Politik

Leserfrage: Was wird in Russland über Greta Thunberg berichtet?

24. März 2019

Diese Frage wurde mir heute gestellt und ich habe geantwortet: „Nichts.“ Aber da wurde mir klar, dass das ein durchaus interessantes Thema ist, denn es zeigt mal wieder, wie die Medien im Westen und in Russland sich unterscheiden.

Im Westen macht Greta Thunberg Schlagzeilen. Anscheinend hat ein kleines Mädchen dafür gesorgt, dass nun überall im Westen Schüler freitags die Schule schwänzen und für den Klimaschutz demonstrieren. Interessant wird es, wenn man mal nachschaut, was außerhalb der „westlichen Wertegemeinschaft“ und außerhalb der westlichen Medienmacht darüber berichtet wird, zum Beispiel in russischen Medien.

Über Greta Thunberg wird im Westen viel geschrieben, ich möchte gar nicht über das Mädchen schreiben, da ich darüber nicht genug weiß und es mich ehrlich gesagt auch nicht interessiert. Daher soll es hier um den Blick der Medien auf das Mädchen und die Folgen gehen.

In Deutschland, so bekomme ich es hier in Russland nur am Rande mit, spielt sie eine große Rolle in den Medien. Anscheinend ist sie der Grund für die Freitags-Demos der Schüler, die sich für den Klimaschutz einsetzen oder dies zumindest glauben bzw. vorgeben. Ich hätte mich seinerzeit auch über eine solche Ausrede für das Schuleschwänzen gefreut.

Ich muss aber auch sagen, dass ich es gut finde, wenn Menschen demonstrieren. Das gehört zu einer Demokratie dazu, ich finde, es müsste in Deutschland noch viel mehr demonstriert werden, wenn auch für andere Ziele.

Klima- und Umweltschutz sind wichtige Themen. Und natürlich ignoriert die Politik sie komplett. Wenn man da etwas tun wollte, gäbe es bereits wirksame Gesetze, aber in Deutschland und im Westen allgemein sind die Lobbyisten zu mächtig und verhindern, dass wirksame Gesetze erlassen werden. Egal, ob in Sachen Umwelt oder bei anderen Themen wie Verbraucherschutz oder auch Finanzmarktregulierung. Gegen die Macht der Lobbyisten müsste man demonstrieren und den Menschen bei diesem Thema die Augen öffnen.

Keine Schülerdemo gegen Klimaschutz wird irgendetwas bewegen, solange die Lobbyisten eine solche Macht haben.

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Trotzdem wird nun in den westlichen Medien Greta Thunberg als Symbol gefeiert. Ich persönlich sehe sie als nützliche Idiotin, denn niemand kommt einfach zum Weltklimagipfel oder zum Wirtschaftsforum in Davos und darf dort eine Rede halten. Wenn jemand da reden darf, dann ist das gewollt, von wem auch immer.

Oder anders gesagt: Eine junge Schwedin, die dort reden darf, stellt keine Gefahr dar. Ein Edward Snowden, der tatsächlich beim Wirtschaftsforum einige interessante Dinge erzählen könnte, wird nicht einmal per Videoschalte eingeladen.

Schon daran sieht man die Absurdität der Geschichte: Ein Mädchen gewinnt irgendeinen Schreibwettbewerb in Schweden und darf plötzlich überall auftreten und Politiker holen sich schöne Bilder, wenn sie sich mit ihr zeigen. Das Mädchen wird benutzt. Ein Snowden, um bei dem Beispiel zu bleiben, würde sich nicht so leicht benutzen lassen, der würde auch wirklich unbequeme Dinge mit Hand und Fuß erzählen, das will man dann lieber nicht. Aber ein niedliches Mädchen mit einem emotionalen Text, das kommt immer gut an.

Dann wird sich noch ein bisschen künstlich aufgeregt, dass Schüler freitags demonstrieren anstatt in der Schule zu sitzen, nur um dies dann im nächsten Moment als Beweis für das Funktionieren unserer Demokratie zu verkaufen und für die kritische Jugend, die sie hervorgebracht hat.

Wo war eigentlich diese kritische Öffentlichkeit, als Snowden aufgedeckt hat, dass wir alle abgehört, dass alle unsere Mails und Chats gelesen werden und dass die USA allein in Deutschland zehntausende Trojaner platziert haben, mit denen sie in Deutschland Strom, Wasser, Krankenhäuser usw. abschalten könnten und würden, wenn Deutschland sich wirklich gegen die USA stellen sollte. Wo war da die kritische Öffentlichkeit?

Diese kritische Öffentlichkeit kommt nur dann zu Wort, wenn es genehm ist und auch in „gute“ Bahnen kanalisiert werden kann. Wenn es um wirklich wichtige Themen geht, dann wird davon abgelenkt.

Ein paar Beispiele: In Deutschland sterben tausende Menschen jedes Jahr an „Krankenhauskeimen“, die es aber in dieser Menge nur in Deutschland gibt, weil unser Gesundheitssystem so ist, wie es ist. Könnte man ja mal ändern, kostet aber Geld und tut der Pharmaindustrie weh. Womit wir wieder bei den Lobbyisten sind, die wirklich wichtige Dinge verhindern und die Medien stürzen sich lieber auf Greta und berichten nur am Rande mal über Krankenhauskeime, wenn einmal im Jahr eine Statistik veröffentlicht wird.

Snowden habe ich schon erwähnt. Seine Enthüllungen sind so gründlich von den Medien vergessen worden, dass niemandem auffällt, dass Snowden mitgeteilt hat, dass das Ausschalten von Stromnetzen zur hybriden Kriegsführung der NSA gehört. Ein Schelm, wer da jetzt an Venezuela denkt.

Also berichten die Medien lieber über Greta.

Und jetzt kommt der Witz: Das findet nur im Westen statt. Außerhalb des Machtbereiches der westlichen Medien interessiert Greta niemanden und niemand weiß von ihr. Daher ist die Frage, warum dieses Thema von allen westlichen Medien einstimmig in die Schlagzeilen geprügelt wird, im Rest der Welt aber nicht stattfindet, durchaus angebracht.

Auf eine Leserfrage habe ich das Thema mal gegoogelt. In Deutschland haufenweise Videos und Berichte der großen Medien, 33 Millionen Treffer bei Google. Auf russisch findet sich viel weniger: nur 115.000 Treffer bei Google. Noch deutlicher wird es, wenn man bei den großen russischen Medien ihren Namen in die Suchfunktion eingibt: Kein einziger Artikel. Lediglich die russischen Töchter der westlichen Staatsmedien wie Deutsche Welle, Radio Liberty oder Euronews und andere haben Berichte auf russisch gebracht.

 


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru


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