Nix wie raus aus dem Euro!

Ein sin­kendes Schiff sollte man ver­lassen, solange noch Ret­tungs­boote ver­fügbar sind – Höchste Zeit, das Tabu zu brechen – Das neue Buch von Bruno Ban­dulet – Was es widerlegt, beschreibt, begründet und mit wem es abrechnet – Wie ein Krimi, den das Leben schrieb, das poli­tische Leben – Merkels poli­tische Auf­lösung steht fest, die des Euro noch nicht
(Von Klaus Peter Krause)

Der Euro gerettet? I wo. Das Retten nimmt kein Ende. Zwar wird den wohl meisten Bürgern in Deutschland nicht bewusst sein, dass die Negativ-Zins­po­litik und der Aufkauf von Schuld­pa­pieren not­lei­dender Staaten und Banken durch die Euro­päische Zen­tralbank (EZB) letztlich nur dazu dienen, den Euro über Wasser zu halten. Aber Euro-Mit­glied­staaten wie vor allem Grie­chenland und Italien würden finan­ziell und poli­tisch kol­la­bieren, wenn die EZB ihre brutale Inter­vention in die Finanz­märkte und das gesetzte Recht aufgäbe und damit ihr eigent­liches Mandat nicht mehr unge­hemmt und unver­drossen über­schritte. Ihre Abkehr davon wäre für den Bestand des Euro eine Art GAU (größter anzu­neh­mender Unfall). Deutschland kann das nicht gleich­gültig lassen, denn mit im Feuer stehen unter anderem die gewal­tigen Target-For­de­rungen seiner Bun­desbank gegenüber der EZB.
Alle Wäh­rungs­unionen, die es in der His­torie bisher gegeben hat, sind früher oder später gescheitert. Das blüht auch der Euro-Wäh­rungs­union. Und hatte der kundige Alan Greenspan nicht schon vor ihrem Beginn orakelt, der Euro werde keinen Bestand haben? Ein sin­kendes Schiff sollte man recht­zeitig ver­lassen und zwar solange noch Ret­tungs­boote ver­fügbar sind. Das hieße, jeden­falls für Deutschland, nix wie raus aus dem Euro. Aber geht das über­haupt? Und wie? Und ist es poli­tisch tunlich? Aus­kunft darüber gibt ein neues Buch von Bruno Bandulet.
Alan Greenspan, der legendäre Vor­sit­zende der ame­ri­ka­ni­schen Notenbank (Fed), hatte seine Meinung über den Bestand des Euro am 2. Mai 1997 geäußert. Der Finanz­fachmann, Buch­autor und frei­be­ruf­liche Jour­nalist Ban­dulet hat es seinem neuen Buch vor­an­ge­stellt. Dessen Titel lautet: DEXIT – Warum der Aus­stieg Deutsch­lands aus dem Euro zwar schwierig, aber dennoch machbar und not­wendig ist. Ban­dulet zitiert auch „die Bera­ter­le­gende“ Roland Berger, der 2017 zum Euro und über Deutschland gesagt habe: „Für die Deut­schen gibt es nur drei Mög­lich­keiten: Erstens, wir werden Teil einer Trans­fer­union, zweitens, wir lösen die Eurozone auf, drittens, Deutschland tritt aus dem Euro aus.“ Und Ban­dulet ergänzt: „Eine vierte Option steht nicht zur Ver­fügung.“ Ich zitiere aus dem Klappentext:
Höchste Zeit, das Tabu zu brechen
„Bisher wurden Bücher über den Euro geschrieben, die nach­wiesen, warum er nicht funk­tio­nierte und nicht funk­tio­nieren kann, wie die Europa-Ver­träge gebrochen wurden, wie die EZB illegal Staaten finan­zierte, wie die Ein­heits­währung mit immensen Summen gerettet werden musste, wie Deutschland den Zahl­meister spielte und wie die Sparer mittels Inflation und Null­zinsen schlei­chend ent­eignet werden. Alles eine not­wendige Bilanz, die auch im vor­lie­genden Buch gezogen wird. Nur eine Frage wurde nie ernsthaft gestellt und dis­ku­tiert: Wenn es stimmt, dass der Euro mehr schadet als nutzt, ist es dann nicht besser, ihn abzu­wi­ckeln? Sollte Deutschland aus­treten? Und, wenn ja, wäre der Dexit über­haupt machbar? Wer wären die Gewinner? Wer die Ver­lierer? Höchste Zeit, das Tabu zu brechen und die Debatte über den Dexit vor­ur­teilsfrei und scho­nungslos zu führen.“
Was Ban­dulet widerlegt, beschreibt, begründet und mit wem er abrechnet
Und weiter: „In seinem neuen Buch widerlegt Bruno Ban­dulet die Legende vom Euro-Pro­fiteur Deutschland. Er beschreibt das ominöse Target-System. Er schildert den schon fort­ge­schrit­tenen Marsch in die Trans­fer­union und in die große euro­päische Umver­teilung. Er rechnet ab mit Mario Draghi und Angelas Merkel. Er erklärt, warum Deutschland Export­welt­meister ist und euro­be­dingt nichts davon hat. Und er begründet Punkt für Punkt, warum im Dexit der Ausweg aus der euro­päi­schen Sack­gasse liegt.“
Wie ein Krimi, den das Leben schrieb, das poli­tische Leben
Ban­dulet schreibt – jour­na­lis­tisch sein beruf­liches Leben lang geschult und darin geübt – flüssig, leicht ver­ständlich und spannend. Unter­teilt hat er sein Buch in fünf Kapitel mit den Titeln „End­spiel – Der Kampf um den Euro – Das Schat­ten­reich – Transfer und Haftung – Exit“. Allein das Inhalts­ver­zeichnis ist schon eine span­nende Lektüre für sich und sorgt für Vor­freude auf alle Seiten, die ihm folgen. Die Über­schriften zu den Unter­ka­piteln sind geschickt so spannend for­mu­liert, dass sie den Leser neu­gierig in den Text hin­ein­ziehen. Hier eine Auswahl davon: „Fake News des Jahres: Der Euro ist gerettet – Die lebenden Toten der Euro-Zone – Die Bun­desbank und ihre wert­losen Gut­haben – Die drei Akte des Euro-Dramas – Wie die Banken zweimal am Euro glänzend ver­dienen – Das Mega-Risiko der Deut­schen Bun­desbank – Wie Mario Draghi der EZB bei­brachte, richtig viel Geld zu drucken – Noten­bank­po­litik der anderen Art: Wie der Prä­sident den EZB-Rat überfuhr und erpresste – Wie ein Ber­liner Dok­torand das Geheim­ab­kommen ANFA auf­deckte – Geheime Macht: Wer das Euro-Kom­plott anrührte – Als Yanis Varou­fakis und Silvio Ber­lusconi der Schat­ten­re­gierung in die Quere kamen, wurden sie abge­setzt – Euro­päische Ein­la­gen­si­cherung und der Export deut­scher Spar­bücher – Target in der End­los­schleife: Wäre wirklich alles ver­loren?“ Man kann Ban­dulets Buch wie einen Krimi lesen, nicht wie einen erfun­denen, sondern wie einen, den das Leben schrieb, das poli­tische Leben – und immer noch schreibt.

Merkels poli­tische Auf­lösung steht fest, die des Euro noch nicht
Auf Seite 162 liest man die tref­fende Bemerkung „Poli­tiker ver­hindern keine Krise, sie reagieren darauf. Sie sind Meister der Rea­li­täts­ver­wei­gerung, und das kommt auch daher, dass Finanz­krisen eine so lange Inku­ba­ti­onszeit haben.“ Mei­ner­seits möchte ich hin­zu­fügen, dass zu viele Krisen durch Poli­tiker auch erst ent­stehen, mit deren Lösch­ver­suchen sie sich neue Betä­ti­gungen erschließen und bei Erfolg sich mit dem Löschen brüsten.
Als Aus­löser für den Dexit sind für Ban­dulet ver­schiedene Sze­narien denkbar. Drei davon beschreibt er: einen Banken-Crash, einen Infla­ti­ons­schock und eine Target-Blo­ckade (Seite 162 bis 166). Vorerst erleben wir den Merkel-Exit. Aus­löser dafür war die Land­tagswahl in Hessen. Mit ihr hat Merkels poli­tische Auf­lösung nun auch offi­ziell begonnen. Wann sich die Euro-Wäh­rungs­union auflöst, steht noch nicht fest, aber sie wird auf schlei­chende Weise folgen. Und zu spät.
 

Erst­ver­öf­fent­lichtung auf der Seite des Mises Institut Deutschland — Dieser Beitrag könnte Sie auch inter­es­sieren: Ein Interview mit Bruno Ban­dulet zu seinem neuen Buch.

Über Klaus Peter Krause: Jahrgang 1936. Abitur 1957 in Lübeck. 1959 bis 1961 Kauf­män­nische Lehre. Dann Studium der Wirt­schafts­wis­sen­schaften in Kiel und Marburg. Seit 1966  pro­mo­vierter Diplom-Volkswirt. Von 1966 bis Ende 2001 Redakteur der Frank­furter All­ge­meinen Zeitung, davon knapp elf Jahre (1991 bis Ende 2001) ver­ant­wortlich für die FAZ-Wirt­schafts­be­richt­erstattung. Daneben von 1994 bis Ende 2003 auch Geschäfts­führer der Fazit-Stiftung gewesen, der die Mehrheit an der Frank­furter All­ge­meine Zeitung GmbH und der Frank­furter Societäts-Dru­ckerei gehört. Jetzt selb­stän­diger Jour­nalist und Publizist. Seine website ist www.kpkrause.de