Politik

Und MH17? Medien melden Fälschungen bei holländischer Untersuchung zu Flugzeugabsturz 2009

27. Januar 2020

Wieder einmal muss man russische Meldungen verfolgen, wenn man Neuigkeiten über die 2014 bei Donezk abgeschossene malaysische Boeing erfahren möchte, die in den Niederlanden Schlagzeilen machen.

In den Niederlanden bahnt sich ein neuer Skandal an, denn es gibt Berichte, dass der Untersuchungsbericht über den Absturz einer türkischen Frachtmaschine bei Amsterdam im Jahre 2009 von offizieller Seite verfälscht worden ist. Das wirft ein ganz besonderes Licht auf die Untersuchungen zum Abschuss des malaysischen Fluges MH17 über der Ukraine, der ebenfalls in den Niederlanden untersucht wird und auf Äußerungen des niederländischen Außenministers, der Parallelen zum Abschuss der ukrainischen Maschine bei Teheran gezogen hat.

Dazu hat sich die Sprecherin des russischen Außenministeriums in einer offiziellen Erklärung geäußert, die ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Wir können die Aussagen des niederländischen Außenministers Blok im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz in der Nähe von Teheran am 8. Januar 2020 nicht ignorieren, in denen er weit hergeholte Parallelen zwischen der Zerstörung des ukrainischen Passagierflugzeugs und der Zerstörung der malaysischen Boeing im Juli 2014 in der Ukraine gezogen hat. Wir verstehen, dass das auch Teil der Medienkampagne ist, denn alle Fragen die dazu an uns gerichtet wurden, auch von britischen Medien, haben diese Themen auch miteinander verknüpft.

Der Chefdiplomat der Niederlande hat aus unserer Sicht die Tragödie im Iran, die ihre eigenen Ursachen hat, für neue Angriffe auf Russland und für Werbung für die ohnehin schon recht lästigen und subjektiven Ansätze Den Haags zum Absturz von Flug MH17 missbraucht.

Im Zusammenhang mit dem Absturz von Flug PS752 im Iran forderte Blok nun, dass Russland „befriedigende Antworten auf eine Reihe von Fragen des Ermittlungsteams“ geben müsse. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit besonders auf die Formulierung „befriedigende Antworten“ lenken. Das heißt, das sind nur solche Antworten, die die Schlussfolgerungen der Untersuchung bestätigen und ihnen nicht widersprechen. Es geht nicht um Antworten auf Fragen, sondern um solche Antworten, die er anscheinend als richtig ansieht.

Blok, der sich nicht an dem Mangel an Beweisen stört, spricht nun von einigen „persönlichen Gefühlen“, dass sich der russische Außenminister, wenn es um MH17 geht, angeblich „unwohl“ fühlt und dass „die Russen besser beraten wären ihre Schuld einzugestehen und sich bereit zu erklären, die Angehörigen der Opfer zu entschädigen und damit die Spannungen zu beseitigen.“ Das ist natürlich ein starker Ansatz. Ich habe nur eine Frage: Welche weiteren Enthüllungen sind von niederländischen Physiognomisten noch zu erwarten?

Früher wurden Regentänze abgehalten. Es hat überhaupt nichts mit Rechtsprechung zu tun, wenn es um Gefühle geht: „Es wäre besser, deine Schuld einzugestehen und befriedigende Antworten auf Fragen zu geben“.

Auf der anderen Seite ist das nichts Neues im niederländischen Königreich. Subjektive Einschätzungen sind dort vorherrschend.

Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass die Untersuchung, die von den Niederlanden durchgeführt wird, objektiv betrachtet in ernsten Schwierigkeiten ist. Wir haben wiederholt darüber gesprochen und eine Reihe von Beweisen vorgekegt, die die Version der Ermittler widerlegen. Darunter sind die Ergebnisse eines Experiments, das von Almaz-Antey (Anm. d. Übers.: Hersteller der Buk-Rakete, die das Flugzeug abgeschossen hat) durchgeführt wurde, und primäre Radardaten, die die Möglichkeit des Abschusses einer Rakete aus dem Gebiet ausschließen, das die Ermittler benannt haben und die Informationen des russischen Verteidigungsministeriums darüber, dass über die Rakete, die nach Angaben des Gremiums das malaysische Flugzeug zum Absturz brachte, der ukrainischen Armee gehörte.

Wir haben die niederländische Seite und die Öffentlichkeit wiederholt darüber informiert, auch in den Erklärungen und Kommentaren des russischen Außenministeriums, sowie in der Antwort der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation auf die Anschuldigungen gegen Russland im „Fall Tsemach„. Das sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow während seiner Jahrespressekonferenz über das Jahr 2019.

Und in den Niederlanden selbst zeigen sich viele neue Beweise dafür, dass der niederländische Staat schon vor der Tragödie von Flug MH17 nicht durch gewissenhafte, vorurteilsfreie und unvoreingenommene Ansätze bei Ermittlungen zu Flugzeugabstürzen geglänzt hat. Ohne Freude, sondern sehr überrascht und sogar schockiert haben wir die in der Presse präsentierten Unterlagen über die Verfälschung der Ursachen des Flugzeugabsturzes der Turkish Airlines 2009 bei Amsterdam durch den niederländischen Sicherheitsrat gelesen. All dies geschah, wie wir aus den Medien verstanden haben, zugunsten der amerikanischen Firma Boeing.

Warum sagen ich, dass wir schockiert waren? Weil es Grenzen des Zulässigen geben muss. Schließlich ist reden wir nicht nur von einzelnen Beamten, sondern von ganzen Staaten und ihren Fachleuten, denen die Menschen vertrauen und die die Wahrheit enthüllen sollen. Wenn solche Unterlagen auftauchen, die darüber berichten, wie die Untersuchung der Tragödie in den Niederlanden tatsächlich abgelaufen ist, dann verschlägt einem das tatsächlich den Atem. Es stellte sich heraus, dass wir es all die Jahre mit Menschen zu tun haben, die etwas zu verbergen haben.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das gleiche jetzt nicht wieder geschieht, angesichts der Ergebnisse und Merkwürdigkeiten bei der Arbeit, die wir beobachten und über die wir gerade deshalb sprechen, um die Aufmerksamkeit auf diese Dinge zu lenken? Das ist die große Frage. Was hat das, was im Iran mit dem ukrainischen Flugzeug passiert ist mit dem zu tun, was vor ein paar Jahren mit der malaysischen Boeing passiert ist? Wo ist der Zusammenhang? Es gibt überhaupt keinen. All das wird den Lesern, der öffentlichen Meinung, in einer seltsamen Reihenfolge präsentiert. Man sollte meinen, so etwas wäre unmöglich. Und es wird nicht von Menschen fernab der Ermittler oder der Regierung mitgeteilt, die Romane schreiben oder mit neuen Verschwörungstheorien kommen, es wird von Beamten der Regierung getan. Dabei fühlt man sich, um ehrlich zu sein, schlecht.

Ich möchte auch hinzufügen, dass es inakzeptabel ist und was es für die Angehörigen der Opfer bedeutet, über die Tragödie im Iran zu spekulieren, um politisch motivierte Anschuldigungen gegen Russland voranzutreiben. Bloks unbegründete Forderung, Russland solle „die Schuld eingestehen“ für den Absturz des malaysischen Flugzeugs in der Ukraine, nur weil ein ukrainisches Flugzeug im Iran abgeschossen wurde, ist unangemessen, inakzeptabel und entbehrt jeder gesunden Logik. Der niederländische Minister vergisst den entscheidenden Unterschied zwischen diesen Vorfällen: Die von der russischen Seite im Fall MH17 vorgelegten Beweise zeigen, dass die Anschuldigungen gegen Russland völlig unbegründet sind. Blok übersieht auch erneut die klare Verwicklung der Ukraine in die Katastrophe, die den Luftraum über dem Konfliktgebiet trotz der diesbezüglich vorgebrachten Bedenken des niederländischen Parlaments nicht geschlossen hat.

Ende der Übersetzung


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“