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100 Vulkane unter der West­ant­arktis liegen auf dem Aus­löser für den Aus­bruch des Yellowstone-Vulkans

Vor etwa 14.000 Jahren löste sich eine kilo­me­ter­dicke Eis­kappe vom Yel­low­stone-Plateau, und innerhalb von rund tausend Jahren riss der Boden in Mary Bay, Pocket Basin und Rush Lake auf. Es han­delte sich dabei nicht um Lava­aus­brüche, sondern um dampf­ge­triebene Explo­sionen, die durch die schlag­artige Ver­dampfung von über­hitztem Wasser unter­ir­disch und die Zer­split­terung des darüber lie­genden Gesteins entstanden.

Das Eis hatte dieses System zuvor zusam­men­ge­halten, da eine kilo­me­ter­dicke Eis­kappe mit enormem Gewicht auf das heiße Wasser und das dar­unter lie­gende Gestein drückt. Als dieses Gewicht plötzlich nachließ, sank der Druck, der das Wasser flüssig hielt, das Wasser ver­dampfte, und der expan­die­rende Dampf sprengte die Erdkruste.

Die Datie­rungen dieser drei Explo­si­onsorte, die mittels radio­me­tri­scher und Lumi­nes­zenz­me­thoden vor­ge­nommen wurden, liegen alle innerhalb von tausend Jahren nach dem voll­stän­digen Abschmelzen des Eises.

Der­selbe Mecha­nismus liefert nun kon­krete Zahlen für ein Gebiet mit weitaus mehr Eis und weitaus mehr Feuer als Yel­low­stone jemals besaß. Die im Januar 2025 in der Fach­zeit­schrift „Geo­che­mistry, Geo­physics, Geo­systems“ ver­öf­fent­lichten Ergeb­nisse unter­suchen, wie der Eis­verlust in der West­ant­arktis die dar­un­ter­lie­genden Vulkane verändert.

Mehr als 100 vul­ka­nische Zentren liegen unter dem west­ant­ark­ti­schen Eis­schild, die meisten davon kon­zen­triert entlang der West­küste innerhalb eines gedehnten, ris­sigen Krus­ten­gürtels, dem soge­nannten West­ant­ark­ti­schen Rift­system. An manchen Stellen liegt das Eis bis zu 1200 Meter unter dem Mee­res­spiegel, wodurch warmes Meer­wasser ein­dringen und es von unten aus­dünnen kann, während die Ober­fläche von oben schmilzt.

Das Gewicht dieses Eises hat die dar­un­ter­lie­genden Mag­ma­kammern über Zehn­tau­sende von Jahren kom­pri­miert und ruhig gehalten.

Das Modell, das diesen Zahlen zugrunde liegt, führte 4.000 separate Simu­la­tionen eines schrump­fenden Eis­schildes durch. In jeder Simu­lation wurde der Druck auf die dar­unter lie­genden Mag­ma­kammern um einen fest­ge­legten Wert redu­ziert und das weitere Ver­halten des Magmas verfolgt.

Mit dem Nach­lassen des Drucks dehnte sich das kom­pri­mierte Magma aus, und darin gelöste Gase, haupt­sächlich Wasser und Koh­len­dioxid, traten aus und bil­deten Blasen. Diese Blasen drückten gegen die Kam­mer­wände, und ab einem bestimmten Schwel­lenwert brachen die Wände zusammen, sodass Magma herausströmte.

In allen 4.000 Simu­la­tionen führte ein schnel­lerer Eis­verlust sowohl zu häu­fi­geren als auch zu grö­ßeren Erup­tionen, wobei der Effekt direkt pro­por­tional zur Geschwin­digkeit des Eis­ver­lusts war.

Ein Simu­la­ti­onslauf sticht durch die enorme Ener­gie­menge hervor, die dabei frei­ge­setzt wird. Als das Modell innerhalb von 300 Jahren einen Kilo­meter Eis von einer Kammer abtrug – ein Tempo, das für Teile der West­ant­arktis als moderat gilt –, gab diese ein­zelne Kammer jährlich bis zu 10 Bil­lionen Joule Wärme ab.

Diese Wär­me­menge reicht aus, um jährlich mehr als 3 Mil­lionen Kubik­meter Eis zu schmelzen. Das Eis schmilzt dabei von unten, wo die Eis­decke auf das Gestein trifft. An der Basis geschmol­zenes Eis fließt schneller und dünnt schneller aus als an der Ober­fläche geschmol­zenes Eis.

Der Aus­bruch beschleunigt also genau den Eis­verlust, der ihn aus­gelöst hat. Jede Schmelz­runde ent­lastet mehr Kammern, weshalb die Simu­lation jeden Schmelz­zyklus pro­to­kol­liert, bei dem die jeweils nächste Gruppe von Kammern ent­lastet wird.

Die Ent­lastung ist kein zukünf­tiger Schalter, der nur darauf wartet, umgelegt zu werden. Das west­ant­ark­tische Eis hat sich in den letzten Jahr­zehnten bereits so weit aus­ge­dünnt, dass die Druck­än­derung im System ver­ankert ist.

Das Modell zeigt, dass selbst ein sofor­tiger Stopp der Erwärmung diese gespei­cherte Ver­än­derung noch Hun­derte bis Tau­sende von Jahren antreiben würde. Die Erde hat dieses Expe­riment bereits in großem Maßstab durch­laufen. Als sich der pata­go­nische Eis­schild am Ende der letzten Eiszeit zurückzog, nahm die vul­ka­nische Akti­vität in den süd­lichen Anden zu, und auch in Island wurde ein ähn­licher Anstieg der Erup­tionen ver­zeichnet, als sich das Eis nach dem letzten gla­zialen Maximum zurückzog.

Geo­wis­sen­schaften

In Island wirkte der Mecha­nismus noch einen Schritt tiefer als Dampf, denn die Ent­lastung des Eises führte dazu, dass Gestein in der Tiefe durch ein­fache Druck­ent­lastung schmolz und so neues Magma ent­stand, anstatt nur das bereits vor­handene freizusetzen.

Eine separate Studie aus dem Jahr 2025 unter­suchte sechs Vulkane in den chi­le­ni­schen Anden und kam zum selben Ergebnis: Der Rückzug von Glet­schern unter sub­gla­zialen Vul­kanen erhöht die Wahr­schein­lichkeit explo­siver Aus­brüche. Dieses Muster beschränkt sich nicht auf eine Region, denn weltweit liegen Hun­derte ruhender Vulkane unter Eis, von denen jeder ein Mag­ma­system beher­bergt, das derzeit durch den Druck des darüber lie­genden Gesteins zurück­ge­halten wird.

Die bei einem ein­zelnen Aus­bruch frei­ge­setzte Hitze schmilzt das umlie­gende Eis, und dieses Schmelz­wasser schmiert die Basis des umge­benden Glet­schers und beschleunigt dessen Rückzug. Dieser Rückzug senkt den Druck auf die nächste Mag­ma­kammer – ein Prozess, der sich quer durch ein ganzes Vul­kan­gebiet zieht. Im chi­le­ni­schen Fall wurde diese Kette direkt aus dem Gestein von sechs ver­schie­denen Vul­kanen abgelesen.

Die Chro­no­logie des Yel­low­stone-Vulkans ist detail­liert genug, um den Zusam­menhang direkt zu über­prüfen. Seine Caldera ent­stand vor 631.000 Jahren, und die 28 Lava­aus­brüche seither lassen sich in zwei Gruppen ein­teilen: eine zwi­schen etwa 580.000 und 250.000 Jahren vor heute und eine zweite von etwa 160.000 bis 70.000 Jahren vor heute.

Die beiden kar­tierten Ver­ei­sungen der Region, die Bull-Lake-Ver­eisung vor etwa 150.000 bis 140.000 Jahren und die Pinedale-Ver­eisung vor 22.000 bis 14.000 Jahren, fallen in die Zeit­räume zwi­schen und nach diesen beiden Aus­bruchs­gruppen. Während der Pinedale-Ver­eisung ist kein ein­ziger Lava­aus­bruch verzeichnet.

Das Magma liegt dort so tief, dass das Abtragen eines Kilo­meters Eis von der Ober­fläche den Druck auf die Mag­ma­kammer nur gering­fügig ver­ändert. Ein flaches Heiß­was­ser­system hin­gegen spürt die­selbe Gewichts­ver­än­derung als einen großen Teil seiner Gesamtlast, weshalb die Dampf­stöße dem Eis folgten und die Lava nicht.

Ein Detail ver­hindert einen ein­deu­tigen Abschluss des Yel­low­stone-Falls. Ein Lava­strom auf dem Madison-Plateau, der auf etwa 110.000 Jahre vor unserer Zeit­rechnung datiert wird, scheint auf ste­hendes Glet­schereis gestoßen zu sein. Dieses Alter liegt jedoch weit außerhalb des bekannten Zeit­raums für Eis auf diesem Plateau.

Die Dis­krepanz zwi­schen dem Alter des Lava­stroms und den kar­tierten Eis­spuren konnte vor Ort nicht auf­ge­klärt werden. Es bleibt offen, ob dort ein lokales Eisfeld erhalten blieb oder ob der Lava­strom selbst kom­plexer ist, als seine Datierung ver­muten lässt.

Dieser eine unge­klärte Lava­strom ändert jedoch nichts an der grund­sätz­lichen Dis­krepanz zwi­schen einer Dampf­ex­plosion, die innerhalb von tausend Jahren auf Eis­ver­luste folgen kann, und einem Mag­ma­aus­bruch, der laut den Yel­low­stone-Datie­rungen über­haupt nicht mit Eis in Ver­bindung steht.

Die West­ant­arktis ist derzeit von so viel Eis bedeckt, dass die unter ihren Vul­kanen ver­bor­genen Eis­massen noch nicht ein­ge­treten sind. Die einzige sichtbare Akti­vität auf dem Kon­tinent ist der Mount Erebus, der süd­lichste aktive Vulkan, der im Rossmeer einen Lavasee speist. Der Rest der West­ant­arktis ist von so dickem Eis bedeckt, dass jeg­liche frühe Unruhe ver­deckt wird.

Zudem gibt es kein dichtes Messnetz auf dem Eis, das einen sub­gla­zialen Aus­bruch in den ersten Stunden erfassen könnte. Die bereits im System gespei­cherte Druck­än­derung auf­grund des bis­he­rigen Eis­ver­lusts wird vom Modell als fix betrachtet und treibt die Eis­kammern über Jahr­hun­derte an, unab­hängig von der wei­teren Erwärmung. Messbar ist heute die Rate des Eis­ver­lusts selbst, die per Satellit über den west­ant­ark­ti­schen Eis­schild ver­folgt wird. Diese Rate ist die einzige Ein­gangs­größe für das Ausbruchsmodell.

Die Auf­zeich­nungen des Yel­low­stone-Vulkans werden kon­ti­nu­ierlich vom Yel­low­stone Volcano Obser­vatory über­wacht, das per­manent Boden­be­we­gungen, Gas­aus­tritte und die Tem­pe­ratur heißer Quellen in der Caldera erfasst. Der nächste Schritt in der Unter­su­chung der West­ant­arktis ist die Über­prüfung des Modells vor Ort.

Dabei werden die simu­lierten Druck­schwel­len­werte mit der tat­säch­lichen Tiefe und dem Gas­gehalt bestimmter Kammern unter dem Eis ver­glichen. Diese Über­prüfung konnte bisher nicht im großen Maßstab durch­ge­führt werden, da das Erreichen dieser Kammern Boh­rungen oder seis­mische Mes­sungen durch mehr als einen Kilo­meter Eis erfordert.

Bis dahin gilt die bestä­tigte Datenlage: Ein Kilo­meter Eis löste sich vom Yel­low­stone-Vulkan, drei Stellen wurden innerhalb von tausend Jahren durch Eis­explo­sionen geöffnet, und der­selbe Druck­schalter befindet sich nun unter mehr als 100 Vul­kanen im am schnellsten dünner wer­denden Eis der Erde.

https://anti-matrix.com/2026/07/22/100-vulkane-unter-der-westantarktis-liegen-auf-dem-ausloeser-fuer-den-ausbruch-des-yellowstone-vulkans/
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