Politik

Fall Epstein: Autopsiefotos wecken weitere Zweifel an der offiziellen Selbstmordthese

11. Januar 2020

Fotos von Epsteins Autopsie haben bei Experten den Verdacht erhärtet, Epstein wäre ermordet worden. Leider berichten die deutschen „Qualitätsmedien“ darüber nicht.

Der Epstein-Skandal ist der vielleicht größte Skandal des bisherigen Jahrhunderts. Immerhin besteht der Verdacht, Epstein habe Vertretern der US-Elite, wie zum Beispiel Bill Clinton, minderjährige Prostituierte zugeführt und den Sex sogar heimlich gefilmt. Wenn das stimmt, hätte Epstein tausende belastende Videos mit so ziemlich allen, die in den USA in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und auch Hollywood Rang und Namen haben. Damit hätte Epstein – oder eventuelle Hintermänner – diese Leute in der Hand, was praktisch eine unbegrenzte Macht bedeutet hätte.

Das ist natürlich Spekulation, Fakt ist lediglich, dass Epstein minderjährige Prostituierte an Prominente vermittelt hat. Natürlich wird darüber in Deutschland so wenig wie möglich berichtet, wenn sich nicht gerade Prinz Andrew für schlau hält und ein Interview zu dem Fall gibt. Das war ein PR-Super-GAU und sogar die deutsche Presse konnte das Thema Ende November nicht ignorieren.

Danach bemühte sich der Spiegel jedoch schon wieder um Schadensbegrenzung und hat Anfang Dezember einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Prostitution von Minderjährigen nicht mehr erwähnt hat, sondern struntzdumm gefragt hat, wie es sein könnte, dass alle seine prominenten Gäste nichts davon mitbekommen hätten, dass Epstein sich an Minderjährigen vergeht. Dass es in Wahrheit darum geht, dass diese prominenten Gäste selbst die Minderjährigen zugeführt bekommen haben sollen, hat der Spiegel da schon nicht mehr berichtet.

Epstein hat dann das Kunststück fertig gebracht, sich in einem Hochsicherheitsgefängnis zu erhängen, so die offizieller Version. Wie es der Zufall will, haben sämtliche Überwachungskameras bei Epsteins Zelle in der Nacht seines Selbstmordes nicht funktioniert. Und die Wachen, die ihn regelmäßig kontrollieren sollten, haben das in der Nacht nicht getan und ihre Protokolle gefälscht. Gegen diese Wachleute wurde Anklagen erhoben. Auch die Anwälte von Epstein zweifeln die Selbstmordthese an und sogar ein in den USA berühmter Pathologe, der bei der Obduktion von Epstein dabei war, zweifelt die offizielle Version an und spricht von „Beweisen für Mord“. Und auch der Richter, der den Fall Epstein verhandeln sollte, hat in einem Brief mitgeteilt, dass es seiner Meinung nach „undenkbar“ ist, dass Epstein sich im Gefängnis umgebracht haben kann.

Nun hat die US-Sendung „60 Minutes“ einen weiteren Pathologen zu dem angeblichen Selbstmord befragt. Und auch der bezweifelt den Selbstmord, weil in Epsteins Hals drei Knochen gebrochen waren, was es seiner Aussage nach bei über 1.000 Selbsterhängungen in New Yorker Gefängnissen in den letzten Jahrzehnten nicht ein einziges Mal gegeben habe. Diese Brüche finde man seiner Meinung nach nur, wenn jemand erdrosselt wurde, nicht aber bei Selbstmord.

“I have never seen three fractures like this in a suicidal hanging.”

Dr. Michael Baden lays out the forensic reasons why he’s skeptical of the medical examiner’s ruling that Jeffrey Epstein killed himself. **This video contains graphic images.** https://t.co/LnSZA1bIB1pic.twitter.com/J46XhGfGws

— 60 Minutes (@60Minutes) January 6, 2020

Und noch etwas macht skeptisch und man muss kein Experte sein, um das zu verstehen: Wenn sich jemand erhängt, dann sind die Strangulierungsmale oben am Hals, unmittelbar unter dem Kopf. Bei Epstein jedoch verliefen sie in der Mitte des Halses und es ist auf den Fotos eine sehr dünne Linie an Epsteins Hals zu sehen, die nicht zu dem Laken passt, mit dem Epstein sich nach offizieller Lesart selbst erhängt haben soll. Laut dem Experten deuten die Verletzung bei Epstein auf Erdrosseln mit einem Kabel hin.

 


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“