Gesundheit, Natur & Spiritualität

Mikroplastik – die unterschätzte Gefahr

3. November 2018

Zum ersten Mal wurde Mikroplastik im menschlichen Darm gefunden. Forscher haben winzige Plastikpartikel nun auch in menschlichen Stuhlproben entdeckt – und zwar bei Probanden unterschiedlichen Alters weltweit.

Bei einer Pilotstudie haben Forscher aus Österreich nach eigenen Angaben erstmals Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen nachgewiesen. Die Kunststoffpartikel wurden in den Proben von allen acht Studienteilnehmern gefunden, wie die Medizinische Universität Wien und das österreichische Umweltbundesamt mitteilten.
Die Probanden im Alter zwischen 33 und 65 Jahren, die auf verschiedenen Kontinenten leben und sich nicht kennen, führten demnach eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend die Probe ab. Alle Teilnehmer nahmen in dieser Zeit in Plastik verpackte Lebensmittel oder Getränke aus PET-Flaschen zu sich. Die Mehrzahl von ihnen aß auch Fisch oder Meeresfrüchte.
Die österreichischen Forscher konnten in den Stuhlproben der Teilnehmer neun unterschiedliche Kunststoffarten nachweisen. In den Proben der Probanden wurden am häufigsten die Kunststoffe Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) gefunden. Die Plastikvermüllung nimmt zu – vor allem in den Weltmeeren.

330.000 Tonnen Mikroplastik werden jährlich in Deutschland freigesetzt. Mikroplastik gelangt unter anderem durch Autoreifen-Abrieb, Zerkleinerung von Bauschutt oder Kosmetika in die Umwelt, vielfach vor allem in Gewässer. Eine Studie im Auftrag von Chemiekonzernen, Kosmetikherstellern, Wasserverbänden, Abfallentsorgern und Hochschulen hat ermittelt, dass rund 330.000 Tonnen dieses primären Mikroplastiks pro Jahr in Deutschland freigesetzt werden. Sekundäres Mikroplastik entsteht dagegen durch Verwitterung und Zerfall großer Plastikteile.

Als Mikroplastik bezeichnet man kleinste Kunststoffteilchen mit einer Größe von unter fünf Millimetern. Mikroplastikpartikel ziehen Umweltgifte an, werden von Meeresorganismen gefressen und sind nicht wieder aus der Umwelt zu entfernen.

Mikroplastik befindet sich überall: In der Luft, im Trinkwasser, im Boden. Dorthin gelangen die Mikroplastikpartikel durch uns. Viele unserer Kosmetikprodukte (in Peelings, als Massageperlen in Duschgelen, Sonnencremes sowie in Zahnpasta) und Kleidungsstücke enthalten Plastikpartikel. Mit dem Abwasser landen diese in den Kläranlagen, im Grundwasser, darüber wieder in den Regen. Ja, richtig gelesen, es regnet Plastik.

Mikroplastik entsteht beim Zerfall größerer Kunststoffteile durch die Einwirkung von Sonne, Wind und Wellen. Das größere Plastik zerfällt in seine Ursprungsform, in Plastikpellets, zurück. Plastikgegenstände aus unserem täglichen Gebrauch finden sich zahlreich an den Küsten und Flussufern sowie in den Meeren der Welt. Ozeane und Seen sind voll von dem schwer verwitternden Material. Das Mikroplastik galt dabei bisher schon insofern als besonders gefährlich, weil es mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist.

Plastik wirkt aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet auf Umweltgifte. Diese befinden sich im Wasser und reichern sich auf der Oberfläche der Mikroplastikteilchen an. So lassen sich an den Partikeln hundertmal höhere Konzentrationen als im Meerwasser messen. Die Partikel werden dann samt den Schadstoffen von den Meeresorganismen aufgenommen. Mikroplastik wurde in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen, die es mit ihrer Nahrung aufnehmen. Im Magen-Darm-Trakt können diese Schadstoffe wieder freigesetzt werden und Einfluss auf den Organismus nehmen.
Einmal in den Organismus aufgenommen, kann das Mikroplastik oft nicht mehr ausgeschieden werden. Weiterhin kann die Aufnahme zu Darmverschlüssen und Verletzungen an Schleimhäuten führen.

Je kleiner der Plastikpartikel ist, desto größer ist das Risiko der Aufnahme und die Anzahl der Tiere, die es konsumiert. Ist Mikroplastik erst in den Flüssen und dem Meer, kann es nicht wieder entnommen werden. Der Zustand der Meeresumwelt ist besorgniserregend und die Auswirkungen sind kaum abzuschätzen.

Das wissenschaftliche Fachjournal „Environmental Science & Technology“ berichtete von einer Untersuchung an vielen Stränden auf allen sechs Kontinenten, welche überall Mikroplastikteilchen nachwies; dazu gehören wohl auch Fasern aus Fleece und anderen Kleidungsstücken aus synthetischen Materialien.

Das EU-Parlament will nun Strohhalme, Wattestäbchen und andere Erzeugnisse verbieten.
Cocktails trinken mit Plastikstrohhalm und Picknicken mit Plastikbesteck? Das dürfte bald der Vergangenheit angehören – denn die EU will zum Schutz von Umwelt und Meerestieren bestimmte Kunststoffprodukte verbieten.

Mikroplastik wurde in Fisch, Honig, Milch, Leitungs- und Trinkwasser und Bier nachgewiesen.

Mikropartikel in Kosmetika. Vermeiden Sie Körperpflegeprodukte, die als Inhaltsstoffe Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) enthalten. Eine Produktliste von Kosmetika und Reinigungsmitteln, die Mikroplastik erhalten, können Sie unter www.bund.net nachlesen.

Mikroplastik durch Plastikflaschen und Plastiktüten

Eine Plastikflasche benötigt laut Umweltbundesamt 450 Jahre zur Zersetzung; ein Fischfang-Nylonnetz 600 Jahre. 25.000 Netze geraten jährlich unkontrolliert in die Meere.

Rund 70 Prozent des gesamten Mülls in Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer, so schätzen Experten, bestehen aus Plastikprodukten – vor allem Plastikflaschen und Plastiktüten. Bei Nordseevögeln hatten 94 Prozent der untersuchten Tiere Plastik im Magen.

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr pro Kopf nur noch 45 Plastiktüten verbraucht. 2015 waren es noch 68. Der Rückgang gilt als Folge der Einführung einer Gebühr auf Plastiktüten in vielen Geschäften. Damit nähert sich Deutschland bereits der Forderung der EU für 2025 an: Diese sieht vor, den Einsatz von Plastiktüten bis Ende 2025 auf maximal 40 Stück pro Kopf und Jahr zu reduzieren.

„Wir atmen Plastik, trinken Plastik und essen Plastik! Dem können wir uns nicht entziehen, auch wenn wir versuchen, besser zu leben“, sagte Professor Gerd Liebezeit, Meereschemiker und Forscher vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres von der Universität Oldenburg.

Ich habe 2014 bereits in meinem Buch „Tatort Gifte im Körper“ ein Kapitel dem Mikroplastik und ein weiteres Kapitel über Nanopartikel geschrieben.


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