Bild: Bildschirmfoto YouTube

For­scher ent­decken gigan­ti­schen Ozean im Erdinneren

Stellen Sie sich vor, die Erde ist nicht nur der sinn­bild­liche „blaue Planet“ – sondern birgt auch in ihrem Erd­in­neren einen gigan­ti­schen Ozean. For­scher haben Hin­weise darauf gefunden, dass sich tat­sächlich hun­derte Kilo­meter unter unseren Füßen riesige Mengen an Wasser befinden könnten.

So viel, dass sie die Was­ser­massen aller Welt­meere bei Weitem über­steigen. Diese über­ra­schende Ent­de­ckung ver­ändert unser Ver­ständnis von der Erde und ihrer Geschichte grundlegend.

Eine neue For­schung des Guangzhou-Instituts für Geo­chemie in China legt nahe, dass der untere Erd­mantel enorme Was­ser­mengen spei­chern kann. Diese sind aber nicht frei­schwimmend, sondern fest im Kris­tall­gitter von Gesteins­mi­ne­ralien gebunden. Ver­öf­fent­licht wurde die Studie am 11. Dezember 2025 im renom­mierten Fach­journal Science.

Das unter­su­chende Team um die chi­ne­sische Geo­che­mi­kerin Dr. Wenhua Lu nutzte moderne Hoch­druck­ex­pe­ri­mente, um Bedin­gungen tief in der Erde zu simulieren.

Die Ergeb­nisse deuten darauf hin, dass die Was­ser­vorräte schon seit der Frühzeit des Pla­neten im Inneren exis­tieren könnten – und bis heute eine zen­trale, lange über­sehene Rolle spielen.

Wasser im Inneren der Erde?

Auf den ersten Blick erscheint unsere Erde als blauer Planet, dessen Wasser sich vor allem an der Ober­fläche sammelt. Wie „GEO“ berichtet, deuten die neuen For­schungs­er­geb­nisse jedoch darauf hin, dass ein erheb­licher Teil dieses Wassers seit der Frühzeit des Pla­neten tief im Inneren gespei­chert sein könnte.

Gemeint ist der untere Erd­mantel, mehrere hundert bis tausend Kilo­meter unter der Erd­ober­fläche – ein Bereich, der bislang nur indirekt erforscht werden kann.

Das ver­mutete Wasser liegt dabei nicht in flüs­siger Form vor. Unter den extremen Druck- und Tem­pe­ra­tur­be­din­gungen des Erd­mantels kann Wasser nicht frei exis­tieren, sondern wird in die Kris­tall­struk­turen bestimmter Mine­ralien eingebaut.

Der Begriff „Ozean“ beschreibt in diesem Zusam­menhang weniger eine Form als vielmehr die Dimension: Modell­rech­nungen zufolge könnte der frühe Mag­ma­ozean zwi­schen einer und rund zwölf „Oze­an­massen“ Wasser umfasst haben – ein Teil davon könnte dau­erhaft im Erd­in­neren ver­blieben sein.

Die Schlüs­sel­rolle eines Minerals

Eine zen­trale Rolle spielt dabei Bridgmanit, ein Magnesium-Silikat und zugleich das häu­figste Mineral im unteren Erd­mantel. Es macht dort rund 80 Prozent des Gesteins­vo­lumens aus. Seine Kris­tall­struktur ist in der Lage, Wasser struk­turell im Gestein zu binden und über sehr lange geo­lo­gische Zeit­räume zu speichern.

Bei den Hoch­druck­ex­pe­ri­menten des For­schungs­teams zeigt sich, dass Bridgmanit deutlich mehr Wasser auf­nehmen kann, als bisher angenommen.

Die Ergeb­nisse liefern ein neues Bild vom Was­ser­haushalt der Erde: Rund 62 Prozent des im festen Erd­mantel gebun­denen Wassers könnten demnach im unteren Mantel gespei­chert sein – deutlich mehr, als frühere Modelle ange­nommen hatten.

Ein Blick in die Frühzeit des Planeten

Die Bedeutung dieser Ergeb­nisse reicht bis in die Ent­ste­hungs­phase der Erde zurück. In seiner Frühzeit war der Planet über lange Zeit von einem glo­balen Mag­ma­ozean geprägt.

Gewaltige Ein­schläge aus dem jungen Son­nen­system heizten den Erd­mantel immer wieder auf. Erst als sich das Gestein all­mählich ver­fes­tigte, ent­schied sich, welche Stoffe im Inneren ein­ge­schlossen wurden und welche an die Ober­fläche gelangten – so auch das Wasser.

Die neue Studie legt nahe, dass der tiefe Erd­mantel schon seit dieser frühen Phase große Was­ser­mengen spei­chern konnte – und dies bis heute tut.

Damit rückt ein bislang weit­gehend unbe­ach­teter Teil des glo­balen Was­ser­kreis­laufs in den Fokus der For­schung. Das Wasser im Erd­in­neren könnte Ein­fluss auf vul­ka­nische Akti­vität, die Bewegung der Erd­platten und mög­li­cher­weise auch auf die Ent­stehung der Ozeane an der Ober­fläche gehabt haben.

Obwohl noch einige Fragen offen bleiben, zeigen die Ergeb­nisse der Studie, wie sehr das Wasser im Erd­in­neren unser Bild vom blauen Pla­neten, seiner Geschichte und mög­li­cher­weise sogar seiner Bewohn­barkeit beein­flusst hat.

Zuerst erschienen bei anti-matrix.com.

  • Top Artikel

  • Service-Hotline:
    0179-6695802

  • Servicezeiten:
    Mo. und Do.: 10:00 - 12:00 Uhr
    Mi.: 15:00 - 18:00 Uhr