97-pro­zen­tiger Kli­ma­konsens? Analyse des zweiten Teils der Cook-Studie

Vor einem Monat wurde hier ein Beitrag ver­öf­fent­licht, in dem Markus Fiedler die Cook-Studie unter­sucht hat, die den Medien als Grundlage für die Behauptung dient, 97% der For­scher seien sich einig, dass der Kli­ma­wandel men­schen­ge­macht sei. Das hat für einigen Wirbel gesorgt, daher gibt es hier eine Ergänzung von Markus Fiedler.

Bevor wir zu dem neuen Beitrag von Fiedler kommen, noch drei kleine Anmer­kungen von mir.

Erstens: Da der Artikel von Fiedler sehr lang und „trocken“ war, habe ich die Ergeb­nisse in einem zweiten Artikel zusam­men­ge­fasst, da ich nicht sicher war, ob viele Men­schen den langen Artikel lesen würden. Ich muss mich dafür ent­schul­digen und sagen: „Ich bin stolz, solche Leser zu haben!“, denn der Artikel von Fiedler wurde nicht nur mehr gelesen, als meine Zusam­men­fassung, er ist sogar der bisher meist­ge­lesene Artikel in der Geschichte des Anti-Spiegel.

Zweitens: Weder Fiedler, noch ich haben in den Artikeln Aus­sagen zum Kli­ma­wandel selbst oder zur Frage, in wie weit der Mensch das Klima beein­flusst gemacht. Es ging aus­schließlich um die Cook-Studie und die Frage, ob sie wis­sen­schaft­lichen Stan­dards ent­spricht und daher als Beleg für die 97-pro­zentige Einigkeit der Wis­sen­schaftler her­halten kann.

Drittens: Ich äußere mich nie zum Kli­ma­wandel oder seinen Ursachen. Ich bin kein Wis­sen­schaftler und maße mir nicht an, mich mit meinem lai­en­haften Wissen dazu zu äußern. Aber ich äußere mich dazu, wie das Thema von Medien, Wirt­schaft und Politik instru­men­ta­li­siert wird, um Ziele zu erreichen, die oft mit dem Klima oder dem Umwelt­schutz rein gar nichts zu tun haben. Außerdem berichte ich immer wieder darüber, wie Studien mani­pu­liert werden und dann trotzdem von Politik und Medien genutzt werden, um bestimmte Themen zu pro­pa­gieren. Das gilt auch für die Cook-Studie.

Damit genug der Vorrede, ab hier zitiere ich den Beitrag von Markus Fiedler, in dem er auf einige berech­tigte Anmer­kungen und Kri­tik­punkte eingeht und in dem er vor allem auch den zweiten Teil der Studie unter­sucht hat.

Beginn des Artikels von Markus Fiedler:

Ein­leitung

Im letzten Artikel habe ich mich aus­führlich zur Cook-Studie „Quan­ti­fying the con­sensus on anthro­po­genic global warming in the sci­en­tific lite­rature“ von 2013 und deren sehr krea­tiven Umgang mit Zahlen ausgelassen.

In Summe kam ich zur ersten Hälfte der Cook-Studie zu fol­gendem Ergebnis:

In 99,46 % aller wis­sen­schaft­lichen Arbeiten ist eine Zustimmung zur These des über­wie­genden Anteils des Men­schen am Kli­ma­wandel nicht erkennbar. Viele halten den Anteil des Men­schen für geringer oder macht keine klare Aussage dazu. Die über­wie­gende Mehrheit von mehr als 66% macht keine Aussage zu dieser Fra­ge­stellung. Ein geringer Teil lehnt gar einen über­wie­genden oder wenigstens maß­geb­lichen mensch­lichen Anteil am Kli­ma­wandel ein­deutig ab.

Lediglich 0,54% aller Ver­öf­fent­li­chungen behaupten einen über­wie­genden Anteil des Men­schen am Klimageschehen.

Außerdem ist die Daten­basis der Studie feh­ler­be­haftet, zahl­reiche Ver­öf­fent­li­chungen sind in falsche Kate­gorien ein­ge­ordnet, was eine Stich­probe ergab. Das könnte bei noch­ma­liger Prüfung die ermit­telten Anteile der Ver­öf­fent­li­chungen deutlich zu Gunsten der Ablehner des über­wie­genden Anteils den Men­schen verschieben.

Weil dieses Ergebnis nicht mit der zusam­men­fas­senden Aussage von Cook et al. über­ein­stimmte, dass ganze 97,1% aller Arbeiten dem „Kli­ma­konsens“ des über­wiegend mensch­ge­machten Kli­ma­wandels zustimmten, war es wert, dazu eine Ver­öf­fent­li­chung zu machen. Der 14 Din A4 Seiten umfas­sende Artikel wurde aus­nahms­weise als Gast­ar­tikel auf anti-spiegel.ru veröffentlicht.

Thomas Röper von Anti-Spiegel.ru bestä­tigte mir inzwi­schen, dass mein Artikel der meist­ge­lesene Artikel seiner Seite sei. Alleine schon wegen des starken öffent­lichen Inter­esses lohnt es sich, das Thema weiter zu ver­tiefen was ich hiermit mache.

Fehler

Es ist bei so vielen Lesern nach­voll­ziehbar, dass mich viele Briefe erreichten. Neben sehr viel Zuspruch waren da auch einige kri­tische Zuschriften, die zu Recht bemän­gelten, dass ich selbst Fehler bei der Neu­ein­ordnung von wis­sen­schaft­lichen Ver­öf­fent­li­chungen gemacht habe.

Diese Fehler sind inzwi­schen in der tabel­la­ri­schen Zusam­men­fassung der Abs­tracts im Artikel auf meiner Homepage behoben und dort in den aktua­li­sierten Artikel ein­ge­flossen. Dort wurden auch die Kor­rek­turen am Ende des Artikels dokumentiert.

Der alte Artikel ist in seiner ursprüng­lichen Form bei „anti-spiegel.ru“ einsehbar.

Falsch ins Deutsche übersetzt?

Ein wei­terer Kri­tik­punkt war, dass ich die Zustim­mungs­gruppen von Cook et al. und ein Zitat aus dem „Handbuch zum Konsens“ falsch über­setzt hätte bzw., dass die Über­setzung in der deut­schen Version des Hand­buchs falsch sein solle.

Diese Kri­tik­punkte sind leider noch nicht einmal im Ansatz korrekt.

Die von mir über­setzten Zustim­munsgka­te­gorien stammen aus dem Roh­da­tensatz der Cook-Studie. Inhaltlich unter­scheiden sich diese nicht von den Zustim­mungs­ka­te­gorien in der ver­öf­fent­lichten Studie.

Es gibt zusätzlich Streit über fol­genden Satz aus der Ein­leitung von Cooks Studie:

Among abs­tracts expressing a position on AGW, 97.1% endorsed the con­sensus position that humans are causing global warming. 

Heißt dieser Satz über­setzt nun:

Unter den Abs­tracts, die eine Position zur mensch­ge­machten bzw. anthro­po­genen glo­balen Erwärmung (AGW) aus­drücken, befür­worten 97,1% den Konsens, dass Men­schen die globale Erwärmung verursachen.

(Auto­ma­tische Über­setzung durch Google Translator)

Oder aber soll es heißen:

Unter den Abs­tracts, die eine Position zur mensch­ge­machten bzw. anthro­po­genen glo­balen Erwärmung aus­drücken, befür­worten 97,1% den Konsens, dass Men­schen globale Erwärmung verursachen.

(Gemeint ist hier nur ein Teil der glo­balen Erwärmung)

In der Tat drücken sich Cook et al. hier nicht ein­deutig aus.

Ver­gleicht man jedoch diese Äußerung mit anderen Äuße­rungen aus der von Cook aut­ho­ri­sierten deut­schen Über­setzung zum „Konsens-Handbuch“ , dann findet man darin sehr ein­deutige Aus­for­mu­lie­rungen zu dieser Fragestellung:

Zum Bei­spiel das Zitat:

97% der Kli­ma­for­scher haben aus der Beweislage geschlossen, dass der Mensch den aktu­ellen Kli­ma­wandel verursacht.

Cook, J., van der Linden, S., Maibach, E., & Lewan­dowsky, S. (2018). The Con­sensus Handbook. DOI:10.13021/G8MM6P. Seite 1. Her­vor­hebung durch den Autor.
Ver­fügbar unter http://www.climatechangecommunication.org/all/consensus-handbook/

oder aber:

Den aktu­ellen Stand des wis­sen­schaft­lichen Kon­senses (97%) zu ver­mitteln, erhöht nicht nur den wahr­ge­nom­menen Konsens. Es steigert auch die Akzeptanz der Tat­sache, dass die globale Erwärmung real und men­schen­ge­macht ist und ein ernst­haftes Problem darstellt.

Cook, J., van der Linden, S., Maibach, E., & Lewan­dowsky, S. (2018). The Con­sensus Handbook. DOI:10.13021/G8MM6P. Seite 18. Her­vor­hebung durch den Autor.
Ver­fügbar unter http://www.climatechangecommunication.org/all/consensus-handbook/

Jetzt könnte man argu­men­tieren, dass hier der Über­setzer abermals feh­lerhaft gear­beitet hat. Das kann man aber so nicht stehen lassen. Denn wir lesen u.a. fol­gendes in der deut­schen Fassung des Handbuchs:

Deutsche Über­setzung: Bärbel Winkler, Timo Lubitz, Thomas Traill

Cook, J., van der Linden, S., Maibach, E., & Lewan­dowsky, S. (2018). The Con­sensus Handbook. DOI:10.13021/G8MM6P. Seite 0.
Ver­fügbar unter http://www.climatechangecommunication.org/all/consensus-handbook/

Die an erster Stelle genannte Bärbel Winkler, die hier als Haupt­ver­ant­wort­liche für die Über­setzung ange­geben ist, ist die gleiche Bärbel Winkler, die auch an der Studie mit­ge­wirkt hat. Ein Leser darf hier davon aus­gehen, dass zwi­schen Frau Winkler und Herrn Cook ein so enger Aus­tausch statt­findet, dass die wich­tigste und zen­trale Aussage der Studie sauber über­setzt wurde.

Und John Cook und sein Team setzen hier noch einen drauf.

„Lassen Sie sich das auf Ihrer Klein­hirn­rinde zer­gehen“, würde Ken Jebsen an dieser Stelle sagen. Lesen Sie das obige Zitat einmal genau.

97% der Kli­ma­for­scher haben aus der Beweislage geschlossen, dass der Mensch den aktu­ellen Kli­ma­wandel verursacht.

Es gäbe also demnach einen Konsens, der besagte, dass der Mensch nicht nur den über­wie­genden Anteil am Kli­ma­wandel zu ver­ant­worten hätte (also mehr als 50%) sondern er hätte DEN Kli­ma­wandel zu ver­ant­worten. Die Menschheit hätte demnach die gesamte globale Erwärmung alleinig zu ver­ant­worten! Das ent­spräche 100% mensch­lichem Einfluss.

Das ist eine Aussage, die die Studie von Cook und Kol­legen mit ihrer Methodik gar nicht erbringen kann, denn darin wurde maximal ein Zustim­mungs­gruppe abge­fragt, die dem Men­schen einen Anteil von über 50% am Kli­ma­ge­schehen zuschreibt. Hier wird also sehr fle­xibel mit den Stu­di­en­ergeb­nissen in dem Handbuch zum Kli­ma­konsens umgegangen.

Und es bleibt hier die Befürchtung, dass diese unein­deutige und sprachlich sehr sport­liche Wortwahl volle Absicht sein könnte. Ich komme am Ende nochmal auf diesen Punkt zu sprechen.

Die zen­trale Fra­ge­stellung bleibt:

Ist es wis­sen­schaftlich zulässig, fol­gende drei Kate­gorien (bzw. Zustim­munsg­gruppen) unter dem Statement “ Unter den Abs­tracts, die eine Position zu AGW (anthro­po­genen glo­balen Erwärmung) aus­drücken, befür­worten 97,1% den Konsens, dass Men­schen die globale Erwärmung ver­ur­sachen. “ zusammenzufassen?

(1) Explicit endor­sement with quan­ti­fi­cation / Expli­citly states that humans are the primary cause of recent global warming

(2) Explicit endor­sement without quan­ti­fi­cation / Expli­citly states humans are causing global warming or refers to anthro­po­genic global warming/climate change as a known fact

(3) Implicit endor­sement / Implies humans are causing global warming. E.g., research assumes green­house gas emis­sions cause warming without expli­citly stating humans are the cause

Ins Deutsche über­setzt wäre dies:

(1) Explizite Bestä­tigung mit Quantifizierung Stellt aus­drücklich fest, dass der Mensch die Haupt­ur­sache der jüngsten glo­balen Erwärmung ist
(2) Explizite Bestä­tigung ohne Quantifizierung Aus­drücklich heißt es, dass Men­schen die globale Erwärmung ver­ur­sachen oder dass die anthro­pogene globale Erwärmung / der Kli­ma­wandel eine bekannte Tat­sache ist
(3) Implizite Bestätigung Impli­ziert, dass Men­schen die globale Erwärmung ver­ur­sachen. Die For­schung geht bei­spiels­weise davon aus, dass Treib­haus­gas­emis­sionen eine Erwärmung ver­ur­sachen, ohne explizit anzu­geben, dass Men­schen die Ursache sind

(Zu den davon leicht abwei­chenden aber inhaltlich iden­ti­schen For­mu­lie­rungen aus dem Roh­da­tensatz bitte in den vor­an­ge­gan­genen Artikel schauen.)

Nach meiner Kon­trolle der Kate­gorie 2 mit einer nicht reprä­sen­ta­tiven Stich­probe von inzwi­schen 98 Arbeiten kann ich mit Sicherheit sagen, dass keiner der von mir gefun­denen Abs­tracts aussagt, dass der über­wie­gende Anteil des Kli­ma­wandels vom Men­schen erzeugt ist, schon gar nicht, dass 100% des Kli­ma­ge­schehens mensch­liche Ursachen hätte.

In Kate­gorie 3 finden wir noch schwam­migere For­mu­lie­rungen. Auch hier sind offenbar nur wis­sen­schaft­liche Ver­öf­fent­li­chungen abgelegt, die zwar irgendwie einen Anteil des Men­schen am Kli­ma­wandel indirekt pos­tu­lieren aber nichts genaues zur Größe dieses Anteils aus­sagen, oder aber noch nicht einmal explizit den Men­schen als (eine) Ursache (von vielen) des Kli­ma­wandels erwähnen. Letztere wurden dann vom Team um John Cook so inter­pre­tiert, dass da eine kli­ma­kon­sens­be­für­wor­tende Aussage drin wäre.

Unterm Strich bleibt also die ernüch­ternde Fest­stellung: Nein, es ist nicht zulässig, diese drei Kate­gorien in einen Topf zu werfen.

Diese Zusam­men­fassung von Kate­gorien 1 bis 3 gab es wohl nur, um eine größt­mög­liche Menge an wis­sen­schaft­lichen Ver­öf­fent­li­chungen wider aller Logik und wahr­heits­ge­mäßer Aussage unter dem Satz…

Unter den Abs­tracts, die eine Position zu AGW aus­drücken, befür­worten 97,1% den Konsens, dass Men­schen die globale Erwärmung verursachen.

Auto­ma­tische Über­setzung durch Google und sinn­gemäß kor­rekte Über­setzung nach Abgleich mit dem „Con­sensus Handbook“.

… zusam­men­zu­fassen. Das ist kein sau­beres wis­sen­schaft­liches Vor­gehen und eine vor­sätz­liche Täu­schung des Lesers.

Der zweite Teil der Cook-Studie

Ich habe in meiner ersten Ver­öf­fent­li­chung zum Kli­ma­konsens auf den zweiten Teil der Cook Studie keinen Bezug genommen.

Der Grund: Ich hatte zu dem Zei­tu­punkt dazu schlicht keine Roh­daten gefunden. „Keine Roh­daten“ heißt auto­ma­tisch, dass man hier nichts über­prüfen kann. Die Nicht-Erwähnung wurde mir zum Vorwurf gemacht, zumal der zweite Teil der Studie ja die gefun­denen 97% Konsens des ersten Teils bestä­tigen würden. Abge­sehen davon, dass ich in allen Inter­views auf den zweiten Teil hin­ge­wiesen habe, ist dieser Vorwurf in jedem Fall Nonsens: Der Rechenweg und das daraus resul­tie­rende Ergebnis im ersten Teil von Cooks Arbeit wurden von mir bean­standet. Die Leser igno­rieren die offen­sicht­lichen Fehler des ersten Teils der Studie und behaupten einfach, dass der zweite Teil ja die Rich­tigkeit des ersten Teils bestä­tigte. Selbst wenn der zweite Teil richtig gerechnet wäre und zum gleichen Ergebnis führen würde, ist das keine Bestä­tigung des Ergeb­nisses des ersten Teils. Aber hätten sich die Kri­tiker meines Artikels einmal vorher Cooks Roh­daten zum zweiten Teil wirklich durchgelesen…

Cook et al. behaupten zum zweiten Teil:

In einer zweiten Phase dieser Studie haben wir Autoren ein­ge­laden, ihre eigenen Arbeiten zu bewerten. Im Ver­gleich zu abs­trakten Ratings äußerte ein gerin­gerer Pro­zentsatz der selbst­be­wer­teten Papiere keine Position zu AGW (35,5%). Unter den selbst­be­wer­teten Bei­trägen, die eine Position zu AGW aus­drücken, befür­worten 97,2% den Konsens.

Auto­ma­tische Über­setzung, vgl. mit Cook et al.: Quan­ti­fying the con­sensus on anthro­po­genic global warming in the sci­en­tific lite­rature. Envi­ro­mental research letters, 2013 IOP Publi­shing Ltd.
https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748–9326/8/2/024024

Die Glaub­wür­digkeit dieser Aussage leidet daran, dass wir bereits wissen, dass der erste Teil der Cook-Studie zum Kli­ma­konsens eine voll­kommen irre­füh­rende Zusam­men­fassung enthält.

Grund­le­gende Regel in der Natur­wis­sen­schaft ist: Ergeb­nisse müssen nach­prüfbar und unter gege­benen Bedin­gungen wie­der­holbar sein.

Zur Über­prüf­barkeit gehört auch, dass man die Roh­daten zu einer Arbeit veröffentlicht.

Nachdem meine Anfrage zum ersten Teil der Arbeit von John Cook igno­riert wurde habe ich jetzt nach einer schrift­lichen Anfrage zu den Roh­daten des zweiten Teils innerhalb weniger Minuten eine Antwort-Email erhalten, die mich zu fol­gender Seite leitete:

https://skepticalscience.com/tcp.php

Darin zu finden sind tat­sächlich auch die Roh­daten zum zweiten Teil der Studie.

https://skepticalscience.com/docs/self_vs_abstracts_private.txt

Wer sich diesen Datensatz durch­liest findet dies hier:

Year Abs­tract Self

1991 4 3.0000

1991 4 1.0000

1991 3 3.0000

1991 4 4.0000

1991 3 2.0000

1991 4 3.0000

1991 4 5.0000 […]

Auszug aus dem Datensatz zur zweiten Hälfte von Cooks Studie.

Sie ver­stehen hier nur „Bahnhof“? Cook et al. erklären dazu, dass die Daten anony­mi­siert sind. Den Grund dafür habe ich auf die Schnelle auf den Seiten von Cook et al. nicht finden können. Wie plau­sibel so eine Anony­mi­sierung oder ein Daten­schutz ist, über­lasse ich dem Urteil des Lesers.

Im Datensatz sehen Sie fol­gendes: Die erste Spalte zeigt das Ver­öf­fent­li­chungsjahr der Studie, die zweite Spalte die Bewertung von Cook et al. und die dritte Spalte die Selbst­be­wertung der Wis­sen­schaftler inkl. der Nachkommastellen.

Durch die Anony­mi­sierung kann man nicht mehr nach­voll­ziehen, auf welche Studien sich hier die Bewer­tungen im Ein­zelnen beziehen. Hier kann man alles behaupten und irgend­welche Zahlen nach Gut­dünken ein­tippen, mit anderen Worten: In diesem Datensatz gibt es massive Mög­lich­keiten zur Mani­pu­lation. Ich unter­stelle das dem Team von John Cook nicht. Aber durch die Daten­am­pu­tation setzen sie sich dem Vorwurf aus, dass man im Nach­hinein die Rich­tigkeit des Daten­satzes als solches nicht mehr nach­prüfen kann. Warum also wurden hier Daten gelöscht?

Durch diese ampu­tierten Daten­ko­lonnen sind eigentlich alle Bemü­hungen und Arbeits­stunden von John Cook und Kol­legen für den zweiten Teil hin­fällig. Wegen der nach­träglich gelöschten Daten und der damit ein­her­ge­henden Unmög­lichkeit, diesen Teil der Arbeit nach­zu­prüfen stellt sich für mich ganz grund­sätzlich der Wille zum wis­sen­schaft­lichen Vor­gehen von Cooks Arbeits­gruppe in Frage.

Methoden

Ich habe mir dennoch die Daten in mein Tabel­len­kal­ku­la­ti­ons­pro­gramm geladen und nach­ge­prüft, wie viele der ein­zelnen Arbeiten in welche Zustim­mungs­gruppe (bzw. ‑Kate­gorie, wie ich es im letztem Artikel genannt habe) zuge­ordnet wurden.

(Ich gehe hier nicht darauf ein, in wiefern Cook et al. im Ver­gleich vom zweiten zum ersten Teil der Studie wis­sen­schaft­liche Artikel laut Rück­mel­dungen der ein­zelnen Wis­sen­schaftler falsch ein­ge­ordnet haben. Das habe ich noch nicht über­prüft und das könnte man zu einem spä­teren Zeit­punkt in einem wei­teren Artikel diskutieren.)

Ergebnis

Das ernüch­ternde Ergebnis meiner kleinen Berech­nungen können Sie hier lesen:

Ergebnis Cook Studie 2013, 2. Teil

Hier können Sie sich die zuge­hörige Open-Office-Tabelle her­un­ter­laden, und meine Berech­nungen nachprüfen.

Kurz zusam­men­ge­fasst:

Die Selbst­ein­schätzung von 1189 Autoren, die sich auf 2142 Studien beziehen, erbrachte fol­gendes Ergebnis:

Immerhin 10,58% der Autoren sind diesmal der Meinung, dass der Mensch den über­wie­genden Anteil am Kli­ma­ge­schehen zu ver­ant­worten hätte. (Gruppe 1) Aber nicht 97,2% !

25,8% der Autoren meinen, dass der Mensch einen Anteil am Kli­ma­ge­schehen hat, nennen aber nicht die Höhe des Anteils. (Gruppe 2)

Und 25,37% der Autoren meinen irgendwie implizit erwähnt zu haben, dass der Mensch ver­ant­wortlich am Kli­ma­ge­schehen ist. (Gruppe 3)

Diesmal wollen sich 36,42% nicht zu dem Thema fest­legen, gehören also laut Cook in Gruppe 4.

Dis­kussion

Das klingt abermals nicht nach 97,2% wie von Cook et al. ein­leitend behauptet.

Fassen wir die ersten drei Zustim­mungs­gruppen zusammen kommen wir laut eigener Daten auf 61,75%.

Ver­gleichen Sie hierzu die Tabelle 4 aus Cooks Arbeit:

(Auto­ma­tische Über­setzung durch Google Translator)

Das ent­spricht ziemlich genau den 62,7% die Cook in seiner Tabelle als Zustimmung zum Konsens der anthro­po­genen glo­balen Erwärmung (AGW) angibt. Ich kann mir nicht erklären, wie die leichte Abwei­chung in den Pro­zent­werten zustande kommt.

Der auf­merksame Leser wird es aber schon ahnen. Cook und Kol­legen haben abermals die ersten drei Zustim­mungs­gruppen wider aller Logik zusam­men­ge­fasst und einfach irre­führend behauptet, alle diese Gruppen würden einem Konsens zustimmen, dass der Mensch den über­wie­genden Anteil am aktu­ellen Kli­ma­wandel hat.

Und abschließend haben sie die Gruppe 4 (die­je­nigen, die keine Aussage machen) wieder aus der Stich­pro­ben­größe her­aus­ge­rechnet, was am Ende zu den sagen­haften 97,2% Konsens führt.

Was ich davon halte, ist inzwi­schen hin­länglich bekannt. Mein Amü­sement hält sich in engen Grenzen.

Man bedenke, dass die 11944 wis­sen­schaft­lichen Artikel, die Cooks Arbeits­gruppe unter­sucht hat nur in die engere Auswahl kamen, weil sie das Ergebnis einer Stich­wort­suche nach ‚global warming‚ (= globale Erwärmung) oder ‚global climate change‚ (= globale Kli­ma­än­derung) waren.

Im Nach­hinein die Stich­pro­ben­größe zu ver­kleinern und ein­zelne Artikel von den Berech­nungen aus­zu­schließen, weil sie keine ein­deutige Position zum Thema geäußert hätten geht hier nicht. Es handelt sich bei den Artikeln bereits um eine Auswahl, denn gelistet sind nur solche, die sich mit dem Thema ‚Kli­ma­wandel‘ beschäf­tigen. Wenn Wis­sen­schaftler zum Thema keine klare Aussage machen, hat das seine Gründe. Auch das muss doku­men­tiert werden.

(Aber selbst wenn man die Arbeiten ohne Mei­nungs­be­kundung zum Kli­ma­wandel von der Stich­probe aus­schließt, kommt man im ersten Teil lediglich auf einen Anteil 1,59% an Arbeiten, die dem Kli­ma­konsens vom über 50%igen Anteil des Men­schen am Kli­ma­wandel zustimmen. Das ist ebenso weit von 97% entfernt. )

Es macht einfach unendlich fas­sungslos, zu sehen, wie leicht­fertig hier mit Zahlen umge­gangen wird. Man kann sich des Ein­drucks nicht erwehren, dass diese Studie einzig dazu dient, Material für Debatten mit soge­nannten „Kli­ma­l­eugnern“ zu liefern.

Und Kli­ma­l­eugner sind laut dem Wiki­pe­dianer Andol alle, die irgendwie skep­tisch sind, was auch nur ein­zelne Teile der offi­zi­ellen Ver­laut­ba­rungen vom IPCC anbe­langt. Andol ist der Wiki­pe­dianer, der sich nur zu gerne am Material von Cook bedient.

Und Andol hat im Wiki­pe­diaar­tikel namens „Leugnung der men­schen­ge­machten glo­balen Erwärmung“ 22 von 29 Ein­trägen des Namens „Cook“ vor­ge­nommen (womit aus­schließlich der hier the­ma­tiserte John Cook gemeint ist). Und ja, Andol ist fast allei­niger Autor dieses Artikels mit über 88%. (Stand 29.01.2020)

Siehe fol­gende Statistik:

Offenbar hat Andol eine besondere Zuneigung zu John Cooks Arbeiten. All das dient nicht zur neu­tralen Unter­richtung des Lesers, sondern zur poli­ti­schen Meinungsbeeinflussung.

Die gezielte Beein­flussung der Mei­nungs­bildung im poli­ti­schen Diskurs ist weder die Aufgabe von Wis­sen­schaft noch die Aufgabe eines Lexikons. Sie sollen allen­falls neu­trale Daten liefern. Mehr nicht!

Und diese angeb­lichen 97,2% Konsens werden gra­fisch sehr schön dar­ge­stellt, damit auch der lese­faulste Zuschauer gleich begreift, dass er als Skep­tiker klar in der Min­derheit wäre:

Skep­tical Science Gra­phics by Skep­tical Science is licensed under a Creative Commons Attri­bution 3.0 Unported License. Based on a work at www.skepticalscience.com.
Quelle: https://skepticalscience.com/graphics.php?g=1

Gerne werden Arbeiten in ein dubioses Lager ein­ge­ordnet, die zum gleichen desas­trösen Ergebnis bzgl. der Cook-Studie kommen. Das geschieht auch in den Medien, die ich regel­mäßig kon­su­miere, also KenFM, Rubikon, Free21, etc. Andere Ver­öf­fent­li­chungen, die unab­hängig von Cooks Studie zu einem ähn­lichen Ergebnis kommen, werden hin­gegen als wichtig betont. Es wird dabei nicht kon­trol­liert, ob da evtl. ähn­liche Zah­len­ma­ni­pu­la­tionen vor­liegen könnten. Das ist Polemik und hat in Sach­dis­kus­sionen nichts ver­loren. Hier findet keine inhalt­liche Aus­ein­an­der­setzung mit den Texten statt, statt­dessen urteilt man über die Qua­lität der Texte mittels eines angeb­lichen gesell­schaft­lichen oder wis­sen­schaft­lichen Ansehens der Ver­fasser oder dem Umfeld, in dem die Texte ver­öf­fent­licht werden. Das ist nicht gut und ist das Gegenteil von der Auf­for­derung zum selbst­stän­digen Denken.

Eine feh­ler­be­haftete Cook-Studie sagt nichts über den Wahr­heits­gehalt anderer Arbeiten aus, die auf dem gleichen Gebiet zu ähn­lichen Ergeb­nissen kommen. Man darf einen Anfangs­ver­dacht äußern, dass da die rest­lichen Studien genauer unter die Lupe genommen werden sollten, mehr aber auch nicht.

Auch umge­kehrt sagt das Ergebnis anderer Studien nichts über die Rich­tigkeit der Cook-Studie aus. Hierzu aus­nahms­weise eine Ana­logie: Ein Schüler, der in einer Mathe­arbeit zum ange­nom­menen rich­tigen Ergebnis kommt, aber im Rechenweg an vielen Stellen grobe Fehler gemacht hat, wird dafür kaum einen nen­nens­werten Teil der zu ver­ge­benden Roh­punkte bekommen. Noch pro­ble­ma­ti­scher wird es, wenn er zwar das Ergebnis seines Nachbarn abge­schrieben hat, jedoch nicht erkannt hat, dass dieser eine andere Variante der Mathe­arbeit zu schreiben hatte.

Es wurde mehrfach der Ein­druck in ver­schie­denen Kom­men­taren erweckt, ich hätte gar nicht erwähnt, dass es andere Studien zum Thema „Klima-Konsens“ gäbe. Dazu ver­weise ich auf fol­genden Absatz meines ersten Artikels:

Wir können auf Basis dieser Daten hier aber noch eine viel wei­ter­ge­hende Frage stellen:

Wie ist es den anderen sieben bekannten Studien zum angeb­lichen Kli­ma­konsens möglich, auf Zustim­mungs­werte bis 99% zu kommen? Die Cook-Studie deckt hier mit 11.944 unter­suchten Ver­öf­fent­li­chungen bereits eine ziemlich große Menge an wis­sen­schaft­lichen Arbeiten und damit auch Äuße­rungen zum Kli­ma­wandel ab. Wenn wir hier einen nur ver­schwindend geringen Anteil an Zustimmung zum angeb­lichen Kli­ma­konsens des IPCC finden, auf welcher Daten­basis kommen dann die anderen Studien zu 99%? Es ergibt sich hier ein erster Anfangs­ver­dacht, dass auch mit diesen Studien etwas nicht stimmen kann. „Further research has to be done.“

Den Ein­druck zu erwecken, ich hätte gar keinen Bezug auf andere Studien genommen ist also grob ver­fäl­schend. Oder aber man hat diesen Abschnitt einfach überlesen.

Hat die Arbeits­gruppe um John Cook sauber gear­beitet? Nein, hat sie nicht! Weder im ersten noch im zweiten Teil der Studie.

Ich bin gespannt, was man noch alles an dem nicht anony­mi­sierten Datensatz zum zweiten Teil her­aus­finden könnte, wenn man ihn denn irgendwo auf­treiben könnte.

Vor­schau auf einen wei­teren Artikel zum Thema

Mich erreichten zahl­reiche Tipps und Zuschriften auf meinen letzten Artikel, die sich im Tenor einig waren, dass der Artikel nur an der obersten Spitze des Eis­bergs kratzte, und da noch mehr Unge­reimt­heiten im Ver­bor­genen liegen.

Auch Prof. Bandelt über­sendete Schriften von nam­haften Wis­sen­schaftlern, die massive Kritik an der Cook-Studie üben. Ich habe mir diese durch­ge­lesen und befinde diese Artikel für äußerst wichtige Bei­träge zum Thema.

Her­vor­heben möchte ich an dieser Stelle zwei aus­führ­liche Bei­träge von

  • Richard Tol (einer der füh­renden Öko­nomen und ehe­ma­liger Mit­ar­beiter beim IPCC = „Welt­kli­marat“ )
  • Andrew Montford (einem Che­miker und Publizist, der zahl­reiche Pro­zesse der Kli­ma­for­schung auf seinem bekannten Bishop-Hill-Blog kri­tisch begleitet.)

Richard Tol und Andrew Montford erheben noch wei­ter­ge­hende Vor­würfe zur Cook-Studie. Sie beleuchten sehr wichtige Dinge, die ich hier nicht besprochen habe. Diese werde ich in einem wei­teren Artikel zum Thema prüfen und zusam­men­fassen. Besonders die Fra­ge­stellung, ob die Cook-Studie ergeb­nis­offen durch­ge­führt wurde wird von den genannten Autoren näher beleuchtet.

Text: Markus Fiedler, Februar 2020


Thomas Röper — www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Ost­europa in ver­schie­denen Ver­si­che­rungs- und Finanz­dienst­leis­tungs­un­ter­nehmen in Ost­europa und Russland Vor­stands- und Auf­sichts­rats­po­si­tionen bekleidet, bevor er sich ent­schloss, sich als unab­hän­giger Unter­neh­mens­be­rater in seiner Wahl­heimat St. Petersburg nie­der­zu­lassen. Er lebt ins­gesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwer­punkte seiner medi­en­kri­ti­schen Arbeit sind das (mediale) Russ­landbild in Deutschland, Kritik an der Bericht­erstattung west­licher Medien im All­ge­meinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vla­dimir Putin: Seht Ihr, was Ihr ange­richtet habt?“