Politik & Aktuelles

Die Deutschen haben mehrheitlich die Nase voll vom Gendersprech – sogar die Grünen

28. Mai 2021

Das hätte man nicht gedacht: Selbst bei den Grünen ist eine sehr knappe Mehrheit gegen Gendersprache. 48 Prozent sind dagegen, 47 Prozent sind dafür. Aber auch in der Partei der Verbote und des uninformierten Besserwissens regt sich immer mehr Widerstand, und die Ablehnung wird eher wachsen, wie quer durch die Bevölkerung allgemein. Vor einem Jahr noch lehnten die Deutschen allgemein zu 56 Prozent die Genderisierung der Sprache ab, dieses Jahr ermittelten Umfragen, dass es schon zwei Drittel der Deutschen sind: 65 Prozent mögen das „Binnen-i“, Schrägstriche, (m/w/d), Gendersternchen und Unterstriche einfach nicht, und je mehr sich dieser Sonderzeichen-Unleserlichkeits-Müll in den Texten ansammelt, umso weniger mögen sie es.

Hier bestellen!

Bei den anderen Parteien überwiegt die Ablehnung des politisch korrekten Zeichensalats noch deutlicher. Die Ablehnung der SPD-Wähler (57%) ist darunter noch die geringste, bei der Union sind es schon 68 Prozent, bei den Linken sind es 72 Prozent, die an dem Gendergeschreibsel keine Freude haben, die FDP findet diesen zu 77 Prozent höchst entbehrlich und die AfD samt ihren Wählern bietet erstaunlicherweise der Gendersprache mit deutlichen 83 Prozent die Stirn.

Auf die Frage ‚Wie wichtig oder unwichtig ist Ihrer Meinung nach gendergerechte Sprache für die Gleichstellung der Frau in Deutschland?‘ antworteten nur 27,1 Prozent der befragten Männer bzw. 27,9 Prozent der befragten Frauen mit ‚sehr wichtig‘ oder ‚eher wichtig‘, jeweils über 60 Prozent dagegen machten ihr Kreuz bei ‚sehr unwichtig‘ oder ‚eher unwichtig‘ (der Rest entfällt auf ‚weiß nicht‘ oder ‚keine Angabe‘). Diese Präferenzen sind über Bundesländer, Geschlechter und Parteien ähnlich; auch bei den Anhängern der Grünen bewerteten 60,1 Prozent der Befragten die Gendersprache mit ‚sehr unwichtig‘ oder ‚eher unwichtig‘. Neun von zehn Befragten verwenden privat keine genderneutrale Sprache, 74,6 Prozent auch beruflich nicht, mehr als die Hälfte empfindet einschlägige Vorschriften durch Behörden oder Arbeitgeber als störend, 75,3 Prozent lehnen gesetzliche Vorschriften zur Sprachneutralisierung ab.

In Frankreich hat der Schulminister Jean Michael Blanquer das Gendern an den Schulen sogar verboten. Gerade für Kinder mit Lese- und Rechtschreibproblemen und denen aus bildungsfernen Schichten, so fürchtet er, sei dieser sprachliche und orthographische Stacheldraht eine Qual. Im Übrigen, so sagte er der Zeitung „Journal du Dimanche“, dass die Gendersprache keineswegs inklusiv, sondern eher ausgrenzend wirke. Das Französische mit seiner komplizierten Grammatik sei schon eine Hürde, an der viele Kinder scheiterten. Da müsse man die Sprache noch nicht zusätzlich „zerfleddern“. Dazu kommt, dass viele der Genderzeichen auf den Tastaturen gar nicht direkt, sondern nur über verschiedene Tastenkombinationen herzustellen sind. Dabei weiß sich der Schulminister auch in guter Gesellschaft und im Interesse der Bürger. Die Gendersprache ist in Frankreich ebenfalls sehr unbeliebt, wird aber von den gleichen Kreisen durchgesetzt wie in Deutschland.

Die große Mehrheit der Deutschen ist an den beckmesserischen Sprachformen nicht interessiert. Sie haben sogar eine gewisse Angst davor. Die hypermoralische Besetzung dieser Gendersprachregeln weckt bei vielen die Besorgnis, dass am Ende auch hier wieder „Bestrafungen“ irgendwelcher Form auf den Normalbürger zukommen, sollte er eine der Regeln verletzen und irgendjemanden dabei beleidigt oder herabgesetzt haben. Sie fühlen sich, wenn man genau zuhört, davon belästigt und eingeschüchtert, und sie haben das dumpfe Gefühl, dass diese Vergewaltigung der deutschen Sprache eigentlich nur ein Auftakt für weitere Einschüchterung, Zensur, ideologische Gängelei und Maulkörbe ist. Frauen fühlen sich teilweise auch herabgewürdigt und unwohl dabei, so, als ob man mit diesem Überbetonen durch -Innen für den weiblichen Part besondere Rücksicht auf eine behinderte Minderheit praktizieren wolle. Das habe mit Gleichstellung der Frau nichts mehr zu tun, ‚Ist wie Parkplätze für Rollstuhlfahrer‘.

Der Verein Deutsche Sprache spricht mit seinem Aufruf vom 6. März 2019 dem weitaus größten Teil der Deutschen aus der Seele. Unter „Schluss mit dem Gender-Unfug!“ schimpft man dort nicht nur, sondern begründet auch.

Der Text des Aufrufs:

Aus Sorge um die zunehmenden, durch das Bestreben nach mehr Geschlechtergerechtigkeit motivierten zerstörerischen Eingriffe in die deutsche Sprache wenden sich Monika Maron, Wolf Schneider, Walter Krämer und Josef Kraus mit diesem Aufruf an die Öffentlichkeit:

Ein Aufruf zum Widerstand

Die sogenannte gendergerechte Sprache beruht erstens auf einem Generalirrtum, erzeugt zweitens eine Fülle lächerlicher Sprachgebilde und ist drittens konsequent gar nicht durchzuhalten. Und viertens ist sie auch kein Beitrag zur Besserstellung der Frau in der Gesellschaft.

Der Generalirrtum: Zwischen dem natürlichen und dem grammatischen Geschlecht bestehe ein fester Zusammenhang. Er besteht absolut nicht. Der Löwe, die Giraffe, das Pferd. Und keinen stört es, dass alles Weibliche sich seit 1000 Jahren von dem Wort „das Weib“ ableitet.

Die lächerlichen Sprachgebilde: Die Radfahrenden, die Fahrzeugführenden sind schon in die Straßenverkehrsordnung vorgedrungen, die Studierenden haben die Universitäten erobert, die Arbeitnehmenden viele Betriebe. Der Große Duden treibt die Gendergerechtigkeit inzwischen so weit, dass er Luftpiratinnen als eigenes Stichwort verzeichnet und Idiotinnen auch. Und dazu kommt in jüngster Zeit als weitere Verrenkung noch der seltsame Gender-Stern.

Nicht durchzuhalten: Wie kommt der Bürgermeister dazu, sich bei den Wählerinnen und Wählern zu bedanken – ohne einzusehen, dass er sich natürlich „Bürgerinnen- und Bürgermeister“ nennen müsste? Wie lange können wir noch auf ein Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt verzichten? Wie ertragen wir es, in der Fernsehwerbung täglich dutzendfach zu hören, wir sollten uns über Risiken und Nebenwirkungen bei unserm Arzt oder Apotheker informieren? Warum fehlt im Duden das Stichwort „Christinnentum“ – da er doch die Christin vom Christen unterscheidet?

Und dann tragen solche Verzerrungen der Sprache nicht einmal dazu bei, den Frauen zu mehr Rechten zu verhelfen. Auch im Grundgesetz gibt es dafür kein Indiz: In 13 Artikeln spricht es 20mal vom Bundeskanzler, zusätzlich auch vom „Gewählten“ und vom „Vorgeschlagenen“. Den mehrfachen Aufstieg von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin hat dies nicht behindert, und eine mögliche neue Bundeskanzlerin fühlt sich inmitten dieses Missstands offensichtlich ziemlich wohl.

Also appellieren wir an Politiker, Behörden, Firmen, Gewerkschaften, Betriebsräte und Journalisten: Setzt die deutsche Sprache gegen diesen Gender-Unfug wieder durch!

Monika Maron, Wolf Schneider, Walter Krämer, Josef Kraus