Jan van Helsing: EDEKA-Boykott – „Campact“ und der Versuch, unliebsame Medien auszutrocknen

Jan van Helsing

Man muss der aktu­ellen Ent­wicklung eines lassen: Sie ist bemer­kenswert. Es geht längst nicht mehr nur darum, was jemand sagt. Zunehmend geht es darum, ob bestimmte Stimmen über­haupt noch Reich­weite bekommen sollen. Der aktuelle Fall: EDEKA. Die Zen­trale soll ihre selbst­stän­digen Händler dazu auf­ge­fordert haben, Werbung in bestimmten Medi­en­um­feldern zu über­prüfen und gege­be­nen­falls zurück­zu­ziehen. Und das taten auch Unter­nehmen wie Aldi Süd, Klein­an­zeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, Con­stantin Film, Wolt, Berg­freunde, Immowelt, Euronics, Axa, Ber­liner Was­ser­be­triebe, Milram, dm, Immo­scout, Flix­train, Bifi, Klos­terfrau und Procter & Gamble.

Hin­ter­grund ist eine Kam­pagne von Campact gegen Werbung auf Kanälen, die die Orga­ni­sation als „Hass- und Hetz­kanäle“ ein­stuft. Ins­gesamt werden 62 Medien auf­ge­listet, dar­unter Nius, Apollo News, Tichys Ein­blick und die Schweizer Welt­woche. Die­Un­be­stech­lichen fand ich nicht darunter.

Juris­tisch ist das natürlich keine staat­liche Zensur. EDEKA darf selbst ent­scheiden, wo es wirbt, und Campact darf Unter­nehmen dazu auf­fordern, bestimmte Medien zu meiden. Aber darum geht es gar nicht. Die ent­schei­dende Frage lautet: Was pas­siert mit der Mei­nungs­vielfalt, wenn poli­tische Akti­visten Unter­nehmen dazu bringen, unliebsame Medien wirt­schaftlich unter Druck zu setzen? Denn dann ver­sucht man nicht mehr, eine Meinung zu wider­legen. Man ver­sucht, ihre Ver­breitung zu erschweren. Und das ist ein gewal­tiger Unterschied.

Besonders inter­essant ist der Zeit­punkt: Am 6. Sep­tember 2026 wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Die AfD liegt dort in aktu­ellen Umfragen deutlich vorn. Und was macht Campact? Wenige Wochen vor der Wahl startet die Orga­ni­sation eine eigene Kam­pagne gegen eine AfD-geführte Lan­des­re­gierung und ruft aus­drücklich zum stra­te­gi­schen Wählen von SPD und Grünen auf. Dafür stellt Campact nach eigenen Angaben 620.000 Euro zur Ver­fügung. Campact macht daraus auch über­haupt kein Geheimnis: Hier wird Wahl­kampf betrieben. Nicht für die AfD, sondern gegen sie. Das ist legitim. Jeder darf poli­tisch für seine Über­zeu­gungen kämpfen. Aber dann muss auch die Frage erlaubt sein: Was hat der gleich­zeitige Kampf gegen soge­nannte „rechte Medien“ damit zu tun? Denn wer die AfD poli­tisch schwächen will, muss sich zwangs­läufig auch mit der Frage beschäf­tigen, woher ihre Wähler ihre Infor­ma­tionen beziehen.

Und genau hier wird es inter­essant. Früher hätte man gesagt: „Das darfst du nicht sagen.“ Heute klingt es viel freund­licher: „Natürlich darfst du das sagen – aber wir sorgen dafür, dass es mög­lichst niemand mehr hört.“ Keine Polizei steht vor der Redaktion. Kein Gericht ver­bietet die Ver­öf­fent­li­chung. Statt­dessen werden Wer­be­kunden mobi­li­siert, Listen uner­wünschter Medien erstellt und Unter­nehmen mora­lisch unter Druck gesetzt. Und anschließend heißt es: „Das ist doch keine Zensur. Das sind private Ent­schei­dungen.“ Formal stimmt das. Poli­tisch kann die Wirkung trotzdem die­selbe sein: Bestimmte Stimmen sollen aus dem öffent­lichen Raum verschwinden.

Das ist übrigens nicht das erste Mal, dass EDEKA poli­tisch Stellung bezieht. Bereits im Sommer 2024 posi­tio­nierte sich EDEKA mit der Kam­pagne „Warum bei EDEKA Blau nicht zur Wahl steht“ unüber­sehbar gegen die AfD. Der dazu­ge­hörige Slogan lautete: „Die Evo­lution hat uns gelehrt: Blau ist keine gute Wahl.“ Das kam damals bei der Kund­schaft nicht besonders gut an. Und das wird es auch diesmal nicht!

Wer ent­scheidet eigentlich, was „Hass“ ist? Ob es in einen Land, in dem die Mei­nungs­freiheit garan­tiert ist, über­haupt strafbare Äuße­rungen geben kann, ist eine Grund­satz­frage. Mir wurden ja zwei Buch­titel beschlag­nahmt und sie sind bis heute zum Verkauf ver­boten – zumindest in Deutschland. Das Ver­fahren wurde nach zehn Jahren wegen Ver­jährung ein­ge­stellt. Ich hatte darin weder zu Gewalt auf­ge­rufen noch gegen irgend­je­manden gehetzt. (Mein Buch „Geheim­ge­sell­schaften und ihre Macht im 21. Jahr­hundert“ aus dem Jahre 2025 ist übrigens frei erhältlich!) Genau deshalb sollte man hell­hörig werden, wenn poli­tische Eti­ketten wie „Hass“, „Hetze“, „rechts­po­pu­lis­tisch“ oder „men­schen­feindlich“ zunehmend darüber ent­scheiden, welche Stimmen noch als gesell­schaftlich akzep­tabel gelten. Eine kri­tische Position zur Migration? „Men­schen­feindlich!“ Kritik an der Regierung? „Rechts­po­pu­lis­tisch!“ Kritik am öffentlich-recht­lichen Rundfunk? „Angriff auf die Demo­kratie!“ Und wenn solche Eti­ketten am Ende darüber ent­scheiden, welches Medium noch Wer­be­kunden bekommt, wird es gefährlich. Denn wer ent­scheidet dann, welche Meinung noch legitim ist? Eine unab­hängige Justiz – oder poli­tische Kampagnenorganisationen?

Das eigentlich Inter­es­sante ist jedoch: Diese Stra­tegie könnte gewaltig nach hinten los­gehen. Denn Men­schen sind neu­gierig. Wenn man ihnen ständig erklärt, welche Medien sie nicht lesen und welche Kanäle sie nicht anschauen sollen, ent­steht irgendwann eine ziemlich ein­fache Frage: Warum eigentlich? Wer einen Artikel schlecht findet, kann ihn igno­rieren. Wer eine Meinung für falsch hält, kann ihr wider­sprechen. Aber wer den Ein­druck bekommt, dass jemand ver­hindern möchte, dass er eine bestimmte Meinung über­haupt zu Gesicht bekommt, wird sie sich womöglich erst recht ansehen. Das Internet lässt sich ohnehin nicht mehr über ein­zelne Wer­be­kunden kon­trol­lieren. News­letter, Pod­casts, YouTube, soziale Netz­werke, Spenden und direkte Abon­ne­ments haben die alten Abhän­gig­keiten längst ver­ändert. Wer ver­sucht, ein Medium aus­zu­trocknen, kann es dadurch sogar zum Symbol des Wider­stands machen. Und genau das könnte am 6. Sep­tember zum Bumerang werden.

Wer Men­schen ständig erklärt, dass eine bestimmte Partei gefährlich und bestimmte Medien „böse“ sind, sollte sich nicht wundern, wenn irgendwann die Gegen­frage kommt: Warum wollt ihr eigentlich unbe­dingt ver­hindern, dass ich mir selbst ein Bild mache?“ Genau hier kann poli­tische Bevor­mundung ins Gegenteil umschlagen, denn Demo­kratie bedeutet nicht, dass nur die rich­tigen Mei­nungen gehört werden. Demo­kratie bedeutet, auch falsche, unbe­queme und pro­vo­zie­rende Mei­nungen aus­zu­halten – solange sie sich im Rahmen des Gesetzes bewegen. Man muss die AfD nicht mögen. Man muss NIUS, Tichys Ein­blick oder andere kri­tische Medien nicht lesen. Aber man sollte sie auch nicht dadurch bekämpfen wollen, dass man ver­sucht, ihnen den wirt­schaft­lichen Boden unter den Füßen weg­zu­ziehen. Über­zeugt die Men­schen mit bes­seren Argu­menten! Das wäre demo­kra­tisch. Alles andere könnte am Ende genau das Gegenteil bewirken. Denn viel­leicht sitzt am 6. Sep­tember in Sachsen-Anhalt mancher Wähler in der Wahl­kabine und denkt nicht nur darüber nach, was er wählen möchte, sondern auch darüber, wer ihm eigentlich die ganze Zeit erklären wollte, was er nicht lesen und was er nicht wählen soll. Und dann könnte aus dem Versuch, die „fal­schen“ Stimmen leiser zu machen, genau das Gegenteil ent­stehen: Sie werden lauter!

Wenn Sie wissen möchten, wer genau hinter diesem Vor­gehen steckt, wer es finan­ziert und was das Ziel dieser links­ver­strahlten Agi­ta­toren ist, so emp­fehle ich drei Bücher dazu:

„Umer­ziehung zum neuen Men­schen“ von Erwin Rigo,

„Grünland – Wie eine grüne Sekte den Rest der Welt ter­ro­ri­siert“ von Werner Pilipp und „Gendern, bis der Arzt kommt“ von Alex­ander Kohlhaas und mir.

 

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