Warten auf den kostenlosen Shuttlebus. Deutschland, nicht Afrika. Bild: Maria Schneider

Fremd im eigenen Land

Wie fast jeden Tag nehme ich in meinem gen­tri­fi­zierten Dorf der glück­se­ligen Pippi-Lang­strumpf-Mamis mangels Alter­native mein Früh­stück im über­teu­erten, veganen Café ein, wo die Deko auf den süßen Teilchen sorg­fältig mit der Pin­zette arran­giert wird. Bei den „schwarz“ geschrei­nerten, grob­schläch­tigen, harten Möbel­stücken mit psy­che­de­li­schen, dilet­tan­ti­schen Dschun­gel­bildern wurde leider nicht der gleiche Per­fek­tio­nismus ange­wandt, so dass der typische, karge, sozia­lis­tische Touch mit Sam­mel­tassen und Tellern aus Omas Vitrine, der so vielen Cafés in grünen Vierteln zu eigen ist, vor­herrscht. Nichts darf wirklich edel, neu oder teuer wirken, wäre dies doch ein Verrat an der sozia­lis­ti­schen Internationalen.

Mein Stadtteil: debilisiert

Neben mir sitzt ein junger Duttmann mit Kleinkind und einer mager­di­ä­tierten, blon­dierten, älteren Frau in hipper Kleidung. Das Kind nennt die Frau „Omi“, was sofort mit einer Rüge quit­tiert wird: „Ich bin doch die Silvia.“ Ob dieser kranken Aussage (wer mit 60 immer noch glaubt, als eigen­ständige Per­sön­lichkeit in der Familie mit Namen ange­sprochen werden zu müssen, wird genauso dumm sterben, wie er geboren wurde) beob­achte ich, wie der Dutt­vater ver­stohlen einen resi­gnierten Seufzer unterdrückt.

Danach mache ich meine Runde durch die Felder und begegne den üblichen, allein­ste­henden Frauen mit ihren schlecht erzo­genen, vier­bei­nigen Ersatz­partnern. Dis­kus­sionen darüber, dass ich es nicht so gerne mag, wenn mich ein lei­nen­loser Jagdhund bellend stellt, sind zwecklos, da sonst die gesamte, ange­staute Aggression der sexuell unter­ver­sorgten Damen über mich aus­ge­schüttet wird.

Meine Hal­te­stelle: schariasiert

Danach mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Früher fuhr ich ganz gern mit der Stra­ßenbahn, doch das ver­meide ich nun, wann immer es geht. Denn seit 2015 sitzen darin mehr Araber und Afri­kaner als Deutsche. Leicht zu erkennen auch die Macht­ver­teilung zwi­schen mas­kierten Indi­genen, die sich gegen­seitig belauern und bewachen und den unmas­kierten, braun­häu­tigen Mus­kel­protzen, vor denen sich die Block­war­t­rentner und Innen feige wegducken.

Beim Warten an meiner ver­si­fften Hal­te­stelle, an der junge Araber in Zeitlupe ihren Speichel auf den ver­dreckten Bür­ger­steig fallen lasse, bin ich stets der gleichen visu­ellen Folter aus­ge­setzt: Fast alle Geschäfte gehören einem ein­zigen Araber. Im her­un­ter­ge­kom­menen Döner, der seit Jahren vom Gesund­heitsamt “über­sehen” wird, hängt seine bekopf­tuchte Frau ab. Vor und in seinem Fri­seur­laden lungern junge, schwarz­haarige Männer herum, die sich ent­spannt zwi­schen seinem Döner, seinem Zeit­schrif­ten­laden und seinem Han­dy­ge­schäft hin und her bewegen. Es ist nie jemand im Han­dy­laden. Ich vermute stark, er dient der Geld­wäsche. Doch das inter­es­siert den Staat nicht. Lieber schicka­niert er Selbst­ständige wie mich mit immer neuen Fragen zur Coro­na­hilfe, um sie zum Auf­geben der Geschäfts­tä­tigkeit zu zwingen.

Der Friseur wird von gut betuchten, deut­schen Rentnern, die ich per­sönlich kenne, unter­stützt. Zwar sind sie gegen Migration, ver­fallen jedoch der Ver­su­chung, sich beim preis­bre­chenden, ara­bi­schen Friseur die Haare schneiden zu lassen, während die deut­schen Fri­seure zu Grunde gehen. Dass die Deut­schen keine Ver­wandten haben, die kos­tenlos arbeiten und sich dem Patri­archen unter­werfen, wird einfach igno­riert. Ich stelle mir dann immer die Frage, inwiefern ich dann noch mit solchen Rentnern soli­da­risch sein soll, wenn sie mich oben­drein als Frau (sprich: leichte Beute) besonders gerne wegen meines mas­ken­losen Gesichts anherr­schen. Wie dem auch sei: Nachts parken die Jun­ga­raber ihre Luxus­li­mou­sinen auf dem Bür­ger­steig und unter­halten sich lauthals bis in die Mor­gen­stunden. Es ist klar: Dieser Ort gehört ihnen. Genau­sogut könnte ich mich in einem ara­bi­schen Land befinden: Meine Hal­te­stelle wurde schariasiert.

Mein Fahr­radweg: schariasiert

Ich radele also in die Stadt und nehme dabei den Weg entlang einer stark fre­quen­tierten Straße. Vor 2 Jahren ertappte ich einen jungen Araber dabei, wie er meine Tasche aus meinem hin­teren Fahr­radkorb stehlen wollte, während ich meinen damals üblichen, länd­lichen Schleichweg bergauf fuhr. Er über­holte mich scharf links und ver­schwand rasend schnell um die nächste Ecke. Seitdem bin ich 60 Euro ärmer, weil ich mir vorne einen Fahr­radkorb mon­tieren ließ, und fre­quen­tiere den Schleichweg nicht mehr. Mein Schleichweg ist nun: schariasiert.

Öffent­liche Plätze: schariasiert

In der Stadt schließe ich mein Fahrrad auf dem zen­tralen Platz ab. Um mich herum wimmelt es vor Kopf­tü­chern, Afri­kanern und Arabern, die auf den nächsten Bus warten. Vor dem großen Kaufhaus steht seit 2015 ein Fahrzeug der Polizei im Dau­er­einsatz. Ich beiße die Zähne zusammen, mache mich auf den Weg in die Fuß­gän­gerzone, weiche den Kopf­tuch­frauen mit Bedacht nicht aus und schaue sie dabei böse an. Der öffent­liche Bus- und Bahn­um­schlags­platz: schariasiert.

Meine Stadt: Schwarz­braun wie die Haselnuss

Mein Bekannter und ich bummeln durch die Stadt. Sobald wir ein tra­di­tio­nelles, deut­sches Geschäft betreten, hören und sehen wir nur Deutsche. Treten wir hinaus auf die Straße, muss man helle Haut und blonde Haare suchen. Schon mehrmals habe ich mich in letzter Zeit dabei ertappt, dass ich blonde, blau­äugige Deutsche wie eine Kurio­sität anstarre und ob ihres bunten Aus­sehens unge­wollt an einen Clown denke. So sehr bin ich schon an die angeb­liche Buntheit der Fremden gewöhnt: Ein Einerlei an schwarzem Haar, braunen Augen und dunkler Haut. Meine Stadt ist nicht mehr bunt, sondern schwarz­braun wie die Haselnuss.

Meine Parke: belagert

Nach dem Stadt­bummel geht mein Bekannter nach Hause. Früher stieg er an der Hal­te­stelle des Stadt­parks aus und lief durch den Park direkt nach Hause. Seit 4 Jahren wird der Park durch Afri­kaner dau­er­be­lagert, die dort offen mit Drogen dealen. Die benach­barten Laden­ei­gen­tümer wiesen die Polizei schon häufig darauf hin. Außer zwei Toi­let­ten­häuschen als Belohnung für den leb­haften Handel und zur Ein­dämmung der mensch­lichen Fäkalien in den Büschen, geschah: Nichts. Mein Bekannter steigt nun immer eine Hal­te­stelle später aus und läuft abends den Umweg über die gut beleuchtete Straße nach Hause.

Auch die schönen Spa­zier­gänge im herr­lichen Park der Lun­gen­klinik gehören der Ver­gan­genheit an. Seitdem Dut­zende Afri­kaner dort mit Mund­schutz fla­nieren, machen wir einen großen Bogen um das Gelände.

Meine Sprache: auf Pidgindeutsch reduziert

Bevor ich nach Hause gehe, will ich noch einige Besor­gungen in der Straße machen, die mit vielen Geschäften an die Fuß­gän­gerzone anschließt. Ich fahre vorbei an dem Café, das von einem Afghanen geführt wird und in dem alle Ganoven und Zuhälter der Stadt unbe­helligt mit rie­sigen Autos vor­fahren und verkehren.

Meine Straßen: arabisiert

Weiter geht es, vorbei an einem Barbier, bei dem aus­schließlich ara­bische Kunden sind. Danach eine Kos­me­ti­kerin, deren Preis­schild kom­plett auf ara­bisch ist. Sodann ein Shisha-Laden, ein Gemü­se­laden, ein Friseur, ein Ver­mittler von Woh­nungen für saudi-ara­bische Medi­zin­tou­risten, ein Döner, ein Han­dy­laden und so weiter, und so fort.

Alle Läden tragen ara­bische Schriftzüge. Ara­bische und afri­ka­nische Män­ner­rotten mit Undercut und dichten, schwarzen Schöpfen belagern den Gehweg und unter­halten sich lauthals in ihren Mut­ter­sprachen. Sie sind ent­spannt, ihnen geht es gut, sie fühlen sich pudelwohl. Der Fri­seur­laden platzt schier vor ara­bi­schen Kopf­tuch­frauen und Tes­to­ste­ron­männern. So homogen ara­bisch, wie sie ist, könnte diese Straße genau­sogut in Kabul sein. Von Mul­ti­kulti keine Spur.

Ich mache meine Besor­gungen in einem der letzten, deut­schen Läden der Straße und fahre durch gut beleuchtete, geschäftige Straßen nach Hause.

Meine Nach­bar­schaft: von Fremden aufgekauft

Vor meinem Haus sehe ich, wie eine der Woh­nungen schwarz von einem Russ­land­deut­schen reno­viert wird. Die Wohnung gehört einem Rumänen, der vor 10 Jahren mit Nichts nach Deutschland kam. Nun nennt der drei Woh­nungen sein eigen.

Ich schließe mein Fahrrad ab und bemerke, dass einer der Mieter an mir vor­bei­läuft. Er stammt aus Pakistan und hat eine hoch­do­tierte Stelle an einem IT-Unternehmen.

Meine Mit­ei­gen­tü­merin hat mit Bedacht an ihn ver­mietet, weil er „so ein höf­licher, junger Mann“ ist. Die Haus­be­wohner können diese Auf­fassung nicht bestä­tigen, hörte der “nette, junge Mann” doch an den Weih­nachts­fei­er­tagen bis spät nachts ohren­be­täu­bende  Musik und griff die Bewohner, die sich darüber beschwerten fast tätlich an. Mich beschimpfte er unflätig in einem krude hin­ge­krit­zelten Brief, nachdem ich ihn freundlich gebeten hatte, seinen Sperrmüll zu entsorgen.

Vor ihm lebte ein ira­ni­sches Paar dort. Die Ver­mie­terin – ihres Zei­chens Gattin eines eme­ri­tierten Pro­fessors, in Klassik bewandert und in einer Villa im teu­ersten, grü­ni­fi­zierten Viertel der Stadt resi­dierend – hatte mich gebeten, der Schwester des Iraners Deutsch­un­ter­richt zu geben, natürlich kos­tenlos. Zudem sei Eile geboten, um ihren Auf­ent­halt­status zu sichern. Ich ver­langte dafür einen Stun­denlohn, was großes Ent­setzen bei der pro­fes­so­ralen, gelang­weilten Mäzenin aus­löste, die bereits einen “lie­bens­wür­digen”, afgha­ni­schen Flüchtling betreut hatte und für Obdachlose regel­mäßig Wohl­tä­tig­keits­kon­zerte orga­ni­siert. Ohne Anwe­senheit der Obdach­losen – ver­steht sich.

Nun läuft dieser Mieter an mir vorbei, und ich gebe zu, dass ich es wei­terhin so halte wie schon seit seinem Einzug. Ich igno­riere ihn und lasse ihn spüren, dass er nicht will­kommen ist.

Mein Land: Füllhorn für Fremde

Ich trete in meine Wohnung ein, atme auf und ver­suche die Schritte der selbst­be­wußten, frech-for­dernden Polin über mir zu igno­rieren, deren Eltern vor 15 Jahren als Hand­werker nach Deutschland kamen, ein eigenes Haus haben und ihrer Tochter die über­teuerte Wohnung gekauft haben. Vor kurzem hat sie einen Deut­schen weg­ge­hei­ratet und zur Tarnung seinen deut­schen Namen angenommen.

Ich setze meine Atem­übungen fort und bemühe mich, ruhig zu bleiben. Ich ver­suche die Beklemmung abzu­schütteln, die mich über­kommt, sobald ich draußen in meinen Land bin, das sich in Fein­desland, eine Besat­zungszone und ein Frei­luft­bordell ver­wandelt hat.

Mein Land ist ein Füllhorn für Fremde und eine Skla­ven­ko­lonie für indigene Deutsche geworden.

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Maria Schneider ist freie Autorin und Essay­istin. Sie führt neben ihrer Berufs­tä­tigkeit den Blog bei­schneider mit einer hei­mat­ver­bun­denen, christlich-kon­ser­va­tiven Aus­richtung. In ihrem Blog ver­öf­fent­licht Maria Schneider gesell­schafts­kri­tische Essays und Rei­se­be­richte sowie Artikel unter­schied­lichster Autoren. Kontakt: Maria_Schneider@mailbox.org