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Fall Skripal: Julia Skripal verkauft ihre Wohnung in Moskau, ohne selbst in Erscheinung zu treten

27. Mai 2019

Im Fall Skripal gibt es Neuigkeiten, die allerdings auch nicht auf eine baldige Aufklärung hoffen lassen.

Zur Erinnerung: Am 4. März 2018 wurden Sergej Skripal und seine Tochter Julia leblos auf einer Parkbank gefunden. Sie kamen ins Krankenhaus und wurden behandelt, Großbritannien meldete, sie wären mit einem chemischen Kampfstoff namens „Novitschok“ vergiftet worden und beschuldigte Russland. Auch ein Polizist, der in ihrer Nähe war, hatte sich angeblich kontaminiert und wurde behandelt.

Das OPWC wurde von Großbritannien erst zwei Wochen später an die Patienten und die Proben des Giftstoffes herangelassen und konnte ihn nicht zuordnen. Es gab noch sehr viele Ungereimtheiten und bis heute offene Fragen. Die genaue Chronologie der Ereignisse und die bekannten Fakten finden Sie hier.

Erwähnenswert ist noch, dass erst neun Monate später herauskam, dass eine 16-jährige namens Abigail McCourt den Skripals erste Hilfe geleistet hat und dabei merkwürdigerweise nicht kontaminiert wurde, der Polizist, der daneben stand, aber angeblich schon. Interessanterweise war sie mit ihrer Mutter vor Ort, die Colonel der britische Armee und ist dort als Krankenschwester arbeitet. Die Details dazu finden Sie hier.

Ich will auf diese altbekannten Fakten hier nicht eingehen, Sie können die Details und Hintergründ in den obigen Links nachlesen.

Die Skripals haben den Anschlag wie durch ein Wunder überlebt, frühere Vorfälle mit Novitschok endeten tödlich. Danach verschwanden die Skripals. Offiziell hat Großbritannien sie an einen „sicheren Ort“ gebracht.

Sergej hat eine 90-jährige Mutter in Russland, bei der er sich danach nicht mehr gemeldet hat. Seine Tochter Julia hat ihre Cousine Viktoria in Russland noch einmal angerufen, das Gespräch wurde aufgezeichnet und es klang nicht so, als wolle sie den Kontakt zur Familie abbrechen.

Trotzdem brachen die beiden den Kontakt vollständig ab und Großbritannien sagt nur, sie seien an einem sicheren Ort und wollen mit niemandem reden.

Das wirft noch mehr Fragen auf, denn wenn Großbritannien so sicher ist, dass Russland für den Vorfall verantwortlich ist, dann hätte man die Skripals doch wenigstens ein Mal der Presse präsentieren können, damit sie sich selbst äußern. Stattdessen sind sie seit dem 4. März 2018 nicht mehr gesehen worden. Und ihre russischen Verwandten bekamen kein Visum, um sie in Großbritannien im Krankenhaus zu besuchen. Die Skripals werden systematisch abgeschirmt.

Jetzt gibt es etwas Neues. Julia Skripal hat noch ein Auto, eine Wohnung und ihren geliebten Hund in Moskau. Vor einigen Tagen wurde gemeldet, dass ihre Wohnung zum Verkauf steht. Demnach hat sie über soziale Netzwerke Kontakt zu einer Freundin, der sie eine Vollmacht ausgestellt haben soll, um Auto und Wohnung zu verkaufen.

Die Nichte von Sergej Skripal und Cousine von Julia macht in Russland immer wieder Schlagzeilen, weil sie sich nicht damit abfinden will, dass die beiden den Kontakt zur Familie abgebrochen haben. Sie will wissen, wie es ihrer Cousine und ihrem Onkel geht, bekommt aber von London keine Erlaubnis, sie zu sehen.

Zu der Tatsache, dass Julia nun endgültig alle Brücken abbricht und allen Besitz in Russland verkauft und ihren Hund abgeben will, sagte Viktoria:

„Julia Skripal plant nicht, nach Russland zurück zu kommen: Sie hat ihren Wagen, einen Ford, schon per Vollmacht verkaufen lassen und jetzt sucht sie aktiv Käufer für ihre Zweizimmerwohnung. Es ist kein Geheimnis, dass ihre Freundin die Wohnung mit Vollmacht verkauft. Die Freundin und sie haben über soziale Netzwerke Kontakt. (…) Die Zweizimmerwohnung im Erdgeschoss befindet sich im Nordwesten Moskaus in der Davydkovski-Straße. Sie gehört Julia und nur sie ist dort gemeldet. Außerdem möchte sie ihren Hund in gute Hände abgeben. (…) Mamas Gesundheit ist nicht gut, sie wird am 24. Juli 91. Letztes Jahr hat Julia zum ersten und einzigen Mal nach dem Vorfall angerufen und Mama zum Geburtstag gratuliert. (…) Sie wird gezwungen sein, eine Erklärung abzugeben, dass sie nie wieder nach Russland zurückkehrt, damit ich mich beruhige und keine Fragen mehr stelle.“

Der Verkauf der Wohnung lässt sich im Grundbuch später überprüfen, alles andere nicht. In jedem Fall ist auch diese kleine Neuigkeit nicht dazu geeignet, Licht in den mysteriösen Fall zu bringen. Die Frage ist, warum Großbritannien die Skripals, so abschirmt, anstatt den Fall aufzuklären und sie vor der Presse ihre Version der Geschichte erzählen zu lassen.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
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Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“