Bild: Querdenken-Demo, Wikimedia Commons, Andreas Schwarzkopf, Bildlizenz: CC BY-SA 4.0
Politik & Aktuelles

Die nächste Horrorpropaganda zerplatzt: Querdenken-Demos waren KEINE Superspreader!

15. Februar 2021

Unisono fallen die Hauptmedien über die bösen Coronaleugner und Covidioten her, die „schuld“ sind an dem Coronaausbruch im Herbst, haben sie doch gewissenlos die Viren um sich herumgepestet und Millionen Deutsche in den elenden Coronatod geschickt. So oder so ähnlich ist der Unterton in den Mainstreammedien und sie beziehen sich ungeprüft und ohne nachzudenken auf eine Studie aus Mannheim und Berlin, die das belegen will. Nur haben viele, nicht im Staatssold stehenden, Wissenschaftler die Nase gestrichen voll von den Kollegen, die der Berliner Repressionsregierung willfährig die gewünschten Zahlen herbeizaubern. Nach der Enthüllung der E-Mails zum vertraulichen Panikmache-Papier die nächste Gruselgeschichte, die ihnen um die Ohren fliegt.

Unter „mdr Wissen“ wird gar Entsetzliches gemutmaßt:

„Forscher des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) sowie der Berliner Humboldt-Universität (HU) wollen das in einem neuen Diskussionspapier abschätzen. Weil es keine direkten Daten dazu gibt, wie hoch der Anteil von sogenannten Corona-Skeptikern an der Gesamtbevölkerung eines Ortes ist, zogen die Wissenschaftler verschiedene Hinweiswerte für ihre Analyse heran. Bei dem Beitrag handelt es sich um ein Diskussionspapier des ZEW, es ist also nicht durch den Review-Prozess einer wissenschaftlichen Zeitschrift gegangen. Die Annahmen der Forscher klingen dennoch plausibel.“ 

Der mdr gibt wenigstens noch vorsichtig zu, dass die Datenlage auf Mutmaßungen beruht und die ganze Studie nicht von anderen Wissenschaftlern überprüft wurde. Man konzidiert, dass sich die Schlussfolgerung der Studienautoren aber irgendwie doch „plausibel“ anhört.

Der linke Tagesspiegel hält sich mit solchen halbwegs sorgfältigen Überlegungen gar nicht erst auf:

„Inzwischen ist klar: Diese beiden „Querdenker“-Demos waren Corona-Superspreader-Events. Wären die Kundgebungen abgesagt worden, hätten bis Weihnachten zwischen 16.000 und 21.000 Covid-19-Infektionen verhindert werden können.“

Und überhaupt: Man hätte sie alle gleich komplett festnehmen sollen, diese Covidioten und in ein Gefangenenlager stecken. „Unbehelligt“ sind sie da fröhlich herumgezogen und die Abstände haben sie auch nicht gehalten, diese virenauspestenden Mörderbanden:

Die Polizei ist überfordert, beendet die Demo mit 20.000 bis 40.00 Menschen, doch noch Stunden später ziehen tausende Demonstranten unbehelligt durch die Stadt. (…) Auch hier hält sich die Mischung aus ‚Querdenkern‘ und anderen Verschwörungsideologen, sowie Esoterikern, Rechtsextremen, Reichsbürgern und allgemeinen Kritikern der Corona-Politik nicht an die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutz oder Abstand zu halten.“

Und, sieh an, die Gegendemos – ebenfalls nicht gerade klein – der radikalen Linken, die ebenfalls keinen Abstand hielten und randalierend durch die Straßen zogen, findet hier keine Erwähnung. Geradezu sarkastisch mutet es an, wenn der linke Tagesspiegel, sonst voll milder Nachsicht und Verständnis für die tapferen Kollegen von der Antifa, sind gar erschüttert davon, dass hier die lieben Polizeibeamte angegriffen worden sind: „Steine, Flaschen und Böller fliegen – 77 Polizeibeamte werden verletzt. Wasserwerfer fahren vor dem Brandenburger Tor vor.“

Aber auch der Berliner Kurier titelt von keines Zweifels Blässe angekränkelt: „Mindestens 16.000 Corona-Fälle durch zwei Demos – Studie zeigt: ‚Querdenker‘-Demos waren echte Superspreader-Events“:

„Viele Menschen, kaum Abstand und das offensive Zurschaustellen von Maskenverweigerung. Wer das sah, befürchtete automatisch, dass diese Demos nicht nur ein Sammelbecken für Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker aller Art waren, sondern eben auch zu Superspreader-Events werden würden. Letzteres hat nun eine Studie belegt. ‚Das Virus nimmt durch die Demonstrationen Fahrt auf‘, sagte Dr. Martin Lange vom Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW in Mannheim, der diese Frage zusammen mit Wissenschaftlern der Berliner Humboldt-Universität untersuchte.“   

Dass es da auch ganz andere Stimmen von ausgewiesenen Experten gibt, verschweigen die ganzen Hofherolde der Berliner Republik geflissentlich. Aber es gibt sie. Und es ist dem „Nordkurier“ zu verdanken, dass er darüber berichtet:

„Die wissenschaftliche Arbeit ist ein gefundenes Fressen für alle, die Querdenker am liebsten stummschalten möchten. Zwei Wissenschaftler des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Berliner Humboldt-Uni präsentieren eine Studie zu den großen Querdenken-Demos in Berlin und Leipzig und kommen zu dem Ergebnis: Durch die Veranstaltungen haben im Vorjahr 16.000 bis 21.000 Mehr-Infektionen stattgefunden. Querdenker, die in dem Papier durchgehend als ‚Covid-Leugner‘ bezeichnet werden, hätten damit zur starken Ausbreitung des Virus definitiv beigetragen. (…) Zudem wird in dem Papier der Anschein erweckt, es gebe eine belastbare Relation zwischen dem Anteil an AfD-Wählern, der Anzahl der Menschen, die zu Großdemos fuhren, Impfverweigerern und erhöhten Inzidenzen in den untersuchten Regionen.“

Tatsächlich schreiben die Autoren der Studie unverblümt:

Motiviert durch die Beobachtung, dass COVID-19-Leugner überproportional populistische Parteien unterstützen und Impfungen weitgehend ablehnen, verwenden wir regionale Informationen über die Stimmenanteile der größten populistischen Partei in Deutschland [gemeint ist das Abschneiden der AfD bei der EU-Wahl 2019] und den Anteil der gegen Masern geimpften Kinder als Kausalkette für einen potenziell hohen Anteil an COVID-19-Leugnern. Wir finden eine signifikante und beträchtliche Korrelation zwischen diesen Merkmalsausprägungen und den COVID-19-Infektionsraten, was darauf hindeutet, dass ein hoher Anteil an COVID-19-Verweigerern in einer Region die dortige Ausbreitung des Coronavirus begünstigen kann.“

Das hört sich wirklich an, wie ein bestelltes Weihnachtsgeschenk für unsere Regierung, die gerne mal Druck auf Wissenschaftler macht und paniktreibende Corona-Prognosen bestellt, die „repressive Maßnahmen“ gegen die Bevölkerung durchsetzbar machen soll.

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Entweder haben auch die Wissenschaftler, die diese „Superspreader-Studie“ erstellt haben, ordentlich Druck bekommen, um dieses Ergebnis herbeizuschreiben, oder sie kennen ihr wissenschaftliches Handwerkszeug nicht. Andere Wissenschaftler haben nämlich nun die fehlende Peer-Review nachgeholt und festgestellt, dass die Studie, wie der Nordkurier schreibt, „hanebüchender Quatsch“ ist:

„Auf jeden Fall grober Unfug sind die 21.000 Mehrinfektionen“, sagt Statistik-Professor Walter Krämer von der Uni Dortmund dem Nordkurier. Die mächtig klingende Zahl sei Ergebnis eines „ausgefeilten statistischen Modells“, das auf Schätzungen beruhe und somit erhebliche Zufallsfehler enthalte. „Die angeblich 21.000 Mehrinfektionen sind nicht im wahren Leben tatsächlich beobachtet worden, sondern das Artefakt eines statistischen Modells.”

„Sind nicht im wahren Leben tatsächlich beobachtet worden“, heißt, die Infektionen sind nicht wirklich passiert, diese 21.000 Infizierten gibt es gar nicht, in keiner offiziellen Statistik – und niemand wird dem RKI unterstellen wollen, dass es aus lauter Kameradschaft zu den Querdenkern einfach mal 21.000 Infektionen (eigentlich nur positive PCR-Tests) unterschlagen hat. Und „Artefakt eines statistischen Modells“ bedeutet: Die haben da einfach was extrapoliert und hochgerechnet nach einer selbst erfundenen Formel und überhaupt nicht nachgeprüft, ob das mit den tatsächlichen Zahlen übereinstimmt.

Prof. Thomas Rießinger, ein Mathematiker hat ebenfalls ernste Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der Studie überhaupt. Die Zahlen haben sich die Studienautoren zusammengereimt aus „angenommenen“ Zahlen eines Busunternehmens, das die bösen Querdenker aus den verschiedenen Orten abgeholt und nach Berlin und Leipzig transportiert hatte. Prof Rießinger dazu: „Sie haben keine Ahnung, wie viele Leute in den Bussen saßen, sie wissen auch nicht, in welcher Weise sie in den Bussen saßen. Sie wissen über diese Busse gar nichts – außer, dass es Haltestellen an verschiedenen Orten gab. Das ist als Input für so weitreichende Aussagen für meine Begriffe ein bisschen wenig.“

In der Tat, das ist es wohl. Also etwa so: Wie viele Busse werden denn da wohl gefahren sein? Zwanzig? Nein, geht nicht, da passen dann die Ergebnisse nicht. Sagen wir mal vierzig. Das wird schon in etwa hinkommen. Tja, und wie viele Leute gehen in so einen Bus? BESTIMMT 80. Das mal 20 Haltestellen, plus Tagestemperatur geteilt durch Stunden mal Durchschnittsgeschwindigkeit ergibt 21.000 Infizierte? Wie viele Demonstranten kamen denn überhaupt per Zug oder Auto und wie viele per Bus? Und wie viele Berliner? Vielleicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Außerdem wurde offenbar wohlweislich gar nicht in Betracht gezogen, dass gerade das nahe Bayern, woher ebenfalls sehr viele Demonstranten kamen oder das Risikogebiet Tschechien ebenfalls durchaus Anteil an einem erhöhten Infektionsgeschehen haben könnte.

Noch hübscher ist nach Meinung der überprüfenden Wissenschaftler der konstruierte, direkte Zusammenhang zwischen unterstellten AfD-Sympathien und Covid-19 Inzidenzen. „Wenn es einen Zusammenhang zwischen politischer Präferenz und Inzidenz gäbe, muss man auch gegenkontrollieren: Wie sind die (Inzidenz-)Zahlen denn in grün beherrschten Vierteln? Wie ist es denn in links beherrschten Vierteln? Das ist nicht geschehen“

Überdies ist die Quelle, auf der die Studienautoren ihre Gewissheit der AfD-Lastigkeit der Querdenker begründen, selbst eine nicht repräsentative Studie des Soziologen Oliver Nachtwey. Diese Studie stellt allerdings ebenfalls fest, dass unter den Querdenkern auch 21% Grünen-Wähler zu finden sind und 17% die Linken wählen. Das haben die beiden Studienautoren Lange und Monscheuer allerdings wohlweislich verschwiegen. Weil es nicht in das beabsichtigte Bild vom Corona-verbreitenden, rechtsradikalen AfD-Impfgegner passt?

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Das unmissverständliche und eindeutige Fazit der Mathematikprofessors: „Die Studie hat eine eindeutige politische Schlagseite. Man hat das als Input hineingesteckt, was man am Ende herausfinden wollte.“ Und er merkt an, dass einfach „irgendwelche Umfragen“ herbeigezogen wurden, die zu der Unterstellung der Studie führen, dass AfD-Anhänger grundsätzlich Coronaleugner seien, was mit nichts belegt und mehr als fragwürdig ist. Die ganze Studie habe schwere politische Schlagseite, weil durchgängig die Bezeichnung „Coronaleugner“ oder „Covid-19-Leugner“ für die Demonstranten für Grundrechte verwendet worden sei.

Prof.Krämer rügt: „Die Autoren gehen mit einen deutlichen Vorurteil an die Studie heran. Daraus machen sie auch gar keinen Hehl.“

Und dann kommt der rechte Haken auf die Kinnspitze der Studienautoren: Sie haben nicht einmal zwischen Korrelation und Kausalität unterschieden. Um das zu verdeutlichen, hier mal die klassische Erklärung: Wenn in einem Dorf in einem Jahr besonders viele Störche brüten und gleichzeitig viele Babies zur Welt kommen, ist das kein Beweis, dass die Störche die Babies bringen. Die Häufigkeit von Coronaleugnern ist eben nicht ursächlich für Covid-19 selbst.

Als nächstes Argument benutzt die Studie die niedrige Masern-Impfrate für Kinder in den Regionen, aus denen die Demonstranten kamen als Beleg dafür, dass die Bewohner, die AfD-Wähler sind, sich offenbar auch generell gegen staatliche Gesundheitsmaßnahmen sträuben. Das ergebe sich daraus, dass sich 84 Prozent der Querdenken-Demoteilnehmer nicht gegen Covid-19 impfen lassen würden. Dieser Rückschluss aus einem Potpourri aus Vorurteilen soll aber Wissenschaft sein.

„Könnte es sein“, fragt Prof. Rießinger, „dass selbst überzeugte Impfanhänger – zu denen auch ich gehöre – keineswegs generell etwas gegen Impfungen haben, sondern nur ein gesundes Misstrauen einem Impfstoff entgegenbringen, der in unglaublich kurzer Zeit entwickelt und nach dem Urteil vieler Fachleute keineswegs ausreichend getestet wurde? Wer hier vorsichtig ist, ist nicht automatisch Impfgegner, sondern eben vorsichtig.“

Der Nordkurier schließt mit der Bemerkung:

„Für den Mathematiker ist die Studie insgesamt nicht wirklich ernst zu nehmen. ‚Das ist statistisch verbrämte Propaganda‘, so Prof. Rießinger zum Nordkurier.“

Wieder einmal eine böswillige politisch diffamierende Zahlenakrobatik, die als wissenschaftlicher Beleg daherkommt. Das sind Fake-News vom Feinsten, die ganze Teile der Bevölkerung als Quasi-Mörder dem öffentlichen Hass ausliefern soll, wenn nicht extrem repressive Maßnahmen gegen Demonstranten rechtfertigen soll.

Einen herzlichen Dank an die Autorin des Nordkurier-Beitrages Simone Schamann, die Experten dazu befragte und die angebliche Studie einer genauen Prüfung unterzog. DAS ist echter Journalismus, der hinter die Kulissen schaut und nicht gleichgeschaltet abdruckt, ohne nachzufragen.