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Gesundheit, Natur & Spiritualität

Regenwälder im Kongo – Zerstörung durch Palmölplantagen! Menschen werden eingesperrt, gefoltert oder ermordet!

26. März 2021

Zuerst kamen diejenigen, die töteten. Dann kamen diejenigen, die Häuser in Brand setzten. Und schließlich diejenigen, die etwas Wertvolles plünderten. Vergewaltigt, gefoltert und ermordet: Frauen und Kinder tragen die Hauptlast der Konflikte. In der Demokratischen Republik Kongo wird sexuelle Gewalt systematisch als Kriegswaffe eingesetzt. Die jungen Rebellen werden dazu gezwungen – auf Befehlsverweigerung steht die ­Todesstrafe. Die Demokratische Republik Kongo wird nie zur Ruhe kommen, denn das Land hat das, was westliche Länder wollen: Uran, Kupfer, Gold, Zinn, Kobalt, Diamanten, Mangan, Zink, Öl und mit Hilfe der Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), Tochterunternehmen der staatlichen KfW Förderbank und andere Europäische Entwicklungbanken wird Palmöl angebaut.

Die DR Kongo ist reich an Rohstoffen und gehört doch zu den ärmsten Staaten der Welt. Der Palmölkonflikt begann zunächst in Indonesien, dem weltweit größten Palmölproduzenten, als die Industrie große Teile des Regenwaldes abholzte und durch Ölpalmenplantagen ersetzte. Weniger bekannt ist die Zerstörung des kostbaren Regenwaldes im Kongo für die Produktion von Palmöl. Auch im Kongo brennt kostbarer Regenwald, für den Profit.. Der Kongo-Regenwald ist der zweitgrößte Regenwald der Welt und eine lebenswichtige Kohlenstoffsenke, die den Klimawandel verlangsamen kann. Und wie im Amazonas oder Indonesien, werden Menschen eingesperrt, gefoltert oder ermordet – denn ihr Land ist reich an Rohstoffen! Auch im Kongo ist die größte Bedrohung für den Regenwald die industrielle Rodung und die Umstellung auf  großflächige Landwirtschaft und auch hier, eine massive Entwaldung für Palmöl. Die Einwohner zahlreicher Gemeinden in der Demokratischen Republik Kongo leiden seit Jahrzehnten unter den Palmölplantagen.Im Jahr 2009 verkaufte der globale Lebensmittelkonzern Unilever seine Palmöltochter Plantations et huileries du Congo (PHC) an Feronia, ein an der Börse von Toronto notiertes Unternehmen. Europäische Entwicklungsbanken sind wichtige Geldgeber und Anteilseigner des Plantagenunternehmens, das die 107.000 Hektar Land besetzt, die es mit dem Kauf von PHC von Unilever in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) erhalten hat. Die folgenden Veröffentlichungen enthüllen die Geschichte hinter diesen Palmölplantagen und den Kampf um Gerechtigkeit und den Gemeinden, die von diesem Landraub betroffen sind. Sie wurden nicht gefragt, als ihnen das Land ihrer Ahnen und damit ihre Lebensgrundlage auch mit Hilfe der Europäischen Entwicklungbanken geraubt wurde. Einheimische, die sich gegen die Plantagenfirma PHC wehren, werden inhaftiert. Die jüngsten Verhaftungen betreffen Mitglieder einer  Menschenrechtsorganisation.

Gemeinden in der DR Kongo wurde Land für die industrielle Ölpalmenproduktion gestohlen.

Der westliche Tieflandgorilla  ist eine vom Aussterben bedrohte Art, die in den Feuchtgebieten der Cuvette Centrale lebt. Bildnachweis: Rhett A. Butler.

Mittlerweile wird kostbarer Regenwald auch in Lateinamerika und in Afrika für das „grüne Gold“, sprich Palmöl gerodet, so auch im Kongo. Hier wüten bereits mehr Brände, als in Brasilien.

In Cuvette Central befindet sich das viertgrößte Schutzgebiet der Demokratischen Republik Kongo: das 4.400 Quadratkilometer große Lac Télé Community Reserve (LTCR). Das LTCR beherbergt vom Aussterben bedrohte Tiere, darunter auch eine der höchsten Dichten vom Aussterben bedrohten westlichen Tieflandgorillas.

Die Cuvette Centrale, in der unzählige vom Aussterben bedrohte Arten beheimatet sind, ist durch die Entwicklung der Infrastruktur sowie durch Konzessionen für Öl, Gas und Forstwirtschaft gefährdet. Wenn die Moore entwässert und für landwirtschaftliche Zwecke wie Palmölplantagen genutzt werden, könnte das gesamte Ökosystem beeinträchtigt werden.

Erst im Januar 2021 wurden sechs Gorilla-Ranger im Hinterhalt im Virunga-Nationalpark getötet Seit über 20 Jahren ist der Virunga-Nationalpark im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo durch Krieg, Wilderei und Raubbau bedroht.Nicht einmal auf Schutzgebiete, wo die Gorillas leben, wird Rücksicht genommen, denn Uganda unterzeichnete im September 2020 mit dem Ölrieses Total das ostafrikanische Rohölpipeline-Projekt! Und auch DR- Kongo will in Nationalparks nach Öl forschen und weltweit größten Regenwald den Holzfällern überlassen!

Die Europäische Union, Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Norwegen, die Niederlande, Südkorea und die Weltbank sind die Geber zum Schutz der Regenwälder im Kongo.

Prinz Bernhard von Niederlande und Mobutu Sese Seko

Mobutu Sese Seko Kuku Ngbendu wa Zabanga war von 1965 bis 1997 Präsident der Demokratischen Republik Kongo (von 1971 bis 1997: Zaire). Mobutu herrschte in einer der längsten und korruptesten Diktaturen Afrikas. Am 14. September 1960 wurde Lumumba in einem Staatsstreich gestürzt. Die belgische Regierung sah Lumumba als eine Gefahr an, da er als Sozialist die reichen Bergbau- und Plantagen-Gesellschaften verstaatlichen wollte. Der belgische Staat übte auf die Medien Druck aus, um das Image Lumumbas zu ruinieren.  Eine westdeutsche Zeitungskarikatur bezeichnete Lumumba sogar als Negerpremier. Nach seinem Tod lautete der Titel einer belgischen Zeitung „der Tod des Satans“ (la mort de Satan).  An diesem Unterfangen war Oberst Mobutu in exponierter Position mit Unterstützung der CIA und des belgischen Geheimdienstes beteiligt. Lumumba hatte geplant, die wirtschaftliche Abhängigkeit des Kongos zu bekämpfen, während westliche Staaten an der Ausbeutung der Rohstoffe wie Uran, Kupfer, Gold, Zinn, Cobalt, Diamanten, Mangan und Zink interessiert waren. Siehe  DR Kongo – Verbrannte Dörfer – Überlebende erzählen vom Alptraum des Massakers – DR Congo survivors recount nightmare of massacre

Handelspartner von DR-Kongo sind Belgien, Südafrika, Brasilien, Frankreich, USA, Deutschland und Indien. Mittlerweile spielt die VR China bei internationalen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen eine zunehmend bedeutende Rolle. Insbesondere im Rennen um Rohstoffe und Absatzmärkte der Demokratischen Republik Kongo macht China den Europäern Konkurrenz. 

  • Im Dezember 2014 fanden Konsultationen zwischen Vertretern der Demokratischen Republik Kongo und der Bundesrepublik Deutschland statt. Im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit werden 45 Mio. EUR  der Demokratischen Republik Kongo zur Verfügung gestellt. Hiervon werden ca. 20 Mio. EUR für den nationalen Friedensfonds eingesetzt.

Viele Regierungen unterliegen der Illusion, dass die Reduzierung der zum Treibhauseffekt beitragenden CO2-Emissionen nur über den Umweg des „grünen Goldes“ als saubere Alternative zum umweltschädlichen Erdöl möglich ist. Während aber die ursprünglichen Wälder die Natur im Gleichgewicht zu halten vermochten, produzieren die Palmen-Monokulturen viel weniger Sauerstoff und binden wesentlich weniger Kohlendioxid als ein Regenwald.

 

Die afrikanische Entwicklungsbank erstellt gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) einen fortlaufenden Überblick zur ökonomischen Entwicklung in den 54 afrikanischen Ländern. Der Human Development Report (HDR) der Vereinten Nationen weist auf die schwierigen politischen und administrativen Rahmenbedingungen hin, welche einer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der Demokratischen Republik Kongo im Wege stehen.

Seit 2009 stehen Grundstücke unter der Kontrolle der Firma FERONIA.

Palmöl Dr-Kongo – Foto: Feronia

Feronia ist an der Toronto Venture Exchange notiert und das erste afrikanische Agribusiness, das an einer nordamerikanischen Börse notiert ist. Die Huileries du Congo Belge (HCB) wurde 1911 von Lever Brothers ( Unilever ) gegründet, um die Seifenfabrik Port Sunlight in Großbritannien mit Palmöl zu versorgen. Es entwickelte sich zu einem der größten Arbeitgeber im privaten Sektor in Afrika und lieferte Speiseöle und andere wichtige landwirtschaftliche Produkte an lokale und internationale Märkte. HCB blieb durch den Übergang von der belgischen Herrschaft zur Unabhängigkeit im Betrieb.

„Die Demokratische Republik Kongo hat das Potenzial, einer der weltweit wichtigsten Produzenten einer Vielzahl von Agrarrohstoffen zu werden. Es hat das Klima, das Wasser und die Größe, um dies zu erreichen“, so der Konzern Feronia. 

Im Juli 2020  wurde bekannt gegeben, dass Feronia vor dem Bankrott steht und eine finanzielle Umstrukturierung durchlaufen soll, um die langfristige Zukunft von PHC, seinem Palmölgeschäft in der Demokratischen Republik Kongo, zu sichern. Am 23. November 2020 wurde die formelle Restrukturierungsvereinbarung zwischen dem Unternehmen und seinen Kreditgebern unterzeichnet.

Die Umstrukturierung führt dazu, dass Feronia KNM, ein belgisches Unternehmen, das sich mehrheitlich im Besitz des auf Lebensmittel und Landwirtschaft ausgerichteten US-Investmentfonds KN Agri LLC befindet, 15 Mio. USD frisches Kapital in das Geschäft einbringt-

In all diesen Jahren gaben die Gemeinden trotz aller Gewalt, die Unternehmen und Regierungen gegen sie ausübten, nie den Traum und den Kampf auf, die Kontrolle über ihr Land zurückzugewinnen.

In ihrem am 28.Januar 2021 veröffentlichten Bericht „Development Finance as Agro-Colonialism“ zeigen 11 NGOs das Scheitern europäischer Entwicklungsbanken im Rahmen der Finanzierung des Palmölunternehmens Feronia-PHC in der Demokratischen Republik Kongo auf. Die Entwicklungsbanken haben seit 2013 rund 150 Millionen US-Dollar in die Ölmühlen und Plantagen des Unternehmens gesteckt, ungeachtet der bestehenden Landkonflikte mit den umliegenden Gemeinden und der Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen, der Untergrabung von Arbeiterrechten und Gewalt gegen Gemeinden.

 

Erst 2019 wurde ein Mitglied der kongolesischen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation RIAO-RDC, Joël Imbangola Lunea, von einem Sicherheitsbeamten des Palmölunternehmens Feronia-PHC in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) brutal geschlagen und getötet. Der Mord folgte auf monatelange Einschüchterungen von Mitgliedern der RIAO-RDC. RIAO-RDC hat den Kampf der Gemeinden gegen die illegale Besetzung ihres Landes durch Feronia unterstützt. RIAO-RDC hat eine zunehmende Eskalation von Konflikten zwischen Sicherheitspersonal auf den Plantagen und Gemeindemitgliedern erlebt.

Daraufhin folgte ein offener Brief , der von über 140 Organisationen und sozialen Bewegungen aus verschiedenen Ländern der Welt und eine Petition  Petition der Organisation Rettet den Regenwald / Souvons la Forêt die von 179,161 Menschen unterzeichnet wurde.  Der Präsident der Demokratischen Republik Kongo und die Gouverneurin von Equateur Provinz, in der die Tötung stattfand wurden aufgefordert, unverzüglich eine umfassende Untersuchung der Ermordung von Herrn Joël Imbangola Lunea einzuleiten.

Das Human Rights Defenders Network (SAHRDN)- Lassen Sie die in Mwingi inhaftierten Palmöl-Demonstranten frei!

 

DR Kongo: SAHRDN fordert die sofortige Freilassung von vier Menschenrechtsverteidigern aus der Gemeinde Mwingi, die nach einem friedlichen Protest gegen die Ölpalmenplantagenfirma PHC willkürlich festgenommen wurden.

Mitte Februar wurden in Mwingi und Bolesa, darunter mehrere örtliche Mitglieder der Menschenrechtsorganisation RIAO-RDC, zu Unrecht nach einem Protestmarsch gegen Feronia-PHC festgenommen. Ihnen wurde vorgeworfen, eine Revolte initiiert zu haben. Außerdem wurden ihnen Fotoaufnahmen und Interviews mit Journalisten zum Vorwurf gemacht. Zwei von ihnen wurden dem Vernehmen nach mit dem Tod bedroht, auch von körperlicher Gewalt und sexuellen Übergriffen gegen Frauen wird berichtet. Wir fordern die Freilassung der unschuldigen Personen und ein Ende von Gewalt, Kriminalisierung und Landraub. Die von den Plantagen betroffenen Einheimischen müssen endlich zu ihrem Landrecht und dem Recht auf freie Zustimmung kommen. Europäische Entwicklungbanken müssen bei ihrem Kunden Feronia-PHC auf die Erfüllung dieser Forderungen drängen.

>>>>Eine Petition wurde von der Organisation Regenwald.org bereits gestartet. 

„Die jüngsten Verhaftungen von Christian Litikela, André Lisongi, José Litikela und Chimita Alela sind Teil einer Reihe von Angriffen gegen Medien- und Aktivistengruppen, die wir in den letzten Monaten in der Demokratischen Republik Kongo erlebt haben“, sagte Arnold Tsunga, Vorsitzender der SAHRDN. „Obwohl Präsident Tshisekedi in seinen frühen Tagen als Präsident versprochen hat, jedem Bürger die Achtung der Ausübung seiner Grundrechte zu garantieren, ist das, was wir vor Ort beobachten, durch eine Zunahme willkürlicher Verhaftungen und die Verfolgung mehrerer Journalisten gekennzeichnet und Aktivisten im ganzen Land “, fügte Tsunga hinzu.

Netzfrauen Lisa Natterer und Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.org