Politik

Helmut Schmidt: Ich würde die Einwanderung aus primitiven Entwicklungsländern nicht empfehlen

4. August 2019

Helmut Schmidt wäre heute 100 Jahre alt. Im November 2015 verstarb er im Alter von 96, fast 97 Jahren. Im Dezember 2009, kurz vor seinem 91. Geburtstag, gab der deutsche Alt-Bundeskanzler der NZZ ein langes Interview, in welchem er sich auch zu den Themen Überbevölkerung der Erde und Massenmigration dezidiert äußerte. Ich selbst befasse mich seit vielen Jahren, teilweise Jahrzehnten, immer wieder mit diesen Themen. Mein Eindruck: Es gab und gibt nur wenige, die die Problematik in ihrer ganzen Tiefe so sehr erfasst haben wie der Mann, dessen geistige Klarheit und Geradlinigkeit uns sehr fehlen.

Eine der dümmsten Milchmädchenrechnungen, die jemals ein menschliches Gehirn fabrizierte

Er gilt als einer der herausragendsten Politiker in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands und Europas, hat wie kaum ein anderer in den letzten Jahrzehnten die politische und gesellschaftliche Debatte Deutschlands als Minister, Regierungschef, Intellektueller, Publizist und Herausgeber der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ geprägt: Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Kurz vor seinem 91. Geburtstag führten der damalige NZZ-Chefredakteur Markus Spillmann und Marco Färber ein ausführliches mehr als 50-minütiges Interview mit dem damals geistig immer noch sehr Agilen.

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Vor allem aber war Helmut Schmidt einer derjenigen Politiker, dem das global vielleicht größte Problem von allen in aller Deutlichkeit bewusst war: das der Überbevölkerung. Seit dem 20. Jahrhundert registrieren wir eine wahre Bevölkerungsexplosion, wie sie die Welt noch niemals zuvor gesehen hat, vor allen Dingen in Afrika, aber auch in der islamischen Welt Asiens.

Nun meinen einige, wenn Afrika und das islamische Asien regelrecht explodieren, Europa aber schrumpft und vergreist, weil es von Portugal bis Russland, von Griechenland bis Norwegen viel zu wenig Kinder bekommt, dann wäre es doch die einfachste Lösung, wenn man die Menschen von dort, wo viel zu viele sind und immer noch mehr dazukommen, also aus den Überproduktionsgegenden, in einem gigantischen Migrationsprozess, wie ihn die Welt in diesem Ausmaß noch niemals gesehen hat, nach dorthin umsiedelt, wo viel zu wenige sind, also in die Unterproduktionsgegenden.

Dass diese eine der dümmsten Milchmädchenrechnungen ist, die jemals ein menschliches Gehirn fabrizierte, erkennen aber bislang nur wenige, was wohl nur damit erklärt werden kann, dass wir es hier mit anthropologischen Analphabeten zu tun haben, die keine Ahnung haben vom Menschen, von seinem Wesen, von seiner kognitiven und emotionalen Möglichkeiten, von dem, wie Hochkulturen entstehen und am Leben gehalten werden, was dazu alles notwendig ist und welche enorme Erziehungs- und Bildungsanstrengungen es kostet, aus einem Lebewesen, das die Anlage dazu in sich trägt, mehr aber zunächst nicht, einen halbwegs zivilisierten Menschen zu machen und ihn innerlich in einer hochmodernen Gesellschaft ankommen lassen, sodass er sich in dieser zuhause und ihr innerlich verbunden fühlt.

Ich würde euch nicht empfehlen, die Einwanderung aus primitiven Entwicklungsländern zu forcieren

Dies ist bei Kulturfremden aus primitiven Gesellschaften deshalb umso schwieriger, weil alle Vorfahren des Primitiven in der gesamten Menschheitsgeschichte über zig und hunderte Generationen niemals in der Lage waren, eine vergleichbare Hochkultur und Zivilisation zu erschaffen, was nicht selten tiefe Ressentiments, Hass-, Neid- und Missgunstgefühle in ihm evoziert, die meist aus Minderwertigkeitsgefühlen entstehen, weil er ja den gewaltigen Unterschied jeden Tag direkt vor Augen geführt bekommt, was die Vorfahren derer, die ihn jetzt gnädigerweise aufgenommen haben, zu erschaffen imstande waren, seine Vorfahren aber nicht.

Er lebt in einer zivilisierten Welt, die seine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Ururgroßeltern… nicht hervorbringen konnten. Er gehört meist niemals richtig dazu, weil er eben seine Ururgroßeltern in sich trägt und nicht die Ahnen der Kultur, in welche er migrierte, und die ihn nun einerseits fürstlich versorgt – in Relation zu dem, was er von zuhause von seinen Vorfahren und Brüdern kannte -, andererseits hat er aber doch weniger als die meisten anderen in der Gesellschaft, in welcher er jetzt als Fremdling lebt. Das erzeugt nicht selten eine tiefe innere Zerrissenheit, die sich in Depression und nicht selten in Aggressivität, Gewalt, Kriminalität niederschlägt.

Hinzu kommt, dass die Migration aus dünn besiedelten Gebieten in dicht besiedelte Gebiete verläuft, also genau umgekehrt, wie man es vermuten würde und wie es natürlich wäre. Helmut Schmidt wusste um viele dieser Dinge. Er sah vieles davon schon vor Jahrzehnten mit ungewöhnlicher Klarheit, blieb aber zumeist wie all die anderen auch ein einsamer Warner.

„Ich würde euch nicht empfehlen, die Einwanderung aus primitiven Entwicklungsländern zu forcieren“,

sagte er gegen Ende des Gesprächs.

Mit dem lieben Gott habe ich meine Schwierigkeiten, genauer gesagt: mit dem christlichen Gott habe ich meine Schwierigkeiten

Auf die „Weisheit des Alters“ angesprochen, meinte Schmidt sehr weise, er wisse nicht, ob die Weisheit des Alters jeden erreiche. Er habe einige Alte kennengelernt, die ziemlich verrückt waren. Und die Zahl der Demenzkranken nehme ja leider mit dem Alter zu. Und dann halb im Spaß:

„Der liebe Gott hat einen Fehler gemacht. Entweder hätte er uns eine bessere Konstitution mitgeben müssen oder er hätte uns nicht so alt werden lassen dürfen.“

Und auf die Frage, ob er insgesamt aber doch nicht zufrieden sei mit dem, was ihm der liebe Gott mitgegeben habe, antwortete er:

„Ich bin nicht so ganz sicher, ob ich mit dem lieben Gott zufrieden bin. Ich hab mal im Kriege mich eine Zeit lang beruhigen lassen mit der christlichen Weisheit, dass auf der Welt nichts geschieht, was Gott nicht will. Aber dann habe ich gefunden, dann müsste er ja auch die beiden Weltkriege gewollt haben. Und muss dann ja auch wohl Auschwitz gewollt haben. Also mit dem lieben Gott habe ich meine Schwierigkeiten.“

Ob er mit ihm hadere, fragt der Journalist.

„Nein, das heißt es nicht. Das ist zu viel gesagt. Aber genauer gesagt, mit dem christlichen Gott habe ich meine Schwierigkeiten.“

Helmut Schmidt in Bild und Ton

Hören sie hier die letzten 12:30 Minuten.


Jürgen Fritz – Erstveröffentlichung auf dem Blog des Autors www.juergenfritz.com


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