In Kroatien ist die Welt noch in Ordnung

Ein­drücke aus einem Kurz­urlaub im anderen Europa — Ver­gleich mit dem „besten Deutschland aller Zeiten“

(von Albrecht Künstle) 

Wir waren gut beraten, mit dem PKW nach Kroatien fahren. Fliegen bedeutet neu­er­dings, dreimal so lang am Flug­hafen wartend zusam­men­ge­pfercht zu sein als in der Luft, wo es eben­falls eng zugeht. Und das Gepäck ist dabei und landet nicht in einem anderen Land, wie mir das schon pas­sierte. Was negativ zu Buche schlägt: Auto­bahnmaut in Öster­reich, Slo­wenien und Kroatien. Und einige Tunnels kosten noch extra. Warum fahren die Bewohner dieser Länder auf unseren Auto­bahnen gratis? Ach ja, wir Deutsche sind ja nicht auf sowas wie Geld ange­wiesen; wir gelten als die Reichsten Europas, bei uns ist jeder sein eigener Oligarch. Dafür war aber der Sprit in Slo­wenien günstig. Viel­leicht mit der Quer­sub­ven­tio­nierung, mit den ein­ge­nom­menen Auto­bahn­ge­bühren kommen sie mit einer klei­neren Mine­ral­öl­steuer aus? Wäre viel­leicht auch eine Option für Deutschland – natürlich nicht mit dieser Regierung.

Bau­stellen säumten die Rei­se­route, wobei diese in Deutschland den Namen kaum ver­dienen. Denn auf vielen ist vom Bauen nicht viel zu sehen, die Bau­ma­schinen stehen oft herum, ohne bewegt zu werden. Ebenso sieht man nur wenige Bau­ar­beiter, dafür umso mehr Schilder, Schilder und nochmals Schilder. Hat man diese hinter sich, fragt man sich, wozu man die Geschwin­digkeit der­maßen redu­zieren und wieder unnö­tigen Sprit beim Beschleu­nigen braucht.

Wohl­tuend: Eine ganze Woche lang nur eine Ver­schleierte gesehen. In meiner Klein­stadt kann man kaum noch durch eine Straße fahren ohne solche zu sehen. Und jede Zweite von ihnen mit Kin­der­wagen – in denen unsere künf­tigen Fach­kräfte her­an­wachsen? Das ist keine zufällige Beob­achtung, wie dieser Link zeigt. Obwohl Kroatien mit Bosnien-Her­ze­gowina ein halb mus­li­mi­sches Nach­barland hat, beträgt der mus­li­mische Bevöl­ke­rungs­anteil nur 1,5 Prozent, rund 63 000. Das sind weniger als bei uns alleine in einer Groß­stadt. Das Bild Kroa­tiens ist von Kirch­türmen vene­zia­ni­schen Bau­stiels geprägt, nicht von 2000 Mina­retten der 2750 Moscheen wie bei uns. Unsere Bevöl­ke­rungs­dichte beträgt mehr als das Drei­fache der dor­tigen, der mus­li­mische Anteil min­destens das Fünffache.

Unsere Erfah­rungen im Hotel waren positiv. Wir wurden bestens bedient, Per­so­nal­mangel gibt es dort offen­sichtlich keinen, was fol­gende Gründe haben könnte. Zum einen saugt die Asyl­in­dustrie nicht wie bei uns wert­volles Arbeits­po­tenzial auf. Der Aus­län­der­anteil in Kroatien beträgt nur 2,45 Prozent, keine 13 Prozent wie bei uns, die eine geringere Erwerbs­quote haben. Die „Logik“ der deut­schen Politik geht nicht auf, denn je mehr Aus­länder gerufen wurden, desto größer wurde der Arbeits­kräf­te­mangel. Und es scheint dort keine über­mäßige Kran­ken­quote zu geben wie bei uns. Die Men­schen in Kroatien sind mit 55,1 Prozent Impf­quote nicht so impfgeil wie bei uns mit 76,2 Prozent Durch­ge­spritzten. Was Folgen für die Arbeits­fä­higkeit hat, denn …

Bekanntlich folgte dem Impfen und Boostern, also der Impf­welle, eine Kran­ken­welle. An der Spitze standen Atemwegserkrankungen/Covid. Die Unge­impften wurden von der neuen Variante weniger heim­ge­sucht. Deutschland hat mit der hohen Impf­quote bisher 26,5 Prozent „Infi­zierte“ zu beklagen, Kroatien nur 10,8 Prozent. Auch die Mas­kerade ist dort nicht so aus­ge­prägt wie bei uns. Die kos­ten­losen Masken am Eingang des Hotel­re­stau­rants blieben liegen. Dagegen hoffen die Hotels (und Bus­un­ter­nehmen) bei uns für ihre vor­aus­ei­lende FFP2-Pflicht auf einen fünften Stern 😊.

Im Gespräch mit einem Kroaten beklagte dieser die hohe Ver­schuldung seines Landes: 11 726 Euro pro Kopf sind es. Lieber Mann, sagte ich zu ihm, wenn ihr bald den Euro habt, werden es schnell mehr sein. Wir in Deutschland schlagen euch zwar nicht immer im Fußball, aber dafür um Längen bei den Schulden von 27 900 Euro pro Kopf. Der Tages­spiegel schiebt das auf „Corona“, als ob dieses Virus neben Infek­tionen auch Schulden ver­ur­sachen könnte. Ihr Kroaten werdet euch bald dem Schul­den­durch­schnitt von 28 500 Euro in Europa nähern. Blickt mal hinüber auf das Euro-Land am andern Ufer der Adria und schaut, wie das gemacht wird. Aus­ge­rechnet in dieser Zeit, wo der Euro „den Bach runter geht“, beglückt man Kroatien mit der Gemein­schafts­währung. Die dor­tigen Preise werden steigen; ob es dann noch ein attrak­tives Urlaubsland bleiben wird?

Als wir auf der Rück­fahrt die Grenze zu Slo­wenien pas­sierten, musste zuerst nur der Fahrer seinen Ausweis vor­legen, am nächsten Kon­troll­punkt jedoch alle drei Insassen des PKW. Eine illegale Ein­reise wäre nicht möglich gewesen. Bei der Über­querung der deut­schen Grenze erfolgte jedoch kei­nerlei Kon­trolle, unser Land ist offen wie ein Scheu­nentor. Das wissen natürlich besonders die zu uns strö­menden „Fach­kräfte“.

Auf der Heim­fahrt ein Halt auf einer Rast­stätte mit zehn Tesla-Lade­säulen. Zwei waren belegt und eines der E‑Gefährte (kommt von Gefahr?) jam­merte beim Laden furcht­erregend. Ich ließ mich auf­klären, dass etwa zehn Minuten nach Beginn des Schnell­la­de­vor­gangs ein Gebläse akti­viert werden muss, damit die Bat­terien nicht über­hitzen. D.h. ein Teil des Stroms wird gleich wieder ver­plempert. Das ist etwa so, als wenn man tankt und anschie­ßende ein paar Liter Sprit übers Auto laufen lässt. Viel­leicht falsch gedacht, aber wahr­scheinlich denken Tesla-Fahrer noch falscher.

„Deutschland hat fertig“, dachte ich mir erneut, als ich wieder zu Hause ankam. Die Straßen meines Hei­mat­städt­chens sind gesäumt von bis zu einem Meter hohem Unkraut. Ein Kon­trast zum sau­beren und gepflegten Kroatien. Warum können sich nicht die Mer­kel­gäste nützlich machen, wenn wir für Bau­hof­be­schäf­tigte kein Geld mehr haben? Und dann war in meiner Post ein Erin­ne­rungs­brief von „Zensus“. Ich wurde auf­ge­fordert, zu einer Feri­en­wohnung Angaben zu machen, die mir seit zwei Jahren nicht mehr gehört. Der Staat ist trotz oder wegen der Umstellung auf das Elek­tro­nische Grundbuch nicht mehr in der Lage, einen Eigen­tums­wechsel zeitnah zu erfassen.

Die Hoffnung auf ein bes­seres Deutschland nach Merkel hat sich leider nicht erfüllt. Ist ja auch schwer, denn schon Bun­des­prä­sident Gauck räso­nierte vom besten Deutschland das wir je hatten, was von Stein­meier wie­derholt wurde. Und das Beste lässt sich halt nur schwer noch bes­serer machen. Sar­kasmus bei­seite, Deutschland ist wirklich bald am Ende.

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