Interviews

Der Goldkrieg: Interview mit Autor Michael Morris

2. Juni 2017
16.05.2014  |

GoldSeiten.de: Herr Morris, kürzlich ist Ihr neues Buch „Der Goldkrieg“ erschienen. Kommt es nicht einige Jahre zu spät? In der breiten Öffentlichkeit ist doch der Hype um Gold erst einmal verflogen. Und nach dem massiven Preiseinbruch im Jahr 2013 ist der europäische Markt zurzeit doch eher ruhig. Warum also jetzt dieses Buch?

Michael Morris: Der europäische Markt war im Jahr 2013 deshalb verhältnismäßig ruhig, weil die meisten goldaffinen Menschen ihn nicht mehr verstehen, weil sie bewusst von einigen großen Marktteilnehmern verscheucht wurden, und weil immer weniger Menschen sich trauen, sich über Gold zu äußern. Sie haben Angst, sich lächerlich zu machen. Im Falle der Journalisten der Massenpresse ist das auch gut so.

International boomt der Goldmarkt aber nach wie vor, und er hat in den letzten Monaten weiter deutlich angezogen. Die Royal Canadian Mint hat im Vorjahr um 30% mehr Umsatz gemacht als in 2012. 2013 war das stärkste Jahr in ihrer Geschichte. Ähnliches gilt für die Münze Österreich. Der Goldmarkt ist also sehr lebendig. Aber die Mitläufer wurden aus dem Markt gedrängt.

Gold ist kein Thema mehr auf der Straße, so wie in 2011, aber wer etwas von Geld versteht und nicht zocken möchte, setzt weiterhin auf Gold. Die einfachen Bürger aber, die sich nicht unentwegt mit dem Thema befassen, scheinen klar verunsichert zu sein – jedoch nicht nur in Bezug auf Gold.

GS: Wie meinen Sie das?

Michael Morris: Die Menschen werden getäuscht. Sie werden belogen. Sie wissen es, aber sie wissen nicht, was und wer wirklich dahinter steckt, weil die Vorgänge im Finanzsystem sehr kompliziert dargestellt werden. Die meisten Politiker haben keine Ahnung, was gerade passiert. Sie werfen nur mit Schlagworten um sich und dreschen Phrasen. Sie schwelgen in Begeisterung über sich selbst, zitieren falsche Zahlen und Statistiken.

Die einfachen Menschen, die immer mehr damit beschäftigt sind, einfach nur zu überleben, wissen doch nicht mehr, wem sie trauen können. Niemand interessiert sich in Wahrheit für sie. Die Politik ist mit sich selbst beschäftigt. Im Grunde gilt die Devise: Rette sich, wer kann!

Das Buch will genau hier Klarheit schaffen, und erlaubt dem Leser einen leicht verständlichen Blick hinter die Kulissen. Gold ist derzeit ein Schlüssel zur Neuordnung der Welt und es wird künftig noch bedeutender werden – für jeden Einzelnen von uns. Insofern weiß ich nicht, ob der Zeitpunkt für das Buch wirklich so schlecht gewählt ist.

Tatsache ist nämlich, dass alle Bücher, die vor 2011 geschrieben wurden, den spannendsten Teil des großen Goldkrimis vermissen lassen, weil viele wichtige Informationen erst im vergangenen Jahr ans Licht kamen. Der Goldkrieg hat gerade seinen Höhepunkt erreicht! Daher ist das Buch topaktuell. 2011 war ein entscheidendes Jahr. Mir war und ist das Buch eine Herzensangelegenheit, weil es wichtig wäre, dass endlich mehr Menschen verstehen, was Gold wirklich ist!

GS: Dann erklären Sie uns das doch in einigen wenigen Sätzen!

Michael Morris: Gold ist das älteste und wichtigste Geld auf Erden. Es hat bislang alle Papiergeldexperimente in der Geschichte überlebt, und wird dies auch weiterhin tun. Die Menschen verlieren immer mehr den Bezug zu Geld, was genau so gewollt ist. Aber das ist gefährlich, denn wer Geld, also Gold, nicht versteht, kann nicht frei sein.

Gold ist nicht nur deswegen das wichtigste Geld, weil es mengenmäßig begrenzt ist, sondern weil es einen inneren Wert hat, der weit über das Materielle hinausgeht. Die Inkas nannten Gold den „Schweiß der Sonne“. Das ist deshalb sehr bemerkenswert, weil Gold tatsächlich nicht von dieser Welt ist. Es ist extraterrestrisch. Für die Entstehung von Gold braucht es Bedingungen, die auf der Erde nicht vorherrschen.

Die Wissenschaft ist heute davon überzeugt, dass Gold im Kosmos entsteht, wenn massereiche Sterne am Ende ihres Lebens als Supernova explodieren. Man geht davon aus, dass unser Gold vor etwa vier Milliarden Jahren durch Meteoriteneinschläge auf die Erde kam. Somit könnte man Gold auch als „ein Geschenk des Himmels“ oder als ein „Geschenk Gottes“ bezeichnen, je nachdem, wie man das Überirdische benennen mag.

Fest steht, dass sich Gold auch deshalb über die Jahrtausende hinweg als Geld durchgesetzt hat, weil es diese besondere Magie und Ausstrahlung hat, um die genau diejenigen bestens Bescheid wissen, die versuchen, uns ihr wertloses und seelenloses Giralgeld aufzuzwingen.

Gold wird auch wegen seiner Schönheit geschätzt, es ist eines der wenigen farbigen Metalle. Zudem wird es weder durch Luft, Feuchtigkeit, Hitze, noch durch die meisten Lösungsmittel angegriffen. Es hält ewig und ist somit zeitlos. Seine Korrosionsbeständigkeit, seine Schönheit, seine Magie und seine Seltenheit sind das Geheimnis seines Erfolges. Gold wehrt ewig und ist ein Garant für Freiheit!

GS: Sie kommen ja richtig ins Schwärmen! Das ist alles hoch interessant, da die meisten Menschen Gold von dieser Seite vielleicht noch nie betrachtet haben. Über diesen Aspekt wird selten gesprochen. Ich würde aber gerne auf einen anderen Aspekt ihres Buches zu sprechen kommen. Sie gehen darin zurück ins London des frühen 19. Jahrhunderts, als London noch das Zentrum des Goldhandels, und in gewisser Weise auch der Welt war. Erzählen Sie uns einige Sätze darüber.

Michael Morris: In der Bevölkerung gibt es im Grunde keinerlei Grundwissen zu den Themen „Geld“ und „Gold“, da man in der Schule nichts darüber lernt – was eigentlich ein Skandal ist! Daher schlage ich im Buch den großen Bogen von den Anfängen des Goldhandels im London des frühen 19. Jahrhunderts durch einige wenige Bankiersfamilien, bis hin zum modernen Goldhandel mit all seinen Auswüchsen im Papiergoldbereich, wie Futures-Handel und Highspeed-Trading.

Um die Bedeutung von Gold zu verstehen, um die Strukturen des Handels und die Macht der Großhändler und Bullionbanken zu verstehen, muss man weit zurück gehen, denn diejenigen, die sich den Goldhandel vor 150 Jahren unter den Nagel gerissen haben, dominieren und kontrollieren ihn auch noch heute.

Es sind dieselben Familien, dieselben Unternehmen, die alles an A bis Z kontrollieren – nur die Methoden sind anders. Doch werden ihre Namen fast nie genannt, weil sie ein komplexes System an Firmenverflechtungen und -beteiligungen geschaffen haben, das die großen westlichen Banken und Zentralbanken einschließt, und die wahren Hintermänner verschleiert.

GS: Wollen Sie die Namen nun nennen?

Michael Morris: Ich nenne sie im Buch sehr ausführlich, beschreibe, wie sie die ersten Gold- und Kupferkartelle schufen und sich eine markt- und politik-beherrschende Vormachtstellung aufbauten, die bis heute besteht. Aber ich denke, dass es den Rahmen dieses Interviews sprengen würde, wenn wir hier zu sehr ins Detail gehen. Entscheidend ist jedoch, dass ihre Macht langsam schwindet!

GS: Was die meisten Leser interessieren dürfte, ist die Frage nach dem Goldpreis. Wieso ist er 2013 so massiv eingebrochen, und wird er sich jemals wieder erholen? Die Prognosen der Banken lauten, dass der Goldpreis weiter sinken wird, viele „Goldbugs“ gehen hingegen von einem stark steigenden Goldpreis aus. Was ist Ihre Sicht der Dinge?

Michael Morris: Nun, die Großbanken sollten es wissen, weil sie den Preis manipulieren. Insofern haben sie einen entscheidenden Informationsvorsprung. Doch auch die Goldbugs haben in gewissem Sinne recht. Da wirken zwei gewaltige Kräfte auf den Goldpreis ein. Das ist wie beim Tauziehen. Bislang war die Bankenseite stärker, doch wer weiß…

Es ist schwierig, den Goldpreis vorherzusagen, weil er manipuliert ist, aber langfristig denke ich, ist die Richtung klar: Es kann nur aufwärts gehen. Kurzfristig ist jedoch alles möglich. Man muss dafür die Hintergründe verstehen.

Der Goldmarkt war 2011 heiß gelaufen, weil wir im Westen zusehen konnten, wie unser Schuldgeld, allen voran der US-Dollar und der Euro, täglich an Wert verloren. Deshalb flüchteten viele Menschen ins Gold. Die Presse schrieb unentwegt über Gold. Es bildeten sich lange Schlangen vor den Goldhändlern und es kam zu Lieferengpässen. Viele Menschen hatten Angst um ihr Geld, daher sind sie auf einen Goldzug aufgesprungen, der bereits in voller Fahrt war, ohne zu wissen, wohin die Reise geht.

Sie verstanden den Markt nicht. Die Asiaten kaufen ohnehin seit Jahren alles Gold auf, das der Markt hergibt. Als dann auch noch der Westen dazu kam, war kein Halten mehr. Die Nachfrage überstieg das Angebot bei weitem. Der Goldpreis kletterte höher und höher und höher. Kurz bevor Gold jedoch die 2.000-Dollar-Marke überschritt, zogen die westlichen Notenbanken die Notbremse. Denn diese Marke war psychologisch sehr bedeutsam.

Hätte man diese geknackt, dann wären Dollar und Euro kollabiert, weil es zu einem Domino-Effekt gekommen wäre. Dann wären vermutlich die großen Banken und mit ihnen die Weltwirtschaft zusammengebrochen, die USA hätten ihre Vormachtstellung eingebüßt, und die Eurozone wäre vermutlich auseinandergebrochen. Das wurde mit allen Mitteln verhindert, auch mit illegalen. Aber das Prohibitionverbot (Anm. d. Red.: Alkoholverbot in den USA) in den 1920er-Jahren hat uns gezeigt, dass man etwas, das die Menschen wirklich wollen, auf Dauer nicht verbieten kann!

Und viele, viele Menschen wollen Gold!

GS: Welche Mittel waren das? Mario Draghi hat ja immer wieder betont, den Euro mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen! Worin besteht hier der Zusammenhang zu Gold?

Michael Morris: Ja, das ist interessant, denn so viele Möglichkeiten hat die EZB ja nicht. In Wahrheit ist es nicht die EZB, die den Euro gerettet hat. Die Schweiz stabilisierte den Euro, indem sie ihren Franken im September 2011 bei 1,20 an den Euro koppelte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie es wirklich freiwillig tat, aber sie tat es. Sie tut es bis heute. Die Schweiz kauft nach wie vor täglich virtuelle Euros auf, die sie sich auf Konten gutschreiben lässt. Die Europäer begreifen überhaupt nicht, welche Opfer die Schweiz bislang für Europa erbrachte. Im Grunde ist sie seit ihrem Beitritt zum IWF nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Die FED stabilisierte den Dollar, indem sie den Goldpreis gemeinsam mit JP Morgan Chase, Scottia Mocatta, GoldmanSachs und einigen anderen Verbündeten nach unten manipulierte. Man attackierte den Goldpreis beim London Goldfixing und an den Terminbörsen, wie der COMEX. Man schuf ein künstliches Überangebot. Es wurde fast hundert Mal mehr Gold auf dem Papier gehandelt, als physisch überhaupt existiert.

GS: Das ist für die meisten Menschen nicht nachvollziehbar. Wie kann man mehr verkaufen, als existiert? Ich denke, das ist der Punkt, der viele potentielle Goldanleger verunsichert.

Michael Morris: Ja, genau. Also, wie geht das? Indem man so tut, als ob. Man tut so, als würde man Gold handeln. Das ist, als ob Kinder in der Puppenküche mit fiktiven Zutaten kochen und einem dann den Löffel zum kosten hinhalten. Da ist nichts drauf, aber man tut so, als wäre da was, und als würde es auch ganz toll schmecken. Dann freut sich der kleine Koch und alles ist gut.

Im Grunde ist das an der COMEX genauso, nur mit dem einen Unterschied, dass dabei wirklich Geld fließt. Das wäre auch weiter nicht schlimm, wenn da ein paar große Kinder sich gegenseitig etwas hin- und her verkaufen würden, das sie nicht haben. Das Problem ist nur, dass diese Scheingeschäfte in den Spotpreis mit einfließen, also in den Goldpreis, der sich aus einer Fülle von Handelsdaten speist und als Richtschnur für die ganze Welt dient.

Über kurz oder lang aber denke ich, dass sich das Problem dadurch lösen wird, dass man das, was die großen Kinder da treiben, einfach nicht mehr in den allgemeinen Preis für physisches Gold mit einbeziehen wird. Ich denke, das wird sich irgendwann von selbst regeln. Der Anfang ist gemacht, indem man über diese Manipulationen spricht und diskutiert.

GS: Die Futuresmärkte wie die COMEX sind aber nicht der einzige Ort, der Einfluss auf den Goldpreis hat.

Michael Morris: Nein, es gibt auch noch den physischen Markt in London und das dazu gehörige Goldfixing. Doch auch am sogenannten „physischen Markt“ wird mehr gehandelt, als physisch vorhanden ist – also betrogen. Auch beim Goldfixing wurde nachgewiesen, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, aber dieses Goldfixing ist ohnehin kaum noch von Bedeutung.

Wichtiger ist die Rolle der Zentralbanken. Sie verkauften in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder große Mengen Gold ab und verzerrten den Markt. Doch auch sie haben ihre Munition verschossen, denn die Tresore in Deutschland, England und den USA sind leer. Wir stehen hier an einem Wendepunkt.

Doch nun laufen die ersten Sammelklagen wegen Betrugs in den USA gegen jene Banken an, die am Goldfixing beteiligt sind oder waren. Es bewegt sich etwas!

GS: Wie sehen Sie die Rolle der Medien in all dem?

Michael Morris: Nun es gibt neue Medien, die unabhängig sind und versuchen, eine Meinungsvielfalt zu und die Menschen zu Wort kommen zu lassen, die nicht dem Mainstream folgen, die vielleicht auch unbequem sind. Diese Medien finden sich vorwiegend im Internet. Goldseiten.de gehört hier dazu.

Und dann gibt es die klassischen großen Medienkonzerne mit Print, Radio und Fernsehen, die meist auf die eine oder anderen Weise in den Händen der Banken sind und das verlautbaren, was denen recht ist. Die Finanzindustrie zählt zu ihren Großkunden, und da diese Medien von den Werbeeinnahmen abhängig sind oder dem Bankenkartell direkt gehören, müssen sie auch nach deren Pfeife tanzen, und wenn nötig, immer und immer wieder die Wahrheit verdrehen.

Über diese Medien wurde in 2011 und 2012 zum Thema Gold eine gigantische Negativkampagne auf die Menschheit losgelassen. Es wurde viel Fehlinformation verbreitet. Die großen Banken und einige große Investoren wie George Soros gaben ständig negative Prognosen ab.

Als der Goldpreis tatsächlich auf die prognostizierten Marken sank, waren viele Leute beeindruckt und dachten, die sogenannten „Experten“ konnten in die Zukunft sehen und würden den Markt genau durchschauten. In Wahrheit aber sank der Goldpreis nicht so, wie sie es vorhersagten, weil sie so schlau waren, sondern weil sie den Goldpreis nach Belieben dorthin manipulierten, wo sie ihn hinhaben wollten.

Immer wenn George Soros sagte, der Goldpreis würde sinken, haben ganz viele Menschen verkauft, was dazu führte, dass der Goldpreis tatsächlich sank. Denn trotz aller Manipulationen an den Futuresmärkten und am Londoner Markt hat das reale Geschäft der Goldhändler, das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage, doch immer noch einen gewissen Einfluss auf den Goldpreis – aber nur in einem bestimmten Rahmen.

Doch der Einbruch des Goldpreises um 28% im Jahr 2013 hat genauso wenig mit Marktgesetzen, mit freien Märkten oder Fundamentaldaten zu tun, wie die Kursgewinne an den Börsen. Was wir hier sehen, ist ein abgekartetes Spiel. Je mehr Menschen es durchschauen, desto schneller können wir es beenden!

GS: Wie wird es also mit dem Goldpreis weitergehen? Sie glauben, dass er langfristig steigen wird?

Michael Morris: Ich denke, langfristig kann er nur steigen, denn die Probleme des US-Dollars, der heute nur noch etwa 2% dessen wert ist, was er vor hundert Jahren wert war, sind nicht mehr lösbar. Die gesamte Welt ist bei einigen wenigen Banken verschuldet, und es ist schon rein mathematisch nicht möglich, dass diese Schulden jemals getilgt werden, weil das Geld dafür gar nicht existiert. Es wird zu einer Währungsreform kommen. Die entscheidende Frage ist nur, was am Weg dahin passiert? Keines der möglichen Szenarien ist jedoch schön, und letztlich sind sie alle eine treibende Kraft für einen steigenden Goldpreis.

Noch nie in der Geschichte waren die Schulden so hoch, wie heute. Wir befinden uns wirtschaftlich und monetär in einer katastrophalen Situation, und die Währungshüter haben in Wahrheit keine Kontrolle über die Lage. Es wird alles beschönigt, es werden Zahlen und Bilanzen gefälscht, aber die Lage spitzt sich weiter zu. Die Politiker sind ratlos und versuchen Zeit zu gewinnen, was ihnen bislang auch ganz gut gelingt.

Doch ihnen geht die Munition aus. Sie befinden sich in einer Sackgasse. Gold hätte in einem freien Markt längst das Allzeithoch aus dem Jahr 1980 übertroffen. Inflationsbereinigt würde das heute bei etwa $ 2.300 bis 2.500 liegen. Doch steht der Goldpreis bei $ 1.300. Sollten die Banken also die Kontrolle über den Goldpreis verlieren, weil der freie Markt die Oberhand gewinnt, dann gehe ich davon aus, dass der Goldpreis kurzzeitig explodieren wird.

GS: Momentan scheinen die Banken das Heft aber noch fest in der Hand zu haben.

Michael Morris: Das ist schwer zu sagen. Ja, es sieht danach aus, aber es könnte sich jeden Tag ändern. Kurzfristig aber traue ich den Manipulatoren alles zu, sie könnten den Preis von physischem Gold und von Goldminenaktien noch weiter nach unten prügeln, vielleicht sogar unter 1.000 $, wie sie es oft angekündigt haben. Damit würden sie aber zum einen riskieren, dass viele Minen pleite gehen und die Produktion einstellen müssen, was zu einem deutlich knapperen Angebot und wieder zu höheren Preisen führen sollte – zumindest in der Theorie!

Außerdem würde ein niedrigerer Goldpreis die Nachfrage in Asien noch weiter ankurbeln, doch der Westen kann nicht mehr liefern. Lange kann diese Spiel mit gezinkten Karten also nicht mehr gut gehen, meine ich.

Die Banken und deren Besitzer haben den Bogen längst überspannt. Sie sind weltweit zum Hassobjekt geworden. Sie haben in den vergangenen zwei Jahren bereits Milliarden an Strafen bezahlt, und es werden weitere folgen. Seit Beginn dieses Jahres ist es zu einer Welle von Selbstmorden unter Spitzenbankern gekommen, mehrere von ihnen haben bei JP Morgan Chase gearbeitet, also bei der Bank, die ganz vorne bei der Manipulation des Goldpreises mitmischt. Ich habe so das Gefühl, als würde den mächtigen Bankiers die Kontrolle immer mehr entgleiten. Sie haben ihre Gegner zu mächtig werden lassen!

GS: Wer sind ihre Gegner?

Michael Morris: Es gibt immer mehr Länder und Organisationen, die sich dem Bankenkartell um die FED widersetzen. Allen voran aber haben China und Russland bereits mehrfach angekündigt, dass sie die Dollarherrschaft nicht länger akzeptieren werden. Zuvor hatten bereits andere Staatsmänner versucht, sich der Tyrannei des US-Dollar-Kartells zu entziehen, und eigene, durch Gold gedeckte Währungen einzuführen, was ihnen jedoch – wenn man etwa an Gaddafi denkt – nicht so gut bekommen ist.

An China dürfte sich das Goldkartell aber die Zähne ausbeißen. Vielleicht ja auch an Russland, mit dem man sich nun in der Ukraine messen will. Doch selbst in den USA gibt es massive Widerstände gegen die FED und ihre Besitzer, auch dort ist die Nachfrage nach Gold, und somit nach sicherem Geld, gigantisch. Obama entgleitet sowohl die Innen- als auch die Außenpolitik zusehends. Die Großmacht USA zeigt deutliche Schwächen. Das spüren andere Nationen. Die einen beklagen es, die anderen sehen ihre Chance gekommen.

Das angelsächsische Bankenkartell, das nicht nur die US-Politik steuert, leidet ganz offenbar an Größenwahn. Die Herren halten sich für unbesiegbar, aber dieses Phänomen haben wir in der Geschichte schon oft beobachten können. Am Höhepunkt ihrer Macht werden Herrscher meist unvorsichtig und übermütig. Genau zu jenem Zeitpunkt sind sie alle – für sich selbst völlig unerwartet – in kürzester Zeit sang- und klanglos untergegangen. Sobald man sich unbesiegbar fühlt, ist das Ende nahe!

GS: Der Titel „Goldkrieg“ ist aus Ihrer Sicht also nicht übertrieben?

Michael Morris: Nein, keineswegs! Wir befinden uns inmitten eines Wirtschafts-, Währungs- und Goldkrieges. Die BRICS-Staaten kämpfen gegen den Dollar und für eine neue Weltwährung, die nicht allein der FED gehört. Diese neue Weltwährung soll wieder durch Gold gedeckt sein – so hat es China mehrfach gefordert. Daher kämpfen die Banken auf der einen Seite gegen Gold, auf der anderen Seite aber um Gold. Denn sollte es wirklich zu einer neuen, durch Gold gedeckten Währung kommen, dann braucht natürlich jeder möglichst viel Gold, um die beste Ausgangsposition im neuen System zu haben.

Die Taktik des Kartells war falsch. Sie haben sich verzockt. Um den Goldpreis niedrig zu halten, hat der Westen Jahrzehnte lang viel Gold auf den Markt geworfen. Jetzt ist keines mehr da. China hat alles aufgesogen und ist gleichzeitig so mächtig geworden, dass es in absehbarer Zeit die neuen Regeln diktieren wird.

Das Kartell hat kurzzeitig die Masse der Kleinanleger verschrecken können, aber den Chinesen machen sie keine Angst. Und auch die Kleinanleger werden zurückkehren sobald der Goldpreis wieder steigt. Es ist nämlich leider so, dass die meisten Kleinanleger immer nur dann Gold kaufen, wenn der Preis steigt.

Das unlogisch und verschwenderisch, scheint aber daran zu liegen, dass die meisten Menschen unsicher sind, und rein impulsiv, aus Angst heraus handeln. Natürlich wäre es sinnvoller, dann zu kaufen, wenn Gold gerade günstig zu haben ist, aber das hieße, der Meinung der Banken und zahlreicher Experten zuwider zu handeln. Und das trauen sich viel Menschen eben nicht, weil sie den Markt nicht verstehen. Also warten sie so lange, bis der Preis steigt und die Analysten der Banken auch bestätigen, dass der Goldpreis weiter steigen wird.

GS: Das einzige was diesem Phänomen Abhilfe schaffen könnte, wäre also Information, Bildung, wozu wir ja hier auf Goldseiten.de beitragen möchten. Ich wünsche Ihnen, dass ihr Buch dazu auch einen entscheidenden Beitrag leisten wird!

Michael Morris: Ja, vielen Dank! Das war mein Anliegen beim Schreiben. Tatsache ist, dass die meisten offiziellen Zahlen zum Thema „Gold“ falsch sind. Deshalb habe ich im Buch versucht, sie in ein anderes Licht zu rücken. Es geht um „richtige“ Informationen. Wissen ist Macht! Auch dem Krimi um das Gold der Deutschen habe ich ein eigenes Kapitel gewidmet – eine wirklich abenteuerliche Geschichte, die sich da im Jahr 2013 abspielte, die von der Presse herunter gespielt wurde und die noch lange nicht zu Ende ist. Da werden noch einige sehr spannende Kapitel durch die Bundesbank geschrieben werden…

GS: …was wir vielleicht in zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich behandeln sollten, weil es sicherlich viele Leser sehr interessiert! Für heute bedanke ich mich aber erst einmal für das interessante Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Buch!

Michael Morris: Herzlichen Dank! Es war mir eine Freude!

Dieser Artikel erschien ursprünglich hier:
http://www.goldseiten.de/artikel/206391–Der-Goldkrieg~-Interview-mit-Autor-Michael-Morris.html?seite=4

Jetzt eintragen und News kostenlos per E-Mail erhalten:

Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad