Gesundheit, Natur & Spiritualität

146 Milliarden Euro für Müll? Wie Banken und die Kunststoffindustrie eine globale Umweltkatastrophe forcieren

20. April 2021

Dass Banken und Investoren an der Zerstörung des Regenwaldes beteiligt sind, sollte bekannt sein. Wie eine Recherche zeigte, sind etwa 300 Banken und Investoren an der Zerstörung des Regenwaldes beteiligt. Darunter auch die Skandalbank Deutsche Bank, Barclays, HSBC und Santander und ebenfalls zu den wichtigsten Finanziers gehören die Investmentbanken Goldman Sachs, JPMorgan, Bank of America und Morgan Stanley. BlackRock ist sogar der weltweit größte Investor in Entwaldung. Doch Europäische Top-Banken, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, tragen auch durch ihre milliardenschweren Investitionen und Finanzierungen der Kunststoffindustrie massiv zur globalen Plastikverschmutzung bei. Keine der in einer Recherche untersuchten Banken hat bisher eine umfassende Plastikpolitik, weder für die Produktionskette noch für den Konsumgüterbereich.

Der Bericht analysiert das kunststoffbezogene Investitions- und Finanzierungsverhalten von acht europäischen Großbanken, die Finanzbeziehungen im Wert von mehr als 146 Milliarden Euro zu kunststoffherstellenden oder -verarbeitenden Unternehmen unterhalten. Insgesamt haben diese Banken seit 2017 Kapital in Höhe von rund 95 Mrd. EUR für die im Bericht untersuchten Unternehmen aufgenommen, um deren kunststofflastige Geschäftsmodelle zu finanzieren. Die Banken mit den größten Kapitalinvestitionen waren HSBC, Deutsche Bank, BNP Paribas und die spanische Santander. Darüber hinaus tätigten Banken Investitionen in Höhe von fast 52 Mrd. EUR. Die Besorgnis der Öffentlichkeit über Plastik hat in den letzten Jahren zugenommen, als Wissenschaftler Kontaminationen in einst unberührten Umgebungen von den Tiefen des Ozeans bis zur Arktis entdeckt haben. Es wäre naiv zu glauben, dass es überall Plastik gibt, aber nur nicht in uns! Die Verschmutzung durch Plastik wirkt sich nicht nur auf das Leben im Meer aus. Es wird sehr offensichtlich, dass Banken die Zerstörung unserer Umwelt auf so viele Arten erleichtern, nicht nur bei der Abholzung der Regenwälder, sondern auch bei dem Thema Plastikmüll.

Banken und Investoren an der Zerstörung der Umwelt beteiligt!

Mittlerweile ist gut dokumentiert, wie Banken und Investoren an der Zerstörung des Regenwaldes beteiligt sind. Unter anderem auch die Deutsche Bank, denn obwohl in der Umweltpolitik der Deutschen Bank seit 2017 festgelegt ist, dass Projekte oder Aktivitäten zur Rodung von primären feuchten Tropenwäldern nicht wissentlich finanziert werden, verfügt die Deutsche Bank ab April 2019  jedoch über JBS-Aktien im Wert von über 11 Mio. USD. Und auch gewährte die Deutsche Bank ausgerechnet dem Kautschukriesen aus Singapur ein „Nachhaltigkeitsdarlehen“ in Höhe von 25 Mio. USD. Der Kautschukgigant Halcyon Agri und seine Tochtergesellschaft Sudcam stehen wegen massiver Abholzung von Regenwäldern in Afrika und Asien in der Kritik. Siehe auch: Gigantische Plünderung der Erde mithilfe der Deutschen Bank – unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit! – The gigantic plundering of the earth – DEUTSCHE BANK’S LOAN TO HALCYON AGRI

BlackRock, der Großaktionär der Deutschen Bank, ist sogar weltweit größter Investor in Entwaldung.

Offener Brief an BlackRock von 81 Indigene Führer und Umweltverteidiger

Indigene Anführer*innen und Umweltaktivist*innen kritisieren die internationale Investmentgesellschaft BlackRock. Die Richtlinien der Firma greifen zu kurz, um Umweltzerstörung und die Gefährdung indigener Gemeinschaften zu stoppen.

Eine Gruppe von 81 indigenen Führern und Umweltverteidigern aus der ganzen Welt hat einen offenen Brief an BlackRock unterzeichnet, in dem sie sagen, dass die Investitionen des Fondsmanagers „weiterhin die Gesundheit, die Sicherheit und die Zukunft bedrohen“. BlackRock ist der weltweit größte Vermögensverwalter und überwacht 8,7 Billionen US-Dollar für seine Kunden, darunter Pensionsfonds, Regierungen und gemeinnützige Organisationen.

Der Finanzsektor finanziert die Massensterbenkrise und untergräbt gleichzeitig die Menschenrechte und die Souveränität der Ureinwohner. In ihrem Brief sagten indigene Führer aus dem Amazonas, Westafrika, Südostasien und anderen Ländern, dass die Unterlassung zu einer Epidemie von Gewalt gegen Umweltaktivisten und zur Umwandlung ihres traditionellen Landes in Plantagen und Viehweiden beitrage .

Banken und Investoren sind nicht nur an der Abholzung des Regenwaldes beteiligt, sondern auch an der Umweltverschmutzung durch Plastikmüll

Während in den letzten Jahren eher der Fokus auf die Zerstörung der Regenwälder durch Banken und Investoren lag, stehen jetzt auch die Kreditvergabe von Banken an die Kunststoffindustrie im Fokus. Laut einem  Bericht haben Banken 40 Unternehmen in der Kunststoffversorgungskette Finanzmittel in Höhe von 1,7 Billionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, ohne dass Anforderungen an die Bekämpfung der Kunststoffverschmutzung in den Flüssen und Ozeanen der Welt gestellt wurden. Laut einem Bericht von portfolio.earth,  investierten im Jahr 2019 die größten Banken der Welt mehr als 2,6 Billionen USD (ca. das gesamte BIP Kanadas) in Sektoren, von denen Regierungen und Wissenschaftler der Meinung sind, dass sie die Haupttreiber für die Zerstörung der biologischen Vielfalt sind. Der Bericht stufte die Bank of America Corp., Citigroup Inc und JPMorgan Chase & Co zwischen Januar 2015 und September 2019 als die drei größten Finanziers von Kunststoffen ein.

Jede Bank stellte Unternehmen, von Chemie-, Verpackungs- und Getränkeherstellern bis hin zu Einzelhändlern, Kredite und Versicherungen in Höhe von 144 bis 172 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, so der Bericht von Reuters. 

146 Milliarden Euro für Müll? Wie europäische Banken und die Kunststoffindustrie eine globale Umweltkatastrophe forcieren

Europäische Top-Banken, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, tragen durch ihre milliardenschweren Investitionen und Finanzierungen der Kunststoffindustrie massiv zur globalen Plastikverschmutzung bei, so der aktuelle Bericht „Dirty Profits“ von Facing Finance. Keine der in dem Bericht untersuchten Banken hat bisher eine umfassende Plastikpolitik, weder für die Produktionskette noch für den Konsumgüterbereich.

Der Bericht analysiert das kunststoffbezogene Investitions- und Finanzierungsverhalten von acht europäischen Großbanken, die Finanzbeziehungen im Wert von mehr als 146 Milliarden Euro zu kunststoffherstellenden oder -verarbeitenden Unternehmen unterhalten. Insgesamt haben diese Banken seit 2017 Kapital in Höhe von rund 95 Mrd. EUR für die im Bericht untersuchten Unternehmen aufgenommen, um deren kunststofflastige Geschäftsmodelle zu finanzieren. Die Banken mit den größten Kapitalinvestitionen waren HSBC, Deutsche Bank, BNP Paribas und die spanische Santander. Darüber hinaus tätigten Banken Investitionen in Höhe von fast 52 Mrd. EUR.

                                                                                                                                                Facing Finance’s Dirty Profits report

„Banken tragen insbesondere durch ihre Finanzierungen zur globalen Plastikverschmutzung bei und müssen endlich eine finanzielle Abkehr von nicht nachhaltigen plastikintensiven Geschäftsmodellen in ihrer Politik verankern“, fordert Thomas Küchenmeister, Geschäftsführer von Facing Finance und Herausgeber des Reports.

„Die Sustainable Business Taxonomy der EU“ bietet hier eine Orientierung. Sie stuft die Kunststoffproduktion eines Unternehmens nur dann als nachhaltig ein, wenn nicht mehr als 10 Prozent der Endprodukte aus Einwegplastik bestehen oder wenn mindestens 90 Prozent des Ausgangsmaterials recycelt werden. Wenn Finanzinstitute eine solche Anforderung zur Grundlage ihrer Finanzierung machen würden, wäre schon viel gewonnen“, erklärt Ute Straub, Referentin für ethisches Investment bei Brot für die Welt.

Die 14 in der Studie untersuchten Unternehmen, darunter die Rohstofflieferanten ExxonMobil und Shell, aber auch BASF und Ineos, die die Rohstoffe synthetisieren, tragen einen erheblichen Teil zur globalen Plastikverschmutzung bei. Alle diese Unternehmen tun zu wenig, um die Umweltschäden dieser Verschmutzung zu mindern.

„Wir fordern von den Unternehmen ehrgeizige und verbindliche Zusagen, ihren Plastikverbrauch deutlich zu reduzieren. Die kunststoffverarbeitende Industrie muss zudem menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflichten einhalten, wie sie auch im jüngsten Entwurf des Lieferkettengesetzes vorgesehen sind. Unternehmen sollten auch für die Schäden haften, die durch ihre Plastikproduktion und den Gebrauch der Produkte entstehen – insbesondere die extreme Anreicherung von Mikroplastik in Ökosystemen“, sagt Dr. Klaus Schilder, Experte für verantwortliches Wirtschaften bei Misereor.

Die Abschaffung von Plastik muss oberste Priorität bleiben, so der Bericht. „Die internationale Gemeinschaft muss sich für ein verbindliches völkerrechtliches Abkommen zur Bewältigung der Plastikkrise einsetzen. Neben einem verbindlichen Ziel zur Reduzierung der Plastikverschmutzung sollte die Verwendung von nicht oder nur schwer recycelbaren Einwegplastikartikeln und giftigen Zusatzstoffen eingeschränkt werden“, fordert Vanessa Müller, Facing Finance Projektkoordinatorin des Dirty Profits Report.

Der Bericht fordert, künftig Anreize zur Vermeidung von Plastik zu schaffen, Mehrwegsysteme einzuführen und Banken in die Lage zu versetzen, eine Kreislaufwirtschaft finanziell zu unterstützen und den Verbrauchern den verpackungsfreien und nachhaltigen Konsum zu erleichtern.

                                                                                                                                        Facing Finance’s Dirty Profits report

Weltweit macht Einwegplastik die Hälfte aller jemals produzierten Kunststoffe aus. In fast 70 Jahren wurden etwa 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert, die 6,3 Milliarden Tonnen Abfall erzeugten, von denen nur 9 Prozent recycelt und 12 Prozent verbrannt wurden. Fast 80 Prozent des Plastikmülls landet auf Mülldeponien in der freien Natur.

Der Dirty Profits Report wird von Brot für die Welt, Misereor, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Stiftung Kindernothilfe und der schwedischen Entwicklungsagentur Sida finanziert. Facing Finance ist ein gemeinnütziger und nicht-staatlicher Verein mit Sitz in Berlin. Er setzt sich für einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit finanziellen Ressourcen ein. Facing Finance fordert Investoren, Finanzdienstleister, Banken und Versicherungskunden auf, nicht in Unternehmen zu investieren, die Menschenrechte und Umweltschutz verletzen oder die von Korruption und der Produktion völkerrechtswidriger Waffen profitieren. Der „Dirty Profits“-Report wird jährlich zu einem anderen Schwerpunktthema veröffentlicht.

Netzfrauen Lisa Natterer und Doro Schreier


Quelle: netzfrauen.org