Wirtschaft & Finanzen

Ist das Tor zur Vermögenssicherung versperrt worden? Gibt es jetzt kein Gold mehr zu kaufen?

25. März 2020

Goldbugs – wie man die Fans von Edelmetallen nennt – sind ein leidensfähiges Völkchen. Die echten Insider haben schon lange ihr „Baumwoll-Papiergeld“ wie sie es nennen, in echtes Geld, nämlich Gold und Silber, das seit Jahrtausenden stabiles Geld auf der Welt war, umgetauscht und gebunkert. Wer sich für Gold und Silber interessiert weiß, warum. Nämlich, dass in einer Welt, in der im Computer Kreditgeld aus dem Nichts generiert, Unsummen und gigantomanische Schulden geschaffen werden, die früher oder später in Rauch und Asche aufgehen. Jahrzehnte wurden die Goldbugs ausgelacht. Lange als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt. Und heute zeigt sich: Sie hatten immer recht.

Wer in den Achtziger Jahren eine Unze Gold gekauft hat, legte dafür nur ein paarhundert D-Mark auf den Tisch. In D-Mark umgerechnet, hat sich Gold in der Zeit etwa verachtfacht. Aber, wer das böse Spiel mit dem Fiat-Money verstanden hat, dem ist egal, welcher Papierzettel mit welcher Zahl von irgendeiner Währung als Preisschild dranklebt. Das Papierzeug wird es bald nicht mehr geben, denn wir befinden uns mitten in der Schussfahrt in einen veritablen Crash. Wie würde Frau Bundekanzlerin Dr. Merkel sagen? „Jetzt ist er halt da, der Crash.“ Aber sie sagt nichts. Nicht einmal dann, wenn sie spricht.

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Zuletzt galt es für die Goldbugs noch einmal, tapfer zu sein, als das Gold mit allen anderen Vermögenswerten in die Tiefe rauschte. Vielleicht gibt es auch noch ein paar schmerzhafte Dellen in der nächsten Zeit. Aber nicht, weil Gold „weniger wert“ wäre. Sondern weil Gold verkauft werden musste, um anderweitige Verluste durch den katastrophalen Börsenabsturz zu kompensieren. Es gab also ein gestiegenes Angebot an Gold auf dem engen Markt. Noch schlimmer erwischte es dabei den viel kleineren Silbermarkt. Aber… das ist nur vorübergehend.

Hinter dem kurzfristigen Goldverkauf versteckt sich aber ein Elefant, den niemand sehen will.

Der Goldpreis wird ermittelt aus Angebot und Nachfrage an den Edelmetallbörsen (und da wird schon geschummelt mit trickreichen An- und Verkaufstaktiken). Man muss aber wissen, dass das physische Gold nur ein kleiner Teil des Goldmarktes ist. Der größte Teil besteht aus Goldzertifikaten, ETFs (Exchange Trade Funds). Das sind Papiere, auf denen steht verbrieft, dass man soundsoviel Gold besitzt. Mit dem Goldpreis schwankt somit auch der Wert der Zertifikate und der Handel damit zählt als Goldankauf oder Goldverkauf – und daraus wird der aktuelle Goldpreis ermittelt. Soweit, so gut.

Das Problem ist nur: Soviel Gold, wie es mittels Zertifikaten ge- und verkauft wird, gibt es gar nicht auf der Welt. Der Papiergoldmarkt ist einige hundertmal größer, als der physische Goldmarkt. Das darauf garantierte Gold ist NICHT VORHANDEN, um es einmal klar zu sagen. Bedeutet: Goldzertifikate sind auch nicht sicherer und besser als Aktien, denn sie steigen und fallen mit dem durch den Papierhandel verzerrten Goldkurs, und wenn der im Keller ist, ist das Papier nicht mehr viel wert. Weil es eben das, was Gold so auszeichnet, nicht hat: echten Wert. Intrinsischen Wert. „Intrinsischer Wert“ bedeutet, dass physisches Gold- und Silber seinen Wert im Materialwert des seltenen Edelmetalls besitzt und nicht nur ein Papierzettel ist, der einen Materialwert von etwa zwei Cent hat und problemlos von heute auf morgen zum wertlosen Altpapier erklärt werden kann. Darin besteht seit Jahrtausenden der Wert von Edelmetallen.

Und das führt uns zu der jetzigen Situation. Das Papiergold ist in großen Mengen abgestoßen worden, um bei dem vorher herrschenden Hochstand möglichst viel Geld (Papiergeld) zu erhalten, einerseits, um liquide zu sein. Aber auch, um sofort damit in den physischen Goldmarkt einzusteigen und sein Vermögen zu sichern. Dieser Verkaufsdruck hat den Goldpreis sinken lassen und so konnte man nicht nur die Papiere loswerden, sondern auch noch günstig physische Ware erhalten, die im Tresor gebunkert werden kann… als Sicherung des Vermögens für nach der Krise.

Daran haben aber die Händler wenig Freude. So ergab sich schnell, dass bei dem schlechten Goldpreis beim Erwerb auf physisches Metall Aufschläge zu zahlen waren. Das schreckte jedoch kaum ab. Zu viele wache Leute begreifen, dass wir im Endspiel sind. Man nimmt, was man kriegen kann – und anders als beim Klopapier, kann man da nicht einfach mehr produzieren. Die Verkäufe des Gold Eagle sind im März um 1700% gegenüber Februar gestiegen. Die Märkte sind global im Ausnahmemodus, die Preise unter den Händlern schwanken stark. Alles rennt in die goldenen Rettungsboote und es sind, wie bei der sinkenden Titanic, nicht genug da.

Die Nachfrage nach Goldbarren und Münzen ist explodiert. Gleichzeitig schlägt noch das Corona-Virus zu. Die drei größten Goldschmelzen der Welt liegen im Tessin. Aufgrund des Erlasses der Schweizer Regierung müssen alle Firmen und Produktionen, die nicht lebenswichtige Industrien sind, zuschließen und ihre Mitarbeiter in Coronaferien schicken. Die drei oberitalienischen Goldschmelzen Arcor-Heraeus, Valcambi und PAMP sind mitbetroffen und es gibt kein Gold mehr von dort. Mit jährlich 1500 Tonnen Gold stellen diese drei ein Drittel des gesamten Welt-Jahresangebotes.

Aber auch Prägeanstalten in Südafrika (Krügerrand) und Kanada (Maple Leaf) sind wegen der Virus-Pandemie geschlossen oder stark heruntergefahren worden. Die US-Mint liefert nichts in die Welt, weil die Flugzeuge nicht starten dürfen. Sogar die Münze Österreich hat geschlossen.

Der Papiermarkt wird kollabieren, denn die Eigentümer von Goldzertifikaten werden diese so schnell wie möglich auf den Markt werfen, damit sie noch einigermaßen Geld dafür bekommen, denn bald will niemand mehr solche Papiere haben. Man weiß eben, dass es das darauf verbriefte Metall nicht gibt. Der Papiermarkt und der physische Markt werden folglich getrennte Wege gehen. Käufer des Metalls werden hohe Aufpreise akzeptieren, damit sie überhaupt noch physisches Gold bekommen.

Das Tor zu echtem Gold schließt sich jetzt relativ bald. Wer kann, sollte jetzt noch zugreifen. Noch gibt es ein paar Händler, die Ware haben. Die Kleinen kaum.

Angeblich werden die drei Schweizer Schmelzen im April den Betrieb wieder aufnehmen. Es besteht also noch Hoffnung, dass es dann die begehrten Edelmetalle wieder zu kaufen gibt. Wie lange, ist ungewiss.