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Die deutsche Familie im Biedermeier: Carl Spitzweg, "Der Sonntagspaziergang", gemeinfrei
Politik & Aktuelles

„Deutschland geht den Bach runter“ – steht uns ein Niedergang bevor? Oder ein Neuanfang von unten?

25. Oktober 2021

Das Kölner Rheingold-Institut hat eine „tiefenpsychologische Studie“ ausgearbeitet, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Mehrheit der deutschen Bürger ihr Land vor einem deutlichen Niedergang sieht. Stephan Grünewald ist Experte für diese tiefenpsychologischen Untersuchungen und hat die Meinungen, aber auch die Reaktionen auf dieses „Hintergrundgefühl“ aufgearbeitet.

Durch die Allgegenwart schwerer Krisen ist die Bevölkerung verunsichert, das Vertrauen in eine bessere Zukunft ist fundamental erschüttert: Die Mehrheit der Deutschen befindet sich in einem ‚No-Future‘-Modus. Gesellschaftlichen Herausforderungen und anstehenden Umbrüchen begegnet eine Mehrheit mit einer resignativen Grundhaltung. Sie glaubt nicht daran, dass die großen Probleme unserer Zeit gelöst werden können, die Leistungsfähigkeit des Staates und die Zukunftschancen Deutschlands werden sehr skeptisch beurteilt. Das Vertrauen, dass Staat, Politik, Institutionen und Parteien die Krisen lösen können, ist erodiert: Nur 26 Prozent stimmt das Wirken von Politik und Parteien optimistisch für die Zukunft. Die Wahrnehmung einer gesellschaftlichen Mehrheit: ‚Deutschland steht vor einem Niedergang‘ (61 Prozent) und ‚durch Krisen wie Corona und den Klimawandel stehen uns drastische Veränderungen bevor‘ (88 Prozent).“

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Es ist nicht nur eine knappe Mehrheit, es sind zwei Drittel der Deutschen, die eine sehr unangenehme Zeit auf uns zukommen sehen. Allerdings muss man sagen, dass es dazu keiner Tiefenpsychologie bedarf, wenn man nicht gerade in einem Elfenbeinturm lebt oder in Berlin im Regierungsviertel. Was im Prinzip dasselbe ist. Niemandem, der mit normalen Menschen zu tun hat, kann entgangen sein, dass die Allermeisten mehr als skeptisch in die Zukunft schauen. „Deutschland geht den Bach runter, wir gehen harten Zeiten entgegen“ ist ein Satz, den man nur allzu oft hört. Oder umgekehrt: Wer glaubt eigentlich noch an eine gute Zukunft? Viele haben richtig Angst und viele alte Leute sagen, dass sie froh sind schon so alt zu sein und dass sie hoffen, das, was da kommt, nicht mehr miterleben zu müssen.

Viele Bürger*innen befinden sich in einem akuten Machbarkeits-Dilemma. Sie erkennen die großen Zukunftsprobleme, haben aber keine Idee, wie sich diese Jahrhundert-Herausforderungen bewältigen lassen. Daher ziehen sie sich zunehmend in ihr privates Schneckenhaus oder ihre persönlichen Nischen zurück. ‚Die Menschen verschanzen sich in kleinen Wirkungskreisen mit Gleichgesinnten und versuchen in ihren persönlichen Umfeldern zu retten, was noch zu retten ist‘, sagt Stephan Grünewald, Psychologe und Gründer des auf tiefenpsychologische Forschung spezialisierten Rheingold Instituts. Die globale, europäische oder gesamtdeutsche Perspektive wird dabei ersetzt durch eine neue Selbstbezüglichkeit. Das eigene Ich, die Familie oder das unmittelbare soziale Umfeld stehen im Fokus. Private  ‚Nischen-Projekte‘, das Kümmern um die eigene Welt und das Streben nach dem persönlichen kleinen Glück stehen in der Folge hoch im Kurs. Optimismus für die Zukunft speist sich eher aus dem Glauben an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten (79 Prozent), der eigenen Familie (79 Prozent) und dem persönlichen Umfeld (81 Prozent).“

Das Vertrauen in die Regierung und in staatliche Instanzen ist nahe Null, bei einer Menge Bürgern – quer durch die politischen Lager – bereits tief im Minus. Es herrscht regelrecht Misstrauen. Mancher spricht von vorrevolutionärer Stimmung. In der Tat ist der Rückzug ins Private, forciert durch die Lockdowns, der Stimmung des Biedermeier sehr ähnlich.

Über die Köpfe der Völker hinweg wurden damals 1815 auf dem Wiener Kongress Beschlüsse ausgehandelt, die Europa nach dem Willen der Mächtigen und der Adelsschicht in einer Wiederherstellung der konservativ monarchischen Verhältnisse von vor der französischen Revolution formte. Heute sehen wir fast dasselbe, nur in moderner Form: Die Welt-Elite der globalen Großkonzerne und Leute, wie Klaus Schwab, Bill Gates, Rockefellers etc. wollen im Prinzip dasselbe: Den absolutistischen Weltstaat, in dem alle Menschen die Leibeigenen dieser Oberschicht sind und deren Geschicke und Lebensverhältnisse von dieser globalen Elite bestimmt werden. Denen sie nach Gutdünken Rechte gewähren oder entziehen können.

Die Karlsbader Beschlüsse, von Fürst Metternich im Dienst des österreichischen Kaisers durchgesetzt, bewirkten dasselbe, was wir heute erleben: Jede ungeliebte, politische Tätigkeit und Meinungsäußerung wurde stark eingeschränkt, eine strenge Zensur unterdrückte jedwede Veröffentlichung, ja sogar Musikwerke wurden zensiert, wenn sie irgendeine auch nur entfernt zu witternde Kritik am System enthielt. Heute berühmte Dichter und Denker, wie Georg Büchner und Heinrich Heine, blieb nichts anderes, als zu emigrieren. Auch Karl Marx musste Deutschland verlassen.

Die Deutschen zogen sich in ihr Schneckenhaus zurück und suchten Sicherheit und Idyll daheim oder in der Natur. Doch dann folgte die bürgerliche Revolution, bei der die Bürger zum bestimmenden Faktor der Staatlichkeit wurden, sich zu Nationalstaaten mit selbstgegebener Verfassung zusammenschlossen. Die Volkssouveränität, die heute mit Füßen getreten wird, obwohl sie in unserem Grundgesetz verankert ist, war das tragende Prinzip. Der Rechtsstaat war der Garant für ausnahmslos alle Bürger, gerecht und gleich behandelt zu werden.

Jeder hatte das Recht, Vereine oder Parteien zu gründen, die Religionswahl war frei. Es durfte keine Zensur mehr angewandt werden, Presse- und Meinungsfreiheit sowie Versammlungsfreiheit wurde durch die Verfassungen garantiert.

Die Leibeigenschaft wurde aufgehoben, jeder konnte sich Arbeit suchen, jeder konnte seine Produktivkräfte frei entfalten und über das erwirtschaftete Vermögen oder sein Unternehmenskapital frei entscheiden. Das Privateigentum war unantastbar.

All das steht jetzt wieder zur Disposition der Mächtigen, die uns „erlauben“ oder verbieten unsere garantierten bürgerlichen Grundrechte auszuüben. Manche Bastion, wie Freiheit von Zensur, Versammlungsrecht, Meinungsfreiheit, ist schon gefallen. NOCH hält die Brandmauer der körperlichen Unversehrtheit, dass keinem Menschen gegen seinen Willen eine im Experimentierstadium befindliche Substanz mit noch unbekannten Folgen in den Körper gespritzt werden darf. Aber indirekt ist auch dieser Zwang längst da. Wem der Verlust des Arbeitsplatzes droht, der tut sich schwer, zu verweigern. Für die, die irgendwann schwere Langzeitfolgen erleiden, wird es schrecklich werden.

Die Rheingoldstudie „Deutschlands Zukunft zwischen No-Future-Modus und Gestaltungskraft im kleinen Kreis“ stellt fest, was schon überall bekannt ist: Die Gesellschaft spaltet sich, und die Gräben tun sich auch innerhalb der Familien auf. Die einen – geimpft/ungeimpft/rechts/links/konservativ … egal  – wachsen enger zusammen. Andere erfahren, dass selbst Geschwister, mit denen man sich immer gut verstanden hat, plötzlich hysterisch aggressiv werden, wenn man als Ungeimpfter zu Besuch kommen will. Ungeimpfte Verwandte kappen jeden Kontakt zu Geimpften.

Auch diese Neigung, sich jetzt absolutistisch irgendeiner Lebens- oder Geisteshaltung in fast religiös-missionarischem Eifer zuzuwenden, wird immer krasser. Ob es Klimawandel-Apostel, Veganer, Anti-Impfer oder Impftalibans sind, alle anderen sind jedenfalls komplette Idioten.

„Auch im Hinblick auf die konkreten privaten Zukunfts-Strategien zeigen sich bedeutsame Unterschiede, die sich anhand von sechs Zukunfts-Typen differenzieren lassen. Das Spektrum reicht von den Eingekapselten, die Zukunftsfragen am liebsten ausblenden oder die Vergangenheit verklären, über die Tribalisten, deren Aktionsradius in der Nachbarschaft oder im Verein endet, bis hin zu den Missionierenden, die sich einer weltrettenden Ideologie wie zum Beispiel dem Veganismus verschreiben.“ 

Aber, um mit Hölderlin zu spreche, da, „wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch“. Das erleben wir ja auch, und plötzlich finden wir neue Verbindungen mit Leuten, die Strukturen aufbauen, füreinander da sind, sofort helfen, wo gebraucht wird, Graswurzelbewegungen, die auf neue Ideen kommen und kurze Informationswege und unkonventionelle Lösungen. Leute, die sich zu Spaziergängen und Gesprächen am Lagerfeuer treffen, wo Pläne geschmiedet, Ideen ausgetauscht, Ziele und Zukunft diskutiert werden. Menschen, die man sonst nie kennengelernt hätte, aktive, selbstbestimmte Charaktere. Die Kommunikation findet nicht mehr in den zensierten Sozialen Medien statt. Dort funkt man nur noch unverfängliche Dinge oder verabredete Formulierungen, die man kennen muss.

Auch diese Graswurzel-Bewegungen finden die Studienautoren:

„Im Kleinen zeigt sich jedoch auch eine hoffnungsstiftende Graswurzel-Mentalität. Im eigenen Schaffen erleben viele Befragte Selbstwirksamkeit und Fortschritte. Aufbruchsstimmung, Zukunftselan und Gestaltungswille zeigt sich bei einem Drittel der Befragten im Anpacken in der eigenen Lebenswelt. Viele entwickeln das Gefühl, selbst etwas beitragen zu können und eine bessere Welt von unten zu fördern. Nachbarschaftliche Initiativen, veränderte Ernährungs- und Konsumgewohnheiten, soziale und ökologische Netzwerke oder post-kapitalistische Geschäftsmodelle finden immer mehr Aufmerksamkeit in der Welt der Befragten.“ 

Uns kriegen sie nicht klein.

Hier kann man sich die Studienergebnisse herunterladen.