Rommel (rechts) in Pas-de-Calais mit seinem Stabschef Hans Speidel (links), der ihn für den Widerstand gewinnen sollte, April 1944 Bildquelle: Bundesarchiv_Bild_101I-719-0240-22,
Politik

Tapfere Linke schänden General Rommels Grab – sie wissen nicht einmal, wer er war

22. August 2018

Johannes Erwin Eugen Rommel, ein Ausnahmegeneral, ein Mythos. Seine Erfolge, sein Können, seine Tapferkeit und Fairness und seine Opposition gegen Hitler sind legendär und wurden und werden auch heute noch überall, außer in Deutschland natürlich, bewundert. Auch die Briten, die nicht gerade Freunde der Deutschen sind, schon gar nicht der aus der nationalsozialistischen Zeit, schreiben und reden von ihm mit großem Respekt. Es gibt Filme und Dokumentationen über ihn, vier aus den USA, sieben aus Deutschland.

Erwin Rommel, der „Wüstenfuchs“, ist nicht nur einfach ein Nazi-General, er ist ein Phänomen. Sein Mythos speist sich auch aus der Vieldimensionalität seiner Persönlichkeit. Weder ist er ein durch und durch strahlender Guter, ein Ritter ohne Fehl und Tadel, der von nichts Bösem wusste und dem nichts anzulasten wäre, noch ist er ein NS-Verbrecher, der Unschuldige abschlachtet, brutal und machtgierig keine Skrupel kennt. Er ist auf jeden Fall ein hervorragender Soldat mit allen Vorzügen eines ehrenhaften Kriegers, eines Generals, der für seine Männer durchs Feuer geht, mit Pour-le-Mérite und Ritterkreuz. Glühende Partei-Ideologen der Nationalsozialisten identifizierten sich mit ihm genauso, wie kühl taktierende, „unpolitische“ Militärs, aber auch die Gegner Hitlers.

Generalfeldmarschall Erwin Rommel ist kein Nazi. Seine Rolle ist eine tragische, und die Art, wie er aus dem Leben ging, verdeutlicht seine Tragödie. Er wurde am 15. November 1891 in Heidenheim an der Brenz geboren und starb am 14. Oktober 1944 nahe Ulm im Dienstwagen der beiden Generäle Wilhelm Burgdorf, Hitlers Chefadjutant und General Ernst Maisel, der Chef für Ehrenangelegenheiten im Heerespersonalamt.

Die beiden Herren hatten am Vortag bei Generalfeldmarschall Rommel zu Hause angerufen und ihr Kommen angekündigt. Am nächsten Tag erscheinen sie bei ihm zu Hause und konfrontieren ihn mit „belastendem Material“: Ein paar Wochen vorher hatte Panzergeneral Heinrich Eberbach gegenüber deutsche Offizieren geäußert, Rommel habe ihm in einem Vier-Augen-Gespräch klar gesagt, dass auch seiner Meinung nach Hitler und seine Entourage getötet werden müsse. Obwohl mehrere Generäle so dachten, die ja zweifelsfrei erkennen konnten, dass der Zweifrontenkrieg im Osten gegen Russland und im Westen gegen Amerikaner und Briten nicht zu gewinnen war, zog das Misstrauen in die Heeresführung ein. Das und andere Kontakte, die Erwin Rommel nachweislich in die Kreise der Widerständler innerhalb der Wehrmacht hat, bringen ihn mit dem Attentat von Stauffenbergs am 20. Juli 1944 in Verbindung.

Erwin Rommel wehrt sich nicht gegen die Vorwürfe. Er wird vor die Wahl gestellt: Selbstmord oder ein Verfahren vor dem Volksgerichtshof. Rommel wählt den Weg der Ehre. Er verabschiedet sich von seiner Frau und seinem Sohn: „In einer Viertelstunde bin ich tot“. Sein kleiner Sohn Manfred, später Stuttgarts Bürgermeister, geht noch mit bis vor die Haustür. Er sieht seinen Vater wegfahren. Wenig später zerbeißt Erwin Rommel die Zynkalikapsel im Auto.

Die Reichsregierung hält ihrerseits Wort. Die Öffentlichkeit erfährt nichts von den Anschuldigungen und den Verbindungen zum Widerstand. Er sei „seinen Verletzungen erlegen“ wird verlautbart. Dass Rommel bei einem Tieffliegerangriff verletzt worden war, war schon vorher bekannt gewesen. Rommel erhält ein Staatsbegräbnis mit allen Ehren und soll als im Kampf tödlich verwundeter Truppenführer und Held, vom Volk betrauert, in das ehrende Gedächtnis der deutschen Geschichte eingehen.

Natürlich war das auch im Sinne des „Führers“, auch wenn er dabei die Faust in der Tasche geballt haben mag. Generalfeldmarschall Erwin Rommel war ein Volksheld und galt als untadeliger Ritter. Die Lage an den Fronten war aussichtslos, im Volk gärte es und ein Volksheld vor dem Volksgerichtshof und einem schäumenden und geifernden Richter Roland Freisler hätte großen Schaden anrichten können.

Erwin Rommel kannte die ausweglose Lage der Wehrmacht an allen Fronten. Die Alliierten waren weit überlegen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann die alliierten Truppen Deutschland überrennen würden. Nachweislich haderte Erwin Rommel mit seiner soldatischen Treue zum Oberbefehlshaber. Er sieht keinen Sinn mehr darin, den Blutzoll auf allen Seiten in immer weitere Höhen zu treiben. Er versuchte, Adolf Hitler zu einem Separatfrieden mit den Westalliierten zu drängen. Hitler lehnte ab. Heute wissen wir, dass Churchill sich in jedem Fall dagegen gesperrt hätte. Er wollte das verhasste deutsche Reich endgültig auslöschen.

Erwin Rommel war bei der berühmt-berüchtigten Lagebesprechung nach der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 dabei. Er widerspricht dem Führer. Er nennt die Dinge beim Namen und weigert sich, weiter mitzuspielen und so zu tun, als sei ein Endsieg noch möglich. Er verlässt frustriert und verzweifelt die Besprechung. Adolf Hitler und sein engster Kreis beäugen ihn schon damals mit Misstrauen.

Schon Erwins Eigenmächtigkeit bei dem Küstenort El Alamein hatte ihm nicht gerade das unbedingte Vertrauen des Führers eingebracht. In einem zähen Ringen hatten die deutsch-italienischen Truppen die Briten unter dem Kommando des Oberbefehlshabers Bernard Montgomery vor sich her getrieben. Rommels Truppen schienen unaufhaltsam, was ihm seinen Namen „Der Wüstenfuchs“ eingebracht hatte. Doch ab dem 23. Oktober setzten die Briten zum Gegenschlag an. Eine verlustreiche Schlacht für beide Seiten blieb vorerst buchstäblich im Sande stecken. Die deutsche Panzerdivision hatte noch etwas mehr als 30 ihrer vormals 120 Panzer. Die Deutschen hatten aber Teile des britischen Offensivplanes erbeutet und wussten, was ihnen bevorstand. Und Montgomery verfügte über eine brachiale Übermacht. Nur bei den Flugzeugen verfügten die Briten über eine nur geringe Überzahl.

Die Kämpfe waren hart, die Briten konnten ganze Wellen von Panzern gegen die Deutschen werfen. Rommels beste Truppe, die 90. Leichte Division schoss von 94 Panzern der Briten 70 ab. Doch die Briten schienen mit unbegrenzten Reserven ausgestattet zu sein. Immer neue Kolonnen von „Crusader“-Panzern, vor allem aber US-Modelle der Typen M3 „Grant“ und M4 „Sherman“ rückten auf die deutschen Stellungen vor.

Der nächste Tag, der 3. November 1942 offenbarte, dass das Afrikacorps zusammen mit den Italienern nur noch über Restbestände verfügte und die Männer waren am Ende ihrer Kraft. Rommel traf eine Entscheidung: Rückzug.

Doch um 13:30 traf eine Order aus dem Führerhauptquartier ein, die Sieg oder Tod forderte. Jeder Kämpfer, jede Waffe sollte in die Schlacht geworfen werden. Das bedeutete den Tod aller Männer. Generalfeldmarschall Rommel notierte, dass er wie vor den Kopf geschlagen war. Sein Glaube an das militärische Genie Hitler war erschüttert. Am folgenden Tag, dem 4. November, rang der „Wüstenfuchs“ und Soldat bis in die Knochen sich zu der Entscheidung durch. Er ordnete den Rückzug an. Generalfeldmarschall Albert Kesselring kam zu ihm in den Befehlsstand und stellte sich auf Seiten Rommels. Hitler musste einlenken und den Rückzugsplan Rommels akzeptieren.

Die Frage, wie weit Erwin Rommel im Widerstand war, ist bis heute letztendlich ungeklärt. Sicher ist, dass er in enger Verbindung mit Generalleutnant Hans Speidel stand. Dieser war im April 1944 als Stabschef zur Heeresgruppe B gekommen, die Rommel leitete. Er sollte, so hatte die Widerstandsgruppe in der Wehrmacht gegen Hitler gehofft, Generalfeldmarschall Rommel für die Sache gewinnen. Anfang Juli, kurz vor dem Attentat von Stauffenberg, kam auch Caesar von Hofacker zu Rommel. Er sollte klären, ob Rommel sich dem Widerstand anschließen wolle. Rommels Name wurde außerdem in den privaten Unterlagen des ehemaligen Leipziger Oberbürgermeisters und Widerständlers Carl Friedrich Goerdeler als Kontakt gefunden. Caesar von Hofacker leitete den Umsturzversuch gegen Hitler in Paris. Dieser misslang, von Hofacker wurde verhaftet und gefoltert. Wahrscheinlich war der Name Erwin Rommels bei seinen erfolterten Geständnissen auch gefallen. Immer wieder tauchte Rommels Name auf bei den grausamen Verhören, die die Gestapo mit den gefassten Verschwörern gegen Hitler durchführt.

Erwin Rommel lag am 20. Juli 1944 mit einer Kriegsverletzung durch einen feindlichen Tiefflieger im Koma. Er konnte an dem Attentat nicht teilnehmen. Ob er es je getan hätte, weiß niemand. Wahrscheinlich wäre dies gegen seine soldatische Treue und gegen seinen Eid gegangen. Vielleicht hätte er keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als Hitler und seinen engsten Kreis zu töten, um Deutschland zu retten. Wir wissen es nicht.

Er war der populärste deutsche General des Zweiten Weltkrieges. Er war ein brillanter militärischer Führer und wird weltweit dafür Respektiert und geehrt. Er zeigte Können, persönlichen Mut und Ehre. Wie weit er in seinem Widerstand gegen Hitler und seine Gefolgschaft gegangen ist, ist umstritten. Dass er gegen Hitler offen opponiert hat, nicht.

 

 

Aber lassen wir doch einen der größten Gegner und Kritiker alles Deutschen zu Wort kommen: Der britische Premierminister in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit, Sir Winston Churchill, der unversöhnliche Feind des deutschen Reiches und all dessen, was Deutschland ausmacht sagte über Generalfeldmarschall Erwin Rommel:

„Auch er verdient unsere Hochachtung, weil er, obwohl ein loyaler, deutscher Soldat, Hitler und all seine Taten zu hassen lernte und sich an der Verschwörung im Jahre 1944 beteiligte, um Deutschland durch die Beseitigung des wahnsinnigen Tyrannen zu retten. Er hat dafür mit dem Leben bezahlt.“

Erwin Rommel war kein „Nazi“.

Wie uninformiert, ungebildet, dumm, verhetzt, feige, ehrlos und verdorben kann man sein, um einem solchen Mann von Format, einem Toten, der sich nicht wehren kann, und über den man offenbar überhaupt nichts weiß, seinen Grabstein zu besudeln?
Nicht einmal die Totenruhe respektieren sie.

So etwas Niedriges hätten sogar seine Feinde niemals getan.