uni­ver­sität von Chicago erstellt und im April von der Nach­rich­ten­agentur Reuters ver­öf­fent­licht wurde.

Ghana stellte die Daten in dem neuen Bericht, der am 19. Oko­tober 2020 ver­öf­fent­licht wurde, erneut in Frage, nachdem das US-Arbeits­mi­nis­terium eine Gruppe unab­hän­giger Experten mit der Durch­führung einer Über­prüfung beauf­tragt hatte.

  • Mars sagte in einer Erklärung, dass es 1 Mrd. USD für eine ver­ant­wor­tungs­volle Beschaf­fungs­stra­tegie bereit­ge­stellt und Gesetze gefordert habe, um die Ursachen von Kin­der­arbeit auf west­afri­ka­ni­schen Kakao­farmen zu beseitigen.
  • Hershey und Nestle ver­wiesen Reuters an die Indus­trie­gruppe der World Cocoa Foun­dation (WCF).
  • Cargill ant­wortete nicht auf eine Bitte um Kommentar.

In dem Bericht wurde die Schätzung der Zahl der Kinder, die derzeit in beiden Ländern in der Kakao­pro­duktion arbeiten, von mehr als zwei Mil­lionen in der April-Studie auf 1,56 Mil­lionen gesenkt, da die Gewichtung der Daten geändert worden sei. Es gab keine Ver­gleichs­summen von 10 Jahren zuvor.

„Kom­ple­xität und Größe“

Der Anteil der Kinder aus land­wirt­schaft­lichen Haus­halten in Kakao­an­bau­ge­bieten, die im Kakao­s­ektor an der Elfen­bein­küste und in Ghana Kin­der­arbeit leisten, sei jedoch von 31 Prozent im Jahr 2008/09 auf 45 Prozent im Jahr 2018/19 gestiegen. Die ent­spre­chenden Zahlen für gefähr­liche Arbeiten seien von 30 Prozent auf 43 Prozent gestiegen.

„Trotz der Bemü­hungen der Regie­rungen, der Industrie und anderer wich­tiger Akteure bei der Bekämpfung von Kin­der­arbeit und gefähr­licher Kin­der­arbeit in den letzten 10 Jahren sind die Prä­va­lenz­raten für Kin­der­arbeit und gefähr­liche Kin­der­arbeit nicht gesunken“, heißt es in dem Bericht. Die Kin­der­ar­beitsrate habe sich seit der letzten Umfrage 2013/14 sta­bi­li­siert und der Schul­besuch in Kakao­an­bau­ge­bieten sei trotz der stei­genden Kakao­pro­duktion gestiegen,

Die Kakao-Lobby

Den Kon­zernen, die den Roh­stoff kaufen, sind die Arbeits­be­din­gungen auf den Pflan­zungen seit Langem bekannt. Doch Bestre­bungen, nur fair erzeugten und gehan­delten Kakao zu ver­wenden, bleiben die Aus­nahme. So konnte bei­spiels­weise die Kakao-Lobby in den USA ein Gesetz ver­hindern, das die Aus­beutung und Zwangs­arbeit von Min­der­jäh­rigen beenden sollte.

Company Net Sales 2019 (US$ millions)
Mars Wrigley Con­fec­tionery, division of Mars Inc (USA) 18,000
Ferrero Group (Luxem­bourg / Italy) 13,000
Mondelēz Inter­na­tional (USA) 11,800
Meiji Co Ltd (Japan) 9,721
Hershey Co (USA) 7,986
Nestlé SA (Switz­erland) 7,925
Cho­co­la­den­fa­briken Lindt & Sprüngli AG (Switz­erland) 4,574
Pladis (UK) 4,515
Ezaki Glico Co Ltd (Japan) 3,156
Orion Corp (Korea) 1,767

Refe­rence:
Candy Industry, January 2020

Bittere Scho­kolade: Ent­waldung in der Elfenbeinküste

Die Nach­frage nach Scho­kolade treibt die Ent­waldung in der Elfen­bein­küste voran, die mehr als ein Drittel des welt­weiten Kakaos pro­du­ziert. Ungefähr 90% der Wälder des Landes wurden seit der Unab­hän­gigkeit im Jahr 1960 zerstört.

Weniger als vier Prozent der Elfen­bein­küste sind nach wie vor dicht bewaldet, und der Laissez-Faire-Ansatz der Scho­ko­la­den­firmen zur Beschaffung hat auch in Ghana zu einer umfas­senden Ent­waldung geführt“, berichtet Mighty Earth. Abge­sehen von der Zer­störung von Lebens­räumen, die von Wild­tieren genutzt werden, hat diese Abholzung auch geschützte Arten wie Schim­pansen, Ele­fanten, Leo­parden und Zwerg­fluss­pferde in immer kleinere Wald­frag­mente gedrängt, wo sie viel leichter zu jagen sind und daher eher von Wil­derern getötet werden.

Ein Bericht von Global Forest Watch ergab, dass die Elfen­bein­küste den zweit­höchsten Anstieg der Ent­wal­dungs­raten weltweit ver­zeichnet. Wenn die Ent­waldung andauert, wird der Cavally Forest nach einem Bericht von Mighty Earth bis 2061 voll­ständig und der Goin Debe Forest bis 2071 voll­ständig ver­schwunden sein.

Map 1 – Ivory Coast Defo­re­station in 1990, 2000, and 2015

Map 2 – Defo­re­station inside Peko National Park

Mehr Karten und Infor­ma­tionen hier: mightyearth.org

Ent­waldung: Warum ist sie so schlimm geworden?

 

In den 1960er Jahren ermu­tigte die Elfen­bein­küste Ein­hei­mische und Migranten dazu, Kakao anzu­bauen. Seitdem hat sich die jähr­liche Pro­duktion in der west­afri­ka­ni­schen Nation von einer halben Million Tonnen Kakao auf über zwei Mil­lionen Tonnen im Jahr 2018 ver­vier­facht. IWF-Daten zeigen, dass die Kakao­ex­porte fast 15 Prozent des Brut­to­in­lands­pro­dukts der Elfen­bein­küste aus­machen. Kakao gab der Elfen­bein­küste eine der stärksten Volks­wirt­schaften Afrikas, aber diese süße Geschichte hat auch eine bittere Seite. Eine Satel­li­ten­analyse, die von der in Washington ansäs­sigen Umwelt­ak­ti­vis­ten­gruppe Mighty Earth an Al Jazeera geschickt wurde, zeigt, dass mehr als 30 Prozent der Kakao­pro­duktion der Elfen­bein­küste illegal durch­ge­führt werden – und über min­destens 220 geschützte Wälder und Natio­nal­parks ver­teilt sind.

Wenn ein Landwirt mehr ver­dienen wollte, musste er tra­di­tionell mehr pro­du­zieren, was bedeutete, mehr Land zu nutzen. Da der Elfen­bein­küste jedoch die Anbau­flächen aus­gehen, muss sie kämpfen, um die Ein­kommen der Bauern zu erhöhen, damit diese nicht ver­sucht sind, illegal Kakao in geschützten Wäldern anzubauen.

 

Der Löwen­anteil des mit Kakao erwirt­schaf­teten Geldes wird von nam­haften inter­na­tio­nalen Her­stellern und Händlern bean­sprucht. Nur sechs Prozent des Wertes des End­pro­dukts erhalten die Pro­du­zenten. Siehe auch: Bittere Scho­kolade: Ent­waldung in der Elfen­bein­küste – Bitter cho­colate: Defo­re­station in the Ivory Coast

Nestlé, Mars und die anderen Scho­ko­la­den­gi­ganten haben 2001 ein Abkommen unter­zeichnet und waren trotzdem fast zwei Jahr­zehnte scheinbar untätig, die Kin­der­arbeit zu beenden. Genauso hatten sich die Kon­zerne 2010 ver­pflichtet, die Ent­waldung in den nächsten zehn Jahren zu beenden. Doch trotzdem zer­störten Kon­zerne wie General Mills, Mars, Nestlé u.a  laut einer Analyse in nur einem Jahr­zehnt 50 Mil­lionen Hektar Wald. Das ent­spricht der Größe von Spanien. Paradox, werben diese Kon­zerne doch auch noch mit dem Slogan „Nach­hal­tigkeit“.

Im Durch­schnitt erhalten die Kakao­er­zeuger in der Elfen­bein­küste und in Ghana weniger als 80 Cent pro Tag und arbeiten oft unter gefähr­lichen Bedin­gungen mit langen Arbeits­zeiten. Kin­der­arbeit ist in der gesamten Industrie immer noch vor­herr­schend, trotz der Zusage vieler Scho­ko­la­den­un­ter­nehmen, diese Pro­bleme zu besei­tigen. Studien gehen davon aus, dass mehr als 2 Mil­lionen Kinder auf den Kakao­feldern West­afrikas arbeiten. Men­schen­handel und Skla­verei sind weit verbreitet.

Es geht um viel Geld. Allein in Deutschland beträgt der Umsatz im Segment Scho­kolade ca. 6,6 Mil­li­arden Euro. Die Scho­ko­la­den­in­dustrie bezahlte sogar für Studien, die zeigen sollen, dass Scho­kolade gesund sei. Und: Statt weniger Zucker hin­zu­zu­fügen, werden die Packungen einfach kleiner gemacht! Unglaublich, oder?

https://youtu.be/pRwMoGPTEEM

Netzfrau Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.org