Holocaust-Mahnmal in Berlin
Politik

Wenn aus pubertierendem Übermut Antisemitismus wird: Schülerin für Kampf gegen Holocaust-Witz geehrt

9. November 2017

Die 15-jährige Schülerin Emilia S. wurde am Dienstag mit dem Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus geehrt. Sie hatte einen Mitschüler angezeigt, der Witze über den Holocaust machte.

(Von Emilia David)

In der Schulklasse der 15-jährigen Emilia S. aus Dresden wurden plötzlich immer mehr Scherze mit nationalsozialistischem Hintergrund gemacht. Der Handy-Akku wurde zu 88 Prozent aufgeladen. Wenn jemand niesen musste, riefen die Mitschüler „Heilung!“

„Ganz schnell war man lustig, wenn man seinen Mitschülern den Hitlergruß zeigte oder ‚Heil Hitler!’ sagte“, zitiert die Berliner Morgenpost die Schülerin. Zudem hätten ihre pubertierenden Mitschüler plötzlich das Wort „Jude“ als Schimpfwort verwendet.

Emilia S. zeigt Mitschüler wegen Holocaust-Scherzen an

Schließlich zeigte Emilia einen Mitschüler wegen Volksverhetzung an. Dafür erhielt sie den Preis für Zivilcourage gegen Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Rassismus des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Anfangs habe sie nichts getan, weil sie Angst hatte, alleine dazustehen, sagt die 15-Jährige. Doch dann tauchten im Handychat der Klasse antisemitische Bilder als Scherze auf. Das Schrecklichste sei ein Foto einer Rauchwolke mit der Bildunterschrift „jüdisches Familienfoto“ gewesen.

„Da wehrte ich mich und schrieb, sie sollen mit dem Nazigetue aufhören“, sagt Emilia. Doch ihre Klassenkameraden lachten sie aus. Der Mitschüler mit dem „jüdischen Familienfoto“ sagte ihr, sie möge nach Polen auswandern und habe wohl „zu viele tote Juden eingeatmet“.

Emilia zeigte den Mitschüler wegen Volksverhetzung an. Mit ihrer aufrechten Haltung habe die 15-Jährige in besonderem Maße Zivilcourage gezeigt, begründete der Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ die Würdigung der Schülerin.

Der Verein war seinerzeit treibende Kraft hinter der Errichtung des Holocaust-Mahnmals im Zentrum Berlins. Zusammen mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin vergibt er den Preis bereits zum achten Mal. Zu den früheren Preisträgern gehören

  • eine Pegida-Gegnerin aus Freital,
  • das Twitter-Projekt „Straßengezwitscher“ gegen Fremdenfeindlichkeit aus Dresden sowie
  • Bürgerinitiativen aus Berlin und Niedersachsen.

Mit der Auszeichnung erhält Emilia S. ein Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro. Davon wollte die Schülerin noch am selben Abend 500 Euro einem 14-jährigen Juden aus Berlin spenden. Sein Fall hatte im Frühjahr dieses Jahres für Aufsehen gesorgt.

Klassenkameraden hatten den Jugendlichen an seiner Schule in Berlin-Friedenau gemobbt, bedroht und angegriffen, weil er Jude ist. Seine Familie wird das Preisgeld wiederum an eine neue Beratungsstelle für Betroffene antisemitischer Gewalt weiterspenden.

Emilia David / BerlinJournal.biz


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