Was würde passieren, wenn Deutschland den Euro verlassen und die D‑Mark zurückholen würde? Meist wird bei dieser Frage sofort vor den Folgen für die EU und die Eurozone gewarnt. Doch drehen wir die Perspektive einmal um: Was könnte eine eigene, starke Währung den Deutschen bringen? Billigere Importe und Energie, mehr Kaufkraft im Ausland und eine Geldpolitik, die sich wieder ausschließlich an den Bedürfnissen Deutschlands orientieren könnte – die Rückkehr zur D‑Mark hätte durchaus mögliche Vorteile …
Für viele Deutsche steht die D‑Mark bis heute für wirtschaftliche Stärke, Geldwertstabilität und eine Währung, über die Deutschland selbst bestimmen konnte.
Was aber würde tatsächlich passieren, wenn Deutschland den Euro verlassen und eine neue D‑Mark einführen würde?
Ein solcher Schritt wäre zweifellos mit erheblichen wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Risiken verbunden. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die andere Seite der Rechnung.
Denn in der öffentlichen Debatte wird häufig darüber gesprochen, was ein deutscher Euro-Austritt für Europa bedeuten würde.
Viel seltener wird gefragt:
Was hätten eigentlich die Deutschen davon?
Eine starke D‑Mark könnte unsere Kaufkraft erhöhen
Vieles spräche dafür, dass eine neue D‑Mark gegenüber einem verbleibenden Euro und zumindest einem Teil anderer Währungen aufwerten würde.
Deutschland zählt trotz seiner gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme weiterhin zu den großen Volkswirtschaften der Welt. Sollte eine neue D‑Mark von den Finanzmärkten als besonders stabile Währung angesehen werden, könnte die Nachfrage entsprechend groß sein.
Eine Aufwertung hätte für deutsche Verbraucher einen unmittelbar spürbaren Vorteil:
Ausländische Waren würden in D‑Mark gerechnet günstiger.
Das könnte beispielsweise Computer, Smartphones, Kleidung, Fahrzeuge oder andere importierte Konsumgüter betreffen.
Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Die Unternehmen müssten die Wechselkursvorteile zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben.
Energie und Rohstoffe könnten billiger werden
Noch wichtiger wäre der Wechselkurseffekt bei Energie und Rohstoffen.
Öl und zahlreiche andere Rohstoffe werden auf den Weltmärkten überwiegend in US-Dollar gehandelt.
Würde die D‑Mark gegenüber dem Dollar aufwerten, müsste Deutschland für dieselbe Menge importierter Rohstoffe entsprechend weniger D‑Mark bezahlen.
Für eine rohstoffarme Industrienation könnte das einen erheblichen Vorteil darstellen.
Günstigere Importpreise könnten außerdem den allgemeinen Preisdruck reduzieren.
Eine starke D‑Mark könnte damit importierte Inflation abmildern und die Kaufkraft der Bürger stärken.
Das würde nicht bedeuten, dass automatisch alle Preise sinken. Schließlich hängen beispielsweise Energiepreise auch von Steuern, Abgaben, Netzentgelten, Transportkosten und den eigentlichen Weltmarktpreisen ab.
Aber der Wechselkurs wäre wieder ein Faktor, der zugunsten deutscher Verbraucher wirken könnte.
Urlaub im Ausland könnte günstiger werden
Auch Millionen deutsche Urlauber könnten profitieren.
Wäre eine neue D‑Mark stärker als die Währungen vieler Reiseländer beziehungsweise stärker als ein verbleibender Euro, bekämen Deutsche für ihr Geld im Ausland mehr.
Hotels, Restaurants, Mietwagen oder Ferienwohnungen könnten aus deutscher Sicht günstiger werden.
Die neue D‑Mark würde den Deutschen damit einen Teil jener internationalen Kaufkraft verschaffen, die eine starke nationale Währung mit sich bringen kann.
Immobilien und Unternehmen im Ausland würden günstiger
Dasselbe Prinzip würde für größere Investitionen gelten.
Mit einer starken D‑Mark könnten deutsche Privatpersonen und Unternehmen ausländische Immobilien, Unternehmensbeteiligungen und andere Vermögenswerte günstiger erwerben.
Angenommen, eine Immobilie in Spanien kostet weiterhin 300.000 Euro, während die neue D‑Mark gegenüber dem verbleibenden Euro deutlich aufwertet.
Für einen Käufer aus Deutschland würde dieses Haus in D‑Mark gerechnet entsprechend günstiger.
Deutsches Kapital bekäme international mehr Kaufkraft.
Deutschland könnte seine Geldpolitik wieder selbst bestimmen
Doch bei der D‑Mark geht es nicht nur darum, wie viel der nächste Urlaub oder das importierte Smartphone kostet.
Es geht um eine grundsätzlichere Frage:
Wer entscheidet über unser Geld?
Heute legt die Europäische Zentralbank die Geldpolitik für den gesamten Euroraum fest.
Dabei muss sie völlig unterschiedliche Volkswirtschaften berücksichtigen – vom hochindustrialisierten Deutschland bis zu Ländern mit anderen Wirtschaftsstrukturen, Inflationsraten, Staatsschulden und Finanzierungsbedingungen.
Was für Deutschland geldpolitisch sinnvoll wäre, muss deshalb nicht zwangsläufig für Italien, Spanien oder Griechenland optimal sein – und umgekehrt.
Mit einer eigenen Währung könnte sich die deutsche Geldpolitik wieder wesentlich stärker an der Inflation und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands orientieren.
Deutschland hätte damit einen zentralen Bestandteil wirtschaftspolitischer Souveränität zurück.
Das wäre selbstverständlich keine Garantie dafür, dass jede Entscheidung der Bundesbank automatisch richtig wäre.
Aber die Entscheidung würde wieder primär nach deutschen wirtschaftlichen Verhältnissen getroffen.
Was würde das für die deutschen Sparer bedeuten?
Auch für Sparer könnte dies von Bedeutung sein.
Die EZB muss ihre Geldpolitik an der Preisstabilität des gesamten Euroraums ausrichten. Deutschland ist dabei nur ein Teil der Rechnung.
Eine eigenständige deutsche Geldpolitik könnte dagegen stärker auf die heimische Inflation und Konjunktur reagieren.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch höhere Zinsen auf Sparguthaben. Wie hoch Zinsen wären, hinge auch mit einer D‑Mark von Inflation, Konjunktur und den Entscheidungen der Zentralbank ab.
Der entscheidende Unterschied wäre vielmehr:
Die Bedürfnisse der deutschen Volkswirtschaft könnten wieder den unmittelbaren Maßstab der deutschen Geldpolitik bilden.
Deutschland hätte wieder einen eigenen Wechselkurs
Auch dieser Punkt wird häufig unterschätzt.
Innerhalb der Eurozone gibt es zwischen Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien oder Griechenland keine Wechselkurse mehr.
Deutschland kann deshalb auch keine eigene Auf- oder Abwertung seiner Währung erleben.
Mit der D‑Mark wäre das anders.
Die Währung könnte wieder auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands reagieren.
Eine starke deutsche Wirtschaft könnte tendenziell eine starke Währung hervorbringen – und diese Stärke käme über günstigere Importe zumindest teilweise auch bei den Bürgern an.
Keine Beteiligung an neuen Risiken eines fremden Eurosystems
Mit einem Ausscheiden aus der Währungsunion wäre Deutschland außerdem an künftigen geldpolitischen Risiken und Entscheidungen eines Eurosystems, dem es nicht mehr angehört, nicht mehr in derselben Weise beteiligt.
Bestehende Verpflichtungen und Risiken würden dadurch selbstverständlich nicht einfach verschwinden.
Ihre Abwicklung wäre vielmehr eines der schwierigsten Probleme eines deutschen Euro-Austritts.
Dennoch würde für die Zukunft eine fundamentale Veränderung eintreten:
Deutschland hätte wieder seine eigene Währung – und müsste seine Geldpolitik nicht mehr mit 19 anderen Eurostaaten abstimmen.
Doch genau diese Unabhängigkeit hätte ihren Preis.
Denn eine starke D‑Mark würde Gewinner hervorbringen – aber auch Verlierer.
Und ausgerechnet Deutschlands exportorientierte Wirtschaft könnte zu Letzteren gehören.
FORTSETZUNG FOLGT: Was würde uns die D‑Mark kosten – und was geschieht mit den gewaltigen TARGET-Forderungen der Bundesbank?
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