Die mythische Zahl 23 und die Illuminaten

von Nikolas Pravda
Vor 270 Jahren wurde Adam Weis­haupt geboren. Er gründete in seiner Geburts­stadt Ingol­stadt den Geheim­orden der Illu­mi­naten, in dem die Zahl 23 ver­meintlich eine wichtige Rolle spielte.
Adam Weis­haupt wurde am 6. Februar 1748 in Ingol­stadt geboren. Er besuchte als Sohn eines Jura-Pro­fessors die Jesui­ten­schule, wurde aber im Geiste der Auf­klärung nach den Ideen des Phi­lo­sophen Christian Wolff erzogen.
Weis­haupt stu­dierte in Ingol­stadt und wurde eben­falls dort Jura-Pro­fessor, mit dem Spe­zi­al­gebiet Kir­chen­recht ab 1773. Gegen die kirch­liche und staat­liche Bevor­mundung ent­wi­ckelte er zu dieser Zeit Pläne für einen auf­ge­klärten Staat, die er in der aus­zugs­weise erhal­tenen Schrift “Schule der Menschheit” niederschrieb.
Bereits diese “Schule” war als Geheimbund der Wis­senden kon­zi­piert, die ein­ander unter­stützen sollten, wenn es um die Besetzung von Posten ging, mit der Kon­se­quenz, dass die Ideen der Auf­klärung nach und nach die Ideen der Staats­diener wurden. Heute würde man Weis­haupts Vor­schlag einen “Marsch durch die Insti­tu­tionen” nennen.
Der Geheimbund der Illu­mi­naten, zunächst Bie­nen­orden oder auch “Orden der Per­fek­ti­bi­listen” genannt, wurde am 1. Mai 1776 von Weis­haupt und vier wei­teren Per­sonen gegründet. Die “geheime Weis­heits­schule” sollte so funk­tio­nieren, dass jeder nur unter seinem Deck­namen auftrat (Weis­haupt wählte “Spar­takus”) und niemals mehr als drei andere Per­sonen vom Orden der Illu­mi­naten kannte.
Auch Orte und Datums­an­gaben wurden ver­schlüsselt. Das muffig-katho­lische Ingol­stadt wurde nach den Mys­terien von Eleusis “Eleusis” genannt, München wurde zu Athen und für den Geheim­ka­lender mit per­si­schen Monats­namen wählte man 632 (das Todesjahr Mohammeds) als das Jahr 1 der eigenen Zeitrechnung.
Gemäß der Dreier-Regel hatte jeder Erleuchtete zwei Novizen zu betreuen. Diese bekamen monatlich ein Lese­pensum zuge­teilt und mussten wöchentlich über ihren Lek­tü­re­fort­schritt in einem Notizheft Buch führen.
Am Ende eines Jahres sollte ein Resümee stehen, in dem der gelehrige Illu­minat auch das Lese­pensum für das nächste Jahr aufnahm. Neben den Noti­zen­heften gab es Zet­telchen, in denen die Schüler oder der Lehr­meister bewertet wurden.
Mit zuneh­mender Größe zog über diesen Mecha­nismus ein Denun­zi­an­tentum in den Orden, der zu seinen Hoch­zeiten 2000 Mit­glieder gehabt haben soll, unter ihnen Goethe und die Frei­herren von Knigge (Die Illu­minati und der „Black Eye Club“ (Videos)

Haupt­sächlich im Kur­fürs­tentum Bayern ver­breitet, wurden hier die Illu­mi­naten als erstes ent­tarnt und ver­boten, als sie ver­suchten, die Logen der Frei­maurer zu oktroy­ieren. Die Illu­mi­naten waren in dem Sinne staats­ge­fährdend, dass sie auch Bücher in ihr huma­nis­ti­sches Weis­heits­pro­gramm auf­nahmen, die von kirch­licher oder staat­licher Seite zen­siert oder ver­boten wurden.

Das Verbot des Geheim­bunds erfolgte 1785 deshalb auf Betreiben der baye­ri­schen Rosen­kreuzer, einer christ­lichen Gegen­be­wegung gegen die Aufklärung.
Den Illu­mi­naten ging es um Auf­klärung und Mün­digkeit im eigenen Denken, deshalb führten sie die Eule der Minerva als Wap­pentier, das auf die Göttin der Weisheit verwies. Zah­len­mystik lag diesen Auf­klärern aber ziemlich fern und kam nur über die Beschäf­tigung mit der Antike in die Diskussion.
Die Illu­mi­naten und die 23
Bei Weis­haupt selbst taucht die berühmte 23 nur bei seiner Beschäf­tigung mit den erwähnten Mys­terien von Eleusis auf, die am 23. Boe­dromion endeten. Die ent­schei­dende Zuordnung der 23 zu den Illu­mi­naten erfolgte erst im Jahre 1966 mit der Kurz­ge­schichte 23 Skiddoo Eristic Elite! von William S. Burroughs.
(In John S. Bur­roughs Buch “23 Skidoo” spielt die Zahl 23 eine wichtige, mys­tische Rolle)
Bur­roughs war mit einem Kapitän Clark befreundet, der ihm eines Tages erzählte, dass er seit 23 Jahren auf einer Fähre nach Spanien arbeitet, ohne einen ein­zigen Unfall gehabt zu haben. Am selben Tag sank die Fähre mit Mann und Maus. Als Bur­roughs dies erfuhr, stellte er das Radio an und hörte die Nach­richt von einem Flug­zeug­ab­sturz auf der Strecke New York – Miami unter einem Flug­ka­pitän Clark, Flug­nummer 23.
Bur­roughs erzählte seine (womöglich erfundene) Geschichte dem jungen Playboy-Reporter Robert Anton Wilson. Der machte später zusammen mit Robert Shea in der Illu­mi­natus-Trio­logie damit ein großes Fass auf, in dem die Zahl 23, die Illu­mi­naten und die Gründung der USA im Jahre 1776 zusam­men­ge­worfen wurden. Tat­sächlich haben die Illu­mi­naten selbst herzlich wenig mit der 23 zu tun.
Stoff für Verschwörungstheorien
Der zum Mythos gewordene deut­scher Hacker Karl Koch nahm die Ver­schwö­rungs­theorien jedoch für bare Münze, wie im Film “23 – Nichts ist so wie es scheint” über den KGB-Hack geschildert. Karl Kochs ver­kohlte Leiche wurde 1989 in einem Wald bei Wolfsburg gefunden. Eine Woche zuvor – aus­ge­rechnet am 23. Mai – war der 23-Jährige verschwunden.
Auch mathe­ma­tisch gesehen ist 23 eine ganz inter­es­sante Zahl: Sie ist eine Primzahl, in der beide Ziffern Prim­zahlen sind: Bildet man ihre Quer­summe, ist die höchst mys­tische Fünf ein Ergebnis, das Wahr­sager wie Astro­logen, UFO-Logen und Hacker glei­cher­maßen erschauern lässt: Als V ist das glän­zende Vanadium nämlich das 23. Element im Peri­oden­system, benannt nach der Vanitas, der Nich­tigkeit. Und ist nicht die sagen­hafte Area 51 die Summe von 23+23+2+3?
Auch unser Geburts­tagskind, der Ingol­städter Lehrer und Theologe Adam Weis­haupt hatte eine besondere Beziehung zu der 23. Schließlich ist W der 23. Buch­stabe in unserem Alphabet, mit zwei Spitzen, die nach unten zeigen und dreien, die nach oben zeigen.
In seinem amü­santen “Lexikon der Ver­schwö­rungs­theorien” listete Robert Anton Wilson 50 weitere Bei­spiele auf, in denen die 23 eine Rolle spielt, doch inzwi­schen gibt es Web­seiten, die alles Unheil der Welt aus der 23 ableiten.


Quelle: pravda-tv.com