Politik & Aktuelles

Wieder mal eine Lüge aufgeflogen: Söder verhängt mit falschen Zahlen eine Corona-Verordung

9. Dezember 2021

Die Inzidenzen wahren Wasser auf die Mühlen der Ungeimpten-Hexenjäger: Die bayerischen Inzidenzen, so tönte der Alarm, liege bei den bösen Ungeimpften bei 1600, wogegen die braven Geimpften nur eine 100er-Inzidenz aufweisen. Da müssen harte Maßnahmen her, damit die Unbotmäßigen endlich mal die Knute zu spüren bekommen. Der Schönheitsfehler: Die Zahlen stimmten nicht. Peinlich, aber darüber geht man am liebsten schweigend hinweg. Falsch ist immer nur das, was die Kritiker dieser Impfung von sich geben.

Die offiziellen Zahlen, egal aus welchen Institutionen sie kommen, zeigen merkwürdigerweise immer irgendwo Unstimmigkeiten. Definitionen ändern sich, Tabellen und Statistiken sind unglaublich unübersichtlich und inkohärent. Das Zahlenmaterial der verschiedenen Institutionen passt nicht zueinander. Die DIVI (Deutsche Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) erklärt in der Bundespressekonferenz, man kenne den Impfstatus der Patienten in den Intensivstationen gar nicht und das müsse man natürlich ändern. Das RKI (Robert Koch Institut) veröffentlicht genaue Zahlen der geimpften Patienten, die Impfdurchbrüche erleiden und hospitalisiert sind und wie viele genau davon sterben. Ja, was denn nun?

Auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) veröffentlicht jede Woche die Aufschlüsselung in „geimpft“ und „ungeimpft“. Auch das ist nicht immer ganz kohärent, wie allgemein bekannt ist. Dort werden Personen mit unbekanntem Impfstatus zum Beispiel einfach mal den Ungeimpften untergeschoben, wie die Seite „Nordbayern“ schreibt. Das führt natürlich zu einer viel zu hohen Zahl der Inzidenzen bei Ungeimpften und einer viel zu niedrigen bei Geimpften. Und es ist keineswegs so, dass das vernachlässigbar ist.

Das zeigen die aktuellen Zahlen, die das LGL auf eine Pressenachfrage des Journalisten Tim Röhn diesem übermittelt hat. Dieser twitterte das auch umgehend, und da staunt man nicht schlecht:

Twitter

Mit dem Laden des Tweets akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.
Mehr erfahren

Inhalt laden

Diese Zahlen aus der Woche vor dem 24. November besagen:

Von 81.782 gemeldeten Infizierten 14.652 ungeimpft und 9.641 geimpft.
In 57.489 Fällen – das sind etwa 70 Prozent! – war kein Impfstatus bekannt.

Diese wurden nach eigenem Bekunden einfach komplett den Ungeimpften zugeschlagen.

Das ist keine Unterstellung. Das LGL bestätigt das selber in einer Pressemitteilung. Herr Dr. Walter Jens, der Präsident des LGL begründet das so:

„Wir haben uns entschieden, die Fälle ohne Angaben zum Impfstatus zunächst zu den Ungeimpften zu zählen. Denn es hat sich herausgestellt, dass diese – nach später vorliegenden Daten – in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle ungeimpft waren.“

Es wurde also einfach mal flott nach dem Motto „die üblichen Verdächtigen“ vorgegangen. Das fand auch der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Herr Matthias Fischbach so. Er stellte daher eine Anfrage, um wenigstens die ungefähre Größenordnung der Geimpft/Ungeimpft-Verteilung zu erfahren. Eine brauchbare Antwort hat er bisher nicht bekommen. Die Behörde verwehrt konsequent jeden Einblick in das Zahlenwerk, was viele vermuten lässt, dass die wahren Zahlen wahrscheinlich das Impfnarrativ nicht gerade unterstützen würde.

Herr Fischbach monierte diese grob verzerrte Statistik zulasten der Ungeimpften:

„Wenn dem so ist – Warum werden die später vorliegenden Daten dann nicht veröffentlicht? Sie müssten dem LGL für eine solche Aussage doch bekannt sein. (…) Söder hat noch am Freitag mit Inzidenzen von 1600 bei den Ungeimpften und 100 bei den Geimpften argumentiert. Das ist keine kleine Unschärfe, sondern eine extrem verzerrte Darstellung, die einer Erklärung bedarf. Das Gesundheitsministerium hätte frühzeitig auf die Größenordnung der Verzerrung hinweisen müssen. Schließlich sei es auch im Interesse der Geimpften, zu wissen, wie hoch ihr eigenes Infektionsrisiko statistisch sei. Auch das Vertrauen in die Impfkampagne werde durch das Verhalten der Staatsregierung nachhaltig erschüttert.“

Herr Fischbach schlägt vor, dass der Impfstatus direkt beim Testen angegeben werden sollte: „Auf diese Weise könnte man die Statistik auch direkt um den Faktor korrigieren, wie viele Tests in der jeweiligen Gruppen gemacht werden.“ 

Das ist aber noch nicht alles, was die Darstellung der Inzidenzen bei Geimpften und Ungeimpften aus dem Ruder kaufen lässt. Sehr lange mussten nur die Ungeimpften ständig testen und die Geimpften waren davon sozusagen als „Belohnung“ für ihre vorbildliche Impfwilligkeit vom Testen ausgenommen. Und auch heute, wo teilweise bei 2G+ auch die Genesenen und die Geimpften wieder testen müssen, werden Ungeimpfte deutlich häufiger getestet als Geimpfte.

Es kommt auch noch etwas Weiteres dazu: Es findet offenbar eine Untererfassung von Corona-Fällen bei Geimpften statt. Das gibt auch das RKI zu:

„Grundsätzlich geht das RKI von einer ‚Untererfassung der geimpften Covid-Fälle‘ aus, wie es in seinem Wochenbericht schreibt. Das liegt daran, dass nicht für jede gemeldete Covid-Erkrankung vollständige Angaben zum Impfstatus vorliegen. In knapp einem von fünf symptomatischen Fällen fehlen demnach Daten.“

Auch das dürfte so nicht ganz zutreffen. Tatsächlich vermindert die Impfung ja das Auftreten von Symptomen bei vielen infizierten Geimpften mehr oder weniger. Viele werden sich gar nicht testen lassen, wenn sie milde Symptome, wie etwas Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen haben. Viele Geimpfte fühlen sich sicher, weil sie ja geimpft sind. Und sie halten es gar nicht für möglich, dass sie Covid haben könnten. Sie gehen also fröhlich überall hin und infizieren unwissentlich andere, werden aber selbst nicht getestet. Wenn sie nicht erkranken, bemerken auch die von Geimpften Infizierten nichts von ihrer Infektion, und so geht es munter weiter. Bei den Geimpften, die dann ernsthaft erkranken, tritt es dann erst zutage, hat sich aber in der Zwischenzeit über mehrere Stationen exponentiell verbreitet. Hier einmal eine kleine Auswahl:

In Berlin wird im Spätherbst eine Geburtstagsfeier so zum Superspreader-Event. Alle Besucher der extra für die Feier angemieteten Bar im Bezirk Neukölln waren geimpft oder genesen, die Gruppe verständigte sich im Vorfeld sogar auf 2G plus und jeder führte einen Schnelltest durch. Drinnen gelten somit weder Masken- noch Abstandspflicht. Von 35 Gästen infizieren sich letztlich 21 mit Corona.

Nach einer Partynacht in einem Club in Münster Anfang September sind mittlerweile 85 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Das hat die Stadt Münster mitgeteilt. (…) Für die Party am 3. September galt die 2G-Regelung: Alle Gäste waren nach eigenen Angaben geimpft oder genesen. Inzwischen hat die Stadt die Impf- und Genesenen-Ausweise aller Infizierten aus Münster kontrolliert. Bei keinem der 64 Menschen habe es Verstöße gegen die 2G-Regel gegeben, sagte Norbert Schulze Kalthoff, Leiter des Gesundheitsamtes in Münster.

Nach dem gleichen Prinzip feiert eine Gruppe in München einen 30. Geburtstag. In diesem Fall in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung mit 20 Personen. Alle sind geimpft, auch hier werden Tests vereinbart, ganz nach dem Motto: „Tut ja nicht allzu sehr weh.“ Die negativen Testergebnisse ließ sich das Portal „t-online“ als Beweis sogar zuschicken. Wenige Tage nach der Feier sind zehn der Besucher positiv, der Großteil ohne Symptome oder Anzeichen eines Erkältungsverlaufs. Nur bei einer Person artete die Infektion in schwerem Fieber aus, ein PCR-Test sorgte dann für Gewissheit und gleichzeitig für Unruhe bei den Partygästen, die das Virus schon mehrere Tage unbemerkt mit sich trugen.

Diese Argumente wurden schon oft von Kritikern vorgetragen, aber nie beachtet. In welchem Umfang aber Ungeimpfte mehr getestet werden als Geimpfte ist nicht bekannt. So liefern die Behörden, die eigentlich genaue Daten und Fakten zur korrekten Bewertung des Pandemiegeschehens erfassen müssten, der Politik ein fast unbegrenztes Spielfeld für Panikmache, Verunsicherung und Raum für Maßnahmen und Reglementierungen und damit einen Blankoschek für Eingriffe aller Art in die Grundrechte der Bürger. Und es erfordert viel Recherche, um aufzuzeigen, dass dieser Grundrechte-Entzug auf falschen Datenbasen beruht. Aber auch, wenn das glückt: Die Politik macht unbeirrt immer weiter.


Ad

Jetzt eintragen und News kostenlos per E-Mail erhalten:

Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad