Der Aufruf zur Aufgabe unseres Wohlstands

Es gibt immer wieder Artikel, bei denen ich vor Wut koche. Dieser gehört dazu. Da ver­steigt sich ein aner­kannter Wirt­schafts­jour­nalist zu der For­derung: Deutschland muss lernen, seinen Wohl­stand zu teilen.
Eigentlich müsste ich Herrn Bru­nowsky ein Exemplar meines Mär­chen­buches schenken. 
  • „Der fran­zö­sische Staats­prä­sident Emmanuel Macron hat vor rund 70 Regie­rungs­chefs eine visionäre Rede gehalten, die man im Ori­ginal hören muss. Kern seiner Rede war der Satz: ‘Natio­na­lismus ist Verrat am Patrio­tismus.’ Und weiter solle niemand sagen: ‘Unsere Inter­essen zuerst, und wir sind besser als alle anderen. Das kann keine Nation von sich behaupten: Was uns groß macht, sind die mora­li­schen Werte … Die Lehre kann nicht sein, dass man ein Volk gegen das andere aufbringt.’
    Stelter: So weit, so gut. Ich denke, gerade den Deut­schen kann man ange­sichts der Aufgabe der eigenen Inter­essen innerhalb der EU und der bedin­gungs­losen Öffnung der Grenzen für jeden, der darum bittet, ver­bunden mit lebens­langem Ver­sor­gungs­ver­sprechen ohne jeg­liche Gegen­leistung, keinen Vorwurf machen, über­mäßig an die eigenen Inter­essen zu denken.
  • „Macron erin­nerte daran, dass die Euro­päische Union in erster Linie ein Frie­dens­projekt ist, wie schon Helmut Kohl stets betonte, auch wenn die Motive vieler Teil­nehmer eher wirt­schaft­licher Natur sind. Europa ist mit seinen 500 Mil­lionen Ein­wohnern in der Tat der weltweit größte Bin­nen­markt, je nach Berech­nungs­me­thode größer als der ame­ri­ka­nische und der chi­ne­sische Binnenmarkt.“
    Stelter: Was Kohl nicht wissen musste, die ent­schei­dende Deter­mi­nante für Krieg und Gewalt ist die Anzahl der jungen Männer in einer Gesell­schaft. So man sie nicht von außen impor­tiert, sind die Gesell­schaften Europas einfach deshalb friedlich, weil es keine jungen Männer gibt, die man in den Krieg schicken könnte und möchte. Die EU und vor allem der Euro führen zwar zu mehr Span­nungen zwi­schen den Staaten, Krieg führen werden wir jedoch nicht mehr.
  • „Doch dieser Bin­nen­markt, den Groß­bri­tannien mit dem Brexit für sich selbst aufs Spiel setzt, ver­liert seine Wirkung, wenn popu­lis­tische Neo-Natio­na­lismen Europa poli­tisch spalten. Nichts Bes­seres kann Trump und Putin pas­sieren als eine neue Zer­split­terung Europas und seiner Werte.“
    Stelter: Das stimmt sicherlich, aber es ist eben keine Frage von Krieg und Frieden.
  • „Frieden und Freiheit können ganz schnell ver­loren gehen, wenn sie im Bewusstsein der Bevöl­kerung und der Poli­tiker an Bedeutung ver­lieren. Wie unwichtig wirken da Par­tei­en­streit, Ver­tei­lungs­kämpfe und die Zweifel am Euro. Chris­topher Clark hat in seinem Buch „Die Schlaf­wandler“ auf­rüt­telnd beschrieben, wie die großen Nationen in diesen Wahn­sinns­krieg hin­ein­ge­schlittert sind – im Grunde, ohne es zu wollen. So etwas kann durchaus wieder passieren.“
    Stelter: Nein, kann es nicht. Ein Blick auf die demo­gra­fi­schen Fakten genügt  Lesern von bto und damit Kennern der Daten von Gunnar Heinsohn schon lange bekannt. Vor allem sollte man mit diesem Argument keine Umver­teilung von arm (Deutschland) zu reich (Frank­reich, Italien…) begründen.
  • „Europa braucht einen neuen Anlauf. Wir dürfen diesen groß­ar­tigen Zusam­men­schluss nicht durch Ego­ismen und Natio­na­lismen aufs Spiel setzen. Im Gegenteil, wir müssen die unge­heure wirt­schaft­liche Stärke nutzen, um die glo­balen Pro­bleme zu lösen: Den Kli­ma­wandel, die Armut in unter­ent­wi­ckelten Ländern, die Bekämpfung unheil­barer Krank­heiten und Epi­demien, um nur einige zu nennen.“
    Stelter: Ich finde auch, es muss alles von uns besser gemacht werden. Und vor allem die Deut­schen sollen einen Beitrag leisten. Aber in welchem Umfang? Und was können wir uns leisten?
  • Ein reiches Land wie Deutschland muss lernen, seinen Wohl­stand mit anderen Ländern zu teilen und Inno­va­tionen dafür zu nutzen, das Klima zu retten. Andere Länder sollten das nicht aus­nutzen, und wir sollten nicht jedes Mal Bedin­gungen stellen, die dort als Aus­terity-Kne­belung emp­funden werden. Das ist kei­neswegs selbstlos: Je besser es den euro­päi­schen Nachbarn geht, desto besser geht es uns als der größten Exportnation.“
    Stelter: Die ärmsten Haus­halte der Eurozone sollen für die Reichen zahlen und dafür gefäl­ligst keine Bedin­gungen stellen.
  • „Emmanuel Macrons Appell an die Nationen ist eine his­to­rische Chance, die Hoffnung macht.“
    Stelter: Es ist vor allem bril­lante Rhe­torik, die darüber hin­weg­täu­schen soll, dass es darum geht, an deut­sches Geld zu kommen, um Löcher in Frank­reich und anderswo zu stopfen. Der IWF rechnet vor, dass eine Trans­fer­union nicht funk­tio­nieren kann. Wenn es aber so ist, dass sie nicht funk­tio­nieren kann, dann steckt hinter dem Versuch der Umver­teilung keine Sta­bi­li­sie­rungs- , sondern eine simple Berei­che­rungs­ab­sicht zulasten der hie­sigen Steuerzahler.
  • „Wie eine Welt aus­sehen könnte, hat übrigens Bodo Wartke in seinem Lied beschrieben: ‘In was für einem Land ich leben möchte’.”
    Stelter: Wer in einem solchen Land leben möchte, muss genau das Gegenteil von dem tun, was Macron vor­schlägt und will­fährige Medien hier­zu­lande pro­pa­gieren: Schul­den­schnitt für Staaten und Sanierung der Banken, finan­ziert über Schul­den­til­gungs­fonds mit Ein­bezug der EZB, Kon­kurs­recht für Staaten, Dezen­tra­li­sierung der EU, wirk­samer Grenz­schutz, Reduktion der Sozi­al­leis­tungen für Migranten… Wer statt­dessen den Rufen folgt, rui­niert das Land endgültig.