G7-Gip­fel­treffen-Sank­tionen: Sehenden Auges mit Vollgas vor die Wand

Der G7-Gipfel im baye­ri­schen Elmau ist zu Ende, und es ist der Gipfel. Der Gipfel der Dummheit und der Selbst­zer­störung. Die G7-Länder über­prüfen eine Preis­ober­grenze für rus­si­sches Gas, sie weichen die Glas­gower Kli­ma­schutz-Erklärung dahin­gehend auf, das staat­liche Inves­ti­tionen in „fossile Pro­jekte“ in anderen Ländern eben doch irgendwie erlaubt sein sollen und gründen gleich­zeitig einen illustren „Kli­maclub“, um in ihrem kleinen Zirkel die Kli­ma­ziele zu erreichen. Und sie haben eine Ver­pflichtung zur Bereit­stellung von wei­teren 4,5 Mil­li­arden Dollar ver­einbart, die für die welt­weite Ernäh­rungs­si­cherheit ein­ge­setzt werden sollen.

Die Wiki­pedia hat zum Thema G7 — weit­sichtig, wie selten – fol­gende Ein­leitung (Fett­stellung durch mich):

„Die G7 (Abkürzung für Gruppe der Sieben) ist ein infor­meller Zusam­men­schluss der zu ihrem Grün­dungs­zeit­punkt bedeu­tendsten Indus­trie­staaten der west­lichen Welt in Form regel­mä­ßiger Gip­fel­treffen der Staats- und Regie­rungs­chefs. Das Forum dient dem Zweck, Fragen der Welt­wirt­schaft zu erörtern. Dem Gremium gehören Deutschland, Frank­reich, Italien, Japan, Kanada, das Ver­ei­nigte König­reich und die Ver­ei­nigten Staaten an. Die Euro­päische Kom­mission hat einen Beob­ach­ter­status.“ 

Die G7 wurde 1975 eta­bliert. Diese Glanz­zeiten von damals sind sowieso vorbei und das China und die Sowjet­union (heute rus­sische Föde­ration) von damals haben einen steilen Auf­stieg hin­gelegt. Nicht nur, dass der exklusive Club sich nost­al­gisch im alten Glanze sonnt, während Macht und Reichtum merklich brö­ckelt. Sie haben auf diesem Gipfel im Prinzip den Untergang ihrer Länder und sinnlose, schäd­liche Kli­ma­maß­nahmen beschlossen. 

Die G7 „prüft eine Preis­ober­grenze“ für rus­si­sches Gas und Öl. Wirklich. 

Lieber Leser, stellen Sie sich vor, Sie gehen ange­sichts der all­gemein anzie­henden Inflation, mit einer kleinen Gruppe in den ein­zigen Super­markt in Ihrem Dorf, beschimpfen den Laden­be­sitzer und legen eine Preis­ober­grenze für die Güter des täg­lichen Bedarfs dort fest, weil Ihnen das alles zu teuer geworden ist. Weit und breit ist kein anderer Super­markt und die wenigen kleinen Läden, die es irgendwo gibt, sind noch teurer und haben gar nicht genug Ware. Was wird wohl pas­sieren? 

Das liest sich in der gepflegten Presse so: „Beob­achter warnen, Moskau könne den Gas­export nach Europa ein­stellen.“ Auf unseren Dorf­laden bezogen: „Raus hier und kommt nicht wieder, Euch verkauf ich gar nichts mehr.“ Und dann? 

Mit einem solchen Beschluss setzen die G7 ihre Ener­gie­ver­sorgung dann auch fast ganz auf’s Spiel. Selbst WENN Russland Ein­bußen wegen Wegfall des Gas­ex­ports in Kauf nehmen müsste, kann es das durch­stehen. Europa aber kann es nicht. Außer den USA, Japan und Kanada sind die anderen vier abhängig von dem Gas und drohen Russland mit Selbstmord.

 Das Schau­spiel ist lächerlich. Erst tönt man groß vom Embargo und sabo­tiert Nord­stream 2, um Russland zu bestrafen, dann kreischt man, dass der böse Putin den Gashahn zudreht. Es ist einfach an der Zeit ein­zu­ge­stehen, dass die Embargo-Politik ful­minant gescheitert ist. Zu glauben, man könne Moskau mit einem Preis­deckel in die Knie zwingen und dem dra­ma­ti­schen Hoch­schießen der Ener­gie­preise damit ein Ende setzen, ist voll­kommen illu­so­risch. Das könnte man dann, wenn man nicht auf das Gas ange­wiesen wäre aber Russland auf die Ein­künfte. Leider ist es aber gerade umge­kehrt – und so wird auch der Effekt ein umge­kehrter sein: Wenn Russland auch noch den Rest seiner Gas­lie­fe­rungen stoppt, geht Europa das Licht aus. Dann fallen auch noch die Gas­kraft­werke für den Strom aus. Die Embargos gegen Russland sind bisher wir­kungslos ver­pufft – was Russland betrifft. Im Gegenteil: Russland expor­tiert fröhlich nach Asien und hat somit seine Ausfuhr und seine Ein­künfte erheblich gesteigert. Doch die Embargos wirken, und zwar gegen uns. Dem Westen dagegen hat das Ganze nämlich emp­findlich geschadet. Denn Gazprom hat ja sowieso schon seine Gas­lie­fe­rungen in alle die­je­nigen euro­päi­schen Länder kom­plett ein­ge­stellt, die die neuen Zah­lungs­mo­da­li­täten Russ­lands (eine Kon­ver­tierung in Rubel) nicht ange­nommen haben. 

Die G7 möchte nun auch beim rus­si­schen Öl die Dau­men­schrauben an den Preis anlegen, damit Russland nicht so fette Gewinne durch die gestie­genen Preise ein­heimsen kann. Nun kann man ja Russland gar nicht daran hindern, sein Öl zu Welt­markt­preisen zu ver­kaufen. Was also tun? 

Die G7 wollen daher den großen Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaften ver­bieten, diese Öltrans­porte zu ver­si­chern. Ein ziemlich sinn­loses Unter­fangen, finden Experten, da zum Ersten die Ver­si­cherer dazu nicht wirklich gezwungen werden können und zum Zweiten die rus­si­schen Öltanker zum größten Teil bei der „Russian National Reinsurance Company“ (RNRC) ver­si­chert sind. Zum Dritten machen die west­lichen Ver­si­che­rungs­gruppen damit den Weg frei, dass Ver­si­cherer aus Ländern, die Russland gewogen sind, gerne den Kunden über­nehmen. 

So hat Indien bei­spiels­weise für Russland die Öllie­fe­rungen zer­ti­fi­ziert. Russland ver­kauft jetzt sein Öl billig an Indien, das wie­derum es sehr teuer an die Europäer ver­kauft. Es heißt zwar, Indien raf­fi­niert das Öl, Insi­der­quellen munkeln aber, dass das Öl auf offener See von rus­si­schen Tankern einfach in indische umge­laden und nach Europa ver­schippert wird. Bezahlen muss das alles der Bürger, der dann von seinem Ex-Bun­des­prä­si­denten auf­ge­fordert wird, für die Freiheit zu frieren und vom Wirt­schafts­mi­nister, nur noch zweimal die Woche zu Duschen. Die Empörung über Russ­lands Ein­marsch in die Ukraine, von den Medien mit Kriegs­trommeln begleitet, flaut sichtlich ab, dafür wird der Unmut in den Völkern des „Westens“ immer lauter. 

Da eben nicht „die ganze Welt gegen Russland“ ist, sondern ein eher kleiner Teil, hat Russland viele Mög­lich­keiten, sich anderswo zu orga­ni­sieren. Währen es die Poli­tiker des „Westens“ sind, die hän­de­ringend ara­bische und afri­ka­nische Regie­rungen abklappern, um an Öl und Gas zu kommen. Wirt­schafts­mi­nister Robert Habecks Bet­teltour in Saudi-Arabien und Katar wurde lobend in den Medien begleitet. Aber überall sind die Türen zu. Saudi Arabien und die Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emirate weigern sich, mehr Öl zu fördern, beim Iran braucht man gar nicht erst zu fragen und Vene­zuela wird den Teufel tun, sich Russland und China zu ver­ärgern. Abge­sehen davon sind beiden Ländern dies­be­züg­liche Sank­tionen auf­ge­brummt worden. Aus Libyen kommt auch kein Öl mehr, weil der hoch­mo­ra­lische Westen das Land in die Steinzeit zurück­ge­bombt hat. Da wird kaum noch Öl gefördert. 

Man darf gespannt sein, wie scharf die Waffe des Import­verbots für rus­si­sches Gold sein wird. Russland gehört mit China und Aus­tralien zu den drei größten Gold­pro­du­zenten der Welt. Ent­weder das ist „reine Sym­bol­po­litik“, wie Experten sagen, oder es treibt den Gold­preis an. Nur mal wild ange­nommen, der „Westen“ und das Welt­fi­nanz­system kommt bei all den selbst­mör­de­ri­schen Sank­ti­ons­kriegen wirklich in arge Bedrängnis und man muss es neu auf­setzen – Wie will man Ver­trauen in eine neu geschaffene Währung schaffen?

Mit einer Gold­de­ckung. Für China und Russland und ihnen ange­schlossene BRICS-Länder kein Problem, denn die Gold­pro­du­zenten Bra­silien, Süd­afrika gehören zu den BRICS und viele afri­ka­nische und süd­ame­ri­ka­nische, gold­pro­du­zie­rende Länder stehen eben­falls auf der Seite Russ­lands und Chinas. Für den Westen würde das schon ein Problem. China und Russland arbeiten schon eine Weile an einem neuen Welt­wäh­rungs­system. Sollten sie das mit Gold unter­legen, wäre das Ver­trauen in dieses System sehr schnell her­ge­stellt und der Dollar als Welt­leit­währung Geschichte. Wir könnten uns schneller als gedacht in einem neuen Welt­wäh­rungs­system wiederfinden.

Schön für die, die privat schon Gold haben. 

So ganz geheuer sind der Gruppe „G7“ ihre eigenen Beschlüsse offenbar nicht. Denn auf der Kon­ferenz beschloss man vor­sichts­halber, die Beschlüsse der Glas­gower Kli­ma­kon­ferenz auf­zu­weichen, indem man zwar don­nernde Bekennt­nisse zum Kli­ma­schutz ver­laut­barte:  Die G7 stehen „fest hinter den Zielen eines offenen und koope­ra­tiven inter­na­tio­nalen Kli­maklubs“ und wollen „gemeinsam mit Partnern auf dessen Gründung bis Ende 2022 hin­wirken“. Daraus wird nichts mehr werden wie es scheint, denn aus der Not heraus werden die Beschlüsse des Glas­gower Kli­ma­gipfels teil­weise außer Kraft gesetzt, in denen es heißt, man wolle bis Ende 2022 keine Staats­mittel für fossile Ener­gie­pro­jekte im Ausland bereit­stellen. In Elmau hat man sich selbst nun Aus­nahmen davon erlaubt, weil man den Zusam­men­bruch der Ener­gie­ver­sorgung irgendwie ver­suchen muss zu ver­hindern. So ist es aus­ge­rechnet eine grüne Regierung, die die Atom- und Koh­le­kraft­werke wieder anwerfen will.

Dass die Sank­ti­ons­po­litik scheitern würde, haben viele Experten vor­aus­ge­sehen und davor gewarnt. Ebenso, was die Kli­ma­po­litik betrifft. Wir stehen vor den ernsten und schweren Kon­se­quenzen dieser unklugen und ama­teur­haften Politik und werden sie aus­baden müssen.