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Verschwörungen, Enthüllungen & Unglaubliches

Das „Nussknacker“-Ballett ist politisch nicht korrekt: Abgesetzt!

28. Dezember 2021

Die Streich- bzw. Abbruchkultur (Cancel Culture), die darauf abzielt, dass Kunstwerke vergangener Epochen buchstäblich aufhören zu existieren, treibt in unserem Land immer absurdere Blüten.

(von Hubert von Brunn)

Jetzt hat es Tschaikowskys „Nussknacker“ erwischt, jenes märchenhafte Ballett, das traditionell in der Vorweihnachtszeit aufgeführt wird. Beim Staatsballett Berlin steht der beliebten Klassiker neuerdings unter Kolonialismus-Verdacht und wurde deshalb aus dem Programm genommen.

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Die jetzt abgesetzte Inszenierung wurde vor acht Jahren von zwei russischen Gast-Choreografen geschaffen und orientiert sich detailgetreu an der Uraufführung von Marius Petipa im Jahre 1892 in St. Petersburg. Seit der Premiere 2013 war dieser „Nussknacker“ ein Riesenerfolg, jede Vorstellung ausverkauft.

Alt und Jung staunten über das opulente Bühnenbild, die prächtigen Kostüme, die bezaubernden Spitzentänzer und genossen Tschaikowskys wunderbare Musik. Die Steine des Anstoßes: Blackfacing von zwei Kindern, ein braun geschminkter Solist, Tippelschrittchen beim chinesischen Tanz und der Auftritt von Haremsdamen im orientalischen Tanz.

Nach ersten Protesten 2015 wurden die Kindergesichter schon nicht mehr dunkel geschminkt – jetzt haben es die selbsternannten Kulturwächter endgültig geschafft, dieses großartige Kunstwerk in seinem originalen Erscheinungsbild vorerst von der Bühne zu verbannen.

Der Ausdruckswille des Künstlers wird verfälscht

Rückendeckung bekommen die zerstörerischen Kunst-Zensoren von Christiane Theobald, der kommissarischen Intendantin des Staatsballetts: „Wir müssen alles neu bewerten“, konstatiert sie mit Bezug auf die o.g. Steine des Anstoßes.

Das alles seien Dinge, „die man so heute nicht mehr unbesprochen auf die Bühne stellen kann. Mit der aktuellen Diskussion darum, welches Repertoire in postkolonialer Zeit noch vertretbar ist, müssen wir uns fragen, ob Elemente aus der Entstehungszeit schwierig sind.“ Was für ein unsäglich ignorantes Geschwätz.

Während meines Germanistik-Studiums habe ich gelernt, dass zum vollständigen Verständnis eines literarischen Werkes die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, philosophischen usw. Gegebenheiten zur Zeit seiner Entstehung unbedingt zu hinterfragen und in die Interpretation mit einzubeziehen sind.

Diese Sorgfaltspflicht gilt für die Betrachtung und Beurteilung jeglicher Form der künstlerischen Äußerung: Literatur, Theater, Musik, Malerei, Satire – und es ist weder der Kunst noch der wissenschaftlichen Aufarbeitung derselben dienlich, wenn willkürlich in das Werk eingegriffen und der Ausdruckswille des Künstlers verfälscht wird.

Das hat etwas mit der künstlerischen Freiheit zu tun und die ist in unserem Grundgesetz Art. 5, Abs. 3 eindeutig formuliert: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“ Und bereits im Abs. 1 heißt es: „Eine Zensur findet nicht statt.“

Nach den Erfahrungen der Nazizeit wollte man unbedingt verhindern, dass sich der Staat wieder in diese Dinge einmischt. Unter dieser Prämisse darf die Kunst hierzulande auch provokativ oder besonders freizügig oder politisch unkorrekt daherkommen. In gewisser Weise ist es sogar ihre Aufgabe, ihre Finger in gesellschaftliche Wunden zu legen, um auf bestimmte Missstände aufmerksam zu machen.

Sie darf aber auch einfach unterhalten und durch die Schönheit des Dargestellten die Seele der Menschen berühren – so wie eben der „Nussknacker“. Da ist es völlig inakzeptabel, dass irgendwelche spätkapitalistische Kunst-Zensoren und deplatzierte Kultur-Funktionäre und -Innen in ihrer moralischen Überheblichkeit, gepaart mit Unwissenheit daher kommen und sich anheischig machen, herausragende Kunstwerke herunter zu trimmen auf ihre geistige Minderbemitteltheit.

Die alles hinbiegen wollen auf eine eindimensionale Ebene der politischen Korrektheit, deren Parameter natürlich sie bestimmen und die selbstverständlich für alle Kulturschaffenden bindend sein soll. Für Phantasie ist da kein Raum mehr. Wenn das keine Zensur ist!

Unfassbare Arroganz der selbst ernannten Kunst-Zensoren

Es gibt noch eine ganze Reihe weitere Werke, die auf dem Index der Kunstzensoren stehen. Die Liste ist zu lang, um sie hier alle aufzuzählen, deshalb nur ein paar Beispiele: „Othello“, die Geschichte des Mohren von Venedig, ist gleich zweifach gefährdet – einmal als Shakespeares Drama und noch einmal als Oper von Verdi; der Roman „Onkel Toms Hütte“, der Film „Vom Winde verweht“ …

Ein bizarres Beispiel für die um sich greifende Verblödung der Kultur-Funktionäre liefert derzeit auch die Komische Oper Berlin. Sie wirbt für die Operette „Zigeuner“baron“ von Johann Strauß (Sohn) mit doppelten Anführungszeichen. Das „Zigeunerschnitzel“ wurde ja schon aus den Speisekarten gestrichen, bei einem Bühnenwerk ist das nicht so einfach.

Es umzutaufen in „Sinti-und-Roma-Baron“ haben sich die Sprachpolizisten dann doch nicht getraut, deshalb die alberne Krücke mit den doppelten Anführungszeichen. Hauptsache, man macht deutlich, dass man mit dem diskriminierenden und rassistischen Begriff „Zigeuner“ nicht einverstanden ist.

Dümmer geht’s nimmer!

Abgesehen von der unsäglichen Barbarei der Kunst-Zensoren im Hinblick auf die Authentizität eines Kunstwerks, bedeutet dessen unautorisierte Verstümmelung auch einen erheblichen Eingriff ins Urheberrecht. Aber das scheint die arroganten Besserwisser nicht wirklich zu stören.

Die moralische Überlegenheit, die sie sich selbst zubilligen, rechtfertigt ihre Vorgehensweise und im Übrigen sind die Autoren in aller Regel nicht mehr unter den Lebenden. Es gab ja schon einmal eine Zeit, in der missliebige Kunstwerke als „entartete Kunst“ stigmatisiert, verboten oder gar zerstört wurden, Bücher, die nicht ins Weltbild der Nazis passten, wurden verbrannt.

Derart barbarisch gehen die Saubermänner und -frauen unserer Tage natürlich nicht vor. Ihre Zensur läuft subtil unter dem Deckmäntelchen aufklärerischer Antidiskriminierung ab. Ein direktes Verbot können sie nicht verfügen, dazu fehlt ihnen die Legitimation.

Aber sie können ein Werk so lange diffamieren, bis Intendanten, Regisseure, Choreografen, Schauspieler, Tänzer usw. sich weigern, die modernistisch verstümmelte Version zu produzieren und auf die Bühne zu bringen.

Ein trauriges Schicksal, das über kurz oder lang auch dem „Nussknacker“ blüht.


Quelle: pravda-tv.com


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