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Löscht ein Ali­en­krieg die Menschheit aus? Zeit­rei­sender zeigt men­schen­leere Städte – exis­tieren mehrere Zeit­linien? (+Video)

Immer wieder sorgen selbst­er­nannte Zeit­rei­sende im Netz für Aufruhr. Auf TikTok warnt ein Nutzer nun vor einem töd­lichen Ali­en­krieg auf der Erde. Im Jahr 2027 sollen alle Men­schen tot sein. Kann das wirklich sein?

Töd­liche Pan­demien, gewaltige Tsu­namis und brutale Krea­turen: Immer wieder schocken angeb­liche Zeit­rei­sende auf TikTok mit düs­teren Pro­gnosen. Einer behauptet nun, dass die Menschheit im Jahr 2027 aus­ge­löscht sei. In meh­reren Videos zeigt er, wie die Welt schließlich aus­sehen werde.

Ali­en­krieg ver­nichtet Menschheit bis 2027: Zeit­rei­sender schockt auf TikTok mit düs­terer Prophezeiung

Der TikTok-Nutzer @unicosobreviviente behauptet, dass er in der Klemme stecke. Als ein gewal­tiger Alien-Krieg die Menschheit auf der Erde aus­löschte, sei er in die Zukunft gereist. Nun sitzt er angeblich im Jahr 2027 fest und ist angeblich die letzte Person, die noch übrig ist.

Bereits seit Wochen zeigt er Videos, wie er durch spa­nische Städte läuft. Diese sind wie leer gefegt. Nir­gends ist ein Mensch zu sehen. Ist @unicosobreviviente wirklich ein Zeit­rei­sender? Stimmt seine Geschichte?

Internet, Strom und Co.! Zweifel an Aus­sagen des angeb­lichen Zeitreisenden

Ver­mutlich nicht. Seine Videos werfen zahl­reiche Fragen auf und lassen Zweifel an seinen Behaup­tungen auf­kommen. Wenn die kom­plette Menschheit bei einem Krieg ver­nichtet wurde, warum sehen die Städte so ordentlich aus?

Warum herrscht nir­gends Chaos? Warum hat die Natur die Städte noch nicht zurück­er­obert? Warum funk­tio­nieren Strom und Internet noch?

Und warum kann der angeb­liche Zeit­rei­sende Videos auf TikTok ver­öf­fent­lichen, wenn er doch im Jahr 2027 feststecke?

TikTok-Nutzer fordern Live-Stream als Zeitreise-Beweis

Da zahl­reiche TikTok-Nutzer Zweifel an seinen Behaup­tungen haben, legt der Zeit­rei­sende beinahe täglich nach. So zeigt er in seinem neu­esten Video Bar­celona. Zwar sieht man par­kende Autos und umher­flie­gende Vögel, doch nir­gends ist ein Mensch zu erkennen.

In der Kom­men­tar­spalte ver­muten einige, dass die Auf­nahmen am frühen Morgen während eines Lock­downs auf­ge­nommen wurden. „Mein Garten ist in weniger als einer Woche über­wu­chert, aber die gesamte Land­schafts­ge­staltung hier bleibt ohne Pflege perfekt“, heißt es in einem Kommentar.

„Es ist offen­sichtlich ein Video vom Lockdown, als niemand nach draußen ging“, ergänzt ein anderer. Andere TikTok-Nutzer fordern einen Live-Stream als Beweis. Doch ob sich der angeb­liche Zeit­rei­sende wirklich dazu bereiterklärt?

Wir dürfen gespannt bleiben…

Wie funk­tio­nieren Zeitreisen?

Von Zeit­reisen träumen die Men­schen seit min­destens 125 Jahren. H.G. Wells schrieb seinen bahn­bre­chenden Roman „Die Zeit­ma­schine“ im Jahr 1895, und Phy­siker und Phi­lo­sophen ver­fassen seit fast einem Jahr­hundert ernst­hafte Abhand­lungen über das Thema.

Was die wis­sen­schaft­liche Erfor­schung von Zeit­reisen aber wirklich in Gang brachte, war die Vor­stellung der Zeit als Dimension, die in den letzten Jahren des 19. Jahr­hun­derts aufkam. Wir können uns pro­blemlos durch den Raum bewegen – warum also nicht auch durch die Zeit?

„Im Raum kann man hin­gehen, wohin man will. Also kann man viel­leicht auch in der Zeit gehen, wohin man will“, sagt Nikk Effingham, ein Phi­losoph an der Uni­versity of Bir­mingham in Groß­bri­tannien. „Von dort ist es nur noch ein kleiner Sprung zu Zeitmaschinen.“

Theorien der Zeitreisen

Wells war ein Schrift­steller, kein Phy­siker. Aber die Physik sollte ihn bald ein­holen. Im Jahr 1905 ver­öf­fent­lichte Albert Ein­stein den ersten Teil seiner Rela­ti­vi­täts­theorie, die als spe­zielle Rela­ti­vi­täts­theorie bekannt ist. Darin sind Raum und Zeit formbar; Mes­sungen von Raum und Zeit hängen von der rela­tiven Geschwin­digkeit der mes­senden Person ab.

Ein paar Jahre später zeigte der deutsche Mathe­ma­tiker Hermann Min­kowski, dass in Ein­steins Theorie Raum und Zeit als zwei Aspekte einer ein­zigen vier­di­men­sio­nalen Einheit namens Raumzeit betrachtet werden können. Im Jahr 1915 ent­wi­ckelte Ein­stein dann den zweiten Teil seiner Theorie, die all­ge­meine Rela­ti­vi­täts­theorie. Die all­ge­meine Rela­ti­vi­täts­theorie betrachtet die Schwer­kraft in einem neuen Licht: Anstatt sie als Kraft zu betrachten, beschreibt die all­ge­meine Rela­ti­vi­täts­theorie sie als eine Krümmung oder Ver­formung der Raumzeit.

Aber die spe­zielle Rela­ti­vi­täts­theorie reicht vorerst aus, um mit der Betrachtung von Zeit­reisen zu beginnen. Die Theorie „stellt fest, dass die Zeit dem Raum viel ähn­licher ist, als wir zuvor dachten“, sagt Clifford Johnson, ein Phy­siker an der Uni­versity of Sou­thern Cali­fornia. „Also können wir womöglich alles, was wir mit dem Raum machen können, auch mit der Zeit machen.“

Nun ja, fast alles. Die spe­zielle Rela­ti­vi­täts­theorie gibt uns keine Mög­lichkeit, in der Zeit zurück­zu­reisen, aber sie gibt uns eine Mög­lichkeit, vor­wärts zu reisen – und zwar mit einer Geschwin­digkeit, die man tat­sächlich kon­trol­lieren kann. Dank der spe­zi­ellen Rela­ti­vi­täts­theorie kann es sogar pas­sieren, dass zwei Zwil­linge unter­schiedlich alt sind – das berühmte „Zwil­lings­pa­ra­doxon“.

Nehmen wir an, man macht sich in einem Raum­schiff mit einer enorm hohen Geschwin­digkeit (nahe der Licht­ge­schwin­digkeit) auf den Weg zum benach­barten Dop­pel­stern­system Alpha Cen­tauri, während der eigene Zwilling auf der Erde bleibt. Wenn man wieder nach Hause kommt, wird man fest­stellen, dass man nun viel jünger ist als der eigene Zwilling. Das wirkt kon­train­tuitiv, aber an der phy­si­ka­li­schen Erklärung gibt es auch nach mehr als einem Jahr­hundert nichts zu rütteln.

„Es ist mit der spe­zi­ellen Rela­ti­vi­täts­theorie absolut beweisbar, dass der Astronaut, der nahezu mit Licht­ge­schwin­digkeit reist, viel jünger sein wird als sein Zwilling, wenn er zurück­kommt“, sagt Janna Levin, Phy­si­kerin am Barnard College in New York. Inter­es­san­ter­weise scheint die Zeit für beide Zwil­linge genauso zu ver­gehen wie immer; erst wenn sie wieder vereint sind, zeigt sich der Unterschied.

Viel­leicht waren beide in ihren Zwan­zigern, als die Reise begann. Wenn der Rei­sende zurück­kommt, sieht er nur ein paar Jahre älter aus als bei der Abreise, während der Zwilling viel­leicht schon Enkel­kinder hat. „Sein Erleben der ver­gan­genen Zeit ist für ihn völlig normal. Seine Uhren ticken im nor­malen Rhythmus, er altert normal, Filme laufen im rich­tigen Tempo“, sagt Levin. „Er ist nicht weiter in seine eigene Zukunft gereist als normal. Aber er ist in die Zukunft seines Zwil­lings gereist.“

Mit der all­ge­meinen Rela­ti­vi­täts­theorie fangen die Dinge erst richtig an, inter­essant zu werden. Laut dieser Theorie krümmt ein mas­se­reiches Objekt Raum und Zeit. Das kennt man viel­leicht aus Dia­grammen oder Videos, in denen das mit einem Ball ver­an­schau­licht wird, der in eine dehnbare Ober­fläche einsinkt.

Daraus folgt nicht nur, dass Reisen mit hoher Geschwin­digkeit den Lauf der Zeit beein­flussen, sondern auch, dass die bloße Nähe zu einem mas­se­reichen Objekt wie einem Schwarzen Loch das eigene Erleben der Zeit beein­flusst. (Dieser Fakt war von zen­traler Bedeutung für die Handlung des Films „Inter­stellar“ von 2014, in dem Matthew McCo­naugheys Cha­rakter Zeit in der Nähe eines mas­se­reichen Schwarzen Lochs ver­bringt. Als er nach Hause zurück­kehrt, stellt er fest, dass seine eigentlich junge Tochter alt geworden ist).

Aber Schwarze Löcher sind nur der Anfang. Phy­siker spe­ku­lieren auch über die Aus­wir­kungen einer viel exo­ti­scheren Struktur, die sie als Wurmloch bezeichnen. Wurm­löcher könnten – falls sie denn exis­tieren – einen Ort in der Raumzeit mit einem anderen ver­binden. Ein Astronaut, der im Jahr 3000 in ein Wurmloch in der Andromeda-Galaxie fliegt, könnte am anderen Ende in unserer eigenen Galaxie im Jahr 2000 her­aus­kommen. Aber es gibt einen Haken: Während es mehr als genug Beweise für die Existenz von Schwarzen Löchern gibt – Astro­nomen haben letztes Jahr sogar eines foto­gra­fiert –, sind Wurm­löcher weitaus spekulativer.

„Man kann sich vor­stellen, eine Brücke von einer Region der Raumzeit zu einer anderen Region der Raumzeit zu bauen“, erklärt Levin, „aber das würde Arten von Masse und Energie erfordern, von denen wir nicht wissen, ob sie in der Rea­lität exis­tieren – Dinge wie negative Energie.“ Sie sagt, es sei zwar „mathe­ma­tisch denkbar“, dass Struk­turen wie Wurm­löcher exis­tieren könnten, aber sie seien womöglich kein Teil der phy­si­ka­li­schen Realität.

Damit würde sich auch die beun­ru­hi­gende Frage stellen, was mit unseren Kon­zepten von Ursache und Wirkung pas­siert, wenn Zeit­reisen in die Ver­gan­genheit möglich wären. Das berühm­teste dieser Rätsel ist das soge­nannte Groß­va­ter­pa­ra­doxon. Ange­nommen, man reist in jene Zeit zurück, als der eigene Groß­vater noch ein junger Mann war. Man tötet ihn (viel­leicht aus Ver­sehen), was bedeutet, dass ent­weder die eigene Mutter oder der eigene Vater nicht geboren wird. Das wie­derum bedeutet, dass man selbst auch nicht geboren wird und deshalb auch nicht durch die Zeit reisen und den eigenen Groß­vater töten kann.

Exis­tieren mehrere Zeitlinien?

Im Laufe der Jahre haben Phy­siker und Phi­lo­sophen über ver­schiedene Lösungen für das Groß­va­ter­pa­ra­doxon nach­ge­dacht. Eine Mög­lichkeit ist, dass das Para­doxon einfach beweist, dass keine solchen Reisen möglich sind. Die Gesetze der Physik müssen irgendwie Zeit­reisen in die Ver­gan­genheit ver­hindern. Das war auch die Ansicht des ver­stor­benen Phy­sikers Stephen Hawking, der diese Regel die chro­nology pro­tection con­jecture (dt.: Chro­no­lo­gie­schutz-Hypo­these“) nannte. Wohl­ge­merkt er hat nie die tat­säch­liche Physik hinter einer solchen Regel spezifiziert.

Aber es gibt auch andere, fas­zi­nie­rendere Lösungen. Viel­leicht sind Zeit­reisen in die Ver­gan­genheit möglich, und dennoch können Zeit­rei­sende die Ver­gan­genheit nicht ändern, egal wie sehr sie es ver­suchen. Effingham, dessen Buch „Time Travel: Pro­ba­bility and Impos­si­bility“ (dt.: Zeit­reisen: Wahr­schein­lichkeit und Unmög­lichkeit) Anfang 2020 ver­öf­fent­licht wurde, for­mu­liert es so: „Man könnte die falsche Person erschießen, oder man könnte seine Meinung ändern. Oder Sie erschießen die Person, die Sie für Ihren Groß­vater halten, aber es stellt sich heraus, dass Ihre Groß­mutter eine Affäre mit dem Milchmann hatte, und das war die ganze Zeit Ihr Groß­vater. Sie haben es nur nicht gewusst.“

Das bedeutet auch, dass die viel­dis­ku­tierte Fan­tasie, Hitler vor Aus­bruch des Zweiten Welt­kriegs zu töten, nicht umsetzbar ist. „Es ist unmöglich, weil es nicht pas­siert ist“, sagt Fabio Costa, ein theo­re­ti­scher Phy­siker an der Uni­versity of Queensland in Aus­tralien. „Das steht nicht mal zur Debatte. Wir wissen, wie sich die Geschichte ent­wi­ckelt hat. Es gibt keinen zweiten Versuch.“

In der Tat mutmaßt Effingham, dass ein Zeit­rei­sender im Falle einer unver­än­der­lichen Ver­gan­genheit wahr­scheinlich gar nichts tun kann. Unsere bloße Existenz zu einer Zeit, in der wir nie exis­tiert haben, wäre ein Wider­spruch. „Dem Uni­versum ist es egal, ob das, was Sie ver­ändert haben, darin besteht, dass Sie Hitler getötet haben oder dass Sie ein Atom von Position A nach Position B bewegt haben“, sagt Effingham.

Aber noch ist nicht alles ver­loren. Die Sze­narien, die Effingham und Costa sich aus­malen, bedingen ein ein­ziges Uni­versum mit einer ein­zigen „Zeit­linie“. Doch einige Phy­siker spe­ku­lieren, dass unser Uni­versum nur eines unter vielen ist. Wenn das der Fall ist, dann können Zeit­rei­sende, die die Ver­gan­genheit besuchen, viel­leicht doch tun, was sie wollen, was ein neues Licht auf das Groß­va­ter­pa­ra­doxon werfen würde.

„Viel­leicht beschließt man, aus welchem Grund auch immer, zurück­zu­gehen und dieses Ver­brechen [den Groß­vater zu töten] zu begehen. Dadurch ‚ver­zweigt‘ sich die Welt in zwei ver­schiedene Rea­li­täten“, sagt Levin. Das Ergebnis: „Obwohl Sie scheinbar Ihre Ver­gan­genheit ver­ändern, ver­ändern Sie sie nicht wirklich; Sie erschaffen eine neue Geschichte.“ Diese Idee der mul­tiplen Zeit­linien ist das Grund­prinzip der Film­tri­logie „Zurück in die Zukunft“. Im Gegensatz dazu unter­nimmt Bruce Willis’ Figur in dem Film „12 Monkeys“ mehrere Zeit­reisen, aber alles spielt sich entlang einer ein­zigen Zeit­linie ab.


Quelle: pravda-tv.com