Gesundheit, Natur & Spiritualität

Was Ihnen Ihr Arzt über „evidenzbasierte Medizin“ verheimlicht

11. Januar 2020

Der Arzt hat für viele Patienten nach wie vor den Status als „Gott in weiß“. Den Arzt hinterfragen? Geht gar nicht. Denn die Meinung des Arztes sollte stets respektiert und akzeptiert werden.

Aber was, wenn ein Arzt auch mal falsch liegt oder etwas nicht weiß? Was, wenn eine vorgeschlagene Therapie mal nicht so anschlägt wie sie sollte?

Offiziell hält sich jeder Arzt an die Leitlinien für evidenzbasierte Medizin und empfiehlt nur Therapien, die darin eine Rolle spielen. Doch es gibt Dinge, die Ihnen Ihr Arzt – und besonders Ihr Hausarzt – über evidenzbasierte Medizin verschweigt, Sie aber dennoch interessieren könnte.

Eine kritische Betrachtung unseres Medizinsystems.

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Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Martin Auerswald. Martin ist studierter Biochemiker und Molekularer Biotechnologe. Er hat sich gegen eine Karriere in der Pharmabranche entschieden, um das Wissen für nachhaltige Gesundheit zu vermitteln, anstatt neue Medikamente zu entwickeln. Auf SchnellEinfachGesund finden Sie mehr Beiträge von ihm.

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Chronische Erkrankungen – Eine große Herausforderung für unser Gesundheitssystem

Ich habe großen Respekt vor Ärzten. Was jeder Mediziner in seinem Studium und danach leisten muss, ist enorm.

Doch ich mag es überhaupt nicht, wenn Mediziner ihr Wort und Wissen als unfehlbares Gesetz ansehen und stets bevorzugt die Medikamenten-Keule schwingen, selbst wenn es auch natürlichere und nachhaltigere Alternativen gibt. Dagegen soll sich dieser Beitrag richten.

Eine wichtige Todesursache in diesem Land sind „iatrogene Krankheiten“. Das sind Krankheiten, die durch falsches ärztliches Handeln sowie Nebenwirkungen von Medikamenten hervorgerufen werden. Das heißt übersetzt: Auch Ärzte machen Fehler. Häufig sogar.

Schlimm ist, wenn eine falsche medikamentöse Behandlung durchgeführt wird. Noch schlimmer ist es jedoch, wenn natürliche Behandlungskonzepte bei chronischen Erkrankungen keine Rolle spielen und als „nicht evidenzbasiert“ abgetan werden.

Was chronische Erkrankungen angeht, ist Deutschland in Europa Spitzenreiter.

Betrachtet man die aktuellen Betroffenenzahlen und Krankheitskosten für chronische Erkrankungen in Deutschland und die stete Zunahme, kommt man zu einem eindeutigen Ergebnis: Unser jetziges Medizinsystem wird so nicht mehr lange existieren können.

Bluthochdruck, Depressionen, Rückenschmerzen, Typ 2 Diabetes und Autoimmunerkrankungen verschlingen schon jetzt einen großen Teil der Krankheitskosten und werden dies auch in Zukunft immer stärker tun. Die Betroffenenzahlen explodieren seit 30 Jahren förmlich.

Das Problem mit unserem Medizinsystem

Das Problem mit unserem Medizinsystem ist, dass es „rein evidenzbasiert“ arbeitet und für chronische Erkrankungen fast nur die Verschreibung von Medikamenten vorsieht.

Die Ursachen, die die jeweilige Krankheit auslösen und verschlimmern, spielen in diesem Szenario keine Rolle. Mit Medikamenten können chronische Erkrankungen jedoch nur kontrolliert, aber nicht „geheilt“ werden.

Die Ursachen für jene Erkrankungen liegen zu über 80 % in unserer Lebensführung – Ernährung, Stress, Sport, innere Glaubenssätze, Nährstoffdefizite. Diese Ursachen mit Medikamenten beseitigen? Funktioniert nicht.

Warum eine ursachenbetonte Behandlung, die etwa eine angepasste Ernährung vorsieht, in unserer Medizin keine Rolle spielt? Weil sie offiziell nicht evidenzbasiert ist – und weil nur die wenigsten Mediziner wissen, wie eine ursachenbetonte Behandlung wirklich geht.

Was bedeutet „Evidenzbasiert“ wirklich?

Der Begriff „evidenzbasiert“ wurde 1996 von D.L. Sackett erstmals beschrieben, um Patienten vor pseudowissenschaftlichen Behandlungen zu schützen.

„Evidenzbasiert“ ist demnach die Forderung, die Behandlung eines Patienten sowohl

  1. a) nach der klinischen Erfahrung des behandelnden Arztes als auch
  2. b) nach vorliegender Studien-Evidenz abzuwägen.

Das bedeutet, eine Behandlung ist evidenzbasiert, wenn wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit bestätigen und/oder es bereits klinische Erfahrung damit gibt. In der Realität sieht das so aus, dass sich Mediziner, Ärztekammer und Leitlinien nur nach Studien-Evidenz orientieren.

Klinische Erfahrung nimmt nur mehr eine untergeordnete Rolle ein – was fatal ist. Denn es gibt Behandlungskonzepte, die eine langjährige Erfahrung hinter sich haben, aber (noch) keine Studien höchsten Standards.

Warum unser Gesundheitssystem nicht funktioniert

Ein Mediziner empfiehlt eine Behandlung nur, wenn sie auch evidenzbasiert ist. Dabei wird nur die Studien-Evidenz betrachtet, immer weniger die klinische Erfahrung.

Das bedeutet, es müssen ausreichend gute Studien existieren, die eine Wirksamkeit belegen, um eine Behandlung zu empfehlen.

Der Goldstandard für klinische Studien ist das sogenannte Placebo-Doppelblind-Design. Es gibt also eine Gruppe, die bekommt eine Behandlung sowie eine Gruppe, die bekommt das Placebo. Sowohl Arzt als auch Patient wissen nicht, wer das Placebo bekommt, und wer nicht.

Das ist eine sehr gute Herangehensweise für Medikamente. Doch was ist mit Behandlungen, die nicht auf Medikamenten aufbaut? Was ist mit Stressbewältigung, Nährstofftherapie und gesunder Ernährung? Diese Behandlungen können schlichtweg nicht nach demselben Studiendesign wie ein Medikament untersucht werden.

Doch genau das wird gefordert, damit eine Behandlung akzeptiert wird.

Eine gesunde Ernährung ist nicht evidenzbasiert, weil sie nicht „verblindet“ werden kann (der Patient sieht, was er isst) und weil sie zu komplex ist.

Die meisten chronischen Erkrankungen können mit Anpassungen in der Lebensführung positiv beeinflusst, wenn nicht sogar geheilt werden. Doch dies wird sich im aktuellen Medizinsystem nicht durchsetzen. Allein schon, weil die wirtschaftlichen Interessen hinter Medikamenten zu stark sind im Vergleich zur gesunden Ernährung, die erfahrungsgemäß keine eigene Lobby hat.

Ein Medizinsystem, das nur Behandlungen mit Studien-Evidenz zulässt, welche wiederum nur Medikamente erfüllen können, wird keine gesunde Ernährung in Betracht ziehen.

Medikamente werden also immer mehr bevorzugt, natürliche Behandlungsmethoden vernachlässigt. Während die Zahl chronischer Erkrankungen und die Behandlungskosten immer mehr steigen.

Wir erinnern uns an die Definition von „evidenzbasiert“: Es reicht bereits, wenn eine Behandlung längere Zeit erfolgreich (über 30 Jahre) angewandt wird, um evidenzbasiert zu sein. Studien sind nicht zwingend nötig. Aber genau das sind sie in unserer Behandlungs-Realität.

Gute Alternativen zu schlechten Behandlungen

Die meisten Ärzte orientieren sich für ihre evidenzbasierten Empfehlungen also nur an Medikamenten, nicht an natürlichen Behandlungskonzepten. Hinzu kommt, dass natürliche Behandlungen in der Ausbildung der meisten Ärzte nur eine untergeordnete Rolle spielen, wenn überhaupt.

Es ist die Aufgabe des Arztes, die ideale Behandlung für ein Problem vorzuschlagen. Wenn die Behandlungen nur auf Medikamente eingeschränkt werden, ist in vielen Fällen keine erfolgreiche, nachhaltige Therapie möglich.

In dem Sinne ist ein Arzt, der nur Medikamente verschreibt und alles Natürliche außer Acht lässt, nicht der Therapeut, der er sein sollte.

Was bedeutet das für Betroffene chronischer Erkrankungen? Was können Sie tun?

  1. Sie haben freie Auswahl bei der Ärztewahl. Wenn Sie mit einem medizinischen Problem einen Arzt aufsuchen und dieser Ihnen keine zufriedenstellende Lösung anbieten kann, dürfen Sie einen anderen Arzt aufsuchen. Holen Sie sich eine zweite, wenn nicht dritte Meinung ein und begeben Sie sich bei einem Mediziner in Behandlung, der kompetent ist und auch natürliche Lösungen anbietet.
  2. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, welche Behandlungen noch unterstützt werden. Viele gesetzliche Krankenkassen unterstützen mittlerweile etwa Kurse und Seminare in Stressprävention.
  3. Es gibt noch andere therapeutische Berufe. Ergänzend zu Ihrer medizinischen Behandlung können Sie auch Heilpraktiker, Ernährungsberater oder Personal Coaches aufsuchen, um Sie zu unterstützen. Wenn ein Arzt nicht das Wissen für eine natürliche Behandlung vorweist, können Sie sich jemanden suchen, der es hat.
  4. Informieren Sie sich selbst. Es gibt immer mehr Bücher, Ratgeber, Websites und Austauschmöglichkeiten zu Ihrem jeweiligen medizinischen Problem. Suchen und finden Sie diese Möglichkeiten und machen sich selbst schlau. Vielleicht hilft Ihnen das, an den richtigen Therapeuten zu kommen.
  5. Nehmen Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand. Nicht der Arzt ist verantwortlich für Ihre Gesundheit, sondern Sie. Überlegen Sie, was Sie selbst tun können, um gesünder zu sein – eine gesunde Ernährung, Sport, gezielte Nahrungsergänzung und Stressreduktion sind nur einige Möglichkeiten.