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»80 JAHRE GUSTLOFF-TRA­GÖDIE!« – Die fürch­ter­lichste Schiffs­ka­ta­strophe der Mensch­heits­ge­schichte (1)


Am 30. Januar 1945 ver­senkt ein sowje­ti­sches U‑Boot das Flücht­lings­schiff Wilhelm Gustloff in der Ostsee. Über 9.300 Men­schen sterben in den eisigen Fluten. Mehr­heitlich deutsche Ver­triebene – Greise, Frauen und Kinder – und Sani­täts­per­sonal. Nur 1.239 Men­schen können gerettet werden. Bei wei­teren Angriffen auf Flücht­lings- und Laza­rett­schiffe in der Ostsee sind ins­gesamt über 40.000 Opfer zu beklagen. Bis heute wird die his­to­rische Wahrheit über die schlimmste Kata­strophe der See­fahrts­ge­schichte in Politik und Medien ver­zerrt oder umgedeutet!


Am 30. Januar 1945 brachten vier Schlepper die Wilhelm Gustloff im schmut­zig­grauen Hafen­wasser in Position und damit in die eigent­liche Fahr­rinne, um sie bei Schnee- und Hagel­schauern aus dem Hafen­becken von Goten­hafen-Oxhöft Richtung offene See zu ziehen. Dann tauchte auch noch die Reval, ein kleiner Dampfer auf, besetzt mit 500 bis 600 Flücht­lingen, die darum bet­telten, von dem Oze­an­gi­ganten, der Rettung ver­sprach, mit­ge­nommen zu werden. Das kleine Schiff, das bereits sechsmal so viele Pas­sa­giere an Bord hatte, wie es nor­ma­ler­weise fassen konnte, war die ver­gangene Nacht über­stürzt aus Pillau auf­ge­brochen, um Goten­hafen anzu­laufen. So kamen noch einmal hun­derte Men­schen auf die Gustloff.

Das Wetter ver­schlech­terte sich, die grimmige Kälte und das Schnee­treiben nahmen zu, der eisige Wind heulte und Eis­kris­talle pras­selten unauf­hörlich gegen die Aufbauten.

Keiner der über zehn­tausend Pas­sa­giere an Bord – größ­ten­teils Zivi­listen, Greise, Frauen und Kinder – ahnte etwas von dem lau­ernden Tod, tief unter der Was­ser­linie. Nur wenige See­meilen ent­fernt und längst auf Kon­fron­ta­ti­onskurs mit der Wilhelm Gustloff.

Die Todes­fahrt des größten Kreuz­fahrt­schiffes der Welt hatte begonnen.

Inzwi­schen waren die Fahrt­ziele der Gustloff über Funk mit­ge­teilt worden: Kiel und Flensburg.

Aller­dings gab es bereits die erste Hiobs­bot­schaft. Beide Tor­pe­do­fang­boote, die das Schiff bislang begleitet hatten, mussten wegen schwerer See zurück­laufen. Anderes Geleit sollte nach­kommen, jedoch ankerte dieses momentan in Goten­hafen zur Brenn­stoff­über­nahme an der Pier.

Hinzu kam, dass auf der Reede der Halb­insel Hela, etwa zwanzig Kilo­meter nördlich von Danzig, die nicht fahr­be­reite Hansa mit Maschi­nen­schaden und strei­kender Ruder­anlage lag.

Die Gustloff landete nun in ihrer Nähe an, weil sie auf das Geleit warten musste. Dazu sollten für die beiden Schiffe Sicher­heits­fahr­zeuge der U‑Boot-Waffe mit U‑Boot-Ortungs­ge­räten her­an­ge­zogen werden, die schließlich auch ein­trafen. Dabei han­delte es sich um das Tor­pe­doboot Löwe sowie das Tor­pe­do­fangboot TF 1.

Wenig später ging die Gustloff ankerauf und setzte die Fahrt ohne die auf der Hela-Reede zurück­blei­bende Hansa fort. Die Ent­scheidung war von der Schiffs­führung gefällt worden: von Kapitän Friedrich Petersen, Kor­vet­ten­ka­pitän Wilhelm Zahn sowie dem Trup­pen­trans­portchef für das Geleit, Kapitän zur See Karl Neitzel, und ebenso vom Führer der U‑Boote, Kor­vet­ten­ka­pitän Georg-Wilhelm Schulz.

Nichts­des­to­trotz führte die Allein-Fahrt der Gustloff unter der Füh­rungs­mann­schaft auf der Kom­man­do­brücke zu Kon­tro­versen und allerlei Kom­pe­tenz­schwie­rig­keiten, weil es dafür kei­nerlei Regelung gab. Und zwar hin­sichtlich der Befehls­kette, der Fahrt­ge­schwin­digkeit und des Kurses. So kam eine Dis­kussion zwi­schen Han­dels­schiff­ka­pitän Petersen, dem Ersten Offizier Reese, Kor­vet­ten­ka­pitän Zahn, den beiden Fahr­ka­pi­tänen Weller und Köhler und den Navi­ga­ti­ons­of­fi­zieren auf. Bei­spiels­weise pochte Zahn auf 15 Knoten Geschwin­digkeit, aber Petersen traute dem Schiff nicht mehr als 12 Knoten zu. Und dabei blieb es auch. Zudem schlug der Erste Offizier Louis Reese den lang­sa­meren Küs­tenweg mit ver­gleichbar geringem Tiefgang vor, von wo aus kein U‑Boot von der Küste her angreifen konnte. Aller­dings barg diese Strecke die Gefahr von aus­ge­legten Feind­minen. Petersen und Zahn hin­gegen ent­schieden sich für die einzige minen­ge­räumte, dafür aber ufer­ferne Tief­was­ser­route, um schneller die Ziel­häfen zu erreichen. Dieser soge­nannte „Zwangsweg 58“ führte durch tiefes Wasser entlang der Stolpe-Bank. Nach­teilig war jedoch, dass dabei das Schiff von beiden Seiten aus ange­griffen werden konnte.

Schließlich fuhr die völlig abge­dun­kelte Gustloff auf der nörd­lichen Route durch zuneh­menden Wind, Kälte mit beinahe minus 20 Grad und Schnee­treiben. Auch die Sicht hatte sich ver­schlechtert. Und als ob es nicht schon genügend Hiobs­bot­schaften gegeben hätte, signa­li­sierte das Tor­pe­do­fangboot TF 1, nach Geneh­migung aus dem Geleit ent­lassen zu werden, weil an einer Schweißnaht ein Riss mit Was­ser­ein­bruch fest­ge­stellt worden war. Damit blieb als ein­ziges Geleitboot das Tor­pe­doboot Löwe unter dem Kom­mando von Kapi­tän­leutnant Paul Prüfe. Doch bei ihm war das U‑Boot-Ortungs­gerät nach wie vor wegen Ver­eisung aus­ge­fallen. Somit gab es kein eigent­liches voll­funk­ti­ons­fä­higes Siche­rungs­fahrzeug mehr.

Gleich­zeitig begann für die Gustloff der Wettlauf mit dem Untergang. Und damit mit dem bereits in den Tiefen der Ostsee lau­ernden tau­send­fachen Tod, dem Säug­linge und Greise, Mütter und Kinder, Sol­daten und Mari­ne­hel­fe­rinnen, Ver­wundete und zivile Flücht­linge ent­ge­gen­fuhren – ohne es zu ahnen.

Gegen 18 Uhr wurde ein später nicht mehr zu klä­render Funk­spruch angeblich von Seiten der Kriegs­marine über­mittelt, dass ein Minen­such­verband in geöff­neter For­mation auf dem Kurs der Gustloff ent­ge­genlief. Damit schien Kol­li­si­ons­gefahr zu bestehen. Um eine solche aus­zu­schließen, wurde fest­gelegt, die Posi­ti­ons­lichter (Rot an Backbord, Grün an Steu­erbord) zu setzen, auch wenn diese gegen 19:30 Uhr wieder gelöscht wurden. Denn einen solchen vor­an­ge­kün­digten Minen­such­verband gab es offen­sichtlich nicht.

HIN­TER­GRUND:

Jens Nielsen hält in seinem Buch Keine Täter – Der Schiffs­un­tergang der Wilhelm Gustloff dazu fest: „In der spä­teren Rekon­struktion der Vor­gänge konnte ver­blüf­fen­der­weise zu keinem Zeit­punkt das Nahen eines Minen­such­ge­schwaders auf Gegenkurs aus­ge­macht werden. Offenbar hatte es dieses nie gegeben. Und wenn doch, hätte sich das Geschwader ver­mutlich auch mit ihm ent­ge­gen­kom­menden unbe­leuch­teten Schiffen aus­ge­kannt. Der Anlass und vor allem der Absender des uner­klär­lichen Funk­spruches blieb bis heute gänzlich im Ver­bor­genen. Auch in den Archiven ist nichts erwähnt (…). War es gar eine gefälschte Über­mittlung, die die Sowjets selbst abge­setzt hatten? Wurde das Schiff so in eine Falle gelockt?“

Hinzu kam, dass wegen atmo­sphä­ri­scher Stö­rungen schon seit Stunden keine Funk­sprüche mehr emp­fangen werden konnten. Auf­grund dessen und des Aus­falls des U‑Boot-Ortungs­geräts auf der Löwe erfuhren die Kapitäne nicht, dass inzwi­schen eine U‑Boot-Warnung für ihren Fahr­be­reich aus­ge­geben worden war.

So geriet das 25.500 Brut­to­re­gis­ter­tonnen große, einstige Flagg­schiff der NS-Orga­ni­sation KdF auf der Höhe von Stolp­münde vor die Rohre des sowje­ti­schen U‑Bootes S‑13, das im Dienst der Bal­ti­schen Rot­ban­ner­flotte stand. Befehligt wurde es vom Kapitän 3. Ranges Alex­ander Marinesko, der bei seiner „Feind­fahrt“ unbe­dingt einen Erfolg ver­buchen musste. An Bord befanden sich 12 Unter­was­ser­tor­pedos – „Aale“, wie die Matrosen diese bezeich­neten – sowie 120 Gra­naten für das 10-cm-Flak­ge­schütz. Einige Unter­was­ser­ge­schosse waren mit Namen und Auf­schriften ver­sehen, wie etwa „Für das Mut­terland“, „Für Stalin“, „Für Leningrad“ oder „Für das sowje­tische Volk.“

Gegen 21 Uhr schlug der Ausguck des U‑Bootes, dass zu dieser Stunde über Wasser lief, Alarm. Die Ortung hatte das Rotieren zweier Schiffs­schrauben ver­nommen, was wie­derum auf ein großes Schiff schließen ließ, das sich in unmit­tel­barer Nähe befinden musste. Um auf volle Geschwin­digkeit zu kommen, musste das S‑13 auf­ge­taucht fahren. So kam es, dass sich die beiden Was­ser­fahr­zeuge – das eine wis­sentlich, dass andere ahnungslos – stetig näherten. Wäh­rend­dessen schickte der vom „Jagd­fieber“ gepackte Marinesko seine Männer unver­züglich auf Gefechtsstation.

Just zu dieser Zeit tönte die Stimme des „Führers“ aus den Laut­spre­chern an Bord der Gustloff. Es han­delte sich um die Rede Adolf Hitlers zum Tag der „Macht­er­greifung“ genau vor zwölf Jahren, am 30. Januar 1933. Denn an diesem Datum wurde er durch den Reichs­prä­si­denten Paul von Hin­denburg zum Reichs­kanzler ernannt.

Ob Marinesko darüber Bescheid wusste, ist nicht über­liefert. Jeden­falls abtauchen wollte er mit dem S‑13 nicht. Vielmehr plante er einen Über­was­ser­an­griff, weil so der Abschuss-Erfolg weitaus sicherer war, wie er ver­mutete. Nur so bot sich die Mög­lichkeit, den Bug des inzwi­schen als Wilhelm Gustloff iden­ti­fi­zierten Oze­an­riesens zu treffen. Zudem würde der deutsche Kapitän, der in diesen gefähr­lichen Breiten immer mit einem Feind­an­griff rechnen musste, einen solchen von der See- und nicht von der Küs­ten­seite erwarten. So die Ver­mutung. Dem­entspre­chend voll­führte das U‑Boot ein tak­ti­sches Täu­schungs­ma­növer, lief achtern um das riesige Schiff und dessen ein­ziges Geleitboot herum, um sich diesem von der Land­seite in etwa 2.000 Metern steu­erbord nähern zu können. Gleich darauf befand sich das S‑13 in einer Ent­fernung von zirka 23 See­meilen vor der pom­mer­schen Küste auf einem Par­al­lelkurs zwi­schen der Gustloff.

Tatsächlich war dieses Manöver hoch­riskant, da an dieser Stelle die Mee­res­tiefe weniger als 30 Meter betrug. So stieg die Gefahr, auf eine trei­bende Seemine zu laufen. Zudem konnte das U‑Boot bei einem etwaigen Beschuss nicht tief genug tauchen.

Sofort als es auf dem neuen Kurs war, befahl Kom­mandant Marinesko, die Rohre der Bug­tor­pedos für den Über­was­ser­an­griff feu­er­bereit zu machen und auf eine Tiefe von drei Metern einzustellen.

„Ziel steuert 280 Grad“, ver­kündete der Navi­ga­ti­ons­of­fizier. „Geschwin­digkeit 12 Knoten. Ent­fernung 2000 Meter.“

Das schlanke S‑13 näherte sich weiter wie ein Hai einem dick­bäu­chigen Wal, ver­kürzte den Abstand auf nur noch 700 Meter.

Der Bug der Gustloff, die querab Stolp­münde exakt auf der Position 55 Grad 7,5 Minuten Nord und 17 Grad 42 Minuten Ost lief, befand sich nun im Faden­kreuz des U‑Boot-Peri­skops.

Es war 21:16 Uhr, als Alex­ander Marinesko den Feu­er­befehl erteilte.

Das S‑13 schoss drei Tor­pedos ab. Ein vierter klemmte, deshalb trafen nur drei Unter­was­ser­ge­schosse den Oze­an­riesen. Gleich danach erzit­terte die nächt­liche, eisige Luft von den gewal­tigen Explosionen …

 FORT­SETZUNG FOLGT!

Der Artikel erschien zuerst hier: guidograndt.de

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