co2 am Himmel? - Photo By: Zappys Technology Solutions - https://www.flickr.com/photos/102642344@N02/ - CC BY 2.0

Bei­spiel Greta, Klima und Umfra­ge­werte der Grünen: Wie Pro­pa­ganda funk­tio­niert und wirkt

Seit einem knappen Jahr erleben wir eine bei­spiellose Pro­pa­ganda-Kam­pagne, die auch Wirkung zeigt und es auf­grund ihrer mess­baren Ergeb­nisse sicher bald in die Lehr­bücher der Fach­li­te­ratur schaffen wird. Und sie zeigt, wie beein­flussbar die angeblich so auf­ge­klärten Men­schen in Deutschland durch Pro­pa­ganda auch heute noch sind.
Noch im Januar, als der Greta-Hype noch von vielen belä­chelt wurde, ran­gierte das Thema „Umwelt/Klimaschutz“ in Umfragen mit 13% zwar auf Platz drei der wich­tigsten Pro­bleme der Deut­schen, aber doch noch unter „ferner liefen“, denn die Pro­bleme „Migration/Integration“ (31%) und „Gesundheit/Rente/Sozialsysteme“ (29%) waren auf den Plätzen eins uns zwei die drän­gendsten Pro­bleme für die Deutschen.
Nach zehn Monaten Dau­er­pro­pa­ganda in allen Medien über den Kli­ma­wandel, Greta und Friday-Hüpfer sieht die Rang­folge schon so aus: Platz eins „Gesundheit/Rente/Sozialsysteme“ (25%), Platz zwei „Umwelt/Klimaschutz“ (22,9%) und Platz drei „Migration/Integration“ (22,5%).

Man kann an dieser Ent­wicklung bei­spielhaft ablesen, welchen Ein­fluss Pro­pa­ganda auch heute noch hat.
Es ist ja nichts geschehen, was diese Ver­än­derung begründen würde. Es gab keine Natur­ka­ta­strophe, keine bahn­bre­chenden, neuen, wis­sen­schaft­lichen Erkennt­nisse, gar nichts. Nur einen unge­hemmten Medi­enhype um ein kleines Mädchen, das überall wie ein Papagei den gleichen Text run­ter­rappelt, der aus Text­bau­steinen wie „Ihr klaut unsere Zukunft“, „wir lassen das nicht zu“ oder „wie könnt Ihr nur?“ in ver­schie­denen Kom­bi­na­tionen zusam­men­ge­würfelt wird.
Das alles wird hoch­emo­tional prä­sen­tiert. Es geht nicht um Fakten, neue Erkennt­nisse oder eine offene Dis­kussion, nein, es geht nur um Parolen. Das ist ein klas­si­sches Merkmal von Pro­pa­ganda: Sprich die Men­schen mit ein­fachen und emo­tio­nalen Parolen an!
Fakten brauchten Pro­pa­gan­disten eigentlich nie, nur Emo­tionen. So funk­tio­niert auch Werbung, es sind die gleichen Mecha­nismen, weshalb PR und Pro­pa­ganda auch für Fach­leute das gleiche sind. In der Werbung wird nie erklärt, dass ein bestimmtes Auto besser ist, als seine Kon­kurrenz, weil …, sondern es gibt schöne Bilder und Musik, die die Gefühle ansprechen.
Pro­pa­ganda und PR wollen den Ver­stand aus­schalten, der Mensch muss etwas wollen, er muss es fühlen.
Ich komme ursprünglich aus dem Ver­trieb und dort lernte man, dass man auf emo­tio­naler Basis bei den Men­schen ein Bedürfnis, einen Mangel wecken muss. Wenn der Mensch dieses Bedürfnis dann befrie­digen will, kauft er das Produkt um jeden Preis. Wer einem Kunden eine Alters­vor­sorge ver­kaufen will, muss ihm vor­rechnen, was er an Rente bekommt. Dann muss man mit dem Men­schen durch­gehen, was er heute ver­dient und was er sich als Rentner alles nicht mehr leisten kann. Man muss ihm das, was er hat, in Gedanken weg­nehmen, dann wird er kaufen.
Nicht falsch ver­stehen, wir haben ein großes Problem mit der Rente und der Alters­armut in Deutschland. Und da die Politik das Problem nur ver­schlimmert, sollte jeder, der es sich leisten kann, etwas tun, wenn er nicht als Rentner in Armut leben will. So funk­tio­niert unser Staat heute nun einmal.
Ich zeige hier nur an einem Bei­spiel auf, wie der Ver­kaufs­prozess funktioniert.
Und das gleiche macht Greta: Sie macht den Men­schen Angst vor der Zukunft, sie nimmt den Men­schen gedanklich ihr sicheres Leben. So, wie der Ver­käufer einer Alters­vor­sorge dem Men­schen die finan­zielle Sicherheit gedanklich weg­nimmt, so nimmt Greta ihren Zuhörern ihre gesi­cherte Zukunft und malt den kom­menden Welt­un­tergang an die Wand.
Und beides funk­tio­niert, die psy­cho­lo­gi­schen Pro­zesse, die beim Zuhörer ablaufen, sind die gleichen: Es ist das Wecken von Existenzangst. 
Wer sich die kurzen, prä­gnant aus Text­bau­steinen zusam­men­ge­wür­felten Reden von Greta anhört, der stellt fest, dass es dabei genau darum geht: Emo­tio­na­li­siere die Zuhörer, nimm ihnen das Gefühl von Sicherheit, stürze sie in Exis­tenz­ängste. Nicht mit Argu­menten über­zeugen ist gefragt, es geht nur um Emo­tionen. Und das bei einem natur­wis­sen­schaft­lichen Thema, wo es um nackte Fakten gehen sollte. Das ist eigentlich ein Fall von Realsatire.
Ver­käufer werden lange aus­ge­bildet, um diese Gesprächs­führung zu lernen. Dass Greta sich das selbst aus­denkt und nebenbei zur „besten Ver­käu­ferin“ der Welt geworden ist, klingt für mich unglaub­würdig. Aber es ist pas­siert und man fragt sich, wer ihr die Texte ein­ge­flüstert hat.
Denn sie ist die beste Ver­käu­ferin der Welt, sie hat die Deut­schen in wenigen Monaten dazu gebracht, so in Panik zu geraten, dass sie neue Steuern zahlen wollen und wer dabei zu kleine Summen vor­schlägt, bekommt den Shit­storm ab. Die Men­schen in Deutschland glauben tat­sächlich, sie könnten etwas am Klima ändern, wenn sie mehr Steuern zahlen. Die Tabak­steuer hat den Lun­gen­krebs nicht geheilt und auch nicht abge­schafft. Man löst mit Geld keine Pro­bleme, dazu braucht es Maßnahmen.
Aber diese Pro­pa­ganda zeigt Wirkung: Die Grünen erleben seit Monaten einen Höhenflug, weil die Medien ihr Thema, das Klima, täglich in die Schlag­zeilen bringen.
Wie irre das ist, konnte man heute beim Spiegel lesen. Eine Umfrage hat nämlich ergeben, dass die Deut­schen den Grünen bei keinem Thema wirklich etwas zutrauen. Egal, ob Fami­li­en­po­litik, Sozi­al­po­litik, Wirt­schafts­po­litik oder Außen­po­litik, auf keinem der wich­tigen Felder halten die Deut­schen die Grünen für kom­petent. Und meiner Meinung nach auch völlig zu recht, aber das ist nur meine Meinung.
Lediglich bei der Umwelt­po­litik trauen die Deut­schen den Grünen etwas zu. Daran sieht man, wie unglaublich wirksam die Pro­pa­ganda-Kam­pagne ist, die seit einem Jahr läuft. Plötzlich finden viele das Thema Klima ganz wichtig und über 20 Prozent der Deut­schen sind bereit, eine Partei zu wählen, der sie eigentlich gar nichts zutrauen, die aber den ganzen Tag von Umwelt- und Kli­ma­schutz schwafelt.
Was wäre wohl los, wenn die Medien den Wählern der Grünen berichten würden, dass die Partei nur von Umwelt­schutz schwa­dro­niert, aber klamm­heimlich dafür gestimmt hat, den Import von dre­ckigem US-Fracking-Gas zu sub­ven­tio­nieren? Glaube Sie nicht? Stimmt aber, lesen Sie es hier nach.
Den Grünen wird von den Deut­schen bei nur einem Thema Kom­petenz zuge­traut und bei dem Thema betrügen die Grünen die Men­schen auch noch, wenn sie in Inter­views das eine erzählen, aber dann klamm­heimlich für das Gegenteil stimmen. Offen­sichtlich glauben die Grünen den Unsinn, den sie in die Mikrofone plappern, selbst nicht. Oder sie sind so korrupt, dass es ihnen egal ist, wofür sie stimmen. Haupt­sache, es gibt später einen gut bezahlten Job in der Wirt­schaft oder bei einem Lobbyverband.
Immerhin: Die Grünen sind gegen die kon­ven­tio­nelle Ener­gie­ver­sorgung und gegen Gly­phosat. Aber es sind aus­ge­rechnet Grüne Poli­tiker, die Chef­lob­by­isten der Ener­gie­wirt­schaft und für Gly­phosat geworden sind. Wenn die Kohle stimmt, macht ein Grüner auch Lob­by­arbeit für Kohle(strom).
Egal, ob Sie an den men­schen­ge­machten Kli­ma­wandel glauben, oder nicht. Aber in einem sollten wir uns einig sein: Man löst keine Pro­bleme mit Geld. Und bloß weil wir in Deutschland unsere Autos stehen lassen und mit Kerzen (Achtung Fein­staub!) die Woh­nungen beleuchten, anstatt mit Glüh­lampen, wir werden nichts ändern, wenn wir gleich­zeitig die Glo­ba­li­sierung feiern und unsere bil­ligen Waren mit Con­tai­ner­schiffen aus China antrans­por­tieren lassen.
Übrigens finden die Grünen Glo­ba­li­sierung ganz toll, dass dafür jedes Jahr mehr dre­ckige Con­tai­ner­schiffe auf den Ozeanen her­um­fahren, stört sie keineswegs.
Wie passt das zur Klimadebatte?
Aber die Pro­gnosen der Kli­ma­for­scher sind bisher ja alle auch nicht ein­ge­troffen. Ich bin etwas älter und ich erinnere mich noch an die 1980er Jahre, als man uns erzählt hat, dass in 20 oder 30 Jahren Nord­deutschland unter Wasser stehen wird. Nun, die 30 Jahre sind längst vorbei, aber Nord­deutschland ist noch immer nicht untergegangen.

Dabei gibt es echte Pro­bleme, die eben­falls lange bekannt sind, aber nicht ange­gangen werden. Das Trink­wasser in Deutschland war immer Welt­spitze, inzwi­schen ist es stel­len­weise durch die Über­düngung der Böden so mit Nitraten ver­seucht, dass man es nicht mehr trinken kann und auf­wendig rei­nigen muss. Die Mas­sen­tier­haltung führt dazu, dass wir mit Fleisch made in Germany einen hüb­schen Cocktail aus Anti­biotika zu uns nehmen, dessen Zutaten nor­ma­ler­weise rezept­pflichtig wären. Und der endlose Plas­tikmüll ver­seucht die Meere in einer Weise, die dazu führt, dass wir mit Fisch inzwi­schen auch gleich das Mikro­plastik mit essen.
Ich bin Taucher und ich muss sagen, dass ich an manchem Riff schwer scho­ckiert war, wenn anstatt von Fischen Plas­tik­tüten in 20 Meter Tiefe an mir vorbei geschwommen sind.

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Das sind die viel grö­ßeren Problem und im Gegensatz zum Kli­ma­wandel, der viel­leicht mal kommen wird und viel­leicht sogar zum Teil vom Men­schen gemacht ist, sind diese Pro­bleme bereits da!
Aber dagegen wird nicht gehüpft. Man könnte Ver­pa­ckungen aus Plastik morgen ver­bieten, es gibt Ersatz­stoffe, die Plastik ersetzen können und aus pflanz­lichem Zucker gewonnen werden. Natur pur, man könnte den Ver­pa­ckungsmüll einfach auf den Kom­post­haufen werfen. Man könnte, anstatt die indus­trielle Land­wirt­schaft zu fördern, sie extra hoch besteuern und statt­dessen die Bio­land­wirt­schaft fördern. Dann wäre es schnell vorbei mit Nitraten im Grund­wasser und Anti­biotika im Fleisch. Ja, Lebens­mittel würden teurer werden, aber das könnte man not­falls subventionieren.
Und all das wäre möglich. Gerade hat Grie­chenland bis 2021 von Ein­weg­plastik ver­boten. Auch kana­dische Pro­vinzen gehen eine nach der anderen dazu über und Aus­tralien schmiedet in seiner Region eine inter­na­tionale Allianz zum Kampf gegen Plas­tikmüll in den Ozeanen. Das zeigt, dass man viel tun könnte, wenn es denn gewollt wäre. 
Ein wei­terer Hinweis darauf, dass man Umwelt­pro­bleme, die wirklich ernst sind, schnell lösen kann, war FCKW. Das sah man als echtes Problem an und hat sich schnell auf ein welt­weites Verbot geeinigt.
Aber komi­scher­weise pro­pa­gieren die Medien nicht die Themen, die wirklich zu einer akuten Gefahr geworden sind und bei denen man schnell etwas tun könnte. Und die Grünen klopfen Sprüche und tun das Gegenteil von dem, was sie fordern.
Deshalb ist die emo­tionale Pro­pa­ganda so wichtig: Sie lenkt von den wahren Pro­blemen und von den wirklich rea­lis­ti­schen Lösungen ab. Und sie schaltet das Gehirn ab, Emo­tionen sind stärker, als rationale Argumente.
Aber ver­suchen Sie das mal einem Greta-Jünger oder Tages­schau-Gläu­bigen zu erklären…

Thomas Röper — www.anti-spiegel.ru
Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Ost­europa in ver­schie­denen Ver­si­che­rungs- und Finanz­dienst­leis­tungs­un­ter­nehmen in Ost­europa und Russland Vor­stands- und Auf­sichts­rats­po­si­tionen bekleidet, bevor er sich ent­schloss, sich als unab­hän­giger Unter­neh­mens­be­rater in seiner Wahl­heimat St. Petersburg nie­der­zu­lassen. Er lebt ins­gesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwer­punkte seiner medi­en­kri­ti­schen Arbeit sind das (mediale) Russ­landbild in Deutschland, Kritik an der Bericht­erstattung west­licher Medien im All­ge­meinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.
Thomas Röper ist Autor des Buches „Vla­dimir Putin: Seht Ihr, was Ihr ange­richtet habt?“