Gesundheit, Natur & Spiritualität

Zufall – Wie ein schwäbischer Pharmakologe dazu kam, indischen Weihrauch zu erforschen

2. Dezember 2018

Weihrauch war für den Pharmakologen H.T.P. Ammon lange Zeit nur eins: Der Stoff, der bei Gottesdiensten in der katholischen Kirche verräuchert wurde. Heute ist der emeritierte Professor aus Tübingen von der medizinischen Wirksamkeit des Olibanumharzes überzeugt. Wenn er ein Stück Boswellia-Harz in der Hand hält, erfreut er sich an seinem Duft – und ist stolz, dass es ihm und seinen Kollegen gelungen ist, die Wirksamkeit eines Jahrtausende alten Arzneimittels wissenschaftlich zu belegen. Es war ein Zufall, der dazu führte, dass ein vergessenes Heilmittel mit modernen wissenschaftlichen Methoden untersucht wurde.

1986 reiste Prof. Ammon nach Indien, um die ayurvedische Medizin zu erforschen. In Kashmir drückte ihm ein indischer Kollege ein Fläschchen mit einem weißen Pulver in die Hand. Voller Begeisterung erzählte Dr. Singh, „Salai guggal“ sei ein traditionelles ayurvedisches Heilmittel, das zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen verwendet werde. Und zeigte dem deutschen Kollegen die Ergebnisse eines pharmakologischen Versuches: Der Trocken-Extrakt hatte im Tierversuch eine experimentell erzeugte Entzündung verhindert. Dr. Singhs Vermutung: Die sogenannten Boswelliasäuren des Weihrauchs könnten an der entzündungshemmenden Wirkung beteiligt sein. Er bat Ammon, das Pulver in Deutschland und die Wirkung des ayurvedischen Medikaments zu erforschen. Ammon wollte nicht unhöflich sein. Er nahm das Fläschchen mit und stellte es in einen Schrank.

Quelle: http://www.boswellia.org/blog/wie-der-weihrauch-wieder-nach-europa-kam/

Entzündungshemmung durch Weihrauch

Zwei Jahre später: Ein neuer wissenschaftlicher Mitarbeiter kommt an das Pharmazeutische Institut der Universität Tübingen. Da erinnert sich Ammon an das weiße Pulver in seinem Schrank. Er beauftragt den Kollegen damit, die Substanz zu untersuchen und dieser findet heraus: Das Medikament aus Indien scheint tatsächlich anti-entzündlich zu wirken. 1991 erscheint eine erste Publikation. Ammon und seine Mitarbeiter fragen sich jetzt, was die ayurvedische Medizin unter „Salai guggal“ versteht. Zu ihrer großen Überraschung finden sie in einschlägigen Büchern, dass es sich dabei um den indischen Weihrauch handelt, das Gummiharz aus dem Baum Boswellia serrata.

Der Weihrauch spielte eine große Rolle in der Heilkunde des alten Indien. Die „Medizinflasche von Ajanta“ erzählt von der Heilkraft des Weihrauchs. In einem alten Handbuch des Ayurveda, dem Bhava Prakash aus dem 14. Jahrhundert, wird Weihrauch – im Sanskrit Shallaki genannt – in zwei Sutren erwähnt:

„Shallaki ist Nahrung der Elefanten und der reichlich fließende, wohlduftende Nährsaft des Weihrauchbaumes. Dieser entlässt (produziert) sein Harz, reichlich fließend, einen (heil)kräftigen Saft.“ (Sutra 22)

„Sie heilt Blutungen und Wunden, regt an, bringt heraus und nach oben (fördert das Abhusten), stärkt die Stimme und baut körperlich und seelisch auf.“ (Sutra 23)

Prof. Ammon und seine Kollegen extrahieren verschiedene Boswelliasäuren, wiederholen die Tests und kommen erneut zu dem Schluss: Salai Guggal kann Entzündungen hemmen – selektiv und hoch wirksam, weil es ein Schlüsselenzym im Entzündungs-Stoffwechsel hemmt. Die Entdeckung ist eine Sensation. Es gibt keine moderne synthetische Substanz mit einer vergleichbaren Wirkung. Weihrauch ist sehr gut verträglich und verursacht nur in seltenen Fällen leichte Nebenwirkungen. Prof. Ammon sieht Weihrauch als Alternative für chronisch Kranke, die Medikamente wie etwa Kortison, nehmen müssen.

„Von solchen chronischen Erkrankungen gibt es eine Riesenliste. Wichtige davon sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen, bronchiales Asthma, der Lupus erythematodes (eine Auto-Immunerkrankung), rheumatoide Arthritis und andere. Als Pharmakologe wusste ich natürlich auch, dass gerade diese Erkrankungen therapeutisch sehr schwierig zu behandeln sind, insbesondere gab es zu dieser Zeit kein Arzneimittel – nimmt man das Kortison aus – welches die Synthese von Leukotrienen unterdrücken könnte, die eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Entzündungsvorgänge spielen.“

Ammons wissenschaftliche Erkenntnisse wurden von seinen deutschen Kollegen mit einem Achselzucken quittiert. Die Wende kam 1992. Die Tübinger Forschungsergebnisse wurden in der renommierten amerikanischen Zeitschrift „Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics“ publiziert. Im Ausland stießen sie auf großes Interesse und viele pharmakologische und auch einige klinische Studien wurden daraufhin gestartet.

Mehr Informationen findet man auf der Webseite von Prof. Ammon http://www.boswellia.org/blog/

Oder in seinem Buch: Ammon, Hermann P.T. (Hrsg.) „Weihrauch – Anwendung in der westlichen Medizin. Historische Anwendung und neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse“. Springer

Fortsetzung folgt…

 


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