Wirtschaft

Der Aufruf zur Aufgabe unseres Wohlstands

29. November 2018

Es gibt immer wieder Artikel, bei denen ich vor Wut koche. Dieser gehört dazu. Da versteigt sich ein anerkannter Wirtschaftsjournalist zu der Forderung: Deutschland muss lernen, seinen Wohlstand zu teilen.

Eigentlich müsste ich Herrn Brunowsky ein Exemplar meines Märchenbuches schenken.

  • „Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat vor rund 70 Regierungschefs eine visionäre Rede gehalten, die man im Original hören muss. Kern seiner Rede war der Satz: ‘Nationalismus ist Verrat am Patriotismus.’ Und weiter solle niemand sagen: ‘Unsere Interessen zuerst, und wir sind besser als alle anderen. Das kann keine Nation von sich behaupten: Was uns groß macht, sind die moralischen Werte … Die Lehre kann nicht sein, dass man ein Volk gegen das andere aufbringt.’
    Stelter: So weit, so gut. Ich denke, gerade den Deutschen kann man angesichts der Aufgabe der eigenen Interessen innerhalb der EU und der bedingungslosen Öffnung der Grenzen für jeden, der darum bittet, verbunden mit lebenslangem Versorgungsversprechen ohne jegliche Gegenleistung, keinen Vorwurf machen, übermäßig an die eigenen Interessen zu denken.
  • „Macron erinnerte daran, dass die Europäische Union in erster Linie ein Friedensprojekt ist, wie schon Helmut Kohl stets betonte, auch wenn die Motive vieler Teilnehmer eher wirtschaftlicher Natur sind. Europa ist mit seinen 500 Millionen Einwohnern in der Tat der weltweit größte Binnenmarkt, je nach Berechnungsmethode größer als der amerikanische und der chinesische Binnenmarkt.“
    Stelter: Was Kohl nicht wissen musste, die entscheidende Determinante für Krieg und Gewalt ist die Anzahl der jungen Männer in einer Gesellschaft. So man sie nicht von außen importiert, sind die Gesellschaften Europas einfach deshalb friedlich, weil es keine jungen Männer gibt, die man in den Krieg schicken könnte und möchte. Die EU und vor allem der Euro führen zwar zu mehr Spannungen zwischen den Staaten, Krieg führen werden wir jedoch nicht mehr.
  • „Doch dieser Binnenmarkt, den Großbritannien mit dem Brexit für sich selbst aufs Spiel setzt, verliert seine Wirkung, wenn populistische Neo-Nationalismen Europa politisch spalten. Nichts Besseres kann Trump und Putin passieren als eine neue Zersplitterung Europas und seiner Werte.“
    Stelter: Das stimmt sicherlich, aber es ist eben keine Frage von Krieg und Frieden.
  • „Frieden und Freiheit können ganz schnell verloren gehen, wenn sie im Bewusstsein der Bevölkerung und der Politiker an Bedeutung verlieren. Wie unwichtig wirken da Parteienstreit, Verteilungskämpfe und die Zweifel am Euro. Christopher Clark hat in seinem Buch „Die Schlafwandler“ aufrüttelnd beschrieben, wie die großen Nationen in diesen Wahnsinnskrieg hineingeschlittert sind – im Grunde, ohne es zu wollen. So etwas kann durchaus wieder passieren.“
    Stelter: Nein, kann es nicht. Ein Blick auf die demografischen Fakten genügt  Lesern von bto und damit Kennern der Daten von Gunnar Heinsohn schon lange bekannt. Vor allem sollte man mit diesem Argument keine Umverteilung von arm (Deutschland) zu reich (Frankreich, Italien…) begründen.
  • „Europa braucht einen neuen Anlauf. Wir dürfen diesen großartigen Zusammenschluss nicht durch Egoismen und Nationalismen aufs Spiel setzen. Im Gegenteil, wir müssen die ungeheure wirtschaftliche Stärke nutzen, um die globalen Probleme zu lösen: Den Klimawandel, die Armut in unterentwickelten Ländern, die Bekämpfung unheilbarer Krankheiten und Epidemien, um nur einige zu nennen.“
    Stelter: Ich finde auch, es muss alles von uns besser gemacht werden. Und vor allem die Deutschen sollen einen Beitrag leisten. Aber in welchem Umfang? Und was können wir uns leisten?
  • Ein reiches Land wie Deutschland muss lernen, seinen Wohlstand mit anderen Ländern zu teilen und Innovationen dafür zu nutzen, das Klima zu retten. Andere Länder sollten das nicht ausnutzen, und wir sollten nicht jedes Mal Bedingungen stellen, die dort als Austerity-Knebelung empfunden werden. Das ist keineswegs selbstlos: Je besser es den europäischen Nachbarn geht, desto besser geht es uns als der größten Exportnation.“
    Stelter: Die ärmsten Haushalte der Eurozone sollen für die Reichen zahlen und dafür gefälligst keine Bedingungen stellen.
  • „Emmanuel Macrons Appell an die Nationen ist eine historische Chance, die Hoffnung macht.“
    Stelter: Es ist vor allem brillante Rhetorik, die darüber hinwegtäuschen soll, dass es darum geht, an deutsches Geld zu kommen, um Löcher in Frankreich und anderswo zu stopfen. Der IWF rechnet vor, dass eine Transferunion nicht funktionieren kann. Wenn es aber so ist, dass sie nicht funktionieren kann, dann steckt hinter dem Versuch der Umverteilung keine Stabilisierungs- , sondern eine simple Bereicherungsabsicht zulasten der hiesigen Steuerzahler.
  • „Wie eine Welt aussehen könnte, hat übrigens Bodo Wartke in seinem Lied beschrieben: ‚In was für einem Land ich leben möchte‘.“
    Stelter: Wer in einem solchen Land leben möchte, muss genau das Gegenteil von dem tun, was Macron vorschlägt und willfährige Medien hierzulande propagieren: Schuldenschnitt für Staaten und Sanierung der Banken, finanziert über Schuldentilgungsfonds mit Einbezug der EZB, Konkursrecht für Staaten, Dezentralisierung der EU, wirksamer Grenzschutz, Reduktion der Sozialleistungen für Migranten… Wer stattdessen den Rufen folgt, ruiniert das Land endgültig.

Jetzt eintragen und News kostenlos per E-Mail erhalten:

Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad