Ab 2028 werden unrealisierte Kursgewinne bei Aktien, ETFs und Krypto mit 36 Prozent besteuert. Das ist eine Reform, die Anleger vor Liquiditätsprobleme stellt. Droht uns so etwas auch bald in Deutschland?
Die Niederlande stehen vor einer umfassenden Reform ihrer Vermögensbesteuerung, bekannt als Box-3-System. Ab dem 1. Januar 2028 soll die Besteuerung von Kapitalanlagen auf tatsächliche Renditen umgestellt werden, einschließlich unrealisierter Buchgewinne.
Das bedeutet, dass Anleger Steuern auf Wertsteigerungen zahlen müssen, auch wenn sie ihre Wertpapiere oder Kryptowährungen nicht verkauft haben. Das Gesetz “Wet werkelijk rendement Box 3” wurde im Februar 2026 vom niederländischen Parlament verabschiedet und löst das bisherige System fiktiver Renditen ab, das von Gerichten als ungerecht eingestuft wurde. Kritiker warnen vor Liquiditätsproblemen und Kapitalabfluss, während Befürworter eine fairere Besteuerung sehen.
Hintergrund: Das alte Box-3-System
Seit 2001 besteuert das Box-3-System in den Niederlanden Kapitalvermögen wie Sparguthaben, Aktien, Kryptowährungen und Immobilien auf Basis pauschal angenommener Renditen. Diese fiktiven Gewinne wurden unabhängig von den tatsächlichen Erträgen angesetzt und führten zu erheblichen Ungerechtigkeiten, besonders in Zeiten niedriger Zinsen oder realer Verluste.
Mehrere Gerichtsurteile, darunter ein wegweisendes Urteil des Obersten Gerichtshofs im Jahr 2021, erklärten das System für verfassungswidrig, weil es gegen das Gleichbehandlungsprinzip verstößt. Bis Ende 2027 gilt daher ein Übergangssystem mit angepassten fiktiven Renditen (beispielsweise 6 Prozent für 2026). Ab 2028 wechselt man jedoch vollständig zu realen Erträgen.
Die neue Reform: Details ab 2028
Kern der Reform ist die Besteuerung tatsächlicher Renditen zu einem einheitlichen Steuersatz von 36 Prozent. Dazu zählen direkte Einnahmen wie Dividenden oder Zinsen sowie unrealisierte Gewinne – also reine Wertsteigerungen von Aktien, ETFs, Kryptowährungen und ähnlichen liquiden Anlagen. Ein Freibetrag von 1.800 € pro Person mildert die Belastung für Kleinanleger. Verluste können vorgetragen werden, werden aber nicht rückerstattet; sie mindern lediglich zukünftige Steuern. Immobilien und Startup-Beteiligungen bleiben vorerst nur bei Verkauf steuerpflichtig.
Betroffene Anlageklassen:
Aktien und ETFs: Jährliche Steuer auf Kursgewinne, auch ohne Realisierung.
Kryptowährungen: Bitcoin & Co. unterliegen der 36 %-Besteuerung auf Papiergewinne.
Sparguthaben und Anleihen: Fokus auf reale Zinsen, mit geringerer Belastung bei niedrigen Renditen.
Ausnahmen: Der Hauptwohnsitz fällt in Box 1 und ist nicht betroffen. Illiquide Assets wie Anlageimmobilien sind derzeit von der jährlichen Besteuerung unrealisierter Gewinne ausgenommen.
Auswirkungen auf Anleger
Die Reform birgt erhebliche Risiken: Anleger müssen möglicherweise Steuern auf Gewinne zahlen, ohne liquide Mittel zur Verfügung zu haben, was zu Zwangsverkäufen führen kann. Langfristige Strategien wie Buy-and-Hold werden erschwert, da jährliche Bewertungen Liquidität erfordern. Viele befürchten einen Schwund der Altersvorsorge und Kapitalflucht in steuergünstigere Länder. Positiv ist hingegen, dass das neue System fairer für Menschen ist, die reale Verluste machen: Sie zahlen keine Steuern auf fiktive Gewinne mehr.
Immobilien: Theoretisch betroffen?
Derzeit sind Anlageimmobilien (z. B. Ferienhäuser oder vermietete Zweitwohnungen) von der jährlichen Besteuerung unrealisierter Gewinne ausgenommen; sie werden nur bei Veräußerung besteuert.
Theoretisch könnte sich das in Zukunft ändern: Die Reform ist als Übergangslösung konzipiert, und ab 2029 könnten weitere Anpassungen folgen. Politische Debatten drehen sich bereits um eine einheitliche Behandlung aller Vermögensarten, um Ungleichheiten zu vermeiden. Bisher priorisiert die Regierung jedoch den Schutz vor Liquiditätsproblemen bei illiquiden Investments wie Immobilien. Ob und wann diese Assets einbezogen werden, hängt von zukünftigen politischen Entwicklungen ab.
Reform führt zu massiver Kritik und Debatten
Viele Abgeordnete stimmten dem Gesetz nur “murrend” zu, weil die Besteuerung unrealisierter Gewinne als “Steuern auf Geld, das es nicht gibt” empfunden wird.
Viele Medien warnen vor rechtlichen Herausforderungen, wirtschaftlichen Schäden und einem möglichen Testfall für andere europäische Länder. Die Regierung betont hingegen die technische Machbarkeit und erwartet jährliche Mehreinnahmen von über 2 Milliarden Euro.
Klar ist: Die Box-3-Reform markiert einen Paradigmenwechsel in der niederländischen Steuerpolitik, von fiktiven zu realen Renditen, von pauschaler zu individueller Belastung.
Anleger sollten ihre Portfolios prüfen, Diversifikation in Betracht ziehen und die weitere Entwicklung genau beobachten. Ab 2028 wird das System deutlich realer. Und für viele auch deutlich teurer.
Problematisch ist für uns diese Entwicklung, weil sie als eine Art Blaupause für ähnlichen Reformen in anderen europäischen Ländern oder gar EU-weit angesehen werden könnte.
Zuerst erschienen bei freiewelt.net.

























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