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Die Schlacht um Curry und der Woke-Wahnsinn – wie bekloppt sind wir eigentlich?

26. August 2021

Aus der VW-Kantine ist die gute, alte Currywurst verschwunden. Erstens, weil man jetzt „vegan“ werden will, denn Fleisch zu essen ist sowas von überhaupt nicht „woke“. Und zweitens ist jetzt auch „Curry“ rassistisch. Dafür machen jetzt die privaten „Kantinen“ außerhalb der Werkskantine einen fantastischen Umsatz mit der rassistischen, bösen Fleischfresser-Currywurst. So langsam geraten alle möglichen Bezeichnungen für irgendwelche Gerichte unter die streng-besserwisserische Beklugscheißerung der „Woken“.

Der Ausdruck „woke“ ist nicht leicht zu übersetzen. Er heißt auch im Englischen nicht einfach nur „wach“, das wäre nämlich „awake“. Würde man jemanden fragen, ob er schläft, wäre die Antwort „nein, ich bin wach“ nicht lauten: „No, I am woke“.

„Woke“ ist eher mit „erwacht“ im übertragenen Sinne zu übersetzen. Es ist eine Bewegung der Links-Intellektuellen und Bessergestellten in den USA, Großbritannien und Kanada und spielt sich hauptsächlich in den gehobeneren Schulen, in Unis und Medien ab. Diese Bewegung findet überall einen rassistischen Hintergrund, wobei sich der Vorwurf fast immer gegen „weiße“ Menschen richtet. Aber auch das darf man nicht sagen, weil man damit implizit unterstellt, dass das ja Rassismus wäre und das kann nicht sein, weil man als „woker“ Mensch ja Antirassist ist.

Wer sich als Woke bezeichnet, sieht sich selbst als Kämpfer gegen Missstände und Ungerechtigkeiten insbesondere weißen, rassistischen Ursprungs. Überflüssig anzumerken, dass man natürlich überall danach suchen muss, um eine Rechtfertigung für den eigenen Wokismus zu haben. Diese Bewegung befriedigt hauptsächlich das Wiedergutmachungsbedürfnis weißer Oberschichtler, die ihr schlechtes Gewissen, irgendwie Nachkommen von Kolonialherren zu sein, darin ausleben und alle anderen von ganz oben herunter belehren und erziehen zu wollen. Für die woken Nicht-Weißen, die zu den sogenannten „People of Colour“ (farbige Menschen) gehören, ist das für einige geradezu eine Einladung, sich mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen und Sonderrechte einzufordern.

Und hier zeigt sich die ganze antirassistisch-überzogene Inkonsequenz am Beispiel „Curry“.

Eine indische Bloggerin namens Chaheti Bansal postete auf ihrem Instagram-Account Rezepte und dazugehörige Videos zu südasiatischen Gerichten unter der Überschrift: „Rootet in Spice“ (in Gewürzen verwurzelt), womit wohl gemeint ist, dass die Namen der Gerichte meist ihren Ursprung in den dafür verwendeten, mannigfaltigen Gewürzen dieser Region haben. Sie kritisiert in diesem Zusammenhang, dass sich das „Essen in Indien alle 100 Kilometer ändere“. Dass man aber im Westen immer noch den Begriff „Curry“ für alles verwende. Das sei rassistisch, der „Westen“ müsse sich da mehr Mühe geben.

Ahja.

Das muss natürlich jeder Grundschüler im Rest der Welt, bis hinein in die grönländischen Grundschulen unbedingt wissen, wie die Hunderte von asiatischen Gerichten genau heißen, inklusive der korrekten Aussprache und der Kenntnis der einzelnen Gewürze und deren Regionalität. Sonst ist das Rassismus, weil man den feinen Varianten und regionalen Unterschieden – allein in Indien! – in kolonialherrschaftlicher Arroganz nicht die gebührende Beachtung schenkt.

Aber die „People of Colour“, die sich ja selbst so nennen und von den woken Gutmenschen auch so genannt werden, die benutzen diese Einheitsbezeichnung, alle gleichweg „farbige Menschen“ zu sein. Egal, ob es Schwarzafrikaner, Inder, Inuits, Aboriginees, Tibeter, Araber oder südamerikanische Indios sind. Die indischen Currygerichte haben mehr miteinander gemeinsam als all die Völker, die unter „People of Colour“ zusammengefasst werden.

Das ist aber wurscht, denn Hauptsache, sie sind nicht „weiß“. Genau das ist auch die Konnotation, das, was dabei unterschwellig mitschwingt: Alle guten „People of Colour“ gemeinsam gegen die bösen „Weißen“. Man stelle sich einmal vor, diesen Ausdruck hätten umgekehrt die weißen Kolonialherren geprägt mit der unterschwelligen Botschaft „Wir sind die edlen Weißen und der Rest der Menschheit sind einfach Farbige“. Das wäre (tatsächlich!) übelster Rassismus und die Bezeichnung stünde heute unter Strafe.

Das Wort „Curry“ soll von dem tamilischen Begriff „Kari“ für Soße stammen, den die britischen Kololonialherren falsch ausgesprochen und dann für alle südostasiatischen, würzigen Soßengerichte eingeführt haben. Er wird übrigens heute auch in Indien und Sri Lanka und angrenzenden Ländern einschließlich Thailand von den dortigen Einwohnern selbst als Oberbegriff für diese Großfamilie der schärfer gewürzten Soßengerichte benutzt. Was ist das? Auto-Rassismus?

Anmerkung: Tamilen sind übrigens ein dravidisches Volk auf dem indischen Subkontinent. Sie leben als eigene, kulturelle Gruppe in Süd-Indien, Nord-Sri Lanka, Singapur und Malaysia. Heutzutage auch in Südafrika, Mauritius, Kanada Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Norwegen und der Schweiz. Sie haben eine eigene Sprache und Schrift, diese ist sogar eine der ältesten Schriftsprachen Indiens. Auf Sri Lanka gibt es andauernde Spannungen zwischen den Volksgruppen der Tamilen und der Singalesen. In den Siebziger Jahren tobte deshalb sogar ein Bürgerkrieg bewaffneter Tamilen (Tamil Tigers) in Sri-Lanka, damals noch Ceylon. Das weiß ich von meinem Bekannten Wijaratnam und möchte das nur einmal anmerken, um dem Vorwurf zu entgehen, kolonialherrschaftlich-weiß-arrogant-pauschal zu sein.

Ich würde auch gern die woke Curry-Bloggerin einladen zu einem Gespräch, wie gut sie sich beispielsweise mit den Varianten der europäischen „Schmarrn“-, „Schmarren-“ oder Kratzete-Gerichte auskennt: Semmelschmarrn, Kaiserschmarrn, Grießkratzete, oder dem deftigen Kartoffelschmarrn. Wir könnten das unter der Überschrift „rootet in Poverty“ erörtern – in der Armut verwurzelt. Denn die Schmarrn-Gerichte sind Armutsgerichte der bösen, weißen Kolonialherren daheim in Europa. Um die hungrigen Mäuler am Tisch irgendwie halbwegs satt zu bekommen, wurden oft einfach harte Brotreste, etwas Mehl und diverse andere Überreste in einer Pfanne grob in Stücke zerteilt, mit Milch oder Wasser, manchmal auch ein Ei etwas eingeweicht, zusammengerührt und in etwas Fett gebraten. Man „kratzte“ halt alles Essbare zusammen (daher auch die Bezeichnung „Kratzete“ – Gekratzte). Das war früher sehr minderwertiges Zeug, und daher ist in diesen Regionen auch heute noch „Schmarrn“ ein Synonym für etwas Wertloses, Unsinniges: „A soichener Schmarrn“ heißt „So ein Unsinn“ oder „das taugt gar nichts“.

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