Politik

Eva Herman zum Thema Mann, Frau und Gender

25. Januar 2019

Eva Herman

Der geschlechtergerechte Gesinnungsterror hat unsere Gesellschaft immer fester im Griff. So hat beispielsweise ganz aktuell Hannover Ende Januar 2019 eine Empfehlung für eine »geschlechtergerechte Verwaltungssprache« herausgegeben. Die Verantwortlichen wollen das Männliche wie auch das Weibliche aus der deutschen Sprache tilgen, frei nach dem Motto: Alles ist jetzt gleich, alle sind gleich, es gibt keine Unterschiede, schon gar nicht zwischen Mann und Frau! Gender-Gaga halt. Zum Beispiel wird das Rednerpult im schönen Niedersachsen jetzt zum Redepult umfunktioniert, denn es klingt in modernen Ohren offenbar einfach zu männlich. (Ich frage mich, wann ich wohl meinen Nachnamen Herman ablegen muss?)

Solche und ähnliche bescheidenen Kalauer zeichneten sich leider schon vor einigen Jahren ab. Am 7. September 2006 veröffentlichte ich das heiß diskutierte Buch Das Eva-Prinzip, das schnell zu einem Bestseller wurde. Hierin geht es u.a. um die wissenschaftlich eindeutig nachweisbaren Unterschiede zwischen Mann und Frau, außerdem um das armselige, zuweilen gar lebensgefährliche Erbe der rückwärtsgewandten »Top-Feministinnen« wie Alice Schwarzer & Co, und es geht um das Ansehen der Familie, welches heute, dreizehn Jahre später, tatsächlich inzwischen schwerstens in Mitleidenschaft gezogen ist.

Ab heute werde ich im täglichen Rhythmus verschiedene Passagen aus dem Eva-Prinzip zu den genannten Themen veröffentlichen. Man erkennt leicht, wie sehr sich unser Kulturkreis inzwischen verändert hat. Am Genderthema kommt heute niemand mehr so ohne weiteres vorbei. Worüber viele Menschen früher herzhaft lachen mussten, da zucken sie jetzt nicht selten zusammen und verschließen fest Augen, Mund und Ohren: Man will doch nicht negativ auffallen. Den Ausschluss aus der menschlichen Gemeinschaft will niemand mehr riskieren, lieber unterwirft man sich den verbrämten, kruden Auswüchsen von Ideologie und Dogma. So etwas nennt man Totalitarismus. Können wir noch etwas verändern? Wer weiß.

Teil 1: Die Ideologie der Gleichheit

Mann und Frau sind gleich, und wenn sie es nicht sind, müssen sie gleich gemacht werden: Diese These gehört zu den verhängnisvollsten Behauptungen unserer Gegenwart. Man könnte sogar sagen, dass daraus eine Ideologie entstanden ist, die alle Bereiche der Gesellschaft erfasst hat. Die Vorstellung stammt aus den sechziger Jahren, als man feststellte, auch – und gerade – das Private sei politisch. Das war nicht unbedingt falsch, doch die spätere Ausweitung des Politischen auf das Verhältnis der Geschlechter enthielt einige Denkfehler. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Konnte das mit aller Konsequenz für Mann und Frau gelten?

Als schließlich in den sechziger und siebziger Jahren die Sozialwissenschaften nahelegten, wir Menschen könnten durch Erziehung und Milieu von Grund auf verändert werden, kam es zu erhitzten Diskussionen. Fast nichts sei von der Natur vorbestimmt, so die revolutionär klingende Überzeugung; alles galt plötzlich als formbar, selbst die Geschlechterrollen von Mann und Frau. Viele jubelten: Das bedeutet Gerechtigkeit! Und Chancengleichheit, ganz gleich, ob schwarz oder weiß, Mann oder Frau!

Dies war das Fundament, auf dem auch die sich damals formierende Frauenbewegung baute. Denn die neu verkündete Gleichheit wischte alle Thesen von der Tafel, die Psychologen und Analytiker in der Tradition Sigmund Freuds über die Natur des Weiblichen aufgestellt hatten – über diese hatte sich Alice Schwarzer dann auch noch nachträglich in ihrem Buch Der »kleine Unterschied« und seine großen Folgen beklagt: »Anstatt die Instrumente, die ihnen zur Verfügung stehen, zu nutzen, um aufzuzeigen, wie Menschen zu Männern und Frauen deformiert werden, machten sie sich zu Handlangern des Patriarchats. Sie wurden der Männergesellschaft liebster Einpeitscher beim Drill zur Weiblichkeit.«

Damit sollte es nun ein Ende haben. Der Sieg der Kultur über die Natur schien nahe – und damit der Sieg der Erziehung über das angeborene Geschlecht. Mich hatte das als Teenager zuversichtlich gestimmt. Ich kann einfach alles erreichen, dachte ich in dieser Zeit, ganz egal ob ich ein Junge oder Mädchen bin! Diese Überzeugung war es auch, die mir Selbstsicherheit gab, selbst wenn ich leise Zweifel an meinen »männlichen Talenten« hatte.

 

Heute gehört die Gleichheit der Geschlechter zum Selbstverständnis unserer Gesellschaft. In der sogenannten Wissensgesellschaft, auf die wir ganz stolz sind, regiert die Vernunft, alles scheint machbar und damit auch veränderbar. Der Mensch will die Fäden in der Hand behalten und über alles entscheiden können. Aber sind solche Vorstellungen nicht letztlich von menschlichen Allmachtsansprüchen geprägt? Entsprechen sie überhaupt den heutigen wissenschaftlichen Fakten? Sind sie vereinbar mit den Gesetzen der Natur? Die Antwort: Sie sind es nicht!

Die Diskussion darüber, ob man Frauen und Männer gleichmachen könne, ist vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus beendet. Frauen, die ihr Lebenskonzept danach ausrichten, verrennen sich in folgenschwere Irrtümer.

Auch wenn die unbegrenzte Selbsterschaffung des Menschen eine verführerische Idee der Moderne ist, die Biowissenschaften können auch nach fünfzig Jahren intensiver Forschung keinen Vorrang der Erziehung über das angeborene Geschlecht verkünden. Sie räumen zwar ein, dass uns kulturelle Einflüsse steuern und formen, geben aber auch zu, dass unsere menschliche Natur nicht grundsätzlich verändert werden kann.

Die Tatsache, dass in den siebziger Jahren die charakteristischen Geschlechterrollen grundsätzlich in Frage gestellt wurden, war nicht nur dem Modefach der Soziologie zu verdanken. Oder der intensiv betriebenen Feminismusdebatte. Es passte auch bestens in die gesellschaftspolitische Landschaft. Das Wirtschaftswunder hatte in Deutschland zu einem konjunkturellen Höhenflug geführt. Daraus ergab sich ein Problem: Arbeitskräfte waren rar. Deshalb hatte man, wie es bis heute öffentlich heißt, schon einige Jahre zuvor die ersten Gastarbeiter ins Land geholt, um den zunehmenden Bedarf zu decken.

Doch auch die Frauen wurden jetzt gefordert. Wenn es zu wenig Erwerbstätige gab, was lag da näher, als sie in den Arbeitsmarkt einzugliedern? Dafür mussten Voraussetzungen geschaffen werden, die sich nicht nur in besseren Ausbildungsmöglichkeiten erschöpften. Die berufstätige Frau musste als neues gesellschaftliches Leitbild propagiert werden. Arbeit durfte für Frauen kein Makel mehr sein, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Der Feminismus mit seinen Selbstverwirklichungsträumen und der Behauptung einer grundsätzlichen Gleichheit von Mann und Frau kam unter diesen Voraussetzungen wie gerufen (oder wurde alles gut koordiniert?). Eine emanzipierte Frau, so hieß es plötzlich, dürfe nicht zu Hause herumsitzen und Brei fürs Baby kochen, sie müsse hinaus ins Berufsleben, um sich zu beweisen. Mehr noch: Weibliche Rollenmuster wie das der Ehefrau und Mutter wurden abschätzig beschrieben, sie galten nun als rückständig, als wenig progressiv.

Alles, was die Hausfrau zu ihrer Verteidigung hätte heranziehen können, wurde abgeurteilt. Als die CDU in den siebziger Jahren ein sogenanntes »Hausfrauengehalt« vorschlug, um den Status von Hausfrauen aufzuwerten, hielt Alice Schwarzer im Kleinen Unterschied fest: »Ein solches Hausfrauengehalt würde die Autonomiebestrebungen von Frauen schwer behindern und sie außerdem erneut an ihre Frauenpflichten fesseln. Gerade jetzt, wo Frauen immer weniger bereit sind, sich in ihrem häuslichen Gefängnis zu begnügen, würde ihnen eben dieses Gefängnis mit einem Hausfrauenlohn versilbert und trügerisch erneut attraktiv gemacht.« Anders gesagt: Frauen sollten sich von ihrem Hausfrauendasein lösen, einen Weg zurück dürfe es nicht geben.


Quelle: Eva Herman


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