Helene Fischer, Bildquelle: Wikimedia Commons, Sven-Sebastian Sajak, Bildlizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Nach #Chemnitz & #wirsindmehr-Statement: Offener Brief an Helene Fischer

Liebe Frau Helene Fischer,
Sie sind in Chemnitz bei dem Konzert auf­ge­treten. Das ist Ihnen offenbar nicht leicht gefallen. Lange hatten Sie geschwiegen, weil, wie Sie schon früher oft sagten, die Musik Ihre Sprache ist und weil Sie sich nicht poli­tisch äußern wollen. Das ist Ihr gutes Recht. Sie haben sich all die Jahre kon­se­quent jeder poli­ti­schen Äußerung enthalten.
Nun haben Sie sich doch ent­schlossen, sich nicht nur poli­tisch zu äußern, auch wenn sie das sehr zurück­haltend gemacht haben und sehr sanft, sondern Sie haben sich auch posi­tio­niert. Es spielt keine Rolle was Ihre pri­vaten, poli­ti­schen Ansichten sind – oder ab Sie viel­leicht gar keine haben. Sie haben sich posi­tio­niert, und viele Chem­nitzer Bürger emp­finden das als gegen sie gerichtet.
An den Ihren ersten Reak­tionen, als man Sie fragte, warum Sie denn auf dem Konzert gegen „rechts“ nicht auf­treten, konnte man gut erkennen, dass Sie das nicht wollten.
Nun, man kann sich vor­stellen, wie die Gespräche mit Ihrem Management ver­liefen. Man wird sich Sorgen um Ihre weitere Kar­riere gemacht haben. Was, wenn eine Wei­gerung auf­zu­treten dann von der Presse als „Sym­pathie für den rechten Mob“ aus­gelegt werden würde? Das wäre in der Tat durchaus wahr­scheinlich. Eine Hetz­kam­pagne in den Medien ist tödlich. Da sind schon Bun­des­prä­si­denten aus dem Amt geschrieben worden.
Dann braucht nur noch vor dem nächsten Auf­tritt eine gewalt­tätige Antifa-Horde vor der Halle zu toben und Sie als Ras­sistin und Faschistin zu belei­digen, und die Presse stürzt sich mit Begeis­terung darauf. Und was, wenn Kon­zert­hallen dann rei­hen­weise absagen, weil sie diese Bilder nicht wollen? Weil Fenster ein­ge­schlagen wurden und Kon­zert­be­sucher ver­letzt? Was, wenn dann auch noch tat­sächlich Rechte erscheinen, um ebenso laut­stark wie uner­wünscht ihre Unter­stützung für die tapfere Helene Fischer kund­zutun? Sich Schlachten mit der Antifa liefern? Poli­zisten ver­letzt werden?
Sie haben vor dem dro­henden Gesin­nungs­terror kapi­tu­liert. Für jemanden, der sich nicht poli­tisch defi­niert, nach­voll­ziehbar. Warum sollen Sie sich ihr Lebenswerk zer­stören lassen? Sie enga­gieren sich gegen die Pro­sti­tution Min­der­jäh­riger, Gleich­gül­tigkeit oder Herz­lo­sigkeit kann man Ihnen nicht nach­sagen. Sie sind mit dem Volks­mu­siker Florian Sil­be­reisen liiert, der, obwohl er sich nie einer kri­ti­kablen Äußerung schuldig gemacht hat, allein dadurch, dass er Volks­musik macht, schon so ein wenig im Kul­tur­duns­t­kreis womöglich (Gott­sei­beiuns!) hei­mata­f­finer Kon­ser­va­tiver ver­ortet wird. Mit so jemandem auch nur zusammen zu sein, ist heute schon „irgendwie rechts“.
Sie sind als Kind noch im System der Sowjet­union auf­ge­wachsen. Mit etwa sieben Jahren haben sie die Auf­lösung der Sowjet­union mit­erlebt. Sicher haben Sie aus Erzäh­lungen Ihrer Familie vom sta­li­nis­ti­schen Terror gehört, den Depor­ta­tionen und Ermor­dungen von Bürgern, die dem System kri­tisch gegen­über­standen. Hat Stalins „Tschistki“ (Säu­be­rungs­aktion) auch Ver­wandten von Ihnen den Gulag ein­ge­bracht oder das Leben gekostet? Viel­leicht sind Sie ja mit dem Wissen auf­ge­wachsen, wie es ist, wenn Gesin­nungs­terror Leben zerstört.
Viel­leicht hat man Ihnen auch Gewis­sens­druck gemacht, dass Sie doch nicht abseits stehen können und schweigen, wenn Men­schenjagd auf Aus­länder gemacht wird. Dass Sie doch auf­stehen und gegen Men­schenhatz ein Zeichen setzen müssen.
Einen Tag nach dem Konzert in Chemnitz, heute, am Mitt­woch­morgen um 10 Uhr, war der Minis­ter­prä­sident des Bun­des­landes Sachsen, Michael Kret­schmer, gezwungen, vor die Presse zu treten und eine Regie­rungs­er­klärung abzu­geben, dass es keine Hetzjagd auf Aus­länder gegeben hat und die auf­ge­regten und empörten Mel­dungen darüber in der Presse schlichtweg falsch waren: „Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagd, es gab kein Progrom in Chemnitz“. Die Presse hatte das alles von einem Antifa-Twitter-Account namens „Zeckenbiss“ unge­prüft abge­schrieben und weiter von­ein­ander abschreibend ver­breitet. Die geschockten, trau­ernden und pro­tes­tie­renden Chem­nitzer sind voll­kommen unbe­gründet zutiefst beleidigt und dis­kri­mi­niert worden.
Das ganze Sach­sen­ba­shing, der ganze pseudo-anti­ras­sis­tische Medi­en­terror, das ganze Tamtam um das mis­sio­na­rische Konzert gegen die „bösen, aus­län­der­het­zenden Sachsen“, mit dem man Sie mora­lisch erpresst hat, sich auf die Seite der linken Alar­misten zu stellen — es fällt in sich zusammen, nachdem die Nadel der Wahrheit den prall auf­ge­bla­senen, roten Ballon zum Platzen gebracht hat.
Wenigstens ist die Hälfte der Spen­den­ein­nahmen für die Familie des Opfers etwas Gutes. Es wird ein kleiner Trost dafür sein, dass die kleine Familie ihren Ehemann und Papa ver­loren hat, und dass wenigstens die Chem­nitzer um ihn trauern, nachdem sich die Politik tagelang kein Wort der Anteil­nahme abringen konnte.
Mit freund­lichen Grüßen,
Niki Vogt