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„Der finale Angriff aufs Bargeld” – Max Otte warnt vor digi­taler Kon­trolle und glä­sernen Bürgern

Mit seinem Best­seller „Rettet unser Bargeld“ gehörte Max Otte schon 2016 zu den pro­mi­nen­testen Kri­tikern einer zunehmend bar­geld­losen Gesell­schaft. Nun legt der Ökonom und Publizist eine voll­ständig über­ar­beitete Neu­ausgabe vor – und schlägt deutlich schärfere Töne an. Während die Ein­führung des digi­talen Euro näher rückt, warnt Otte vor einer neuen Dimension staat­licher Kon­trolle, umfas­sender Ver­mö­gens­über­wa­chung und dem schlei­chenden Verlust finan­zi­eller Freiheit. Pünktlich zum heu­tigen Erscheinen seines Buches hat er mit Phi­lo­sophia-Perennis über den „Krieg gegen das Bargeld“, die Rolle von Big Tech und Banken, kon­krete Vor­sor­ge­stra­tegien für Anleger – und warum er die kom­menden poli­ti­schen Ent­wick­lungen in Deutschland für hoch­brisant hält. (von David Berger)

Herr Otte, die völlig über­ar­beitete Neu­ausgabe Ihres Klas­sikers „Rettet unser Bargeld“ ist brand­ak­tuell erschienen. Was hat sie dazu bewegt?

Die Ent­wicklung ist rasant vor­an­ge­schritten. Das Thema Kryptos kam damals gerade auf, digitale Zen­tral­bank­wäh­rungen lagen noch in weiter Ferne. Nun soll der Digitale Euro bis 2029 ein­ge­führt werden.

Warum gibt es über­haupt den „Krieg gegen das Bargeld“?

Vier Inter­es­sen­gruppen wollen das Bargeld ver­drängen: erstens natürlich die Staaten, die über­schuldet sind und es in einer bar­geld­losen Welt viel leichter hätten, sich umzu­schulden oder sich zu ent­schulden. Außerdem werden natürlich in einer bar­geld­losen Welt die Bürger gläsern und können leichter über­wacht und sank­tio­niert werden.

Zweitens wollen die e‑Pay Anbieter natürlich das Bargeld soweit wie möglich ver­drängen, drittens pro­fi­tieren die e‑Commerce Unter­nehmen und großen Big-Tech Kon­zerne massiv von der Bargeld-Ver­drängung. Wir haben das auch während Corona gesehen.

Viertens wäre eine bar­geldlose Welt auch für die Banken ein Traum, denn dann bräuchten sie sich nur noch unter­ein­ander gegen­seitig zu überweisen.

2016 war Ihr Buch eine Warnung – heute sprechen Sie vom „finalen Angriff“. Was hat sich in diesen knapp zehn Jahren so dra­ma­tisch ver­schärft, dass Sie heute härter for­mu­lieren als damals?

Der Angriff auf das Bargeld startete 2014 mit einer mas­siven Pro­pa­gan­da­kam­pagne. Der US-Ökonom Ken Rogoff zeigte in einem Vortrag vor dem Münchner Institut ifo Bündel mit Geld­scheinen, Kokain Päckchen und Maschi­nen­pis­tolen, um zu sug­ge­rieren, dass Bargeld Ter­ro­rismus und Kri­mi­na­lität finanziert.

Man hat ver­sucht nach­zu­weisen, dass Bargeld viele Krank­heits­er­reger beher­bergt. Das stimmt nicht – auf Karten sind mehr Erreger. Aber mit dieser Angst­pro­pa­ganda und zum Teil auch direkte Maß­nahmen gegen Bargeld arbeitete man.

Als ich 2016 warnte, wurde dieser Angriff gerade massiv vor­ge­tragen. Dennoch hielt sich in Deutschland, den USA und einigen anderen Ländern Bargeld hart­näckig. Damals war eine Kar­ten­zahlung noch umständ­licher als eine Bar­geld­zahlung. Heute sind mit mobilen Bezahl­sys­temen wie Apple Pay und hohen Frei­grenzen bis 50 € die Käufe des täg­lichen Bedarfs mobil oft leichter und schneller als mit Bargeld.

Ins­be­sondere während Covid hatten wir einen mas­siven Rückgang der Bar­geld­nutzung, befördert durch Angst­pro­pa­ganda. Seitdem ist die Nutzung von Bargeld von über 70% der Trans­ak­tionen des täg­lichen Bedarfs im Ein­zel­handel auf unter 50% gesunken – das ist mehr als ein Drittel. Wenn das so wei­tergeht, hat Bargeld bald nur noch eine Randfunktion.

Sie nennen den digi­talen Euro ein „Über­wa­chungs­in­strument, keine Währung“. Worin liegt der qua­li­tative Unter­schied zwi­schen einer Kar­ten­zahlung heute und einem digi­talen Euro morgen?

Grund­sätzlich sind wir auch dann über­wachbar, wenn wir Kar­ten­zah­lungen machen oder e‑Pay-Zah­lungen oder in E‑Com­merce-Systeme ein­ge­bunden werden. Beim digi­talen Euro hätten die Staaten sehr schnell Zugriff auf unsere Daten. Damit würde eine neue Qua­lität der Kon­trolle ermög­licht werden.

Neben dem digi­talen Euro sprechen Sie in Ihrem neuen Buch auch über das EU-Ver­mö­gens­re­gister, das Ver­mögen ab 200.000 Euro zentral erfassen soll. Warum ist gerade die Kom­bi­nation aus beiden für Sie das eigent­liche Risiko für den Bürger?

Neben dem digi­talen Euro und dem Ver­mö­gens­re­gister gibt es noch eine dritte Säule des Über­wa­chungs­staates: die AMLA (Anti Money Laun­dering Aut­hority), also die Anti-Geld­wä­sche­be­hörde, die derzeit in Frankfurt ent­steht. Die AMLA koor­di­niert die Über­wa­chungs­maß­nahmen. Das Ver­mö­gens­re­gister würde unsere Ver­mögen erfassen – wir hätten nicht nur eine lückenlose Erfassung unserer Ein­kommen (was die Finanz­ämter ja schon mehr oder weniger machen), sondern wir müssten auch im Prinzip unsere Bilanzen vor­legen. Wir wären wirklich gläsern. Des­wegen hoffe ich, dass das Ver­mö­gens­re­gister nicht kommt. Erste Mach­bar­keits­studien sind aber in Auftrag gegeben.

Ihr Buch ver­spricht einen „Not­fallplan“. Welche drei kon­kreten Schritte sollten Anleger mit einem kleinen bis mitt­leren sechs­stel­ligen Ver­mögen jetzt umsetzen – und worauf sollten diese im Moment besonders achten?

Im Buch spreche ich über vier Arten der Resi­lienz – phy­sische Resi­lienz also Kata­stro­phen­vor­sorge, finan­zielle Resi­lienz, soziale Resi­lienz und emo­tionale und spi­ri­tuelle Resi­lienz. Die finan­zielle Resi­lienz ist also nur ein Teil der Vor­be­rei­tungen und Maß­nahmen gegen den digi­talen Tota­li­ta­rismus. „Nor­malen“ Anlegern, die zu etwas Ver­mögen gekommen sind, rate ich zunächst einmal, sich mit jedem dieser vier Punkte ein­gehend zu beschäf­tigen, für sich selber eine Stra­tegie und ein Vor­gehen fest­zu­legen, dies umzu­setzen und sich ansonsten auch am Leben zu erfreuen. Vor­sorge ist nicht alles.

Und in Bezug auf die finan­zielle Resi­lienz ist Bargeld nicht alles. In der Schweiz wurden zum Bei­spiel vor einigen Jahren alle Bank­noten umge­tauscht. Sie durften im Ein­zel­handel und Handel nicht mehr ver­wendet werden, konnten aber weiter bei der Natio­nalbank umge­tauscht werden. Wer es sich leisten kann, sollte bis zu drei Monats­be­darfe Bargeld zu Hause oder in einem sicheren Ver­steck halten.

Gold und Edel­me­talle sind eine weitere Ver­si­cherung gegen Krisen und Kata­strophen. Sie sind aber nicht mehr billig. Mit grö­ßeren Ver­mö­gens­an­teilen würde ich dort nicht mehr auf Kurs­an­stiege spe­ku­lieren und viel­leicht fünf oder zehn Prozent des Gesamt­ver­mögens so anlegen. Ein Bank­konto im nicht-EU-Ausland ist sehr ratsam.

Ver­mö­gens­aufbau kann nur mit ren­di­te­brin­genden Sach­werten erfolgen – und das sind vor allem Aktien, ETFs und Immo­bilien. Hier gilt: Sach­werte brauchen Sach­ver­stand. Ich habe dazu ja auch ein Buch „Endlich mit Aktien Geld ver­dienen“ geschrieben.

2026 stehen in Ost­deutschland wichtige Land­tags­wahlen an. Wie ist Ihre Pro­gnose – und was könnte ein poli­ti­sches Beben dort mit­tel­fristig für die poli­tische Ordnung der Bun­des­re­publik bedeuten? Kommt das Ende der Brand­mauer schneller, als viele denken?

Die Brand­mauer ist leider für die Kar­tell­par­teien über­le­bens­wichtig. Auch wenn die Regierung Merz scheitern sollte, wird Bun­des­prä­sident Frank Walter Stein­meier wahr­scheinlich den Bun­destag nicht auf­lösen und eine Min­der­heits­re­gierung wird im Amt bleiben. Sollte die AfD zum Bei­spiel in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erlangen, sehe ich sie trotzdem noch nicht unbe­dingt in Regie­rungs­ver­ant­wortung. Der Weg zum wirk­lichen poli­ti­schen Wandel ist lang, komplex und müh­selig. Selbst bei einer mas­siven Ver­än­derung an der Wahlurne kann es damit noch länger dauern.

Wo ist Ihr Buch erhältlich?

Überall im Buch­handel. Nachdem der Econ Verlag und danach auch der FBV mich auf­grund meiner poli­ti­schen Meinung aus­sor­tiert haben, habe ich mit dem Deut­schen Wirt­schaftsbuch Verlag einen her­vor­ra­genden Partner gefunden. Außerdem können Sie sich auf unserer Website www.rettet-unser-bargeld.de informieren.

 

Ver­losung

Prof. Otte wird für PP drei Exem­plare seines Buches signieren, die wir ver­losen werden. Preis­frage: In welchem Jahr wurde Ottes Buch „Der Crash kommt“ ver­öf­fent­licht? Antwort, Name und Adresse an die das Buch im Falle eines Gewinnes ver­schickt werden soll bis zum 8. Juni 2026 bitte an fol­gende e‑mail: davidbergerpp@protonmail.com

Der Artikel erschien zuerst hier: philosophia-perennis.com

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