Politik

Nach Syrien jetzt der Iran? – Wieder ein „Regime-Change“ mit Sponsoren? (Videos)

In Syrien kehrt langsam Frieden ein. Die meisten IS-Söldner sind tot oder inhaftiert, bis auf wenige versprengte Widerstandsnester ist Syrien befreit. Die Syrer krempeln die Ärmel hoch und beginnen mit bewundernswertem Elan den Neuaufbau. Von unseren Medien verschwiegen und behindert, zeigen Videos auf Youtube, wie Syrien die zerbombten Städte wieder aus Ruinen auferstehen.

 

Regime-Change in Syrien hat nicht funktioniert
Um es kurz auf einen Nenner zu bringen: So war das nicht geplant gewesen von der CIA und den US-Falken. In dieser Region stehen enorm wichtige Dinge auf dem Spiel. Von hier aus kontrolliert man einen sehr bedeutsamen Teil der Energieflüsse via Pipelines nach Asien und Europa hinein, und hier wird auch das Wohl und Wehe des Staates Israel entschieden. Über die besondere Beziehung zwischen Israel und den USA ist viel geschrieben worden, und muss hier nicht im Einzelnen referiert werden.

Die Situation ist jetzt die, dass die USA und Israel mit einem wiedererstarkenden Syrien zu tun haben, das nicht nur weiterhin mit großer Mehrheit hinter Präsident Assad steht, sondern auch in Zukunft sehr wahrscheinlich lieber mit der Schutzmacht Russland und dem ebenfalls im Kampf gegen den IS hilfreichen Iran zusammenarbeiten wird. Syrien ist der totalen Zerstörung durch die USA gerade noch einmal entkommen. Die Hunderten Millionen Dollar, die die USA und Israel in die Rekrutierung, Training und Ausrüstung des IS investiert haben sind – salopp formuliert – für die Katz. Diese Rolle der CIA und des Mossad ist zu Genüge belegt und dokumentiert und trägt nicht gerade zu einem Reputationsgewinn der USA und Israels bei. Überdies hat „der Westen“ noch das Problem der geflohenen IS-Terroristen, die sich in Richtung Europa bewegen. Insbesondere IS-Kämpfer britischer Staatsangehörigkeit sind eine unmittelbare Bedrohung für die brüchige öffentliche Sicherheit im United Kingdom.

Es war von Anfang an nicht davon auszugehen, dass eine Niederlage der westlichen Allianz und Israels in Syrien einfach hingenommen werden würde. Dazu steht zu viel auf dem Spiel. Insbesondere die USA wird mit allen Mitteln versuchen, sich dem Verlust ihres Einflusses auf diese Region entgegenzustemmen, um den nächsten Schritt in Richtung „Niedergang der Supermacht USA“ zu verhindern. Ohne die Schutzmacht USA würde es in Zukunft eng für Israel. Gleichzeitig bilden Russland, China und der Iran eine zunehmend mächtige Allianz, der sich die zur Zeit unberechenbare Türkei mit dem untrüglichen Instinkt des türkischen Präsidenten Erdogan für Macht anzuschließen scheint.

Was bleibt in so einer verfahrenen Lage zu tun?
Man könnte sich, rein theoretisch, von der Seite „des Westens“ dazu durchringen, sich mit offenen Karten an einen Tisch zu setzen und eine gemeinsame Linie mit allen Parteien aushandeln, mit der alle leben können und vielleicht sogar profitieren. Zum Beispiel im Rahmen des Mega-Projektes „Neue Seidenstraße“ (One Belt One Road), bei dem auch die Erdöl- und Gasflüsse konstruktiv mit einbezogen werden könnten. Das widerspricht aber sämtlichen Erfahrungen, die die Welt mit den USA (und Großbritannien) gemacht hat.

Also überrascht es den aufmerksamen Zeitgenossen wenig bis gar nicht, dass die USA und Israel das Zielfernrohr ein wenig zur Seite drehen und der Iran (wieder) im Fadenkreuz auftaucht. Nicht, dass die Begeisterung für eine radikalislamische Herrschaft die Feder führte. Nicht um Sympathie für die Scharia, Frauen in Burkas, Todesstrafe für Homosexualität und Steinigungen geht es: Hier geht es ausschließlich um die Frage, ob das nächste Land durch die USA und Israel in einen blutigen Umsturz gezerrt wird.

Ein offizieller Mordauftrag
Ein klarer Hinweis auf das, was sich in und um den Iran nun zusammenbraut, ist beispielsweise die Meldung der regierungsnahen, israelischen Zeitung „Haaretz“. Unter der Überschrift „Report: U.S. Gives Israel Green Light to Assassinate Iranian General Soleimani“ (Bericht: Die USA geben grünes Licht zur Ermordung des Iranischen Generals Soleimani) berichtet die Online-Ausgabe der Haaretz, dass der Mossad schon seit Jahren diesen General töten wollte, die USA das aber bisher verhindert haben. Jetzt aber gibt es aus Washington grünes Licht dafür.

General Qassem Soleimani, Bild: Screenshot Youtube

General Qassem Soleimani ist seit 20 Jahren Kommandeur der „Quds Force“, eine Unterorganisation der iranischen Revolutionsgarde und ein  hochintelligenter, bestens vernetzter, erfahrener, alter Haudegen. Ein Mann vom Fach. Er ist ein Spezialist für verdeckte Operationen im Ausland. Die „Times of Israel“ berichtet, er sei zuständig für die Koordination der Militäraktivitäten in Syrien und im Irak und Libanon. Würde er ausgeschaltet, wäre das ein herber Verlust für die Pläne und die Fähigkeit des Irans, seinen Einfluss in dem energiepolitisch und geopolitisch bedeutsamen Gebiet Israel, Syrien, Irak, Iran auszuüben. Gleichzeitig würde der Iran damit an Wichtigkeit und Gestaltungskompetenz in seinem lebenswichtigen Umfeld verlieren. Sein Tod wäre aber auch ein ernster Verlust für die Allianz Russland/Iran/Syrien/Türkei, was die Zerschlagung des IS, die Zurückdrängung der CIA-Aktivitäten und die Befriedung der Region betrifft. Die Israel Times schreibt hierzu:

Soleimani is a key figure in efforts to prop up Syrian President Bashar Assad and to enable him to retake cities and towns from rebel groups during his country’s ongoing civil war. He is also responsible for providing military aid to the Lebanese terror group Hezbollah and the Palestinian Hamas in Gaza — both of which are committed to the destruction of Israel“

Übersetzung: Soleimani ist eine Schlüsselfigur bei den Anstrengungen, Präsident Bashar Al Assad zu stützen und ihn in die Lage zu versetzen, Städte und Gemeinden von den Rebellengruppen in dem andauernden Bürgerkrieg zurück zu erobern. Er ist auch für die Militärische Hilfe an die libanesische Terrorgruppe „Hisbollah“ verantwortlich und der palästinensischen „Hamas“ in Gaza – die sich alle beide die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben haben.

Man muss kein Experte sein, um hier das gemeinsame Interesse der USA und Israels zu sehen und zu verstehen, warum dieser Mann ermordet werden muss.

Der nächste, unübersehbare Hinweis ist die Verurteilung des iranischen „Regimes“ durch die USA, kurz und prägnant durch die Tweets von Präsident Donald Trump:

 

Der Regime-Change im Iran wird vorbereitet
Hier bringt es die stets bestens informierte Insiderseite „ZeroHedge“ auf den Punkt:

The US State Department has issued a formal condemnation of the Iranian government following two days of economic protests centering in a handful of cities, calling the regime „a rogue state whose chief exports are violence, bloodshed, and chaos“ while announcing support for protesters.It fits a familiar script which seems to roll out when anyone protests for any reason in a country considered an enemy of the United States (whether over economic grievances or full on calling for government overthrow).

Übersetzung: Das US-Außenministerium gab eine formelle Verurteilung der iranischen Regierung heraus infolge der zwei Tage an wirtschaftlich (motivierten) Protesten in einer Handvoll an Städten, und nannte das Regime einen „Schurkenstaat, dessen vornehmliche Exporte Gewalt, Blutvergießen und Chaos“ seien. Gleichzeitig kündigte man Unterstützung der Protestierer an. Das paßt in das bekannte Skript, das sich anscheinend entfaltet, wenn irgendjemand aus irgendeinem Grund in einem Land protestiert, das als Feind der Vereinigten Staaten betrachtet wird (seien es nun wirtschaftliche Missstände oder ein vollumfänglicher Ruf nach Regierungsumsturz).

Hier die offizielle Stellungnahme:

Obwohl es bisher noch keine anderen Informationen gibt, als dass die Proteste sich gegen wirtschaftliche Missstände richten, woran die USA mit ihren harten Sanktionen keineswegs unschuldig sind, stellt es das Statement des Außenministeriums sofort als eine Revolution gegen eine Schurkenregierung dar:

Iran’s leaders have turned a wealthy country with a rich history and culture into an economically depleted rogue state, whose chief exports are violence, bloodshed, and chaos. [ … ] We urge all nations, to publicly support the Iranian people and their demands for basic rights and an end to corruption.“

Übersetzung: Die Führer des Irans haben ein wohlhabendes Land mit einer reichen Geschichte und Kultur in einen Wirtschaftlich ausgelaugten Schurkenstaat verwandelt, dessen vornehmliche Exporte Gewalt, Blutvergießen und Chaos sind. [ … ] Wir mahnen alle Nationen, das iranische Volk und und seine Forderungen nach Grundrechten und einem Ende der Korruption zu unterstützen.

Das sind die üblichen, altbekannten Textbausteine, die aus allen Ritzen der US-Insititutionen schallen, sobald das Halali auf ein „Regime“ geblasen wird, das bis gestern in der Weltpresse noch eine „rechtmäßige Regierung“ war. Auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, sonderte unverzüglich dieselben Regime-Change-Sprachmodule per Twitter ab.

Die mediale  Vorbereitung
Das kommt nicht überraschend. Schon Mitte Juni dieses Jahres erklärte der US-Außenminister Rex Tillerson im Kongress, er werde „die Elemente im Iran unterstützen, die zu einem friedlichen Regierungswechsel führen“. Und dass diese Elemente bereits da seien, „wie wir wissen“.

Mit anderen Worten: Schon bereits im Sommer arbeiteten die in Umstürzen erfahrenen Geheimdienste der USA daran, die Bevölkerung auf die Straße zu bringen und den Iran zu destabilisieren.

Mit zum Desinformations-Repertoire gehört, den Ruf des Iran zu ramponieren, indem man angebliche Beweise dafür präsentiert, dass der Schurkenstaat in spe mit der Al-Qaeda zusammengearbeitet haben soll. Am 01. November 2017 veröffentlichte die CIA schon einmal im Vorfeld fast eine halbe Million Akten, die sie angeblich aus der digitalen Bibliothek Osama Bin Ladens entnommen haben will. Das Analyseportal „Long War Journal“ bereitete die Funde für die internationale Presse auf. Hinter diesem Onlineportal steht der US-Thinktank und Stiftung „Foundation for Defense of Democracies“ (FDD). Diese Stiftung vertritt schon seit langem völlig unverblümt den Standpunkt, ein Sturz der iranischen Regierung sei unbedingt nötig. Die Beziehungen zwischen dem FDD und der CIA sind herzlich. Die Unterstützer und Geldgeber der Stiftung sind keine Überraschung.

Die Medien nahmen die ihnen vom Long War Journal bereitgestellten Informationen begierig auf und fabulierten, dass der Iran seinen „saudischen Brüdern“ – insbesondere dem salafistischen Al-Qaeda Netzwerk – alles, was benötigt werde, angeboten habe: Geld, Waffen, Ausrüstung und Kampftraining in den Lagern der schiitischen Hisbollah im Libanon. Als Gegenleistung sei eine Unterstützung durch sunnitische Djihad-Kämpfer gegen den Einfluss der USA in Saudi-Arabien zugesichert worden.

Bekanntermaßen haben sich in Syrien die sunnitisch-salafistische Fraktion der Al-Qaeda samt deren Ableger und die pro-iranische Schiiten-Miliz auf’s Erbittertste bekämpft. Zwischen Sunniten und Schiiten besteht keinerlei Freundschaft. Ein Faktum, das den Qualitätsmedien offenbar nicht aufgefallen ist.

Der iranische Außenminister Javad Sarif dementierte die Echtheit dieser „Bin Laden Akten“:

Übersetzung: „Das ist ein Rekordtief für die Reichweite der Petro-Dollars: CIA und FDD (instrumentaisieren) gefakte Informationen mit ausgesuchten al-Qaeda-Dokumenten. Der Iran kann der Rolle der US-Verbündeten beim 11. September keinen Persilschein ausstellen.“

Selbst intern, in der CIA, wird die Echtheit der Dokumente stark bezweifelt.

Die „Washington Post“ meldet Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines neuen Regime-Change-Versuches in der Region an. Unter der Rubrik „Affenkäfig“ und mit seltener Offenheit lautet die Überschrift: „Die Trump-Regierung will einen Regime-Change im Iran. Aber Regime-Change funktioniert üblicherweise nicht.“

Schon die Einleitung des Artikels sagt alles:
President Trump is no fan of Iran. As a candidate, he had promised to tear up the Iran Nuclear Agreement. Having been frustrated in his attempts to do that — at least for now — the administration and its backers have been rumbling about changing the regime.

Übersetzung: Präsident Trump ist kein Fan des Iran. Als (Präsidentschafts-)Kandidat versprach er, den Atomvertrag mit dem Iran zu zerfetzen. Frustriert durch seine (vergeblichen) Versuche, das zu tun, – zumindest bis jetzt – polterten die Regierung und ihre Unterstützer herum, dass sie das Regime auswechseln wollen.

Es ist das, was man ein offenes Geheimnis nennt. Eigentlich weiß die ganze Welt, was hier vorgeht und wie die USA den nächsten Staat mithilfe von Desinformation, Lügen, angezettelten Aufständen, Geheimdiensten und viel Geld zum Zusammenbruch bringt.

Werden wir trotzdem mit ansehen müssen, wie die Aufführung ihren schrecklichen Lauf nimmt? Wie Blut die Straßen rot färben wird, und das nächste Land in Chaos, Trümmer und Leid versinkt? Oder gibt es eine neue Allianz, die aus Libyen und Syrien gelernt hat? Können und wollen Russland, Syrien und China zusammen mit dem Iran den USA die Stirn bieten?

Der Iran ist keine Bananenrepublik
Der Iran ist ein uraltes Kulturland. Das sind keine Nomaden, die nur das Öl reich gemacht hat. Die Perser haben der Welt seit Jahrtausenden gezeigt, dass sie eine Hochzivilisation sind und Reiche organisieren können. Die geostrategische Lage allein ist eine Nuss, die die USA erst knacken müssen. Die topografischen Gegebenheiten, wie der riesige Gebirgs-Schutzwall rund um den Iran, vom Irak bis zum kaspischen Meer, machen es schwer, diesem Land militärisch beizukommen. Der Saudisch/Emiratischen Küste gegenüber liegt, tief gestaffelt, eine hohe, feindliche Bergketten nach der anderen, das Zagros-Gebirge. Von oben, Turkmenistan muss man erst durch eine riesige Wüste. Afghanistan rechts darunter hat nicht ohne Grund den Beinamen „Friedhof der Imperien“. Zwischen Pakistan im Osten und dem Iran muss man ebenfalls über Bergmassive.
Darum hat das auch kaum jemand in den letzten 2000 Jahren versucht. Zumindest nicht erfolgreich.

Die USA bekommen das zerstörte, fast menschenleere Afghanistan nicht in den Griff. Der Iran ist noch eine ganz, ganz andere Klasse. Dazu kommt, dass die Iraner den Amerikanern ihre brutale Einmischung 1953 (Operation Ajax) niemals vergessen. Letztendlich hat dieser von den USA bezahlte Umsturz mit der anschließenden Diktatur und Ausplünderung des Landes durch den Schah die islamische Revolution ausgelöst. Die Amerikanische Einmischung ist also schon einmal katastrophal danebengegangen. Damals hatte der Iran aber keine mächtigen Verbündeten.
Vielleicht beißen sich die USA dieses Mal die Zähne aus.

 


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