Dr. Erwin Rigo
Mit der pragmatischen Pädagogik, zuerst in den USA, stieg die Bedeutung von Psychologie und Soziologie. Die gesamte Palette der Reformprojekte, die nach der Russischen Revolution entstanden sind. Die Ausnahme bildet Montessori (schon 1905 nach dem Petersburger Blutsonntag) Der Neue Mensch wurde fortan als Produkt von Umwelt und Sozialisation verstanden; daher erscheint heute Verhalten steuerbar allein durch Konditionierung, Gruppendynamik und Sozialtechniken. Behaviorismus und neo-marxistischer Materialismus teilen dabei die Annahme, dass der Mensch im Wesentlichen durch äußere Bedingungen determiniert ist.
Somit ist Erziehung auf diese Art zur Verhaltenssteuerung geworden, kritisches Denken ist heute durch „betreutes Denken“ ersetzt. Moralisches Handeln im Kant’schen Sinn – aus Einsicht in das Gesollte – ist gänzlich verdrängt worden, da es nicht messbar ist. Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Marcuse) greift schon 1923 diese sozio-psychologische Perspektive auf, wandert 1933 in die USA aus, bevor sie nach der Rückkehr 1950 spätestens ab den 1960er- und 1970er-Jahren ihren stetig wachsenden Einfluss auf Pädagogik, Bildungspolitik und Hochschulen gewann.
Der zunehmende philosophische Relativismus bestreitet absolute Wahrheiten und begünstigt eine Haltung, in der Werte, Traditionen und Normen als beliebig oder ideologisch verdächtig gelten. Heute ist der daraus entstandene Konstruktivismus vom Dekonstruktivismus ersetzt worden, was an der Gender-Ideologie, der LGBTQ+ Agenda bis zu Christopher Street Parades zum Ausdruck kommt. Gesellschaftskritische Geister sprechen von Dekadenz, Gesellschaftszerstörung und bevorstehendem Untergang des Abendlandes, vergleichbar mit dem Römischen Reiches.
Dr. John Joannidis wies in seinem Aufsatz „Why most published research findings are false (2005) auf die Fehlerhaftigkeit der Messmethoden hin, genauso wie der vielzitierte belgische, klinische Psychologe Dr. Mattias Desmet, der 2016 in „Das Streben nach Objektivität in der Psychologie“ das Thema erneut aufgriff, nämlich, dass man in der Psychologie überwiegend zu falschen Messergebnissen kommt. Damit hinterfragt er nicht nur kritisch den vorherrschenden Messbarkeitswahn, sondern auch die daraus resultierenden Ergebnisse. Somit kam er wie Joannidis zum selben Befund, der auf die erschütternde Anzahl von „more than 85 % of published research findings are false“ kam. Joannidis war schon Ende 2020 das Sprachrohr der Maßnahmenkritiker mit Robert F.Kennedy jr., als er 2020 dem weltweit verbreiteten Dogma in Bezug auf der Angstpropaganda in Bezug auf den „tödlichen Sars-Cov2-Virus“ widersprach.
Im Jahr 2023 erschien „Die Psychologie des Totalitarismus“ von Dr. M. Desmet, das in vielen Bereichen an Le Bons Aussagen in „Psychologie des Sozialismus (1898) erinnert, nachdem er den Aufstand der Pariser Kommune selbst miterlebt hatte.
Gesellschaftliche Steuerung und Internationalisierung
Parallel zur bildungstheoretischen Entwicklung muss auf den wachsenden Einfluss internationaler Organisationen und Netzwerke hingewiesen werden. Die Sozialistische Internationale gewann im 20. Jahrhundert durch Unterstützung revolutionärer Bewegungen, Demokratisierungsprozesse und internationale Vernetzung zusehends an Bedeutung. Nach dem Niedergang des Ostblocks verlor sie an direktem Einfluss, während neue Foren wie das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos an Gewicht gewannen und die subtilere, sozialistische Beeinflussung übernahmen.
Dort vernetzen sich seit 1971 Politik, Wirtschaft, Medien, NGOs und Bildungspolitik im Zeichen globaler Agenden, wie „nachhaltiger Entwicklung“. Ziel war eine internationale Vereinheitlichung von Bildungssystemen. Stiftungen, wie Rockefeller, Carnegie oder später staatliche Bildungsministerien haben maßgeblich zur Umgestaltung des Bildungssystems beigetragen, insbesondere zuerst in den USA, nach 1945 in Europa. Kritiker sehen darin eine bewusste Schwächung kritischen Denkens zugunsten von Konformität und Compliance.
Standardisierung, Messbarkeitszwang (z. B. durch PISA-Studien), Kompetenzorientierung und Vergleichbarkeit werden als Ausdruck eines „Messbarkeitswahns“ interpretiert, der zur intellektuellen Nivellierung beiträgt, zu einem intellektuellen Dünnbrettbohren, wie ich schon vor dreißig Jahren in meiner Promotionsarbeit zu „John Dewey’s Einfluss auf die deutschsprachige Pädagogik seit 2045“ kritisch anmerkte.
Gesellschaftstransformation mittels Reformpädagogik zum „Neuen Mensch“
Historische Vordenker der Reformpädagogik – von Comenius über Rousseau, Pestalozzi, Montessori bis zu Steiner – betonten die Bedeutung von Erziehung für gesellschaftliche Entwicklung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rückten jedoch Pädagogen wie J. Dewey, A. Makarenko, A. Neill, sowie P. Peterson explizit die politische Transformation der Gesellschaft in den Mittelpunkt, deren Resultate nun allerorts schmerzlich spürbar sind.
Freiarbeit, Projektunterricht, Antiautoritarismus und Erlebnisorientierung wurden zum pädagogischen Leitbild. Traditionelle Tugenden wie Disziplin, Pflichtbewusstsein, Leistung und Ordnung gelten als überholt oder reaktionär. Wissenserwerb, Auswendiglernen und Frontalunterricht wurden abgewertet, Methoden und Prozesse höher gewichtet als Inhalte.
Der Schulalltag heute zeigt offenkundig, dass diese Entwicklung zu einem „dumbing down“ geführt hat, zu sinkenden Leistungsstandards, inflationären Bestnoten, Absenkung von Anforderungen, Verlust akademischer Exzellenz und zu mangelnder Studierfähigkeit vieler Schulabgänger. Schule ist zunehmend zur Verwahranstalt geworden, zum Ort sozialen Engineerings, nicht mehr primär zur Bildungsinstitution. Seit der überbordenden illegalen Immigration ist sie heute auch ein Ort, wo der Kulturkampf ausgefochten wird und Lernen längst zur Nebensache geworden ist.
Wer noch tiefer in die Thematik der Umerziehung einsteigen möchte, dem empfehle ich mein Buch „Umerziehung zum neuen Menschen“, das im Dezember 2025 erschienen ist.























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