20 Jahre Afgha­nistan-Krieg: Die große Schande & die “Nicht­ehrung” deut­scher Sol­daten! (+Video)

Die Schande für die Bun­des­re­gierung kann nicht größer sein!

Gestern kehrten die letzten Sol­daten der Bun­deswehr aus dem nach 20 Jahren endlich been­deten Einsatz in Afgha­nistan zurück.

Doch auf dem Flie­ger­horst Wunstorf (Nie­der­sachsen) begrüßte sie lediglich der Kom­mandeur des Einsatzkommandos.

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Kein ein­ziger Poli­tiker, gleich gar nicht die höchsten Reprä­sen­tanten des Staates, dankten den Heim­kehrern für ihren opfe­rungs­vollen Einsatz. Und das, obwohl es einst poli­tische Man­dats­träger waren, die diesen Einsatz “gegen den Ter­ro­rismus” am Hin­du­kusch beschlossen!

Bun­des­prä­sident Frank-Walter Stein­meier blieb fern! Eine Schande!

Bun­des­tags­prä­sident Wolfgang Schäuble blieb fern! Eine Schande!

Bun­des­kanz­lerin Angela Merkel blieb fern! Eine Schande!

Selbst die zuständige Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­terin Annegret Kramp-Kar­ren­bauer blieb fern! Eine Schande!

Keiner dieser ansonsten doch so voll­mun­digen Poli­tiker erwies den Sol­daten und Sol­da­tinnen die Ehre dafür, dass sie die Afgha­nistan-Mission unter Einsatz ihres Lebens bewältigten.

Unfassbar!

So viel also sind diese Frauen und Männer der Politik wert!

Die BILD resü­mierte fol­ge­richtig dazu:

“Das lässt tief blicken. Das ist respektlos, wür­delos, achtungslos.”

Und: “Das haben die Bun­des­wehr­an­ge­hö­rigen nicht ver­dient. Dieses Ver­halten unserer Poli­tiker ist eine schmerz­hafte Ent­täu­schung für alle in unserer Armee.”

Quelle: https://www.bild.de/politik/kolumnen/politik-ausland/kommentar-zum-afghanistan-abzug-kein-respekt-fuer-unsere-soldaten-76936392.bild.html

Wieder einmal hat die hiesige Regierung (und auch die Vor­gän­ger­re­gie­rungen) auf ganzer Linie versagt! Auch wenn Kramp-Kar­ren­bauer ankün­digte, im Sep­tember einen “Festakt” durch­führen zu wollen.

Pus­te­kuchen!

Das deutsche Afghanistan-Desaster:

  • 20 Jahre Einsatz.
  • 150.000 deutsche Soldaten.
  • 12,5 Mil­li­arden Euro Kosten.
  • 59 Tote.
  • Hun­derte Verletzte.
  • Tau­sende mit Post­rau­ma­ti­schem Belastungssyndrom.
  • Kein wesent­liches Ziel wurde erreicht: Das Land ist wei­terhin desta­bi­li­siert, die Kor­ruption nicht wirksam bekämpft, die Taliban weiter auf dem Vor­marsch, genauso wie der Dro­gen­handel, die Frie­dens­si­cherung mißlang.

All das ist mehr als eine Schande!

Dazu schrieb ich bereits im Februar 2021 hier auf meinem Blog:

“Die Demo­kratie wird am Hin­du­kusch” verteidigt!”

So oder ähnlich lau­teten die Parolen deut­scher Poli­tiker, um Bun­des­wehr­sol­daten nach Afgha­nistan zu schicken, mit dem Ziel, das Land zu sta­bi­li­sieren, Frieden und ein bes­seres Leben zu bringen, Sicherheit zu schaffen und für den Wie­der­aufbau zu sorgen.

Das Ergebnis: 59 tote deutsche Sol­daten, Hun­derte Schwer­ver­letzte, Tau­sende Traumatisierte.

Und das Land selbst ist weder “sicherer”, noch “demo­kra­ti­scher” geworden.

Ganz im Gegenteil!

Der Afgha­nistan-Einsatz des Westens und damit ins­be­sondere auch der Deut­schen ist kläglich gescheitert.

Schon die Inter­vention der Sowjet­union, die 1979 begann, schei­terte kläglich. Nach dem Ein­marsch der Russen besiegten von den USA und Saudi-Arabien unter­stützte Mudschaheddin-“Gotteskrieger” die von Moskau gestützte Regierung. In der Folge kamen die isla­misch-fun­da­men­ta­lis­ti­schen Taliban-Milizen an die Macht und setzten die Scharia mit aller Härte durch.

Nach den Ter­ror­an­schlägen am 11. Sep­tember 2001 wurde das Land im Zuge des von George W. Bush aus­ge­ru­fenen “Kriegs gegen den Terror” zum Schlachtfeld, weil das Taliban-Regime offenbar Mit­gliedern der Ter­ro­risten Unter­schlupf gewährt hatte.

Seitdem herrscht Krieg am Hin­du­kusch. Da nützen auch die Frie­dens­ver­hand­lungen, die Donald Trump mit dem Regime führte, nicht viel.

Das MDR-Magazin Fakt lässt einen ehe­ma­ligen Bun­des­wehr­sol­daten zu Wort kommen, der in der Isla­mi­schen Republik Afgha­nistan im Einsatz war.

Dieser resü­miert fol­ge­richtig auf die Frage, ob sich dieser Einsatz gelohnt hat:

„Meine persönliche Meinung ist nein. Wenn man da jetzt hin­guckt, was ist da jetzt? Es ist zurückgekehrt. Das wofür man gekämpft oder wofür man dage­wesen ist, ist doch jetzt alles wieder hinfällig. Dass wir da unten waren, ja, wir müssen natürlich den Leuten da helfen, das ist ganz klar. Aber was bringt es jetzt noch? Zu dem Zeit­punkt haben wir denen geholfen, ja, aber für welchen Preis? Weil es ist jetzt genauso wie vorher, als wenn wir gar nicht da waren.“

Quelle: https://www.mdr.de/investigativ/video-494782_zc-f80c8d3a_zs-0fdb427d.html

Und in der Tat: Betrachtet man nur das Jahr 2020, ent­hüllt sich das, was in der her­kömm­lichen Dis­kussion im “sicheren” Bun­destag kaum zur Sprache kommt:

Im Laufe des Jahres ver­dop­pelten sich die Opfer­zahlen bis ins 4. Quartal fast auf das Doppelte:

Screenshot/Bildzitat: https://www.mdr.de/investigativ/video-494782_zc-f80c8d3a_zs-0fdb427d.html

Alleine im Mai 2020 rich­teten radikal-isla­mische Ter­ro­risten ein regel­rechtes Blutbad in einer Geburts­klinik an. Dabei wurden 16 Frauen und Säuglinge grausam massakriert.

Screenshot/Bildzitat: https://www.mdr.de/investigativ/video-494782_zc-f80c8d3a_zs-0fdb427d.html

Auch der ehe­malige Wehr­be­auf­tragte des Deut­schen Bun­des­tages, Hans Peter Bartels, kritisiert:

“Es ist überhaupt nicht so, dass Gewalt redu­ziert worden wäre, sondern das Gewalt­niveau steigt (…) Die Lehre aus Afgha­nistan, wenn man lernen will, dann muss sie lauten: Wenn man sich enga­giert, dann muss es schnell und massiv sein, dann muss es ein­heitlich geführt sein. Dann muss es ein klares Ziel geben. Dann muss es auch den Willen zum langen Atem geben, also so zu tun, als wenn man das jeweils für ein halbes Jahr macht und dann muss man noch mal gucken, ob das funk­tio­niert, das ist es auch nicht.“

Letztlich ist der ISAF-Einsatz des Westens am Hin­du­kusch gescheitert.

Auch die Politik sollte das endlich ein­sehen. Doch das tut sie nicht, sondern will den Einsatz in Afgha­nistan sogar noch verlängern!

Und im Mai 2019 schrieb ich:

Deutsche Sol­daten sterben am Hindukusch!

Die beschä­mende Wahrheit über den Einsatz wird verschwiegen!

Jetzt ist Schluss damit!

In Reaktion auf die Ter­ror­an­schläge vom 11. Sep­tember 2001 in den USA, den größten in der Geschichte mit annä­hernd 3.000 Toten, rückte Afgha­nistan erneut in den Fokus.

Dieses Mal im soge­nannten „Krieg gegen den Terror“.

Der damalige US-Prä­sident George Bush machte umgehend Osama bin Laden und Al-Qaida für die 9/11-Anschläge ver­ant­wortlich. Jeder, der dies hin­ter­fragte, wurde als „Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker“ dif­fa­miert. Ganz vorne mit dabei auch die Bun­des­re­gierung und die ihr nach­he­chelnden hie­sigen Mainstream-Medien.

Am 7. Oktober 2011 star­teten Mili­tär­ver­bände der USA, Kanadas, Groß­bri­tan­niens (später schlossen sich noch andere NATO-Staaten an) und Aus­tra­liens unter Führung eines US-Kom­mandos den Angriff auf Afghanistan.

Dabei sollte das Land unter ame­ri­ka­nische Kon­trolle gebracht, Osama bin Laden gefangen genommen, die regie­renden Taliban ver­trieben und Al-Qaida zer­stört werden.

Aller­dings han­delte es sich um einen ille­galen Angriffs­krieg – den längsten in der ame­ri­ka­ni­schen Geschichte – ohne UNO-Mandat und ohne jeg­lichen Beweis, dass Afgha­nistan tat­sächlich etwas mit den ver­hee­renden 9/11-Anschlägen zu tun hatte. Die meisten der dafür ver­ant­wortlich gemachten Ter­ro­risten um Osama bin Laden waren Saudis.

General Hamid Gul, Direktor des paki­sta­ni­schen Geheim­dienstes sprach später bezüglich der 9/11-Anschläge von einem „Inside Job“. Die Ame­ri­kaner hätten absichtlich ihren Luftraum nicht ver­teidigt. Die andere Geschichte sei ein Lügen­ge­bilde, ein geplantes Stück Des­in­for­mation von den wirk­lichen Schuldigen.

Bei einer Talk-Show (auf Phoenix am 1. Oktober 2009) platzte dem inter­na­tional renom­mierten und meines Erachtens erfah­rensten Jour­na­listen Peter Scholl-Latour dahin­gehend der Kragen:

„Es hat bisher keinen ein­zigen Afghanen gegeben, der ein inter­na­tio­nales Attentat verübt hat, dieses Attentat (9/11/d.A.) war ein sau­di­sches Attentat! Es haben nur Saudis daran teil­ge­nommen! Die Leute sind auch nicht in Afgha­nistan aus­ge­bildet worden, die Pilo­ten­aus­bildung, die ent­schei­dende, haben die in Amerika bekommen.“

Und weiter regte sich Scholl-Latour auf: „Es ist doch alles gelogen, was dort gewesen ist, was ist denn Al-Qaida? Al-Qaida ist doch eine Schöpfung der Ame­ri­kaner, um gegen die Sowjet­union zu kämpfen.“

Ein eben­falls beim Talk anwe­sender SPD-Poli­tiker kon­terte: „Aber dann hat ja der ganze Welt­si­cher­heitsrat gelogen?“

Darauf ant­wortete Scholl-Latour: „Ja, tut er doch dauernd! Tut er doch dauernd, wie naiv sind Sie denn?“

Am  2. Oktober 2001 rief die NATO erstmals den Bünd­nisfall aus, so dass unter anderem auch Deutschland in den Krieg mit hin­ein­ge­zogen wurde.

Bun­des­kanzler Gerhard Schröder ließ am 16. November 2001 den Bun­destag über den Afgha­ni­stan­krieg abstimmen.

Gefragt wurde wieder einmal nicht die Bevöl­kerung, die statt­dessen mit NATO-Kriegs­pro­pa­ganda über die hei­mi­schen Medien gefüttert wurde.

Sogar die Mehrheit der „Frie­dens­partei“ Die Grünen stimmten für den Ein­tritt Deutsch­lands in den Afgha­nistan-Krieg (wie bei den zurück­lie­genden Jugo­slawien-Kriegen auch)! Der Grüne-Außen­mi­nister Joschka Fischer wir­belte die Kriegs­trommel:  das „Böse“ könne nur mit „Gewalt bekämpft“ werden.

Auch die SPD stimmte für den Afgha­nistan-Feldzug, die FDP lehnte ihn ab, ebenso die PDS (die spä­teren Linken). Die CDU/CSU war eben­falls dagegen.

Dem­entspre­chend stimmten 336 Par­la­men­tarier für ein Ja und 326 für ein Nein.

Die Rot-Grünen-Kriegs­par­teien hatten gesiegt.

Im Januar 2002 trafen die ersten Bun­des­wehr­sol­daten am Hin­du­kusch ein …

Bei dem Angriffs­krieg begannen die Ame­ri­kaner sofort damit, ein neues Regime instal­lieren zu wollen. Der neue starke Mann in Afgha­nistan sollte Hamid Karzai werden.

Wenig bekannt: Karzai ist ein ehe­ma­liger Manager der texa­ni­schen Ölfirma UNOCAL (heute ein Teil von Chevron). Außerdem ver­han­delte das Unter­nehmen noch in den 1990er-Jahren mit den Taliban über den Bau einer Ölpipeline.

Eben­falls nicht an die große Glocke gehängt wurde, dass im Afgha­nistan-Krieg die mit der NATO ver­bün­deten (ein­hei­mische) Nord­al­lianz einen großen Teil des Hero­in­handels übernahm.

Unter­dessen wurde der damalige bri­tische Premier Tony Blair nicht müde, der Welt zu erklären, dass dieser Krieg auch ein Krieg gegen den Dro­gen­handel sei.

Eine unfassbare Lüge!

Dut­zenden tote deutsche Soldaten!

Mil­li­arden Euro Steuergelder!

Afgha­nistan ist zu einem Blutgrab geworden!

Der “Fake-News-Krieg” in Afgha­nistan hat nicht nur 58 tote und hun­derte (phy­sisch und psy­chisch) Ver­letzte deutsche Sol­daten gekostet, sondern auch Unsummen an Steuergeldern.

Zusammen mit anderen NATO-Ver­bün­deten wollte die Bun­des­re­gierung die Zivil­be­völ­kerung des Landes am Hin­du­kusch vor den Taliban schützen und Demo­kratie und Men­schen­werte bringen.

Die Bun­deswehr ist als zweit­größter Trup­pen­steller hinter den USA mit bis zu 1.300 Sol­daten am Einsatz “Resolute Support” beteiligt. Sie soll die afgha­ni­schen Ein­satz­kräfte aus­bilden und unterstützen.

Fakt ist, dass auch dieser illegale Angriffs­krieg alles andere als eine Erfolgs­ge­schichte ist, die Taliban-Ter­ro­risten jetzt sogar mit­re­gieren sollen …

Den deut­schen Steu­er­zahler hat das “Afgha­nistan-Aben­teuer” in den ver­gan­genen 18 Jahren sage und schreibe 16,4 Mil­li­arden Euro gekostet!

Mit ein­ge­rechnet u.a. die Mili­tär­kosten der Bun­deswehr sowie die Ent­wick­lungs­hilfe, die Aus­gaben des Aus­wär­tigen Amtes, des Innen­mi­nis­te­riums und des Agrarministeriums.

Nicht ent­halten sind die Kosten für geheim­dienst­liche Aktivitäten.

Afgha­nistan ist damit für Deutschland zu einem Blut- und Mil­li­ar­dengrab geworden. 

Und dennoch hat sich nicht viel geändert im Land.

Vor allem nicht für die Zivilbevölkerung.

Sie leidet weiter unter Armut, Kinder- und Müt­ter­sterb­lichkeit, Staats­kor­ruption, Mas­sen­ar­beits­lo­sigkeit und den Schi­kanen der Behörden und der Taliban.

So sind etwa im ersten Quartal dieses Jahres alleine 305 Zivi­listen von den USA und ihren Ver­bün­deten in dieser “Frie­dens­mission” getötet worden.

Die Taliban hin­gegen haben 227 Men­schen ermordet, so Zahlen der UN-Mission.

Somit haben die aus­län­di­schen “Friedens- und Heils­bringer” mehr Zivi­listen auf dem Gewissen, als die Terroristen.

Unfassbar!

Doch auch das erzählt Ihnen niemand.

Das ist alles andere als eine “Erfolgs­ge­schichte”, wie west­liche und damit auch hiesige Poli­tiker Ihnen vor lau­fenden Kameras weis­machen wollen.

Nichts­des­to­trotz wurde der Afgha­nistan-Einsatz im März 2019 vom Bun­destag um ein Jahr verlängert. 

Somit wird das bestehende Mandat prak­tisch unver­ändert fortgeführt.

Quellen: https://www.neopresse.com/politik/deutschland-hat-geld-afghanistan-abenteuer-kostete-bisher-gut-16-milliarden-euro//https://www.neopresse.com/politik/usa/usa-und-freunde-mehr-zivilisten-in-afghanistan-getoetet-als-die-taliban//https://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr-afghanistan-143.html

Und auch über diese ver­schwiegene The­matik berichtete ich im Februar 2021 ausführlich:

TABU­THEMA: Kin­der­pro­sti­tution in Afgha­nistan & der deutsche Einsatz am Hindukusch! 

Ende März läuft das Mandat für den Bun­deswehr-Einsatz in Afgha­nistan aus. 

Die Frie­dens­ver­hand­lungen zwi­schen der afgha­ni­schen Regierung und den radi­kal­is­la­mi­schen Taliban sind nämlich bis dahin noch nicht abgeschlossen.

Deshalb wirbt Bun­des­au­ßen­mi­nister Heiko Maas jetzt für ein neues Bun­des­tags­mandat; sprich: eine Ver­län­gerung des Ein­satzes am Hin­du­kusch, um auf “unter­schied­liche Sze­narien” vor­be­reitet zu sein.

Welche “unter­schied­liche Sze­narien” er damit meint, scheint unklar.

Kei­nes­falls meint er wohl die schänd­lichen “Umtriebe”, die ich nach­folgend betrachte und ein abso­lutes Tabu­thema sind!

Im Januar 2012 ver­öf­fent­lichte ich einen Exklusiv-Artikel zum Thema Kin­der­pro­sti­tution in Afgha­nistan und der deutsche Einsatz am Hin­du­kusch. Wie ich aus ver­trau­lichen Quellen erfuhr, besteht das nach­fol­gende System des orga­ni­sierten Kin­des­miss­brauchs noch immer.

Deshalb hat der nach­fol­gende Artikel nichts, aber auch gar nichts von seiner Brisanz verloren …

Januar 2012:

Erst gestern gingen die Schlag­zeilen um die Welt, dass zwei zehn­jährige Kinder von bri­ti­schen Sol­daten in Afgha­nistan miss­braucht wurden. Der afgha­nische Prä­sident Hamid Karzai for­derte die Regierung in London auf, umgehend eine Unter­su­chung ein­zu­leiten und die Schul­digen zu bestrafen.

Damit hat Karzai Recht, aber er weiß wohl genau, dass es in seinem Land eine Tra­dition gibt, genannt „Bacha Bazi“, die Kri­tiker als Kin­des­miss­brauch ansehen. Auch Aus­länder sind immer wieder darin verwickelt.

Nach­folgend fol­gendes Video dazu:

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Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=B7eMUwkKiFY

Er birgt poli­ti­schen Spreng­stoff – der kürzlich von der Ent­hül­lungs­plattform Wiki­Leaks der Öffent­lichkeit zugänglich gemachte und „ver­trau­liche“ Bot­schafts­be­richt 09KABUL1651 vom 24. Juni 2009, den die US-Bot­schaft in Kabul an das US-Außen­mi­nis­terium in Washington kabelte. Nicht nur für die ame­ri­ka­nische, sondern auch für die deutsche Außenpolitik.

So ver­wundert es wohl kaum, dass das Wiki­Leaks-Cable weit­gehend igno­riert wird, steht doch vor­aus­sichtlich im Januar 2011 eine par­la­men­ta­rische Ent­scheidung für die Ver­län­gerung des Mandats für den Einsatz der Bun­deswehr am Hin­du­kusch bevor.

In dem US-Bot­schafts­be­richt gibt der damalige stell­ver­tre­tende Mis­si­onschef in Kabul, Joseph A. Mus­someli, ein am 23. Juni 2009 mit dem afgha­ni­schen Innen­mi­nister Mohammad Hanif Atmar geführtes Gespräch wieder.

Darin geht es unter anderem um einen skan­da­lösen Vorfall bei einer Abschieds­party des US-ame­ri­ka­ni­schen pri­vaten Sicher­heits- und Mili­tär­un­ter­nehmens Dyn Corp im Kunduz Regional Training Center (RTC) im April 2009, eines von den Ame­ri­kanern geführtes regio­nales Trai­nings­center, in dem afgha­nische Poli­zisten aus­ge­bildet werden.

Bei dieser Ver­an­staltung soll es nicht nur zu Dro­gen­konsum, sondern auch zum „Kauf“ von „Dienst­leis­tungen eines Kindes“, von so genannten „Dancing Boys“ gekommen sein. Aus­län­dische Auf­trag­nehmer hätten die Jungen zur Unter­haltung „gemietet“, wie die bri­tische Zeitung The Guardian berichtet.

Auf­grund der Ermitt­lungen des afgha­ni­schen Innen­mi­nis­te­riums wurden zwei afgha­nische Poli­zisten und neun weitere Ein­hei­mische ver­haftet, die die Beschaffung der Jungen ermög­licht und dafür bezahlt hatten. Dancing Boys müssen sich oftmals pro­sti­tu­ieren und werden zum Sex weitergereicht.

Das Wiki­Leaks-Cable ver­an­schau­licht weiter, wie Innen­mi­nister Atmar vor einem Publik­machen des Vor­falls warnte, weil dies „Men­schen­leben gefährden“ könnte.

Ebenso fürchtete er nicht nur um das Image der aus­län­di­schen Sicher­heits­be­rater, sondern auch um sein eigenes Ansehen und schlug vor, dass die US-Regierung eine unab­hängige Kom­mission ein­richten soll, um die Vor­fälle zu untersuchen.

Von der afgha­ni­schen Bevöl­kerung ist fast die Hälfte unter fünfzehn Jahre alt. Vor allem in den nörd­lichen Regionen Kunduz und Masar e‑Sharif lebt die Tra­dition des Bacha Bazi.

Hierfür werden Jungen vom Kindes- bis zum Teen­ager­alter von lokalen Miliz­chefs, Kom­man­deuren und Geschäfts­männern von der Straße geholt, von armen Familien für geringe Geld­summen abge­kauft oder einfach entführt.

Ihre „Besitzer“, für die sie gleich­zeitig Eigentum und Sta­tus­symbol sind, schicken sie zu „Trainern“, zumeist Zuhältern, um sie in Gesang und Bewegung für den „Jungen-Tanz“ Bacha Bazi auszubilden.

Wenn sie nach rund einem Jahr so genannte Bacchis oder Dancing Boys sind müssen sie sich als Mädchen ver­kleiden, oftmals schminken und bei Ver­an­stal­tungen für ältere ein­hei­mische Männer tanzen.

Ihre „Besitzer“ miss­brauchen sie häufig selbst oder ver­mieten sie für Geld an Poli­tiker, Geschäfts­leute, Poli­zisten, Militärs, War­lords oder Mit­glieder der Sicherheitskräfte.

Das alles ist illegal, aber Teil eines regel­rechten Systems von Kin­der­pro­sti­tution. Bis in die höchsten Kreise der afgha­ni­schen Politik sind diese Bacha Bazi-Partys bekannt, werden aber als kul­tu­relle Tra­dition entschuldigt.

Aus dies­be­züg­lichen Recherchen des afgha­ni­schen Jour­na­listen Naji­bullah Quraishi ent­stand die Film­do­ku­men­tation The Warlord’s Tune: Afghanistan’s war on children, die im Februar 2010 bei ABC Aus­tralia aus­ge­strahlt wurde .

Darin erklärt ein afgha­ni­scher Insider, dass sich nicht alle Jungen zum Tanzen eignen, dafür aber für Sodomie oder andere Praktiken.

Für die Bun­des­re­gierung kann das Publi­zieren des Wiki­Leaks-Cable 09KABUL1651 hin­sichtlich der öffent­lichen Meinung ver­häng­nisvoll sein. Vor allem, wenn es um eine weitere Zustimmung für den Einsatz am Hin­du­kusch geht, der den Steu­er­zahler jährlich bis zu 430 Mil­lionen Euro (2010) kostet.

Denn gerade im Norden des Landes, in dem die Bacha Bazi-Praxis weit ver­breitet ist, hat die Bun­deswehr seit Juni 2006 im Rahmen der Inter­na­tional Security Assi­s­tance Force (ISAF) die Führung des Regio­nal­kom­mandos Nord übernommen.

Die ISAF soll die afgha­nische Regierung bei der Her­stellung funk­tio­nie­render Regie­rungs- und Basis- demo­kra­ti­scher Prin­zipien unter­stützen und zwar unter Wahrung der afgha­ni­schen Tra­di­tionen und Kultur.

Wie weit diese „Wahrung“ der ein­hei­mi­schen Tra­di­tionen betreffs Bacha Bazi nun tat­sächlich geht, scheint bezüglich des auf­ge­tauchten Wiki­Leaks-Cables fraglich.

Auch die Tat­sache, dass in dem Kin­des­miss­brauchs-Skandal afgha­nische Poli­zisten ver­strickt sind macht dies nicht besser. Schließlich unter­stützt das deutsche Bun­des­in­nen­mi­nis­terium den Aufbau der Afgha­ni­schen Natio­nal­po­lizei (ANP) mit bis zu 75 Mil­lionen Euro nicht nur finan­ziell, sondern mit rund 200 deut­schen Beamten auch per­sonell. Wohl aus diesem Grund blenden die deut­schen Ver­ant­wort­lichen den auf­ge­tauchten Wiki­Leaks-Bericht weit­gehend aus.

Auf meine dies­be­züg­liche Anfrage teilt das Bun­des­mi­nis­terium der Ver­tei­digung zu dem im Cable berich­teten Vorfall mit, dass dazu „keine Erkennt­nisse“ vor­liegen würden. Zudem würde es „keinen kon­kreten Hinweis auf diese Praxis (Bacha Bazi/d.A.) im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des RC North“ geben. Die Bun­deswehr würde keinen Kin­des­miss­brauch dulden und „bei kon­kreten Hin­weisen in geeig­neter Weise dagegen vorgehen.“

Das Aus­wärtige Amt erklärt mir dazu dazu: „Es handelt sich bei den auf Wiki­leaks ver­öf­fent­lichten Doku­menten um interne und als ver­traulich ein­ge­stufte Berichte der US-Bot­schaften. Den Inhalt dieser ver­trau­lichen Berichte kom­men­tiert die Bun­des­re­gierung nicht.“

Das Aus­wärtige Amt ver­weist außerdem auf den Mitte Dezember 2010 vor­ge­stellten Fort­schritts­be­richt Afgha­nistan der Bun­des­re­gierung, der Bacha Bazi zwar nicht erwähnt, in dem es aber unter anderem heißt: „Die Men­schen­rechtslage in Afgha­nistan hat sich seit dem Sturz der Taliban 2001 ver­bessert, ent­spricht jedoch weit­gehend noch nicht inter­na­tio­nalen Stan­dards (…) Fort­schritte sind ins­be­sondere im Bereich der Frauen- und Kin­der­rechte (…) zu konstatieren.“

Einem anderen Thema, das sich die deutsche Bun­des­re­gierung annehmen will, ist „Kin­der­rechte im Islam“.

Ob dazu auch die Abhilfe der Bacha Bazi-Praxis gehört ist aus dem aktu­ellen Fort­schritts­be­richt Afgha­nistan nicht ersichtlich.

Das also meine Recherchen und Erkennt­nisse vor einigen Jahren.

An dem System von Bacha Bazi hat sich meinen Infor­ma­tionen nach nichts geändert.


Guido Grandt — Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Autors www.guidograndt.de