Kein Ver­gleich: Elf Fakten zur Gewalt im Islam, im Chris­tentum und im Atheismus

Foto: Hin­richtung syri­scher Christen durch den “Isla­mi­schen Staat” © Screenshot youtube Pinterest

Ein Gast­beitrag von Dr. Udo Hildenbrand

These I: Auch Nicht­muslime sind als Betroffene berechtigt zur Islamkritik.

Nicht­muslime haben das Recht, nach Mög­lichkeit sogar die Pflicht zur argu­men­ta­tiven und kri­ti­schen Aus­ein­an­der­setzung mit der Religion Mohammeds, ins­be­sondere wenn es um die hoch­bri­sante The­matik isla­mi­scher Gewalt geht. Was aber begründet dieses Recht, diese Pflicht? Der nach ortho­doxem mus­li­mi­schem Ver­ständnis zeitlich und örtlich unbe­grenzt gültige Koran sowie die isla­mische Lehre sind in einer Fülle kon­fron­ta­tiver, gewalt­le­gi­ti­mie­render Aus­sagen expressis verbis gegen die nicht­mus­li­mische Welt und damit auch gegen jeden ein­zelnen Nicht­muslim gerichtet.

Der geistig-geist­liche und gesell­schafts­po­li­tische Hin­ter­grund zu diesem isla­mi­schen Ver­ständnis ist der uni­versale Auftrag, die gesamte Menschheit frei­willig oder gezwungen zur Religion des Islam zu bekehren, alle Nicht­muslime dem Herr­schafts­an­spruch des Islam zu unter­werfen und die Welt im Sinne des Islam poli­tisch und religiös ganz­heitlich umzu­ge­stalten (vgl. These V).

Der Islam ins­gesamt ist eine Herr­schafts­ordnung, die nicht nur das per­sönlich-indi­vi­duelle, soziale, poli­tische und religiös-kul­tische Leben der eigenen Reli­gi­ons­an­ge­hö­rigen bestimmt und regelt. Nach Mög­lichkeit will diese Religion vielmehr mit Vor­schriften, Dro­hungen und frei­heits­ein­schrän­kender Bevor­mundung in das Leben auch aller Nicht­muslime ein­greifen. Den Beweis dafür liefert ein­deutig die Geschichte und ver­an­schau­licht das heutige Leben der Nicht­muslime in mus­li­misch domi­nierten Ländern in der unter­schied­lichen Inten­sität der Bevor­mundung, Benach­tei­ligung, Unter­drü­ckung usw.

Ansätze der reli­giösen und gesell­schaftlich-kul­tu­rellen Bevor­mundung, sogar der Bedrohung sind auch in den frei­heitlich-demo­kra­tisch geprägten Ländern Europas bereits unüber­sehbar, obwohl die Muslime hier in einer Min­der­heiten-Situation sind. Was würde wohl erst geschehen bei einer durchaus denk­baren isla­mi­schen Mehr­heits­be­völ­kerung in Deutschland, in Europa in nicht allzu ferner Zukunft?

These II: Die Geschichte des Islam ist eine Geschichte von Gewalt und Eroberung.

Dem Wesen und Selbst­ver­ständnis des Islam ent­spre­chend kann die gesamte Ent­wicklung des Islam von seinen Anfängen an als eine nahezu kon­ti­nu­ier­liche, die Jahr­hun­derte umfas­sende Geschichte der Expan­sionen und Erobe­rungen, der Unter­werfung und Erpressung bezeichnet werden. Sie stellt sich als eine Geschichte der Gewalt- und Will­kür­herr­schaft dar, wie selbst die inner-isla­mische Kritik dokumentiert.

Die isla­mische Erobe­rungs- und Unter­wer­fungs­ge­schichte ergibt sich aus dem Koran, kor­re­spon­diert aber auch zugleich mit dem Leben und den Worten Mohammeds, des Stifters dieser Religion. So sahen sich die Muslime wie selbst­ver­ständlich legi­ti­miert, ihre Glau­bens­über­zeugung über die jeweils eigene Grenze hinaus auch mit Gewalt aus­zu­breiten. Die gesamte Gewalt‑, Erobe­rungs- und Unter­wer­fungs­ge­schichte des Islam ist somit kei­neswegs – wie ständig behauptet − ein Produkt der Miss­deutung oder gar des Miss­brauchs dieser Religion. Vielmehr ist diese bedrü­ckende Geschichts­wirk­lichkeit das his­to­rische Resultat der kora­ni­schen Dog­matik, Ethik und Programmatik.

Im viel­ge­prie­senen, angeblich so „friedlich-tole­ranten Anda­lusien“ waren die Christen und Juden Men­schen zweiter Klasse, aus­ge­liefert der Laune und Willkür der herr­schenden Muslime. Zudem war Anda­lusien im Ver­gleich zum damals schon rie­sigen isla­mi­schen Welt­reich, wo kei­neswegs „anda­lu­sische Zustände“ herrschten, nur ein win­ziges Fleckchen Erde, vom Islam gewaltsam okkupiert.

Zu der an Gewalt­taten reichen Geschichte und Gegenwart des Islam zählen zudem die Fakten der stän­digen inne­r­is­la­mi­schen Zer­strit­tenheit und Zer­ris­senheit sowie der isla­mi­schen „Bru­der­kriege“ mit ihren blu­tigen Aus­ein­an­der­set­zungen von Anbeginn an bis auf den heu­tigen Tag.

Alle hier skiz­zierten his­to­ri­schen und zeit­ak­tu­ellen Vor­gänge sind nicht zu leug­nende Beweise dafür, dass die gebets­müh­lenhaft wie­der­holte Behauptung, der Islam sei eine „Religion des Friedens, der Toleranz und der Barm­her­zigkeit“ äußerst frag­würdig ist bzw. schlichtweg der Wirk­lichkeit und der Wahrheit in ekla­tanter Weise widerspricht.

These III. Auch schärfste inner-isla­mische Kritik an der Gewalt im Islam in Geschichte und Gegenwart wird weithin überhört bzw. bleibt weltweit folgenlos.

Nach dem Attentat in Paris im Jahre 2015 erhob der (umstrittene) ägyp­tische Staats­prä­si­denten Al Sisi vor 600 reli­giösen Führern und Koran­stu­denten der Al-Azhar-Uni­ver­sität Kairo mit dras­tisch-selbst­kri­ti­schen und selbst­an­kla­genden Worten hef­tigste Vor­würfe gegen die Gewalt­ver­fasstheit seiner eigenen Religion:

„Das Werk der isla­mi­schen Texte und Ideen, die wir über Jahr­hun­derte als heilig erklärt haben, erzürnt die gesamte Welt.“ Es „könne nicht sein, dass 1,6 Mil­li­arden Muslime die rest­liche Welt­be­völ­kerung töten wollen, nur um selbst leben zu können“. Der Muslim Al-Sisi stellt fest: „Die isla­mische Welt­ge­mein­schaft (Umma) wird zer­rissen und ist ver­loren – durch unsere eigenen Hände“; es „sei unfassbar, dass das, was die Muslime als ihr reli­giöses und hei­liges Erbe betrachten, für sie selbst und den Rest der Welt als Quelle der Angst, der Gefahr des Mordens und der Zer­störung wahr­ge­nommen wird. Unmöglich!“

Nach dem Brüs­seler Attentat 2016 wurde auf YouTube ein Interview mit dem in Ägypten bekannten TV-Mode­rator Omer Adib zum Thema Islam und Terror aus­ge­strahlt. Empört, beinahe außer sich vor Wut schrie der Mode­rator darin unge­bremst los:

„Wir haben vor 1400 Jahren den Ver­stand getötet. In unserer Religion exis­tieren diese Ver­bre­chens­lehren und sie werden weiter ver­breitet. Wann sehen wir das ein, statt uns seit 1400 Jahren selbst zu belügen?“

Es gilt fest­zu­halten: Sogar äußerst selbst­kri­tische Aus­sagen von Mus­limen, die kaum viel offener und dra­ma­ti­scher hätten sein können, werden erstaun­li­cher­weise bei den gesell­schaft­lichen und kirch­lichen Reprä­sen­tanten auch in unserem Land offen­sichtlich einfach überhört oder in den Wind geschlagen. Man fragt sich: Was muss nicht noch alles pas­sieren, damit dies­be­züglich endlich was passiert?

Auch etliche (Ex-)muslime ver­weisen mit hohem Enga­gement als Warner und Mahner seit Jahren in ihren islam­kri­ti­schen Publi­ka­tionen (ver­geblich?) auf die Gewalt­pro­ble­matik im Islam (z. B Hamed Abdel-Samad, Sabatina James, Nekla Kelec). Die Tat­sache, dass einige unter Ihnen deshalb in unserer frei­heit­lichen Demo­kratie unter stän­digem Poli­zei­schutz ein­ge­schränkt leben müssen und sogar an Leib und Leben bedroht sind, spricht Bände.

Eben­falls im Zusam­menhang mit dem Anschlag in Paris im Frühjahr 2015 hat Bun­des­kanz­lerin Angela Merkel die unüber­hörbare For­derung an die isla­mische Geist­lichkeit gerichtet:

„Ich halte eine Klärung der Frage nach der Gewalt im Islam durch die Geist­lichkeit des Islams für wichtig und ich halte sie für dringlich. Ihr kann nicht länger aus­ge­wichen werden“. 

Was aber hat Frau Merkel und mit ihr die gesamte Politik seit dem Frühjahr 2015 getan, um ihrer dama­ligen dring­lichen For­derung glaub­wür­digen Nach­druck zu ver­leihen? Wird sie und die Kandidaten/innen aller Par­teien für die Bun­des­tagswahl 2017 danach kri­tisch befragt werden?

Zur Stan­dard­ausrede nach ter­ro­ris­ti­schen Anschlägen „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ bemerkt der Ednan Aslan, Pro­fessor für isla­mische Reli­gi­ons­päd­agogik, ungeschminkt:

„Ich ver­stehe Leute nicht, die die Position ver­treten, die Gewalt­taten hätten nichts mit dem Islam zu tun. Sie haben sehr wohl etwas mit dem Main­stream-Islam zu tun! In den Vor­schriften der vier prä­genden Rechts­schulen, von den Sun­niten bis zu den Schiiten, heißt es, man müsse jene töten, die Gott und seinen Gesandten belei­digen. Die Tötung von Homo­se­xu­ellen wird in jedem Rechts­grundwerk des Islams gefordert. Es heißt, man solle sie von einem Berg stoßen oder von einer Wand begraben lassen. Es ist also höchste Zeit, dass sich mus­li­mische Theo­logen kri­tisch mit ihrer Lehre auseinandersetzen.“

Welche Poli­tiker, welche Juristen, welche staat­lichen Behörden gehen bei uns auf­grund ihrer poli­ti­schen bzw. amt­lichen Ver­ant­wortung diesen Aus­sagen eigentlich nach, zugleich auch der Fülle ent­spre­chender War­nungen anderer Wis­sen­schaftler und Publi­zisten? Oder zählen Fest­stel­lungen wie jene des Muslim Prof. Aslan, der als Lehrer des Islam von einer „Theo­logie der Gewalt“ im Islam spricht, gar zum Kampf­be­griff „Isla­mo­phobie“?

Nach so manchen, nicht nur mus­li­mi­schen Vor­stel­lungen ist Isla­mo­phobie (wörtlich: Angst vor dem Islam) nicht nur bös­artig und krankhaft. Sie sollte sogar noch bestraft werden. Doch kann in einem demo­kra­ti­schen Staat eine spe­zielle Meinung oder auch eine Glau­bens­haltung über­haupt unter Schutz gestellt werden? Müsste dann nicht min­destens ebenso „Chris­tia­no­phobie“ unter Schutz gestellt und ggf. bestraft werden?

These IV: Die Lehre und das Lebens­bei­spiel von Jesus Christus einer­seits und von Mohammed ande­rer­seits stehen sich unüber­brückbar gegenüber.

Mohammed als Krieger und Feldherr ist im Raum der Reli­gionen ein sin­gu­läres Phä­nomen. Das wenige Gemeinsame zwi­schen Jesus Christus und Mohamed, das letztlich nur in ihrer (unter­schied­lichen) Reli­gio­sität zu erkennen ist, zer­bricht an dieser unüber­seh­baren Gegen­sätz­lichkeit ihrer Per­sön­lichkeit und ihres Selbst­ver­ständ­nisses. Ihre jewei­ligen Bot­schaften und Lehren für das Zusam­men­leben der Men­schen sowie auch für die wech­sel­seitige Beziehung von Gott und Mensch ent­stammen grund­ver­schie­denen geis­tigen Welten. Dem­entspre­chend ver­mitteln sie auch weithin in sich gegen­sätz­liche Denk- und Hand­lungs­maß­stäbe für ihre jewei­ligen Anhänger/innen.

Über das (Friedens-)Wirken Jesu in fast aus­nahms­loser Gegen­sätz­lichkeit zum Leben, Denken und Handeln Mohammeds und seiner Bot­schaft kann gesagt werden: Jesus hat ein Reich ver­kündet, das nicht von dieser Welt ist und dabei auf­ge­fordert: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört“ (Mt 22,21). Ent­schieden hat er die Rolle des poli­ti­schen Messias abge­lehnt, ist nie als mili­tä­ri­scher Anführer in einen Krieg gezogen. Jesus befahl nicht, die Feinde umzu­bringen, er lehrte, für sie zu beten, hat nicht zur Gewalt auf­ge­rufen, sondern zu Frieden und Ver­söhnung, hat nicht ver­folgt, er wurde ver­folgt. Er hat Zwang erfahren, aber keinen Zwang aus­geübt, hat nicht getötet, er wurde getötet.
Nicht etwa apo­lo­ge­tische christ­liche Schriften, sondern die mus­li­mi­schen Quellen selbst berichten von der genau gegen­tei­ligen Lehre und Lebens­führung des isla­mi­schen Religionsstifters.

These V: Völlig konträr sind die Methoden der Glau­bens­ver­breitung von Jesus Christus und von Mohammed, ebenso deren uni­versale Zielsetzungen.

Jesus selbst hat seine Bot­schaft vom Reich Gottes als Wan­der­pre­diger ver­kündet, der lehrend „von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf“ zog. Von sich selbst sagt er, dass er keinen Ort, „wo er sein Haupt hin­legen kann“. Außer den 12 Aposteln berief Jesus noch 72 weitere Jünger und sandte sie aus, um das Reich Gottes zu ver­künden und zu heilen. Die aus­ge­sandten Jünger waren keine hoch auf­ge­rüs­teten Kämpfer, die Anders­den­kende mit ihrem Schwert und ihrer Bot­schaft bedrängen und unter­jochen sollten. Auf diese Gege­benheit ver­weist auch die bekannte Redensart „Per pedes apos­to­lorum“ (=Auf den Füßen der Apostel).

Mit der „Mund-zu-Mund-Pro­pa­ganda“ kam im Laufe der Zeit ein immer stärker aus­ge­bautes Brief­system hinzu. Es ent­stand ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netzwerk, das einen inten­siven Gedan­ken­aus­tausch der an Zahl immer größer wer­denden Gemeinden ermög­lichte. Ins­be­sondere auch das kari­tative Wirken der Christen erwies sich als sta­bi­li­sie­rendes Element der Ver­breitung des christ­lichen Glaubens.

Völlig anders­artig und welt­ge­schichtlich ohne Bei­spiel verlief jedoch die außer­ge­wöhnlich rasche und ter­ri­torial weit­räumige, gewaltsame Aus­breitung des Islam. Seine Lehre hat Mohammeds selbst nahezu von Anfang an in einer Spirale der Gewalt und des Todes, „mit Feuer und Schwert“ ver­breitet, ver­knüpft mit Plün­de­rungen, Brand­schat­zungen und Ver­ge­wal­ti­gungen sowie mit deren Aus­dünnung durch Mas­saker und Ver­sklavung. Aus Mehr­heiten wurden so all­mählich Min­der­heiten im eigenen Land.
Bei der Isla­mi­sierung ging es dabei kei­neswegs primär darum, durch kol­lektive Zwangs­kon­version die Men­schen zum Islam zu bekehren, sondern ihnen koran-konform die Ordnung und das Gesetz Allahs auf­zu­zwingen und das isla­mische Ter­ri­torium zu ver­größern. Es ging also immer auch um wirt­schaft­liche, poli­tische und gesell­schaft­liche Ziele.

Gele­gentlich gab es gewiss auch fried­liche Bekeh­rungs­be­mü­hungen durch Bekanntgabe der isla­mi­schen Glau­bens­in­halte und Lebens­regeln, ebenso auch über die Methoden der Pro­pa­ganda und Bestechung. Nicht selten wurden Kon­ver­sionen zum Islam aus Angst und Unsi­cherheit voll­zogen, aber auch, um Vor­teile zu gewinnen. Es gab soge­nannte Ver­trags­kon­ver­sionen, die sich von den Über­zeu­gungs­kon­ver­sionen unterschieden.
Bemer­kenswert ist in diesem Kontext: Bereits die Ent­ste­hungs­ge­schichte des Islam ist bezeich­nen­der­weise geprägt von Gewalt, die des Chris­tentums dagegen in den ersten Jahr­hun­derten von Verfolgung.

Die gegen­sätz­lichen uni­ver­salen Ziel­set­zungen („Tota­li­täts­an­spruch“) der beiden Religionsstifter/Religionen können wie folgt umschrieben werden. Nach isla­mi­scher Lehre besteht für die mus­li­mische Welt­ge­mein­schaft die Pflicht, die „Ungläu­bigen“ frei­willig oder gezwungen zum Islam zu bekehren, ggf. gegen sie Krieg (Dschihad) zu führen, bis sie sich bekehrt, min­destens aber sich gesell­schaftlich und poli­tisch der isla­mi­schen Herr­schafts­ordnung unter­worfen haben. Ter­ri­to­riale Welt­eroberung in der Unter­werfung (= „Islam“) unter die isla­mische Herr­schafts­ordnung ist ori­ginäre mus­li­mische Ziel­vor­stellung (vgl. These I).

Der Mis­si­ons­auftrag Jesu dagegen lautet, allen Völkern (in Freiheit) das Reich Gottes, das Reich der Gerech­tigkeit, des Friedens und der Liebe zu ver­künden, sie auf­zu­rufen, sich zu bekehren und sich taufen zu lassen. Seine Reich-Gottes-Bot­schaft ist also kei­neswegs aus­ge­richtet auf ter­ri­to­riale Vor­stel­lungen und auf den Aufbau eines poli­ti­schen Ord­nungs­systems. In seiner Voll­endung ist das Got­tes­reich transzendent.

These VI: Zwi­schen der Gewalt im Islam und der Gewalt im Chris­tentum gibt es fun­da­mentale Unterschiede.

Auch im Namen des Chris­tentums wurden in der Geschichte nicht zu ent­schul­di­gende Gräu­el­taten verübt, Angriffs­kriege geführt: Es gab Gewalt von Christen gegen Christen, Christen gegen Anders­gläubige. Was sie taten, taten sie jedoch nicht wegen, sondern immer trotz ihres Glaubens, gegen ihren Glauben und gegen die Lehre Jesu, so auch im schärfsten Wider­spruch zu seiner Lebens­praxis. Auch wenn sie ihr Tun von der Bibel her legi­ti­miert und mit dem christ­lichen Glauben für ver­einbar hielten, war es immer ein chris­ten­wid­riges Unrechtstun.

Dagegen haben Muslime unge­rechte Gewalt aus­geübt, Dschihads, Angriffs­kriege geführt in Über­ein­stimmung mit ihrem Glauben und der kora­ni­schen Lehre, auch in Über­ein­stimmung mit dem Lebens­bei­spiel Mohammeds, dem unüber­holten Vorbild der Muslime. Dabei ist auch daran zu erinnern: Chris­tia­ni­sierung mit Gewalt war die bibel­widrige Aus­nahme, Isla­mi­sierung mit Gewalt­aus­übung war – und ist, wenn heute möglich − dagegen die koran­kon­forme Regel.

These VII: Zwi­schen den alt­tes­ta­ment­lichen und den isla­mi­schen Aus­sagen zu Gewalt- und Krieg sind ent­schei­dende Unter­schiede zu konstatieren.

Die alt­tes­ta­ment­lichen Kriege waren keine Kriege zur Glau­bens­ver­breitung. Sie waren räumlich und zeitlich begrenzt. Die bibli­schen Berichte über Gewalt und Krieg haben lediglich beschrei­benden Cha­rakter. Sie sind nicht dau­erhaft vor­ge­schrieben und daher ohne nor­mative Bedeutung für die nach­fol­genden Genera­tionen. Sie sind nur noch Geschichte. Dagegen waren/sind die isla­mi­schen Expan­si­ons­kriege, Dschihads, immer auch Glau­bens­kriege, vom Koran legi­ti­miert, sogar befohlen mit norm­bil­denden, zeitlos gül­tigen Handlungsanweisungen.

Beim Ver­gleich zwi­schen Altem Tes­tament und Koran sind in der Gewalt­frage exakt gegen­läufige ethische Ent­wick­lungen zu kon­sta­tieren. Im Alten Tes­tament: Der Weg der Pazi­fi­zierung, nämlich von der Blut­rache hin zur jesa­ja­ni­schen Friedens-Vision vom „gewalt­freien Modell- und Mus­tervolk“. Im Koran: Der Weg vom zunächst fried­lichen „Mekka-Islam“ zum „Medina-Islam“, also zum (ver­bindlich gewor­denen) dschi­ha­di­sierten Islam.

Für Christen bildet das Alte und das Neue Tes­tament zwar eine Einheit. Die im Alten Tes­tament jedoch geschil­derten Aus­sagen, Ver­haltens- und Denk­weisen, die der Lehre Jesu wider­sprechen, haben im Chris­tentum keine Gültigkeit.

These VIII: Das Zitat „Wer einen Men­schen tötet, tötet die ganze Welt“ ist als Beleg für die Fried­fer­tigkeit des Islam nichts als ein „Pro­pa­gan­da­märchen“ (Tilman Nagel).

Ein Problem in der Dis­kussion mit Mus­limen ist deren Behauptung, bestimmte Verse des Koran seien von Islam­kri­tikern falsch über­setzt, aus dem Zusam­menhang gerissen oder einfach falsch ver­standen. Besonders pro­ble­ma­tisch ist zudem die Taktik des Aus­blendens etwa einer Koransure wie im hier vor­lie­genden Fall, ebenso das Ver­schweigen und Leugnen von Fakten der isla­mi­schen Lehre, obschon sie von jedem Lese­kun­digen etwa im Koran nach­lesbar ist. Dabei ist ein bewusstes Ver­schweigen oder Aus­blenden immer auch ein bewusstes Täu­schen. Diese irre­füh­rende Methode des Aus­blendens und Ver­schweigens wird von Mus­limen etwa dann ein­ge­setzt, wenn Koran-Aus­sagen inop­portun, d. h. dem jewei­ligen Anliegen abträglich sind.

Zum Problem dieses Ver­schweigens und Aus­blendens sei hier exem­pla­risch das durchaus wohl­klin­gende, anspre­chende Zitat im Blick, das auch einen hohen mora­li­schen Anspruch signa­li­siert: „Wer einen Men­schen tötet, tötet die ganze Welt“. Dieser Apho­rismus wird als Koranvers 5,32 aus­ge­geben, ohne zugleich auch den Kontext zu erwähnen. Koranvers 5,33 wird einfach igno­riert, aus­ge­blendet. Mit diesem Zitat wollen Muslime ins­be­sondere bei Dis­kus­sionen über Fragen von isla­mi­scher Gewalt und isla­mi­schem Dschihad mit stolz geschwellter Brust die Fried­fer­tigkeit des Koran bzw. des Islam beweisen und behaupten dann ent­gegen jeg­licher (geschicht­lichen) Fak­tenlage: „Seht her, da steht´s: Der Islam ist fried­liebend. Im Islam gilt generell das absolute Tötungsverbot“.

Zu den Koran­versen 5,32 und 5,33 hier fünf Bemerkungen

  1. Im Koranvers 5,32 wird Bezug genommen auf die im alt­tes­ta­ment­lichen Buch Genesis 4,8 berichtete Ermordung Abels durch seinen Bruder Kain. Darin ist ein­deutig die Rede von einer Vor­schrift, die konkret und gezielt an die Juden und kei­neswegs an die Muslime und ebenso wenig an die gesamte Menschheit gerichtet ist. Der Vers stellt also kei­nerlei Anfor­de­rungen an die Muslime. Ihnen wird somit auch kein Tötungs­verbot auf­erlegt. Ebenso erhebt der Vers keinen Anspruch auf uni­versale Gül­tigkeit und Akzeptanz.
  2. Koranvers 5,32 ist überdies kein kora­ni­scher Ori­gi­nal­ge­danke. Bereits in der jüdi­schen Lehr­tra­dition (Mischna) aus dem 2. Jahr­hundert nach Chr. heißt es: „Denn jeder, der eine Seele Israels tötet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt getötet hat. Und jeder, der das Leben einer Seele Israels rettet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt gerettet hat.“ Es sind Worte von Juden, an Juden gerichtet.
  3. Der anschlie­ßende Koranvers 5,33 wird beim Versuch, die Gewalt­lo­sigkeit des Islam mit 5,32 zu beweisen, argu­men­ta­ti­ons­tak­tisch einfach weg­ge­lassen bzw. ver­schwiegen bzw. geleugnet. Denn darin geht es nach­weislich kei­neswegs um froh­stim­mende Aus­deu­tungen des Vor­gän­ger­verses, sondern um Andro­hungen „gewal­tiger Strafen“ sowohl im Dies­seits als auch im Jen­seits. Konkret wird bei Schmähung des Pro­pheten und bei Abfall vom Glauben zum religiös begrün­deten Töten auf­ge­rufen. Dabei wird zu Gewalt­hand­lungen grau­samster Art auf­ge­rufen (Ver­stümmeln von Hand, Abschlagen eines Fußes, Kreu­zigung, oder auch „nur“ Lan­des­verweis). Zusätzlich werden ewige Höl­len­strafen angedroht.
  4. Koranvers 5,33 spricht somit unmiss­ver­ständlich davon, dass Muslime zur religiös legi­ti­mierten Gewalt­an­wendung nicht nur befugt, sondern unter bestimmten Umständen sogar dazu auf­ge­rufen sind. Der Satz „Wer einen Men­schen tötet, tötet die ganze Welt“, den Muslime mit dem Koranvers 5,32 ver­binden, ist als Argu­men­ta­ti­ons­hilfe zum Beweis der Gewalt­lo­sigkeit des Islam somit völlig unbrauchbar. Er hat kei­nerlei ver­pflich­tende Bedeutung für Muslime.
  5. Nur das unver­kürzte Zitieren der beiden formal und inhaltlich eng mit­ein­ander ver­bun­denen Koran­verse 5,32 und 5,33 führt zum eigent­lichen Sinn der Koran­aussage, einer aller­dings unter keinen Umständen gewalt­freien, fried­lichen Botschaft.

These IX. Die Kreuzzüge waren eine not-weh­rende, auch eine not-wen­dende und zugleich eine not-volle Reaktion auf die jahr­hun­der­telang vor­aus­ge­gan­genen isla­mi­schen Aggres­sionen und Eroberungen.

Die Geschichte der Kreuzzüge ist aufs Engste ver­bunden mit der Geschichte des Islam. Sie zählt gewiss zu den besonders bri­santen und emo­tio­nalen Themen der Welt­ge­schichte. Die (west­lichen) Biblio­theken sind gefüllt mit Lite­ratur zu den auf den Zeitraum von etwa 200 Jahren begrenzten Kreuz­zügen. Dem­ge­genüber blieb und bleibt der seit 1400 Jahren unun­ter­brochen statt­fin­dende isla­mische Dschihad kaum beachtet, erforscht und analysiert.

Muslime demons­trieren in London 2015 © Screenshot youtube

So wird in der Fülle der Dar­stel­lungen zur Kreuz­zugs­ge­schichte weithin die nahezu fünf Jahr­hun­derte andau­ernde gewaltsame isla­mische Expansions‑, Erobe­rungs-Unter­wer­fungs‑, Ver­skla­vungs- und Drang­sa­lie­rungs­ge­schichte, die mit Mohammed begann und den Kreuz­zügen vor­ausging, meist einfach igno­riert und aus­ge­blendet. Die ent­schei­dende Frage wird gar nicht gestellt:

„Was war denn die eigent­liche Ursache der Kreuzzüge? Warum waren sie über­haupt not­wendig geworden?“

Zugleich wird den Christen geschichts­fäl­schend unter­schoben, sie hatten gleichsam „aus hei­terem Himmel“ die Muslime unge­recht­fertigt ange­griffen. Ebenso wird sug­ge­riert, die mus­li­mi­schen Heere seien in unbe­wohnte Regionen vor­ge­drungen. Vehement wird gleich­zeitig das Unrecht der Kreuzzüge her­vor­ge­hoben und betont. Weithin wird vor allem auch geflis­sentlich über­sehen, dass Juden und Christen jahr­hun­der­telang vor den Mus­limen auch im Hei­ligen Land hei­misch waren. Ten­den­ziell ist allzu häufig die Ziel­setzung zu beob­achten: Die Christen werden dis­kre­di­tiert, die Muslime absol­viert. Geschä­digte werden zu Ange­klagten, Scha­dens­ver­ur­sacher zu Anklägern.

Immer noch weit ver­breitet sind ver­schiedene Kreuzzugs-Kli­schees der Auf­klärung mit den Aussagen:

  1. Die Anhänger Mohammeds waren tolerant und kul­ti­viert, die christ­lichen Kreuz­fahrer waren dagegen bar­ba­risch und grausam.
  2. Die fried­lichen Muslime wurden von euro­päi­schen Impe­ria­listen und Kolo­nisten grundlos überfallen.
  3. Saladin war ein tole­ranter, groß­zü­giger Herr­scher, die Kreuz­ritter dagegen waren Schurken. Zu allen drei Aus­sagen gibt es his­to­risch gut begründete Gegenargumente.

Undif­fe­ren­ziert und ohne die o.g. Vor­ge­schichte zu bedenken, halten auch viele Christen die Kreuzzüge für ein absolut pein­liches Kapitel ihrer eigenen Geschichte. Selbst Ver­treter der katho­li­schen Kirche, die bei dieser The­matik im Focus der Angriffe steht, werden allein schon mit dem Stichwort „Kreuzzüge“ schnell außer Gefecht gesetzt. Peinlich berührt und „schuld­be­wusst“ über­gehen sie allzu gern dieses leid­volle Thema der Kirchengeschichte.

In Leser­briefen, Dis­kus­si­ons­runden und in Kom­men­taren zur Islam-The­matik wird ständig auf die „Kreuzzüge“ ver­wiesen: „Denk doch nur mal an die Kreuzzüge“. Fast aus­nahmslos werden dabei jedoch der his­to­rische Kontext und die eigent­liche Ursache der Kreuz­zugs­ge­schichte aus­ge­blendet. Bei manchen Zeit­ge­nossen geht dabei die völlige Unkenntnis der Kreuz­zugs­ge­schichte und ihrer Vor­ge­schichte einher mit einem hef­tigen Pole­mi­sieren gegen das Objekt ihres Nichtwissens.

Der Begriff „Kreuzzug“ selbst ist vielfach zu einem isla­mi­schen, anti­kirch­lichen und spe­ziell anti­ka­tho­li­schen, aber auch anti­eu­ro­päi­schen und anti­west­lichen Kampf­be­griff geworden. Ent­spre­chend ver­wenden nicht nur isla­mische Ter­ro­risten, sondern auch isla­mische Poli­tiker und Staats­männer bei ihren Beschul­di­gungen und bei ihren Angriffen auf die west­liche Welt ständig die Begriffe „Kreuz­zügler“, „Kreuz­züg­ler­staaten“, „Kreuz­züg­ler­na­tionen“ u. ä. So zählen gerade auch die Kreuzzüge zusammen mit der christ­lichen Mis­si­ons­arbeit und der west­lichen Ori­en­ta­listik zu den drei Feind­bildern in der isla­mi­schen Welt. Nur wenige Aspekte der dif­fe­ren­zierten Geschichte der Kreuz­zugs­be­wegung können hier in einer z. T. stich­wort­ar­tigen Dar­stellung beleuchtet werden.

  1. Von Anfang ihrer Geschichte an haben mus­li­mische Macht­haber groß­räumig und in unvor­stell­barer Geschwin­digkeit Länder und Regionen in Nord­afrika, in Asien und Europa über den Land- und Seeweg mit Kriegen über­zogen. Grund­motiv aller krie­ge­ri­schen Unter­neh­mungen war dabei poli­ti­scher und wirt­schaft­licher Macht­zu­wachs – und damit immer aufs Engste ver­bunden die Aus­breitung des isla­mi­schen Glaubens und der isla­mi­schen Herr­schafts­ordnung, die frei­willig oder gezwungen (auch mit einer Kopf­steuer) anzu­nehmen war.
  2. Die ursprüng­lichen, wich­tigsten Motive der Kreuz­zugs­be­wegung waren: Schutz der in ihrer Existenz bedrohten ori­en­ta­li­schen Christen. − Die Soli­da­rität der abend­län­di­schen Chris­tenheit mit dem vom Islam bedrängten byzan­ti­ni­schen Kai­ser­reich und den ori­en­ta­li­schen Kirchen, die durch zwei Kaiser im 11. Jahr­hundert die west­liche Kirche um Bei­stand baten. – Der Schutz der christ­lichen Stätten im Hei­ligen Land vor Schän­dungen und wei­teren Zer­stö­rungen. − Das Absi­chern und Offen­halten der Pil­gerwege aus Europa ins Heilige Land hin­sichtlich der Über­fälle und Raubzüge der Muslime auf fried­liche Pil­ger­gruppen. – Die Selbst­ver­tei­digung der Christen zum Schutz ihrer Freiheit, Kultur und Iden­tität gegenüber den aggres­siven Erobe­rungs­feld­zügen isla­mi­scher Völker seit dem 7. Jahr­hundert und den seither andau­ernden Repressionen.
  3. Dem Aufruf von Papst Urban II. zum Ersten Kreuzzug ist kein Mis­sions- und Bekeh­rungs­ge­danke hin­sichtlich der Muslime zu ent­nehmen. (Die Urintention der Kreuz­zugs­be­wegung war jeden­falls kei­neswegs ein „Re-Chris­tia­ni­sie­rungs­projekt“ wie Bassam Tibi behauptet). − Das Faktum, dass an den Kreuz­zügen Frauen, Kinder, Mönche und alte Men­schen teil­nahmen, weist darauf hin, dass es bei den Kreuz­zügen nicht um die kirch­liche Insti­tution eines „Hei­ligen Krieges“ ging. − Die Epi­soden grau­samer und will­kür­licher Gewalt durch Kreuz­fahrer waren weder Anlass noch Antrieb für das Phä­nomen der Kreuzzugsbewegung.
  4. Den sechs bzw. sieben Kreuz­zügen (1095–1291) stehen seit dem 7. Jh. bis auf den heu­tigen Tag unzählige, unauf­hör­liche und welt­weite Dschihads gegenüber. Die Kreuzzüge blieben zeitlich und geo­gra­fisch ver­gleichs­weise eng begrenzt. Die isla­mi­schen Erobe­rungs­kriege dagegen waren und sind nach isla­mi­schem Selbst­ver­ständnis zeitlich und räumlich unbegrenzt.
  5. Den Kreuz­zügen, die sich durch Ver­sagen und Schuld von Kreuz­fahrern zu einer schweren Hypothek für die katho­lische Kirche ent­wi­ckelten, ging eine jahr­hun­der­te­lange isla­mische Erobe­rungs­ge­schichte voraus. So war die Kreuz­zugs­be­wegung eine not-weh­rende, aber auch eine not-wendige und zugleich eine not-volle Reaktion auf die vor­aus­ge­gan­genen isla­mi­schen Aggressionen.
  6. Muslime erheben immer wieder den Vorwurf: Sie sind seit den Kreuz­zügen trau­ma­ti­siert und hassen des­wegen die Christen. Ob dies wirklich so ist, kann mit guten Gründen bezweifelt und auch widerlegt werden. Wie aber steht es mit der Trau­ma­ti­sierung der Juden und Christen, Bud­dhisten und Hindus usw. durch die Erobe­rungs­kriege der Muslime, die der Kreuz­zugs­be­wegung in Afrika und in Asien, im Vor­deren Orient und in Süd­europa jahr­hun­der­telang mit ungleich höheren Opfer­zahlen vor­aus­gingen? Wie steht es mit der Trau­ma­ti­sierung vieler Völker durch die gewalt­ge­prägten isla­mi­schen Expan­sionen und Inva­sionen, die ihnen nach der Zeit der Kreuzzüge noch jahr­hun­der­telang folgte? In heu­tiger Zeit setzen die welt­weiten Ver­fol­gungen ins­be­sondere von Christen, aber auch von anderen Nicht­mus­limen in mus­li­misch domi­nierten Ländern diese leid­vollen Trau­ma­ti­sie­rungs­pro­zesse fort.
  7. Über das Ver­sagen und die Schuld der Katho­li­schen Kirche im Laufe ihrer 2000-jäh­rigen Geschichte liegen ein­drucks­volle Schuld­be­kennt­nisse vor. Die Geschichte der Kreuzzüge ist darin aller­dings – ent­gegen anders­lau­tender Ver­öf­fent­li­chungen − mit Recht nicht ein­be­zogen. Auf mus­li­mische Schuld­be­kennt­nisse für Schuld und Ver­sagen in der 1400-jäh­rigen Geschichte des Islam wird man wohl ver­geblich warten müssen. Ten­den­ziell und weit ver­breitet wird die Schuld an den Kreuz­zügen allein der abend­län­di­schen Kirche angelastet.
  8. Ein Nonsens-Satz bringt die geschichts­fäl­schenden Aus­sagen zu den Kreuz­zügen auf den Punkt: „Spanien wurde 711 deshalb von Moslems erobert, weil Papst Urban II. im Jahr 1095 zum Kreuzzug aufrief.“

These X: Die Begrenzung der Gewalt­vor­würfe ins­be­sondere auf die großen mono­the­is­ti­schen Reli­gionen ent­spricht nicht der (zeit-)geschichtlichen Faktenlage.

Religion und Gewalt in unter­schied­licher Gestalt sind Phä­nomene der Mensch­heits­ge­schichte. Athe­ismus als gesell­schaft­liches System ist jedoch eine Form der Neuzeit. Folglich haben die Aus­ein­an­der­set­zungen und Kriege in der Geschichte zumindest indirekt immer mit Religion zu tun. Ent­gegen land­läu­figer Meinung sind dabei auch − zeit­ak­tuell nach­weisbar − die beiden poly­the­is­ti­schen Reli­gionen Hin­du­ismus und Bud­dhismus kei­neswegs ausgenommen.

Auch die antike poly­the­is­tische Welt mit ihrem Himmel voller Götter war bereits eine Welt voller Gewalt und Krieg.

Und der Athe­ismus? Die immensen Opfer­zahlen des athe­is­tische Kom­mu­nismus in seinen unter­schied­lichen Formen mit etwa 100 Mil­lionen Toten und des anti­christ­lichen Natio­nal­so­zia­lismus mit etwa 25 Mil­lionen Toten allein im ver­gan­genen Jahr­hundert liegen vor. 

Nicht zu ver­gessen ist die Fran­zö­sische Revo­lution mit zwi­schen 200 000 − 300 000 Toten. In den Dis­kus­sionen über Gewalt und Krieg unter den Men­schen wird dieses bedrü­ckende Faktum athe­is­ti­scher Gewalt­aus­übung meist voll­kommen aus­ge­blendet. Lediglich die (ins­be­sondere mono­the­is­ti­schen) Reli­gionen werden dabei ins Visier genommen.

Richtig ist dagegen: Reli­gionen und athe­is­tische Welt­an­schau­ungen können Ursache von Unrecht, Gewalt und Krieg sein. Zwei­felsfrei ist so auch dem Chris­tentum in seiner zwei­tau­send­jäh­rigen Geschichte schreck­liche Gewalt anzu­lasten: Christen gegen Christen, Christen gegen Anders­gläubige. Sie han­delten jedoch im ein­deu­tigen Wider­spruch zur Lebens­praxis von Jesus Christus und damit zur Lehre des Neuen Tes­ta­ments (vgl. These VI). Kann diese ent­schei­dende Fest­stellung auch über­tragen werden auf die „Urkun­den­bücher“ aller anderen Welt­re­li­gionen und athe­is­ti­schen Welt­an­schau­ungen sowie auf deren Stifter/Vordenker/Initiatoren?

These XI. Die Gewalt­frage im Islam müssen die isla­mi­schen Auto­ri­täten selbst lösen etwa in der Neu­be­lebung eines fried­lichen „Mekka-Islam“.

In den zahl­reichen Gewalt­aus­sagen im Koran und in der isla­mi­schen Lehre liegt ein bedrü­ckendes Bedro­hungs­po­tenzial, das sich auch bei uns – trotz aller Beteuerung
der Fried­fer­tigkeit des Islam – zu einem immer stär­keren Gefah­ren­po­tenzial ent­wi­ckeln kann. Dem­ge­genüber sind auch die fried­lichen Suren aus der Mekka-Periode völlig irrelevant. Sie gelten als „abro­giert“, als auf­ge­hoben, nicht mehr gültig.
So müsste eine der wich­tigsten For­de­rungen an die mus­li­mi­schen Ver­ant­wor­tungs­träger weltweit gehen, endlich zu einer ein­deu­tigen theo­lo­gi­schen und poli­ti­schen Neu­po­si­tio­nierung zu kommen: 1. Für eine radikale Ent­po­li­ti­sierung des Islam, 2. für die his­to­ri­sie­rende Inter­pre­tation des Koran und der isla­mi­schen Quellen und damit gegen eine wort­wört­liche, radikale Aus­legung. Dabei müssten die isla­mi­schen Theo­logen und sons­tigen Auto­ri­täten auch 3. zu ein­heit­lichen Kri­terien für die Koran-und Isla­min­ter­pre­ta­tionen kommen. Doch kann sich der Islam wirklich refor­mieren, erneuern, wie sich etwa das Chris­tentum im Laufe seiner Geschichte immer wieder erneuert hat?

Refor­mation des Islam würde bedeuten: Zurück­führung auf seine als ideal ange­sehene Ursprungs­ge­stalt. Aber ein Zurück auf den Koran bzw. auf das Leben Mohammeds heißt immer: Gewaltsame Ver­folgung der „Ungläu­bigen“, gewaltsame Aus­breitung des Glaubens, Kampf gegen Juden, Christen und gegen alle „Ungläu­bigen“.

Des­wegen dürfte es nur einen Weg geben: den Weg einer NEU­WERDUNG, einer NEU­BE­STIMMUNG in Richtung eines fried­lichen „Mekka-Islam“ unter aus­drück­licher Über­windung und Ablehnung des dschi­ha­dis­ti­schen „Medina-Islam“.
In diesem „Mekka-Islam“ dürften die kämp­fe­ri­schen, zu Gewalt auf­ru­fenden medi­nen­si­schen Koran­suren keine Bedeutung im Sinne von heute und zu jeder Zeit gel­tenden Hand­lungs­an­wei­sungen mehr haben, sondern nur noch die ver­söhnlich-fried­fer­tigen Koran­texte aus der Mekka-Phase des Islam, die der Medina-Phase vor­ausging. Zumindest Ansatz­punkte dazu finden sich bereits in der isla­mi­schen Geistesgeschichte.

Am Ende dieses gewiss sehr schwie­rigen Ent­wick­lungs­pro­zesses könnten/müssten die isla­mi­schen Auto­ri­täten inhaltlich der gesamten isla­mi­schen Welt etwa fol­gende Erklärung ver­melden: Alle inkri­mi­nie­renden Koran­suren, die gegen Nicht­muslime, aber auch im Ver­hältnis von Mann und Frau Formen von unge­rechter Gewalt­aus­übung, von Ungleichheit und Unfreiheit fordern oder gestatten, sind aus­schließlich unter his­to­ri­schen Bedin­gungen und Umständen zu betrachten. Sie werden als zeit­be­dingt und als geschichtlich überholt erklärt. Sie haben heute und in Zukunft kei­nerlei Bedeutung mehr, weder in unserem Land noch in irgend­einem anderen Land der Welt.

Kopf­schüt­telnd werden wohl manche Lesende nach der Lektüre gerade dieser letzten These resi­gnierend sagen: Ange­sichts der spe­zi­fi­schen theo­lo­gi­schen und gesell­schafts­po­li­ti­schen Ver­fasstheit des Islam, ange­sichts der Zer­strit­tenheit innerhalb der isla­mi­schen Kon­fes­sionen mit der Vielzahl ihrer reli­giösen Schulen, Rich­tungen und Bewe­gungen sind Über­le­gungen zu einer wirk­samen Reform der Religion Mohammeds unnütze Zeit­ver­schwendung, illu­sionäre Träu­merei, ver­geb­liche Liebesmüh.

Ja. Die Anzeichen stehen leider eher schlecht. Die dif­fe­ren­zierten Kon­stel­la­tionen im welt­weiten Islam dürften für die drin­gendst not­wen­digen Reform­vor­haben dieser Art wohl keine theo­lo­gi­schen und ethi­schen Frei­räume eröffnen. Eigentlich hilft da nur noch ein Wunder!

 

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