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2021 – das Jahr, in dem das ZDF Kontakt aufnahm (+Video)

Bevor Sie fragen, liebe Leser: nein, das ist keine ver­spätete Rezension für einen Film­klas­siker, sondern der iro­nische begeis­terte Bericht über die Füh­lung­nahme des ZDF mit der dunklen Seite seiner Bei­trags­zahler, dem Homo Ger­ma­nicus Unge­impftus. Ver­mutlich hat die Ver­leihung des Hanns-Joachim-Friedrich-Preises an Jan Böh­mermann dazu geführt. Sie wissen schon, der ZDF Mör­de­rator, diese dich­te­rische Edel­feder, die sich mit keiner Sache gemein macht, nicht mal mit einer guten… sowas ver­pflichtet natürlich den ganzen Sender zu Sorgfalt und Neu­tra­lität. Deshalb fühlt man sich beim ZDF nun ganz besonders der wun­der­bunten Vielfalt der Mei­nungen ver­pflichtet, geht auf Impf­ver­wei­gerer zu und will sie ver­stehen, statt sie pau­schal als bil­dungs­fernen Eso­the­ri­ker­ab­schaum und unso­li­da­risch gegenüber dem „Volks­körper“ zu verunglimpfen.

Unter dem Titel „Geimpft vs. Unge­impft: Die Debatte um die Corona-Impfung“ erstellte ZDF-zoomIN eine 13 Minuten lange Kurzdoku und begibt sich auf die Pirsch, das scheue Reh „Impf­gegner“ nach seinen Motiven aus­zu­fragen. Wir pir­schen mal mit.

Schon bei Sekunde drei sind alle Pflöcke ein­ge­schlagen. Das Wort „Freiheit“ wabert um den Kopf der Noch­kanz­lerin (siehe Titelbild) und im Ohr hallen ihre Worte „Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein.“ Wir sind also nicht frei – was ich bestä­tigen kann – und die Impfung mache uns frei – was ich nicht bestä­tigen kann, aber bezweifle. Von Gesundheit ist erst mal nicht die Rede, über­haupt ist in diesem Video sehr wenig von Gesundheit die Rede.

Dem Appell „Lassen sie sich IMPFEN“ (das letzte Wort müssen sie sich blinkend vor­stellen) seien bisher zu wenig Men­schen gefolgt, tönt es aus der Poli­to­sphäre. Es folgen Panik­be­griffe wie „vierte Welle“, „ful­mi­nanter Verlauf im Herbst“ und die zoomIN-Redak­teurin Luisa Houben wird nun gleich auf die Unge­impften los­ge­lassen. „Wenn du zum Impf­ver­wei­gerer gehst, vergiss dein Büchlein nicht“ wusste schon Nietzsche und wir machen uns natürlich Sorgen um Luisas (warum heißen die nur alle so) Sicherheit. Doch die wedelt mutig mit ihrem gelben Heft und wir sind beruhigt: sie ist geimpft! Dann kann es ja losgehen.

„Ist es eine freie Ent­scheidung des Ein­zelnen oder eine Frage der Soli­da­rität?“ fragt die Stimme aus dem Off. Die ant­wor­tende Ethi­kerin Ruth Baumann-Hölzle trifft den Kern nur halb, wenn sie von einem zunehmend gehäs­sigen Ton spricht, der in Sachen Impfung von beiden Seiten ausgeht. Das mag zwar stimmen, denn nicht nur die Fraktion „Eins-zwei-drei-vier-Eck­stein, alles muss geimpft sein“ befleißigt sich einer vor Gewalt­an­dro­hungen nur so strot­zenden Sprache. Dum­mer­weise hat jedoch nur eine der beiden „Seiten“ die Macht, ihre Gewalt­phan­tasien in prak­tische Politik umzu­setzen oder habe ich ver­passt, dass ein Bun­desland verfügt hat, Geimpften den Zutritt zu Super­märkten zu ver­wehren oder die Impfung statt der Tests kos­ten­pflichtig gemacht hätte? Der Film tut so, als gäbe es hier so etwas wie Fair Play und „möge das bessere Argument gewinnen“. Wenn Houben also behauptet, sie wolle wissen, wie „wir gemeinsam mit diesem Kon­flikt besser umgehen können“, nimmt ihr das keiner ab. Am wenigsten die Zuschauer, wie die YouTube-Bewer­tungen belegen.

Die Mainzer Weinbar…

Nun folgt die per­fi­deste Szene im Film, dabei erscheint sie so men­schelnd und Mitleid hei­schend. Alex, einen sehr junger Mann, der in einer Mainzer Weinbar gerade mit Vor­be­rei­tungen des Lokals für den Abend beschäftig ist, habe die Pan­demie hart getroffen, so der Film. „Als der Lockdown kam, hatte er gerade seine Aus­bildung zum Som­melier begonnen. Dafür hatte er auf Teilzeit redu­ziert“. Alex hatte nicht arbeiten können, als der Lockdown kam und die staat­lichen Hilfs­zah­lungen bezogen sich nur auf die Höhe der redu­zierten Teil­zeit­stelle. Er musste einen Kredit auf­nehmen. Das ZDF ordnet ein: „käme es hart auf hart und die Gas­tro­nomie müsste wegen stei­gender Coro­na­zahlen wieder schließen…Alex könnte sich das nicht leisten.“ Zeit für die Anklage, durch­ge­impfter Alex: „Ich finde, das ist auf jeden Fall eine Frage der Soli­da­rität, weil’s eben nicht nur ums eigene Wohl geht, sondern das Gemein­schaftswohl“. Wie kannst du das dem Alex nur antun, Ungeimpfter!

Doch Moment mal, nehmen wir diese Film­se­quenz kurz unter die Lupe. „Als der Lockdown kam“? Wie kam der denn? Wie eine Flut, ein Strom­schlag, die Schwie­ger­mutter? Oder wurde der Lockdown nicht vielmehr per Ukas von einigen Poli­tikern am Par­lament vorbei ver­hängt wie eine stand­recht­liche Erschießung? Und war der Lockdown gerade für viele in der Gas­tro­nomie nicht genau das, die Todes­strafe? Und zwar nachdem sie zuvor mit absurd teuren Schutz­maß­nahmen alles unter­nommen hatten, um die Über­tra­gungswege des Virus aus ihren Häusern fern­zu­halten, wie ihnen die Politik befohlen hatte? Hat Alex das ver­gessen? Ver­drängt? Impf­ne­ben­wirkung? Hat dieser kleine Club aus Ministern, Minis­ter­prä­si­denten und der Fürstin der Fins­ternis nicht zuvor erklärt, dass ihr alle, ihr Köche, Kellner, Wirte, Hote­liers und Som­me­liers nicht wichtig, sondern ver­zichtbar, nicht essen­ziell, ein Luxus, ein Ver­steck für das Virus seid und euch nach Hause geschickt, wo ihr abends um sechs auf die Balkone treten und den wirklich wich­tigen Men­schen applau­dieren solltet?

Zu behaupten, der Lockdown „kam“ ist so falsch wie zu sagen, in der fran­zö­si­schen Revo­lution sei die Guil­lotine gekommen. Man konnte und kann sie wieder benennen, die Kopf­ab­schneider. Während der Schre­ckens­herr­schaft war es nicht der drei­eckige Stahl der mordete, den bediente in Paris der Henker Sanson, der Urteile voll­streckte, die die Unter­schrift René-François Dumas, des Prä­si­denten des Revo­lu­ti­ons­tri­bunals trugen. Dessen Voll­macht wie­derum speiste sich aus den ver­spon­nenen Träumen und sehr realen Erlassen Robes­pierres und seiner Freunde.

Auch der Lockdown wurde ver­hängt und exe­ku­tiert. Nicht von Unge­impften, sondern von der Politik und den staat­lichen Organen, die jeden noch so offen­sicht­lichen Grund­rechts­bruch mit einem schul­ter­zu­ckenden „es ist halt Not­stand“ aus­führten. Das ZDF nimmt die Zeugen der Hin­richtung der Gas­tro­nomie als mora­lische Geisel für weitere, ange­drohte Grau­sam­keiten. Wer wird Schuld sein, wenn der nächste Lockdown „kommt“, na? Da kommen Sie wohl selbst drauf, liebe Leser!

Alex, wach auf! Dass Du nun einen Kredit an der Backe hast, ist nicht die Schuld der Ungeimften, sondern das Ergebnis staat­licher Wis­sens­an­maßung und Willkür. Das ZDF bringt dich nun dazu, deinem Ker­ker­meister die Hände zu küssen und die Schuld an deinem Elend an den Zel­len­ge­nossen neben dir wei­ter­zu­reichen. Weil der seine Medizin nicht nehme, gehe es dir dreckig. So unso­li­da­risch, diese Umge­impften! Doch wenn Alex voll­ständig geimpft ist, warum ist er dann nicht frei? Wieso lässt er sich bedrohen und mit den Epi­demien von über­morgen ein­schüchtern, vor denen er doch geschützt sein soll?

Der Unge­impfte, das scheue Wesen

Die Fühlung mit dem Feind gestaltet sich schwierig für das ZDF. Der öffent­liche Pranger ist kein Ersatz für den uner­reich­baren Mal­lorca-Urlaub. Statt­dessen zunächst anonyme Zitate, die vor allem eines zeigen: die Ent­scheidung, sich nicht impfen zu lassen, treibt in die soziale und mediale Iso­lation. Das ZDF inter­pre­tiert das jedoch so: „Es scheint weniger um wis­sen­schaft­liche Fakten zu gehen, als um Gefühle.“ Wir lernen: Gefühle sind voll das Ding und unver­letzlich und auch nicht mit Fakten zu hin­ter­fragen, wenn es um Gender und jede Art gefühlter, echter oder vor­ge­scho­bener Dis­kri­mi­nierung geht. Wer sich hin­gegen nicht den Covid-Schuss ver­passen lässt, der hat es einfach nicht so mit wis­sen­schaft­lichen Fakten oder der ver­langten Soli­da­rität, dem mangele es an der rich­tigen Haltung. Ist eigentlich schon jemand auf die Idee gekommen, die schmel­zende Zahl der Unge­impften unter Min­der­hei­ten­schutz zu stellen und mit Beauf­tragten, Quoten und För­der­geldern auszustatten?

Die sind offenbar so selten, dass das ZDF selbst vor einem Test­zentrum, dem natür­lichen Lebensraum von Unge­impften, zunächst nur auf einen Halb­ge­impften trifft, bevor endlich ein Pracht­ex­emplar (Angst, kein Ver­trauen mehr in die Regierung, unsicher, ungeimpft…Gefühle halt) vor die Kame­raf­linte kommt. Solange es keine Pflicht gäbe, könne sie selber ent­scheiden, weiß Lenka, 30, die gesund und fit aus­schaut, benei­denswert jung und wahr­scheinlich wenig coro­na­ge­fährdet ist.

Solange es keine Pflicht sei? Na, wenn das nicht nach einem Wunsch klingt…das ZDF kann da ja mal bei der Politik nach­fragen, ob der Lenka nicht zu helfen ist. Auch David ist unge­impft und plaudert mit Luisa Houben über den Nutzen der Impfung. Reisen, Restau­rants, nor­males Leben, wäre das nicht schön? Houben, die Maske selbst draußen bis unter die Groß­hirn­rinde gezogen, ver­steht die Skepsis nicht. Ob wenigstens sie sich frei fühlt, weil sie doch geimpft ist? Es sieht nicht so aus.

Sie fragt Katrin Schmelz, eine Psy­cho­login und „nugde, nudge” Ver­hal­tens­öko­nomin um Rat. Die spricht zunächst darüber, wie die Men­schen in den Lock­downs das Ver­trauen in die Regierung und damit auch ihre Impf­be­reit­schaft ver­loren haben. Auch der ange­drohte Zwang, der eine Kon­trolla­version auslöse, spiele eine Rolle. Was soll ich sagen, diese Frau kennt mich! Unter Kon­trolla­version leide ich seit Jahr­zehnten! Schon meine kata­stro­phalen Noten im ver­hassten Rus­sisch­un­ter­richt in der DDR sprechen da Bände!

Doch dann das Rezept von Katrin Schmelz, oh Jeh! „Mehr Über­zeu­gungs­arbeit, mehr positive Bericht­erstattung über die Impfung…das stecke an“ – das ZDF sollte wirklich mal darüber nach­denken, positiv über die Impfung zu berichten, statt immer nur Skep­tiker zu Wort kommen zu lassen! Man könnte doch zur Abwechslung mal Karl Lau­terbach ein­laden…! Aber wenn ich das richtig ver­folgt habe, ver­suchen sich ARD und ZDF schon seit Monaten als „Super­spreader“ in dieser Sache, ohne dass der Funke so über­springt, dass es selbst einen Lau­terbach entflammt.

Schmelz setzt jeden­falls auf Her­den­trieb zur Erlangung der Her­denim­mu­nität: „Die Impfung muss doch was Gutes sein, wenn sich so viele Men­schen frei­willig dafür ent­scheiden“. Das Argument ist so alt, wie Flie­gen­schwärme sich zur Mahlzeit auf Mist­haufen ver­sammeln und so falsch wie die Annahme, dies sei der Beweis für guten Geschmack. Ver­söhn­licher wird es am Schluss, wenn man nochmal der Schweizer Ethi­kerin zuhört. Das Gegenüber als Men­schen sehen und nicht als Bedrohung, fordert sie. Ihn ver­stehen wollen, ihm zuhören, dem Anderen. Da bin ich gern dabei, denn ich ver­stehe jeden, der sich hat impfen lassen. Die einen aus Sorge, die anderen aus Angst, wieder andere aus ratio­naler Abwägung oder weil sie wieder in einen Flieger steigen müssen. Die Ent­scheidung für oder gegen eine Impfung muss aber niemand mit mir, der Regierung oder dem ZDF ver­handeln, sondern nur mit sich selbst. Niemand sei zu einer Impfung ver­pflichtet, aber alle dazu, sich mit dieser Option aus­ein­an­der­zu­setzen, so Ruth Baumann-Hölzle. D’accord! Das zumindest kann ich unterschreiben.

Es hätte ein schöner Abschluss für einen sonst ten­den­ziösen, ober­fläch­lichen Film sein können, wenn am Ende nicht noch der Hinweis auf das „Lite­ra­tur­ver­zeichnis“ in der Beschreibung des Videos gefolgt wäre. Hier endet der Diskurs, das „mit­ein­ander reden“ schnell wieder, die üblichen Ver­däch­tigen, Sanson, Dumas und Robes­pierre, über­nehmen ab hier. Die vom ZDF emp­foh­lenen Links: Das RKI, der Gesund­heits­mi­nister, die Bundesregierung.

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Quelle: unbesorgt.de