Politik

Kampagne „Farben bekennen“ – Was Sawsan Chebli und ausgesuchte Flüchtlinge als typisch deutsch empfinden

15. November 2017

Achtung! Dieser Beitrag kann Spuren von Satire enthalten! 😉

Frau Sawsan Chebli scheint sich erholt zu haben. Sie hatte bedauerlicherweise einen Schock erlitten, als sie auf einer Versammlung der deutsch-indischen Gesellschaft sprechen sollte.

 

Wir freuen uns, dass Frau Chebli das traumatische Erlebnis doch überwinden konnte, und es spricht für ihre große, innere Stärke, dass sie trotz eines solchen Schicksalsschlages die Kraft gefunden hat, sich sogar wieder für eine neue, vorbildliche Aufgabe einzusetzen. Vielleicht konnte sie sogar die menschliche Größe aufbringen, die Entschuldigung des Diplomaten und Botschafters, Hans Joachim Kiderlen, anzunehmen.

Unter der Kampagne „Farben bekennen“ lässt der Berliner Senat Flüchtlinge auf einer Serie von Plakaten Statements abgeben, was sie als „typisch deutsch“ empfinden. Ausgesucht wurden acht gutaussehende, sehr sympathische Leute. Sie alle entsprechen dem Bild, was wir uns hier anfangs hoffnungsfroh von unseren Schutz suchenden Gästen gemacht haben. Sie haben sich eingebracht, Aufgaben übernommen und als liebenswerte Mitbürger ihre Platz gesucht.

 

Frau Fatuma Musa Afrah aus Somalien findet es zum Beispiel „typisch deutsch“ und strahlt uns dabei an, „dass Frauen für ihre Rechte kämpfen“. Wohl gesprochen, Frau Afrah! Hier könnten Sie viel Gutes tun. Frauen in Deutschland kämpfen nämlich seit Neuestem an einer Front für ihre Rechte, ja sogar manchmal um ihr Leben, die sie in dieser Dringlichkeit und Brisanz so nicht kannten. Wir können gut verstehen, Frau Afrah, dass Sie in Deutschland die noch relative Sicherheit zu schätzen wissen. Vielleicht sollten Sie aber sicherheitshalber doch einen Selbstverteidigungskurs besuchen. Wie Sie ja von Frau Chebli wissen, ist man als Frau ständig vom Sexismus umgeben.

Sinan Mohammed findet es beispielsweise typisch deutsch, sich an Regeln zu halten. Wie er das wohl meint? Das wird uns ja eigentlich immer eher vorwurfsvoll als „typisch deutsch“ angehängt. Und einige, ganz wenige, seiner Schicksalsgenossen scheinen auch recht wenig von deutschen Regeln zu halten.

Herr Firas Alshater aus Syrien freut sich sehr, dass er hier „in Freiheit leben, seine Meinung ohne Angst äußern kann“. Das freut uns sehr für ihn, und ganz ehrlich, das würden wir auch gern können. Herr Alshater saß bedauerlicherweise in Syrien monatelang im Gefängnis. Ob er weiß, dass ihm das hier auch ganz schnell passieren kann, wenn die GEZ nicht bezahlt, oder irgendwelche Hasspostings veröffentlicht? Aber nein, er ist ja kein „typisch deutscher“ Angehöriger der Köterrasse.

Aber, freuen wir uns über sympathische Neuankömmlinge, die etwas zur besseren Verständigung zwischen allen Menschen in Berlin beitragen wollen, und sich mit dieser Kampagne zu Deutschland bekennen wollen, „indem sie sagen, was sie an unserem Land schätzen, was für sie „typisch deutsch“ ist, schreibt die Kampagnenseite. „Ziel der Kampagne war es“, so Staatssekretärin Sawsan Chebli, „einen Perspektivwechsel herbeizuführen und zu zeigen, dass Geflüchtete eine echte Bereicherung für uns sind.“

Nun, wir freuen uns über acht solch freundliche Menschen, die uns Deutsche offenbar mögen. Aber wir möchten hier dringend vor Verallgemeinerung warnen. Das Verhalten weniger Flüchtlinge darf und kann nicht als pauschale Beurteilung all der vielen, vielen Menschen, die zu uns gekommen sind herhalten. Solch populistisches Über-einen-Kamm scheren ist inakzeptabel und rassistisch.

Ist das Zufall, dass die Plakate, irgendwie sinnträchtig in Schwarzweiß gehalten, groß mit „TYPISCH DEUTSCH“ betitelt, die Verallgemeinerungsfloskel schlechthin ist? Und was wäre denn eigentlich der Umkehrschluss aus den genannten Eigenschaften? Frau Fatuma Musa Afrah aus Somalien findet es toll, dass es in Deutschland Frauenrechte gibt, die die Frauen hier erkämpft haben. Gut. Wie sieht es denn damit in Somalia aus? Ist es da nicht so? Terre des Femmes und Amnesty International sind nicht gerade als rassistische, rechtspopulistische Organisationen bekannt. Das Bild, das sie von Somalia zeichnen, ist nicht ermutigend für Frauenrechte, da kann man Frau Afrah gut verstehen. Nur: Was bedeutet es dann für die Frauen, wenn eine große Zahl solcher somalischer Männer, vor denen Frau Afrah geflohen ist, nach Deutschland kommt?


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