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Fette Ernüch­terung: Ozempic, ein „Wun­der­mittel“, das krank macht – bri­tische MHRA schlägt Alarm

Es ist mitt­ler­weile in bestimmten Kreise schick, sich Semaglutide zu setzen, Dro­gen­sucht kommt heute als „Pen“, mit dem man sich Semaglutide unter die Haut spritzen kann, und zwar in der Hoffnung, davon schlank zu werden. Semaglutide sind die Wirk­stoffe in „Medi­ka­menten“ wie Ozempic und Wegovy, so genannte GLP‑1 Medi­ka­mente. GLP‑1 Medi­ka­mente (Glu­cagon-like peptide‑1) sind für die Behandlung von Adi­po­sitas und Dia­betes Mel­litus zuge­lassen. Sie wirken oder sollen dadurch wirken, dass dem Orga­nismus vor­gaukeln, er habe gerade Nahrung zu sich genommen. Ein Prozess, in dessen Verlauf das Hormon GLP‑1 frei­ge­setzt wird. GLP‑1 Medi­ka­mente gaukeln die Frei­setzung von GLP‑1 ohne Nahrungsaufnahme.

Die bekann­testen von Ihnen tragen die Namen Ozempic, Wegovy oder Mounjaro werden von Novo Nordisk A/S in Dänemark her­ge­stellt, ver­trieben und in den letzten Monaten in zahl­reichen MS-Medien als eine Art Wun­der­mittel beworben, eine Art Rettung der Fetten Menschheit. Am besten in Erin­nerung geblieben ist uns ein solches Epos, das im Tele­graph ver­öf­fent­licht wurde und mit den fol­genden Worten endet:

„It turns out that con­sumers don’t actually want to be fat and ill. We have been caught in a toxic feedback loop between our evolved appe­tites and the pro­fi­ta­bility of cheap, ultra-pro­cessed food. GLP‑1 drugs have, for the first time, given us a tool strong enough to jemmy open that trap.“

Jemima Lewis [der Autor] is co-author of Ravenous: How to get our­selves and our planet into shape

Es fehlt eigentlich nur ein Wörtchen oder eine Formel zum Abschluss, das/die diesen unver­ant­wort­lichen BS in den reli­giösen Rahmen stellt, in den er gehört.

Indes, Ozempic und Wegovy wurden in der EU und im Ver­ei­nigten König­reich und in den USA zuge­lassen und gelten als eine Art anstren­gungslose Methode, mit der auch die Fetten ohne sich irgendwie anderes Ver­halten anzu­ge­wöhnen, wieder dünn werden können, jeden­falls so lange sie sich das Zeug einspritzen.

Indes, die unbe­schwerten Zeiten von Ozempic oder Wegovy scheinen sich dem Ende zuzu­neigen. Einmal mehr bleibt das Wunder aus, einmal mehr muss auch der letzten Hirni der Tat­sache ins Auge sehen, dass Men­schen NICHT in der Lage sind, die Effekte, die ihre Hand­lungen haben, voll­ständig zu kon­trol­lieren, dass sie ins­be­sondere nicht in der Lage sind, Ausmaß und Art der Neben­wir­kungen, die sich nach medi­zi­ni­schen Inter­ven­tionen ein­stellen, vorherzusagen.

Und so hat sich die bri­tische Medi­cines and Healthcare Regu­latory Agency (MHRA) an die­je­nigen gewendet, die sich Ozempic oder Wegovy ein­werfen und anschließend mit einer Pan­krea­titis, einer Ent­zündung der Bauch­spei­chel­drüse im Kran­kenhaus landen. Die Bauch­spei­chel­drüse ist nicht nur von einer gewissen Wich­tigkeit, weil dort Insulin pro­du­ziert wird, sie ist auch der Ort, an dem eine ganze Reihe von Ver­dau­ungs­en­zymen pro­du­ziert werden, die im Darm benötigt werden, um die Nah­rungs­reste zu zer­setzen. Kurz: Die Bauch­spei­chel­drüse ist nicht nur für den Zucker­stoff­wechsel von ent­schei­dender Bedeutung.

Wäre man sar­ka­tisch ver­anlagt, dann würde man fest­stellen wollen, dass es irgendwie passend ist, wenn ein Medi­kament, das aus Dicken Dünne machen soll, dazu führt, dass der Stoff­wechsel so gestört, wenn nicht zer­stört wird, in hef­tigen Fällen kann sich eine Pan­krea­titis in Nekrosis äußern, Gewebe zer­stören, Organ­ver­sagen her­vor­rufen und, final, eine voll­ständige posthume Ver­schlankung bescheren, dass eine Abnahme unaus­weichlich ist.

Aber natürlich sind wir nicht sarkastisch.

Nach Infor­ma­tionen der BBC haben in den letzten Wochen und Monaten mehrere Hun­derte Mel­dungen einer Pan­krea­titis nach Ozempic oder Wegovy Konsum die MHRA erreicht. Die Mel­dungen müssen so geballt und häufig auf die Agentur ein­ge­prasselt sein, dass die dort Beschäf­tigten nun ihre all­ge­meine Trägheit über­wunden haben und GLP‑1 Kon­su­menten, die sich im Kran­kenhaus wie­der­finden, dazu auf­rufen, ihren Fall im Yellow Card Reporting System zu melden:

Patients who have been hos­pi­ta­lised with acute pan­crea­titis suspected to be related to glu­cagon-like peptide‑1 receptor ago­nists (GLP‑1 medi­cines), such as Ozempic and Mounjaro, are being asked to report it to the MHRA’s Yellow Card scheme. These medi­cines are some­times referred to col­lo­quially as “skinny jabs” alt­hough they are licensed for both weight loss and Type 2 diabetes.“

Ein Blick in die ent­spre­chende Datenbank der WHO erbringt 73.239 Mel­dungen zu Neben­wir­kungen, die sich nach dem Shot von Semaglutiden (= Ozempic etc.) ein­ge­stellt haben, 50,7% (37.158) davon betreffen Beschwerden die in Magen oder Verdauung(sorganen) ein­stellen, 2.377 davon (6,4%) haben eine Pan­krea­titis zum Gegenstand.

Nun ist Pan­krea­titis als Neben­wirkung der Ein­nahme von Semaglutiden, ins­be­sondere von Ozempic den Zulas­sungs­be­hörden nicht unbe­kannt. Im EPAR (European Public Accessment Report) der European Medi­cines Agency steht unter „Con­tra­in­di­ca­tions“ zu lesen:

Acute pan­crea­titis

Acute pan­crea­titis has been observed with the use of GLP‑1 receptor ago­nists. Patients should be informed of the cha­rac­te­ristic sym­ptoms of acute pan­crea­titis. If pan­crea­titis is suspected, semaglutide should be dis­con­tinued; if con­firmed, semaglutide should not be restarted. Caution should be exer­cised in patients with a history of pancreatitis.

Bei Ver­dacht auf Pan­krea­titis sollen Semaglutide also abge­setzt, bei vor­han­dener (chro­ni­scher) Pan­krea­titis oder einer Geschichte von Pan­krea­titis gar nicht erst ange­wendet werden. Denn die Tat­sache, dass Semaglutide die Bauch­spei­chel­drüse schä­digen können, die ist so gut und so lange bekannt, dass in ALLEN kli­ni­schen Trials, die durch­ge­führt wurden, um Wirk­samkeit und Neben­wir­kungen von Semaglutiden wie Ozempic zu testen, Pro­banden aus­ge­schlossen wurden, die eine Geschichte haben oder in Gefahr stehen Pan­krea­titis zu entwickeln.

Aber natürlich sind kli­nische Trials dazu da, ent­spre­chende Risiken klein­zu­rechnen und so liest man im EPAR:

Acute pan­crea­titis

The fre­quency of adju­di­cation-con­firmed acute pan­crea­titis reported in phase 3a cli­nical trials was 0.3% for semaglutide and 0.2% for the com­pa­rator, respec­tively. In the 2‑year car­dio­vas­cular out­comes trial the fre­quency of acute pan­crea­titis con­firmed by adju­di­cation was 0.5% for semaglutide and 0.6% for placebo (see section 4.4).

Quelle

Wenn man also Sorge trägt, dass Per­sonen Ozempic ein­nehmen, die kein Risiko haben, eine Pan­krea­titis zu ent­wi­ckeln, weil sie in der Regel zu gesund und ihre Zahl zu gering ist, um ein ent­spre­chendes Signal über­haupt im kli­ni­schen Trial ent­decken zu können, dann kann man der Welt vor­gaukeln, der eigene Mist wäre Abnehmgold. Der nächste Schritt zur Ver­harm­losung einer üblen Erkrankung findet sich dann in Zah­lenform und unter den „mög­lichen Nebenwirkungen“:

Uncommon (may affect up to 1 in 100 people)
• Inflamed pan­creas (acute pan­crea­titis) which could cause severe pain in the stomach and back which does not go away. You should see a doctor imme­diately if you expe­rience such
symptoms.
Quelle

„Unge­wöhnlich“ und „selten“ ist die Pan­krea­titis. Kein Grund zur Sorge. Spritzen und Klappe halten, es sei denn, sie ent­wi­ckeln heftige Schmerzen in der Bauchgegend:

„Severe and on-going stomach pain which could be due to acute pancreatitis
If you have severe and on-going pain in the stomach area – see a doctor straight away as this could be a sign of acute pan­crea­titis (inflamed pan­creas). Please see section 4 for the warning signs of inflamed pancreas.

Quelle

All das ist kein Problem bei der Zulassung, wie die abschlie­ßende Bewertung des CHMP [Com­mittee for Medi­cinal Pro­ducts for Human Use] zeigt:

„Based on the CHMP review of data on quality, safety and efficacy, the CHMP con­siders by con­sensus that the risk-benefit balance of Ozempic is favourable in the fol­lowing indi­cation: Tre­atment of adults with insuf­fi­ci­ently con­trolled type 2 dia­betes mel­litus as an adjunct to diet and exercise…“
Quelle

 

Und über­haupt, was haben Sie sich so?
Mäuse und Ratten und Affen hatten mit Semaglutiden kein Problem:

„No indi­ca­tions of semaglutide-induced acute pan­crea­titis have been observed in any of the repeat dose toxicity studies in mice, rats and monkeys or the 2‑year car­ci­no­ge­nicity studies in mice and rats.“

Der Gebrauch, Miss­brauch und die Ermordung von Tieren in wie sich einmal mehr zeigt, nutz­losen Tier­ver­suchen belegt das unter­ir­dische Niveau der mora­li­schen Ent­wicklung, das in der Phar­mafia und Teilen der Gesell­schaft herrscht.

Die Zulassung von Semaglutiden für das Gewichts­ma­nagement und die Behandlung von Dia­betes Mel­litus ist ein wei­teres Bei­spiel dafür, wie Phar­mafia mit Zulas­sungs­be­hörden spielt, wie kli­nische Trials dazu miss­braucht werden, unter Maxi­mierung der Wahr­schein­lichkeit, keine Neben­wir­kungen zu finden, ein sicheres und effek­tives Medi­kament zu insze­nieren, das es zu keinem Zeit­punkt gegeben hat. Es ist zudem ein Bei­spiel für das Spielen mit Worten und Zahlen, „unge­wöhnlich“, „selten“, Adjektive, die beru­higen und anzeigen sollen, etwas, von dem man die Neben­wir­kungen bes­ten­falls rudi­mentär, wenn über­haupt kennt, sei ungefährlich.

Indes, letztlich ist jeder in weiten Teilen selbst für seine Gesundheit ver­ant­wortlich. Und wer denkt, er könne die Folgen eines wil­lent­lichen Ess­ver­haltens durch Medi­ka­mente lindern, um an seinem Ver­halten so wenig wie möglich ändern zu müssen, der ist ver­mutlich auch bereit, die ent­spre­chenden gesund­heit­lichen Risiken und Neben­wir­kungen ein­zu­gehen. Für die­je­nigen, die gezwungen sind, die Behand­lungs­kosten gegen­zu­fi­nan­zieren, sieht die Sache aller­dings ganz anders aus.

Es ist an der Zeit, Soli­da­rität mit Steuer- und Bei­trags­zahlern einzufordern.


Der Artikel erschien zuerst bei ScienceFiles.org.

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